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Eisprung und Befruchtung: Was ist dran an Fruchtbarkeitsritualen?

Kinderwunsch macht erfinderisch: Ums Schwanger-werden ranken sich viele Legenden. Nicht alle dieser Fruchtbarkeitsrituale sind Unsinn – einige sind sogar nützlich. Was kann Eisprung und Befruchtung wirklich begünstigen? kidsgo hat den Wahrheitsgehalt der Mythen unter die Lupe genommen.

In diesem Artikel:

Nach dem Sex liegen bleiben?

Stimmt bedingt. Wenn du die Beine zur Kerze in die Luft streckst, heißt das nicht, dass du garantiert schwanger wirst. „Aber es wird Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, nach dem Sex noch einige Minuten bis zu einer halben Stunde liegenzubleiben“, erklärt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Nach dem Sex zur Toilette gehen?

Darfst du. Es ist sogar ratsam, nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette zu gehen, damit sich keine Bakterien im Harnleiter einnisten und gar eine Blasenentzündung verursachen können.

Fördert ein weiblicher Orgasmus die Befruchtung?

Stimmt! „Bei der künstlichen Befruchtung wird gelegentlich das Hormon Oxytocin gespritzt, um die Hormonlage bei einem Orgasmus zu simulieren“, sagt Albring.

Sind Frauen, die starke Blutungen haben, besonders fruchtbar?

Nein. Hat eine Frau eine starke Periode, kann das ein Zeichen für eine Zyklusstörung sein. Das kann ein Schwangerwerden sogar erschweren. Frauen mit starker Periode,  deren Kinderwunsch sich nicht erfüllt, sollten ihren Gynäkologen um Rat fragen.

Frauen sind an den fruchtbaren Tagen besonders attraktiv

Das stimmt nur bedingt. Um den Eisprung herum steigt der Östrogenspiegel, die Haut wird glatter, die Laune steigt, die Stimme klingt höher – und all das lässt Frauen an ihren fruchtbaren Tagen attraktiver erscheinen. Die schlechte Nachricht: Viele Paare merken keinen Unterschied.

Du musst den Eisprung genau erwischen

Stimmt nicht. Albring erklärt: „Der männliche Samen überlebt drei bis vier Tage, das Ei nach dem Eisprung 12 bis 24 Stunden. Es ist also ok, auch einen oder zwei Tage vor dem erwarteten Eisprung Sex zu haben. Beim Sex mehr als 24 Stunden NACH dem Eisprung dagegen stehen die Chancen nicht mehr so gut.“ Deshalb ist es bei Kinderwunsch ratsam, den Zeitpunkt des Eisprungs möglichst genau zu bestimmen. Nutze dafür unseren Eisprungrechner.

Nach langer Pilleneinnahme sinkt die Fruchtbarkeit

Stimmt nicht. Manchmal dauert es ein bis zwei Monate, bis der Zyklus wieder regelmäßig ist, aber die hormonelle Verhütung hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Im Gegenteil: "Unter der Pilleneinnahme werden Eizellen gespart, die später möglicherweise zur Verfügung stehen“, so Albring.

Bestimmte Positionen fördern die Befruchtung

Stimmt nicht. Dass die Missionarsstellung besonders vorteilhaft für eine Befruchtung sei, ist Unsinn. Ebenso wenig erschweren Positionen, bei der die Frauen oben ist, Sex im Stehen oder Sitzen eine Befruchtung. Doch eine Einschränkung hat Albring: „Allerdings sollte das Sperma eine Zeit lang in der Scheide verweilen können, bis die Spermien durch den Gebärmutterhalskanal aufgestiegen sind.“

Ein zu sehnlicher Kinderwunsch schadet der Fruchtbarkeit

Bedingt – ja. „Stress führt immer zu einer Abnahme der Fruchtbarkeit durch Störung der Stimulation der Eierstöcke“, mahnt Albring. Wer sich oder auch seinen Partner zu sehr unter Druck setzt, weil er unbedingt schwanger werden will,  hat es sicherlich schwerer als ein entspanntes Paar.

Tee und Massagen fördern das Schwangerwerden

Stimmt indirekt, wenn sie Stress abbauen helfen.

Täglicher Sex schadet der Fruchtbarkeit

Stimmt nicht. „Täglicher Sex rund um die fruchtbaren Tage schadet der Fruchbarkeit nicht. Wenn allerdings ein Paar regelmäßig täglich Sex hat, kann es sein, dass im Ejakulat weniger Spermien enthalten sind“, sagt Albring. Einige Tage Enthaltsamkeit vor dem Eisprung hält er bei niederer Spermien-Qualität eventuell für sinnvoll.

Gesunde Ernährung fördert Eisprung und Befruchtung

Stimmt zum Teil: Keine Diät kann den Eisprung beschleunigen. Dass die Ernährung eine Befruchtung fördert, ist nicht beweisbar.

Allerdings beeinflusst das Gewicht den Zyklus maßgeblich. Bei starkem Über- bzw. Untergewicht beeinflusst dein Gewicht die Fruchtbarkeit allerdings. „Fettzellen sind Hormonproduzenten“, ergänzt Albring. „Diese Hormone stören das Zusammenwirken von Hirnanhangsdrüse und Eierstock.“ Eine gesunde, ausgewogene Ernährung hält das Gewicht in Balance – und das kann den Eisprung begünstigen. So wirkt sich die Ernährung indirekt positiv auf die Fruchtbarkeit aus.

Rauchen verringert die Fruchtbarkeit

Das stimmt. Wenn Frauen rauchen, verschlechtert das die Durchblutung der Eierstöcke. Bei Männern verringert es die Spermien-Qualität. Wenn du deine Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen willst, solltest du mit dem Rauchen aufhören.

Männer bleiben auch im Alter fruchtbar

Stimmt, aber ein Mann ab 40 ist nicht so fruchtbar wie ein 20-Jähriger. Männer produzieren zwar bis ins hohe Alter fruchtbare Spermien, doch die Spermienqualität nimmt ab. Das Risiko von Fehlgeburten oder genetischen Abweichungen steigt.

Fazit

Lasst euch die Lust nicht verderben, weder von obskuren Schwangerschaftsmythen und Fruchtbarkeitsriten noch vom Druck, möglichst schnell schwanger zu werden. Wenn ihr euch ein Kind wünscht, kann es helfen, den Eisprung und die fruchtbaren Tage zu kennen und in dieser Zeit vielleicht alles andere stehen und liegen zu lassen…

Checkliste Fruchtbarkeitsmythen

MYTHOSRICHTIG ODER FALSCH (& KOMMENTAR)
Du musst den Eisprung genau erwischenStimmt nicht. Der männliche Samen überlebt drei bis vier Tage, das Ei nach dem Eisprung 12 bis 24 Stunden. Es ist also ok, auch einen oder zwei Tage vor dem erwarteten Eisprung Sex zu haben. Beim Sex mehr als 24 Stunden NACH dem Eisprung dagegen stehen die Chancen nicht mehr so gut.
Nach langer Einnahme der "Pille" sinkt die FruchtbarkeitStimmt nicht. Manchmal dauert es ein bis zwei Monate, bis der Zyklus wieder regelmäßig ist, aber die hormonelle Verhütung hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Im Gegenteil unter der Pilleneinnahme werden Eizellen gespart, die später möglicherweise zur Verfügung stehen.
Die Position beim Sex ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche BefruchtungStimmt nicht. Allerdings sollte das Sperma eine Zeit lang in der Scheide verweilen können, bis die Spermien durch den Gebärmutterhalskanal aufgestiegen sind.
Ein zu großer Kinderwunsch schadet der FruchtbarkeitBedingt ja - weil Stress zu immer einer Abnahme der Fruchtbarkeit durch Störung der Stimulation der Eierstöcke führt.
Tee und Massagen fördern das SchwangerwerdenStimmt indirekt, wenn sie Stress abbauen helfen.
Täglicher Sex schadet der FruchtbarkeitTäglicher Sex rund um die fruchtbaren Tage schadet der Fruchbarkeit nicht. Wenn allerdings ein Paar regelmäßig täglich Sex hat, kann es sein, dass im Ejakulat weniger Spermien enthalten sind. Einige Tage Enthaltsamkeit vor dem Eisprung sind bei niederer Spermien-Qualität eventuell sinnvoll.
Dein Gewicht hat Einfluss auf die FruchtbarkeitStimmt (bei starkem Über- bzw. Untergewicht), weil Fettzellen Hormonproduzenten sind. Diese Hormone stören das Zusammenwirken von Hirnanhangsdrüse und Eierstock
Rauchen verringert die FruchtbarkeitStimmt, denn Rauchen verringert die Spermien-Qualität und verschlechtert die Durchblutung der Eierstöcke.
Männer bleiben auch im Alter fruchtbarStimmt, aber die Spermienqualität nimmt mit dem Alter ab.
Frauen sind an den fruchtbaren Tagen besonders attraktivStimmt bedingt. Viele Paare merken keinen Unterschied. 
Frauen, die starke Blutungen haben, sind besonders fruchtbarStimmt nicht.
Nach dem Sex solltest du liegen bleiben, nicht zur Toilette gehen oder duschenStimmt bedingt; es wird der Partnerin mit Kinderwunsch empfohlen, nach dem Sex noch einige Minuten bis zu einer halben Stunde liegenzubleiben.

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