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Tagebücher aus der Schwangerschaft

Alle drei bis vier Monate beginnt eine Schwangere auf kidsgo.de ihr Tagebuch. Jede Woche beschreibt sie ihre Schwangerschaft und was sie bewegt. Die Schwangerschafts-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von Thule, Qeridoo, mamalila und Lässig.
29. Schwangerschaftswoche

Mein Zwerg, bitte bleib noch, wo Du bist

Über Übungswehen, die gebärmutterhalswirksam sind; Gefühlschaos, Gewissensbisse, Angst, Zweifel und eine schier endlose Zeit der Genesung.

Guten Abend zusammen,

ich hoffe, Euch geht es allen gut. Es ist Montagabend, momentan regieren eigentlich noch die Narren hier in Köln, aber davon haben mein Mann und ich dieses Jahr so gut wie nichts mitbekommen. Wir waren die Woche im Endeffekt vollständig in Quasi-Quarantäne. Also weniger Alaaf als Hatschi! Morgen geht es wieder zum ersten Mal ins Büro und ein bisschen freue ich mich, dass wir unser Zweisiedlerleben hinter uns lassen und wieder unter Leute kommen; ein bisschen habe ich auch Angst, dass der Stress wieder überhand nimmt und auch die Übungswehen direkt hinter der Wohnungstür lauern.

Die haben mir nämlich nicht nur Bedenken diese Woche beschert, sondern einen Heidenschreck eingejagt. Trotz verstopfter Nase und dröhnendem Kopf sind mein Mann und ich am Dienstagnachmittag zum Vorsorgetermin aufgebrochen. Den wollte ich nicht absagen, so viele Fragen hatten sich seitdem Letzten ergeben und die Fragen rund um die Übungswehen waren nach wie vor offen. Unsere Hebamme hat sich wie immer unglaublich viel Zeit genommen, uns ruhig zugehört, Fragen gestellt. Dennoch sah sie nicht glücklich aus, als ich ihr über die Regelmäßigkeit der Übungswehen erzählt habe. Zur Sicherheit hat sie den Muttermund und Gebärmutterhals überprüft. Fazit: Weicher und einen Tick kürzer als vorher. Mit 3 cm war der von Anfang an wohl nicht übermäßig lang (keine Ahnung, was da so die Richtwerte sind). Kein Sport erstmal, kein langes Stehen, keine längeren Spaziergänge und in zwei Wochen nochmal Zwischencheck. Zudem hat sie mir noch den Tipp gegeben beim Husten den Beckenboden immer bewusst anzuspannen, da dies natürlich auch unglaublichen Druck nach unten ausübt.

Während des Termins habe ich die Informationen recht gelassen aufgenommen. Ein wenig Ruhe wird den Unterschied machen und davon hatte ich jetzt eine ganze Woche verschrieben bekommen. Doch zu Hause hörte diese Gelassenheit schlagartig auf. Denn der Bauch entspannte sich nicht. Er war durchgängig hart. 10 Schritte zur Toilette und die Kontraktionen kamen spürbar wieder. Und irgendwann kamen die Übungswehen dann auch im Liegen. Panik stieg in mir auf. Ging es meinem kleinen Zwerg gut? Der kickte und boxte und schien sich gegen diese ganze Aktivität „lauthals“ zu wehren. Wie schnell kann sich so ein Muttermund vorzeitig öffnen? Habe ich es unwiderruflich übertrieben die letzten Wochen? Mit meinem Aktionismus, mit meiner Unfähigkeit länger mal still zu bleiben und nicht dann doch noch hier was zu machen und nur mal eben hier noch und dann ist ja da noch was ganz Kleines zu erledigen. Wieso entspannt sich der Bauch jetzt nicht? Ich liege doch! Sollte ich meine Frauenärztin anrufen? Oder vielleicht doch ins Krankenhaus? Übertreibe ich? Oder nehme ich es nicht ernst genug? Was werde ich nur für eine Mutter?

Eingeschlossen in dieser Sorgenschleife habe ich den harten Bauch und die Übungswehen wahrscheinlich selber heraufbeschworen. Aber ich habe es aus eigener Kraft nicht geschafft, mich zu entspannen und alles andere auszublenden. Irgendwann kam mein Mann kurz zu mir und da konnte ich schon gar nichts mehr sagen. Er hat sich zu mir auf die Couch gelegt und ganz anders, als er das sonst machen würde, mich einfach nur gehalten. Nicht gefragt, nicht groß Erklärungen oder Mahnungen abgegeben. Ganz langsam hat er mir über den Rücken gestrichen und immer wieder gemurmelt „das wird schon“. Und das hat dann tatsächlich Wirkung gezeigt. Mein Atemrhythmus, der den Takt kontrollierter Schluchzer hatte, hat sich automatisch dem Seinen angepasst und wurde ruhiger und tiefer. Und mit ihm entspannte sich auch der Bauch ein wenig, immerhin genug, damit ich den Unterschied merkte.

Die Nacht war natürlich unruhig, nicht nur waren da die „Was wäre wenn“-Träume, sondern auch jedes Drehen war begleitet von einem harten Bauch, der sich nur sehr langsam wieder entspannte.

Auch am Mittwoch waren die Übungswehen noch ständige Begleiter, aber sie kamen unregelmäßiger und verschwanden, sobald ich ein paar Minuten ruhig saß oder lag. Damit war das Aufstehen auf den Toilettengang begrenzt. Alles andere fing mein Mann ab: essen machen, trinken holen und was einem sonst noch gelüstet.

Und seitdem kommen sie nur sporadisch. Morgen heißt es daher, Obacht geben und genau auf meinen Körper hören. Reicht es, wenn wir zur Arbeit fahren statt laufen? Bleiben die regelmäßigen Wehen auch fort, wenn ich den ganzen Tag angestrengt vor dem Computer sitze? Wenn Deadlines winken und alles anders läuft als geplant? Mit meinem Mann habe ich die Abmachung, dass ich sofort die Hand hebe, wenn es sich abzeichnet, dass es doch nicht bei gewöhnlicher Bauchaktivität bleibt. Es ist ein ständiges Abwägen zwischen den Signalen, die der Körper sendet, ihrer Bedeutung und dem Wunsch den Alltag dennoch so normal wie möglich zu bewältigen.

Viel mehr gibt es diese Woche auch nicht zu berichten. Ich habe die Bettruhe wirklich sehr ernst genommen und hatte auch jemanden, der mit Argusaugen darauf geachtet hat, dass ich dies tue. Entsprechend habe ich mir auch nur die Zeit damit vertrieben, was man gemütlich liegend oder sehr schräg sitzend machen kann:

- Zeitung lesen: bin wieder auf dem neuesten Stand, was die Neuigkeiten aus aller Welt angeht und jeglicher Meinungskolumnen

- bin vollinformiert über den Vietnam Krieg, weil ich eine 10-teilige Dokumentation von vorne bis hinten geschaut habe

- mein Mann und ich haben uns gefühlt 1000 Inserate bei den Immobilienplattformen angeschaut und angeschrieben

- die ersten Bestellungen aufgegeben und in Empfang genommen (Kapuzenhandtuch für unseren Zwerg)

- häkeln

- recherchieren (man muss nur ein geeignetes Thema finden, wenn man seine Themen bereits durch hat)

- etc.

Ein, zwei Tage Ruhe können durchaus etwas Schönes sein, aber eine Woche kann ganz plötzlich ewig lang werden. Und dann kommen noch so Sachen hinzu, wie auf welcher Seite man am besten nun liegen soll, etc.

Flach auf dem Rücken liegen ist tatsächlich nicht mehr angenehm. Das funktioniert noch für’s Eincremen abends, aber danach bin ich auch heilfroh, mich auf die Seite zu drehen. Am besten soll man wohl auf der linken Seite liegen, da dann die Blutzufuhr passt, die Leber nicht eingequetscht wird oder was es sonst noch an Gründen gibt. Resultat ist jedoch aber nun, dass mir das Hüftgelenk von der ganzen Liegerei richtig weh tut und ich mich morgens wie eine 100-Jährige fühle. Ein bisschen Bewegung würde sich da so sehr anbieten. Ich hoffe sehr, dass unsere Hebamme nächste Woche gute Nachrichten hat und mir das „Go“ gibt, dass ich Schwimmen gehen darf oder Yoga machen darf oder sonst etwas.

Unseren Kleinen scheinen die ganze Aufregung und auch die Ruhe dieser Woche gleichermaßen unbeeindruckt zu lassen. Er liegt nach wie vor mit dem Kopf nach unten und am liebsten mit dem Popo etwas rechts vom Bauchnabel. Ein Bein angewinkelt gerne, was dann nach rechts tritt und ein Bein ausgestreckt, was dann nach links tritt.
Der Besuch bei der Hebamme war diesbezüglich wieder unglaublich faszinierend, weil sie die Lage natürlich nur ertastet, aber meinem Mann die Möglichkeit gibt, es nachzufühlen.
Die Hände boxen weniger, aber drücken auch schon mal gerne überall hin, was sie so erreichen können. Und kurioserweise auch mal gerne Richtung Schritt. Bei dem ersten Mal bin ich fast vom Hocker gefallen, weil, naja, ich das nicht erwartet hatte und da auch offensichtlich Nerven liegen, die das alles dann einmal weitergeben, so dass etwas wie eine Kettenreaktion auslösen. Ich muss dann immer unwillkürlich lachen.

Die Waage zeigt auch wieder ein bisschen mehr an, aber die Zunahmekurve scheint ein wenig abzuflachen. Ich bin jetzt bei 67 kg, also gut 6 Kilogramm mehr als zu Beginn. Mir geht es, bis auf das Liegen nachts und dass das Drehen nachts schwieriger ist, eigentlich wirklich gut. Die angekündigten Schwangerschaftsbeschwerden halten sich nach wie vor in Grenzen: Die Verdauung scheint sich wieder besser eingependelt zu haben. Noch habe ich keine Wassereinlagerungen. Auch die Toilette ruft nicht zu Unzeiten, so dass ich in der Theorie durchschlafen könnte. Bloß habe ich in dieser Woche einfach eine schier endlose Reihe an wirklich konfusen Träumen gehabt. So konfus, dass sich die eine Hirnhälfte schon während der Träume gefragt hat, wer das denn bitte fabriziert hat. Ich habe fast kein Sodbrennen und wenn dann nur, wenn ich gleichzeitig noch Luft im Bauch habe, aber dann ist das eher einmal Aufstoßen und damit hat sich die Sache. Und auch die „angedrohte“ Kurzatmigkeit hat sich noch nicht eingestellt. Im Großen und Ganzen habe ich also ein gutes Los getroffen, wenn man von der Übungswehensituation mal absieht.

Und damit starte ich jetzt um einiges zuversichtlicher in das dritte Trimester als das letzte Woche der Fall gewesen wäre.

Ganz liebe Grüße an Euch alle da draußen,

Eure Philippa mit Zwerg im Bauch



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Kommentare von Lesern:

Philippa, Köln16.03.2019 11:15

Liebe Gast,
Ich hab lange überlegt, ob, wie und was ich Dir zurückschreibe. Ich glaube, ich hab die Antwort auch schon 10 mal neu geschrieben - von kurz und bündig bis hin zu ins kleinste Detail. Es tut mir leid, dass der Titel bei Dir eine Reaktion ausgelöst hat, da er natürlich mit den ersten Sätzen „ich gehe morgen ins Büro“ wenig Einklang hatte. Zwischen Titel und dem Gang ins Büro liegt eine Woche. Natürlich weiß ich auch, was eine extreme Frühgeburt bedeutet. Und natürlich habe ich mich durchchecken lassen wie geschrieben. Ich schreibe so wie ich eben auch Tagebuch schreiben würde - ungefiltert und auch nicht alle Teile am gleichen Tag, auch wenn ich hinterher zumindest versuche, dass alles wie aus einem Guss ist. Und zentral in mein Hirn hat sich diese Woche dieser Dienstag und das ganze Gedankenkarussell eingebrannt, daher der Titel, auch wenn der Rest des Textes dies wieder relativiert.
Viele Grüße
Philippa

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Philippa, Köln16.03.2019 10:35

Hallo Annika,
Danke Dir für den Tipp. Meine Hebamme hat mir Toko-Öl mit auf den Weg gegeben. Das ist so ein Öl-Gemisch, was wehenhemmend wirkt. Und damit hab ich dann den Bauch eingerieben. Das hat auch geholfen, nachdem ich nicht mehr ganz so emotional war. Und scheinbar sind es bei mir wirklich bestimmte Trigger, die die Kontraktionen auslösen.
Aber Danke für den Tipp! Ich glaube, wir haben auch noch Magnesium da für den Fall der Fälle.
Liebe Grüße Philippa

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Gast05.03.2019 15:59

@Annika: dann hätte Philippa die Überschrift anders wählen müssen. Wenn ich schreibe "bleib, wo du bist", dann heißt das, dass ich eine Frühgeburt befürchte. Wenn ich diese befürchte, dann werde ich persönlich alles dafür tun, dass dem eben nicht so ist. Arbeiten gehen (bzw. fahren) gehört dann ganz bestimmt nicht zu meinen Aufgaben. Wenn Philippa also arbeiten geht, dann hat sie entweder maßlos übertrieben mit ihrer Überschrift oder aber sie weiß nicht, was es heißt, ein Extremfrühchen auf die Welt zu bringen.
Dir trotzdem alles Gute für die Schwangerschaft, Philippa

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Annika05.03.2019 13:00

Liebe Phillippa, ich hab in beiden Schwangerschaften Magnesium nehmen sollen, dies wirkt auch ganz gut gegen den harten Bauch und vorzeitige Wehen. Vielleicht ein Tipp für dich? Liebe Grüße Und alles Liebe weiterhin.
Ps: ich war die, die auch sonst ab und zu als "Gast" Kommentare hier gelassen hat, nicht dass es da zu Missverständnissen kommt ;-)

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Gast05.03.2019 12:44

Sorry, wenn ich das hier mal so knallhart schreibe: wenn du wirklich muttermundwirksame Wehen hast, gehörst du aufs Sofa / wenn nicht sogar ins Krankenhaus. Verantwortung deinem Job gegenüber hin oder her. Du hast anscheinend noch nicht verstanden, was du da eigentlich riskierst. Warum lässt du es nicht mal bei deiner Ärztin abchecken? Ich kann echt nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln....

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