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Hormonstimulation: Wann kommt eine Kinderwunschbehandlung mit Clomifen oder Gonadotropinen infrage?

Die Hormonstimulation ist eine gängige Methode in der Kinderwunschbehandlung. Mit einer Hormontherapie lassen sich Fruchtbarkeitsstörungen der Frau meist wirksam behandeln. Auch zur Vorbereitung für eine künstliche Befruchtung kann eine Hormonbehandlung mit Clomifen oder Gonadotropinen dienen.

In diesem Artikel:

Hormonstimulation kann Zyklusstörungen beheben

Manchmal lassen sich Fruchtbarkeitsstörungen allein durch eine Hormonstimulation beheben, sodass eine künstliche Befruchtung erst gar nicht notwendig wird. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn Frauen an einem Polyzystischen Ovariensyndrom – kurz PCO-Syndrom – leiden oder ihr Zyklus auf andere Art unregelmäßig oder gestört ist 

Clomifen: So stimuliert das Medikament deine Hormone

Eine Hormonbehandlung mit dem Medikament Clomifen regt die Funktion der Eierstöcke an und fördert das Heranreifen von Follikeln bis zum Eisprung. Clomifen kann die Fruchtbarkeit wieder herstellen, wenn dein Zyklus gestört ist und du keinen oder nur selten einen Eisprung hast. Dieses Medikament kann auch dann eingesetzt werden, wenn die Ursache für eine Fruchtbarkeitsstörung unklar ist.

Der Wirkstoff von Clomifen gaukelt dem Gehirn vor, dass die Eierstöcke zu wenig Östrogen produzieren. Daraufhin schüttet die Hirnanhangsdrüse vermehrt die Hormone FSH und LH aus, die die Eierstöcke stimulieren. Sie fördern das Heranreifen von Follikeln und steigern die Östrogenproduktion. 

Clomifen-Therapie: Die Behandlung

Bei einer Clomifen-Therapie nimmst du an fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Zyklus (Zyklustage drei bis sieben) jeweils eine Tablette. Eine zu starke Stimulation der Eierstöcke kann allerdings dazu führen, dass mehrere Follikel gleichzeitig zum Eisprung kommen, was die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsschwangerschaften erhöht. Deshalb überwacht deine Ärztin die Eizellreifung mit Hilfe von Ultraschall-Untersuchungen.

Eine Clomifen-Behandlung kommt auch zur Vorbereitung auf eine Insemination (Samenübetragung) zum Einsatz, dann nämlich, wenn die Fruchtbarkeit deines Partners ebenfalls eingeschränkt ist. 

Clomifen-Behandlung und ihre Nebenwirkungen

Unter der Einnahme von Clomifen kann es zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schwindelgefühlen kommen. Auch Sehstörungen wurden berichtet. Die Wahrscheinlichkeit für Zwillingsschwangerschaften ist erhöht, in sehr seltenen Fällen ist es unter der Einnahme von Clomifen auch zu Drillingsschwangerschaften gekommen.

Gonadotropine: Alternative zu Clomifen?

Eine weitere Möglichkeit ist die Hormonstimulation mit den Gonadotropinen FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Diese speziellen Hormone regen direkt die Funktion der Eierstöcke an und fördern das Heranwachsen von Follikeln. Höher dosiert kommen Gonadotropine zur Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung zum Einsatz. Niedrig dosiert können sie dir helfen, auf natürlichem Weg oder durch eine Insemination schwanger zu werden, wenn Clomifen wirkungslos bleibt. 

Postmenopause

Die sogenannte Postmenopause ist die letzte Phase der Wechseljahre. Sie beginnt ein Jahr nach der letzten Regelblutung, der sogenannten Menopause. 

Zur Verfügung stehen gentechnisch hergestelltes FSH und LH sowie eine Kombination aus menschlichem FSH und LH, die aus dem Urin von postmenopausalen Frauen gewonnen wird (humanes Menopausengonadotropin, kurz hMG). Gonadotropine können nicht in Tablettenform eingenommen werden, sondern werden unter die Haut gespritzt. Das kannst du selbst zu Hause machen, nachdem der Arzt es dir einmal gezeigt hat. Die Gonadotropine müssen ab dem zweiten oder dritten Zyklustag einmal täglich gespritzt werden. Dabei wird der Arzt das Wachstum der Follikel nach einigen Tagen per Ultraschall überwachen. Wenn ein Follikel „sprungreif“ ist, kann der Eisprung durch eine Gonadotropin-Spritze ausgelöst werden. Dabei, den richtigen Termin zu erkennen, hilft der Arzt. Du kannst aber auch selber deine fruchtbaren Tage berechnen. Danach besteht eine erhöhte Chance, auf natürlichem Weg oder durch eine Insemination schwanger zu werden. Falls zu viele Follikel gleichzeitig heranwachsen, wird dir die Gynäkologin vom Geschlechtsverkehr oder der Insemination abraten, da dann ein Risiko für Mehrlingsschwangerschaften bestehen würde.

Was sind Gonadotropine?

Gonadotropine sind Hormone mit einer Proteinstruktur, die die Entwicklung der männlichen und weiblichen Keimdrüsen (Gonaden) fördern und den Hormonhaushalt im Körper beeinflussen. 

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) zum Beispiel ist ein Gonadotropin, das bei Frauen die Follikelreifung und bei Männern die Spermienbildung anregt. Ein weiteres Sexualhormon ist das luteinisierende Hormon (LH), das für die Reifung der Geschlechtszellen bei Mann und Frau verantwortlich ist. 

Auch eine Gonadotropin-Behandlung hat Nebenwirkungen

Wie die Einnahme von Clomifen kann auch die Gonadotropin-Therapie zu Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Unwohlsein führen. Die Hormone können zudem ein Überstimulationssyndrom auslösen – die Gefahr ist aber niedriger als bei einer künstlichen Befruchtung, bei der meist höhere Dosen verabreicht werden. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsschwangerschaften erhöht. 

Hormonstimulation zur Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung 

Auch zur Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung wird in der Regel eine Hormonstimulation der Eierstöcke erfolgen – selbst dann, wenn du einen regelmäßigen Eisprung hast und keine Zyklusstörungen. Das Ziel der Hormonbehandlung besteht dann darin, in einem Zyklus nicht nur eine, sondern mehre Eizellen ausreifen zu lassen. Auf diese Weise stehen mehr Zellen für eine Eizell-Entnahme und die künstliche Befruchtung im Labor zur Verfügung. Die Chancen auf den Erfolg einer IVF oder ICSI erhöhen sich dadurch deutlich. Die Hormonbehandlung zur Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung erfolgt entweder mit Clomifen oder mit den Gonadotropinen LH und FSH.

Zur Stimulation des Follikelwachstums müssen auch hier die Hormone vom zweiten Zyklustag an unter die Haut gespritzt werden, das kannst du auch selbst zu Hause machen. Dein Arzt wird auch in diesem Fall das Follikelwachstum mit dem Ultraschall überwachen und die Dosierung der Hormone anpassen, wenn zu viele oder zu wenige Eibläschen heranreifen. Zusätzlich wird ab dem etwa sechsten Tag ein Wirkstoff verabreicht, der das Wachstum der Follikel bremst – das verhindert, dass es frühzeitig zum Eisprung kommt. Wenn die Follikel eine bestimmte Größe erreicht haben, wird die Ärztin dir eine Spritze geben, die etwa anderthalb Tage später den Eisprung auslöst. Die sprungreifen Follikel werden dann entnommen und im Labor befruchtet.

Höher dosierte Hormone zur Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung

Zur Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung werden die Hormone meist höher dosiert als bei einer einfachen Hormonstimulation. Dadurch steigt jedoch auch das Risiko für Nebenwirkungen. Wie Frauen mit einer Hormonstimulation zurechtkommen, sei ganz unterschiedlich, sagt Melanie Henes, Leiterin der Kinderwunschsprechstunde am Universitätsklinikum Tübingen: „Einige arbeiten die ganze Zeit über weiter durch, andere haben stärkere Beschwerden.“ Leichtere Nebenwirkungen können Unwohlsein, Kopfschmerzen und Bauchziehen sein, aber auch Stimmungsschwankungen können auftreten. 

Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS): Selten, aber gefährlich

In einigen Fällen kann es zum ovariellen Hyperstimulationssyndrom (OHSS) kommen. Dabei sind die Eierstöcke stark vergrößert, es kann sich Wasser im Bauchraum im Gewebe und in der Lunge ansammeln. Im schlimmsten Fall drohen lebensgefährliche Funktionsstörungen von Leber und Niere, das Risiko für Thrombosen steigt. „Schwere Verläufe einer OHSS kommen heute aber nur noch selten vor. Ich selbst habe so etwas seit Jahren nicht mehr beobachtet“, sagt Henes. „Aber natürlich muss man die Frauen über alle möglichen Risiken aufklären.“ 

So wird das Risiko einer Überstimulation vermieden

Um Komplikationen durch eine Überstimulation zu vermeiden, werde bei einer zu starken Stimulation der Eierstöcke darauf verzichtet, die befruchteten Eizellen sogleich wieder einzupflanzen. Eine Schwangerschaft würde die Symptome der OHSS nämlich verschlimmern. Stattdessen können die Eizellen befruchtet und eingefroren werden. Sie werden der Frau dann im nächsten Zyklus eingesetzt.

 

Kinderwunsch-ABC: Übersicht und PDF-Download

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