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Friedland Lager: Vierte Geschenkübergabe

In diesem Artikel:

4. Geschenkeverteilung: Unsere Willkommensgrüße kommen direkt an! ...und wir brauchen noch viel mehr Kinderwagen.

So etwa 8 oder 9 Wochen alt, ist das Baby von Yara. Das kleine Mädchen liegt auf dem Arm seiner Mutter und trinkt in aller Seelenruhe. Welch ein Segen ist das Stillen, gerade für diese Babys! Wo die Kleine geboren wurde, werde ich nie erfahren. Sicher ist, dass sie bereits ihr ganzes Leben lang flieht. Sicher ist auch, dass Yara kein gemütliches Wochenbett hatte, keine Zeit, sich nach der Geburt in Ruhe zu erholen, das kleine Wunder zu bestaunen und zu geniessen.
Yara kommt aus Syrien. Sie ist, wie die anderen Frauen, die wir heute morgen getroffen haben, vor 3 Tagen mit dem Flugzeug als sogenannter „Kontingent-Flüchtling“ aus einem der Auffanglager nach Friedland gekommen. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem 3-jährigen Sohn, den sie die ganze Zeit an der anderen Hand hält. Sie haben es bis nach Deutschland geschafft. Heute ist ihr erster Tag in dem Kinderhaus. Hier gehen die Frauen mit den kleinen Kindern vormittags hin. Sie lernen ein paar Worte Deutsch, ein wenig Orientierung, es gibt Spielsachen wie in einem Kindergarten und die anderen Mütter, die in der gleichen Situation sind.

Fragende Blicke, als wir in den Raum kommen. Was erwartet uns jetzt wieder, scheinen sie zu denken. Zu dritt sind wir gekommen. Ich versuche es mal auf Englisch, eine Frau sagt, sie versteht es und übersetzt den anderen.

„Herzlich Willkommen“, sage ich, und dass wir in Vertretung von ganz vielen Müttern da sind. Dass wir Geschenke für die Kinder haben und sie wissen lassen wollen, dass wir an sie denken und froh sind, dass sie es bis hierher geschafft haben. Wir haben für jede Frau eine Rose mitgebracht. Die Kinder kriegen große Augen, als sie die Geschenke sehen. Jedes stellt sich vor unsere Messlatte und wir suchen ein passendes Geschenk raus. Strahlende Augen. Wie schön ist das, ein Kind für diesen Moment wenigstens glücklich gemacht zu haben. Sie drücken ihre Päckchen an sich, ein kleiner Junge versucht sofort hineinzugucken, man sieht das offene Paket auf dem Foto.

Später sind wir noch in der Vorschule. Hier sind die etwas größeren Kinder, die alle ganz lieb „Danke“ sagen, als sie ihr Geschenk bekommen.

Eine Übersetzerin hilft zu erklären, was es mit den Geschenken auf sich hat. Es ist kurz nach 12 Uhr, die Kinder werden jetzt hier gerade abgeholt und so sehen wir auch die Eltern.

Eure Geschenke sind nun also angekommen. Die, die wir heute noch nicht verteilt haben, lagern in Friedland und das Kinderhaus, die Vorschule und die Schule können sich jede Woche für die Neuankömmlinge die passenden Päckchen holen. Wird etwa 3-4 Wochen reichen ... Wir sollten also weiter packen, denn auch im Sommer werden Kinder auf der Flucht hier bei uns ankommen. Was es dazu zu beachten gibt, findest Du auf www.kidsgo.de/geschenke.

Mich beschäftigt Yara heute Abend noch immer. Und die Frau, deren Namen ich nicht weiß, die ich ins Zimmer begleitet habe. Wie werden sie heute Nacht schlafen? Wie ist es, in einem Schlafsaal mit einem Baby? Was, wenn es nachts weint? Wo kann man nachts wickeln? Wie gibt man seinen Kindern Hoffnung, wenn man selbst nicht weiß, wie die Zukunft aussieht?

Diese Frauen, mit den vielen Fragen in den Augen, lassen mich nicht los. Ich durfte sie heute für euch besuchen, ich habe sie umarmt, ich habe versucht, sie hier bei uns willkommen zu heißen. Ich wünsche mir, dass es ihnen allen gut ergehen wird. Dass sie eine von Euch, die ihr die Päckchen gepackt habt, da draußen treffen, eine Freundin, die nicht wegguckt, auch wenn wir aus unterschiedlichen Kulturen kommen, die sich kümmert und den Start erleichtert. Ich wünsche mir, dass sie eine neue Heimat hier bei uns finden, wir zusammen rücken und die Zeit ihre Seelen ein wenig heilt. Ich wünsche mir, dass Krieg, Vertreibung und Gewalt aufhören. Das diese Kinder in Frieden groß werden können.

Barbara

Auf jedes Geschenk haben wir einen Zettel mit einer kurzen Erklärung in 8 Sprachen geklebt. Damit die Frauen verstehen können, woher die Päckchen stammen.

Wir zeigen den Müttern auch die Kinderwagen und Babyschalen, die wir mitgebracht haben. Die 5 Stück finden rasch neue Besitzer. Was für eine Erleichterung, wenn man die Kleinkinder nicht mehr ständig zu tragen braucht ... weisst du noch, wie anstrengend das ist? Wir müssen definitiv noch viel mehr gebrauchte Kinderwagen sammeln und hier her bringen, nächste Woche kommen die nächsten Familien.

Kurz bevor wir gehen wollen, kommt eine weitere junge Frau. Sie erklärt uns mit Händen und Füßen, dass sie drei Kinder hat, ein kleines Baby, ein vielleicht 2jähriges Mädchen und einen etwa 4jährigen Sohn. Zum Glück haben wir genug Geschenke dabei und können ihr diese und eine Babyschale geben. Zuviel für sie, denn das kleine Mädchen hat sie im Arm. Ich gehe mit ihr. Gehe mit in die Schlafbaracken. Ein großes Zimmer mit 12, 13, 14 Betten. Stolz zeigt sie mir ihr Baby. Es liegt mit großen wachen Augen in eine Decke eingepuckt friedlich auf einem der Betten. Die Familie hat sich diese zusammen geschoben. Außer einem etwa 1m breiten Gang ist kaum Platz im Zimmer. Vor dem Zimmer steht der Buggy, den sie bekommen hat, die Schnalle ist kaputt, ihr kleine Tochter ist rausgefallen, die Schrammen im Gesicht sehen fies aus. Wir brauchen mehr Buggys.

Berichte der letzten Besuche in Friedland

Schon einige Male haben wir jeweils über 200 Geschenke in das Flüchtlingslager gebracht und dabei viele Begegnungen gehabt.
Lies hier mehr darüber, wie wir diese Besuche erlebt haben