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Kinderwunsch-Coaching: Psychische Begleitung und Hilfe für Paare auf dem Weg zum Wunschkind

Den Traum vom eigenen Kind Wirklichkeit werden zu lassen, kann für Paare zur Belastungsprobe werden. Dabei hat die moderne Medizin viele Hilfen zu bieten. Wird medizinisch alles aufgeboten, was möglich ist und das Wunschkind bleibt dennoch aus, kann die Frage, „Warum gerade wir?“, zur Dauerschleife werden. Im Experten-Interview sprechen wir mit Carmen Manuela Schmickler. Sie ist Kinderwunsch-Coach und als solche begleitet sie Paare durch diese herausfordernde Lebenszeit.

In diesem Artikel:

Frau Schmickler, Sie sind Kinderwunsch-Coach, worin genau besteht Ihre Arbeit?

C. M. Schmickler: Viele Paare mit Kinderwunsch setzen sich unter Druck. Das gilt vor allem während einer Kinderwunschbehandlung. Ich begleite sie vor, während und auch nach dieser Phase. Ich helfe, gelassen zu bleiben und sich weiterhin gut zu fühlen. Ich leite an zu entspannen, dem Körper und der Intuition zu vertrauen. Besonders wenn es nicht so

Unsere Expertin

Carmen Manuela Schmickler

Bild: Juliane Wanhoff

 

Mehr Informationen über die Arbeit von Kinderwunsch-Coach Carmen Manuela Schmickler findest du auf 

kinderwunschkinder.de/

läuft wie erhofft, helfe ich Paaren, dass sie neue Kraft und neuen Mut schöpfen und sich wieder mehr und mehr positiv ausrichten. Dabei beobachte ich, dass sich der Traum vom eigenen Kind häufig dann verwirklicht, wenn das Leben wieder als schön, leicht und angenehm erlebt wird. Für meine Arbeit nutze ich einen Methoden-Mix aus systemischem Coaching, Neurolinguistischem Programmieren (NLP) und energetischer Körperarbeit.

Wie sind Sie Kinderwunsch-Coach geworden? 

C. M. Schmickler:  Mein Mann und ich hatten lange Zeit selbst einen unerfüllten Kinderwunsch. Nach einem Jahr sind wir zum Spezialisten gegangen. Wir mussten viele Enttäuschungen hinnehmen, bis ich beim fünften Versuch einer künstlichen Befruchtung endlich schwanger war. Damals lagen meine Nerven blank. Meine Gedanken kreisten nur noch um meinen Zyklus, die Arzttermine und die Frage, ob ich je schwanger werden würde. Ich hätte in dieser Zeit selber jemanden gebraucht, der mir hilft, mich zu entspannen. Auf der Suche nach geeigneten Hilfen entdeckte ich, dass Coaching-Tools nützlich sein können. So entstand in mir der Wunsch, diese Methoden zu lernen.

Warum erleben viele die moderne Kinderwunschbehandlung als belastend? 

C. M. Schmickler: Durch unsere Gesellschaft sind wir so geprägt, dass wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben, wenn wir uns nur genug anstrengen. Auch ich kannte das so. Wenn ich alles gebe, dann bekomme ich am Ende das gewünschte Ergebnis. Der Kinderwunsch hingegen entzieht sich diesem Leistungsprinzip. Wir können uns ein Kind nicht durch Fleiß erarbeiten. Auch die moderne Kinderwunschmedizin kann keine Erfolgsgarantie geben. Vielmehr dürfen wir lernen, das Leben mit all seinen Facetten anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Wie läuft ein Kinderwunsch-Coaching ab?

C. M. Schmickler: Das Ganze hat erst einmal viel mit Zuhören zu tun. Im Alltag reden die Betroffenen häufig nicht über ihren Kinderwunsch. Sie meiden das Thema aus Scham oder Angst, sich ungefragt Ratschläge anhören zu müssen. Offen über die Sehnsucht nach einem Kind zu sprechen, kann daher ungemein befreiend sein. Es hilft, den angestauten Druck und Frust endlich aus sich herauszulassen. Manchmal kommen auch tieferliegende Themen auf, die aus dem Weg geräumt werden möchten. Das können zum Beispiel belastende Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sein, Differenzen mit den Eltern oder dem Partner und anderes mehr. 

Was raten Sie den betroffenen Paaren?

C. M. Schmickler: In der Kinderwunschzeit ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten und seiner Intuition zu vertrauen. Wenn sich alles nur noch um den Kinderwunsch dreht, vergessen viele ihre eigenen Bedürfnisse. Im Gespräch erfahre ich auch, warum der Kinderwunsch so ausgeprägt ist und was sich vielleicht noch dahinter verbirgt. Manche haben die Vorstellung, dass erst dann das Leben richtig losgeht, wenn das Kind da ist. Dann können sie im Freundeskreis endlich mitreden, wenn es um die „lieben Kleinen“ geht und fühlen sich dazugehörig. Auch können sie ihrem Kind dann all die Liebe geben, die sie sich für sich selbst wünschen. Das noch nicht vorhandene Kind hat somit schon eine ganze Menge an Aufgaben, die seine Wunscheltern ihm stellen.

Es ist eine gute Idee, weiterhin Pläne zu haben und das Leben nicht voll und ganz am Kinderwunsch auszurichten. Vielleicht wünscht sich jemand schon länger eine berufliche Veränderung. Doch wird diese wegen des Kinderwunsches immer wieder aufgeschoben. Ich empfehle dann, diesen Veränderungswunsch trotzdem anzugehen. Zudem leite ich an, dem Hier und Jetzt mehr Beachtung zu schenken. Denn wer bewusst im Jetzt ist, der kann sich nicht gleichzeitig Sorgen um Zukünftiges machen. Ob das Wunschkind nach einem Coaching kommt, kann ich nicht versprechen. Was ich versprechen kann, ist, dass Betroffene sich wieder entspannen, leichter und besser fühlen. Dem Leben mehr Freude und Leichtigkeit zu geben, das ist meine Passion.

Der Kinderwunsch kann auch zu Beziehungsproblemen führen

C. M. Schmickler: Ja, das ist leider häufig der Fall. Es ist wichtig, dass man als Paar auch ohne Kind zufrieden und glücklich sein Leben lebt. Ich frage zum Beispiel, aus welchen Gründen sich die Partner einmal ineinander verliebt und vielleicht sogar geheiratet haben und was sie auch heute noch so besonders aneinander finden. Sich auf etwas Positives besinnen ist ein wahrer Frische-Kick.

Wie ist es mit der Lust? Sex nach Terminplan kann doch sehr unsexy sein, oder?

C. M. Schmickler: Das ist richtig. Sex sollte nicht zur Pflichtübung werden. Die Lust, sich gegenseitig zu genießen, sich zu verwöhnen, und Spaß miteinander zu haben, festigt eine Beziehung. Ich beobachte, dass Paare es genießen, wenn sich ein Kuschelabend zu zweit anbahnt. Zum Beispiel, indem er stimmungsvoll gestaltet wird, vielleicht mit einem schönen Essen, Kerzenschein, angenehmer Musik, die beide mögen. 

Trotz der Methoden der modernen Medizin erfüllt sich der Kinderwunsch nicht bei jedem Paar. Wann ist es an der Zeit, vom Kinderwunsch Abschied zu nehmen? 

C. M. Schmickler: Die meisten Paare kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie merken, dass sie all die Behandlungen nicht mehr wollen. Sie haben immer wieder gehofft, um am Ende erneut die ernüchternde Nachricht zu erhalten, „Sie sind wieder nicht schwanger“. Wie frustrierend das ist, kann sich jemand kaum vorstellen, der das nicht erlebt hat.

Ich spreche auch aus eigener Erfahrung, denn mein Mann und ich wollten ein zweites Kind. Es war für mich wie ein Sog, und ich dachte, ich müsste wieder und wieder noch einmal alles versuchen, was möglich ist. Als ich endlich ein zweites Mal schwanger war, folgte kurz darauf die Ernüchterung, denn es kam zu einer Fehlgeburt. Das war mein Schlussstrich.

Für viele ist es auch eine finanzielle Frage. Es gibt Paare, die sich wegen der Kinderwunschbehandlungen sogar verschulden, wenn die Kosten nicht oder nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden.

Welche Gedanken können in dieser Phase tröstlich sein?

C. M. Schmickler: Im Leben helfen uns oft Rituale, Dinge zu verarbeiten. Wenn wir uns zum Beispiel von jemandem verabschieden, dann sagen wir der Person schöne Worte, nehmen sie in den Arm, wünschen eine gute Reise oder Ähnliches, und dann geht jeder seiner Wege. Ein vergleichbares Ritual lässt sich auch beim Abschied vom Kinderwunsch machen. Zum Beispiel, indem das Paar einen Brief an das Wunschkind schreibt. Hierin kann jeder seine Gefühle notieren, seine Sehnsüchte benennen und sich auch für das Gute bedanken, das auch da ist, obgleich der Wunsch nach dem Kind unerfüllt blieb. Zusammen mit Symbolen, Bildern oder was immer der- oder diejenige möchte, könnte der Brief in ein Kästchen gelegt, anschließend verbrannt oder auf einem Fluss ausgesetzt werden.

Nach diesem bewussten Abschied, der dann sogar ein Datum hat, sollten sich die beiden etwas gönnen. Zum Beispiel könnten sie gemeinsam etwas Schönes kochen, einen Spaziergang machen, lachen, Spaß haben und sich daran freuen, dass sie zusammen eine anstrengende Zeit gemeistert und diese gemeinsam beendet haben.

Danke, Frau Schmickler, für das offene und ausführliche Gespräch.

 

Das Interview führte Wissenschaftsjournalistin Irene Habich.

Kinderwunsch-ABC: Übersicht und PDF-Download

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