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Aktuelle Situation in der Geburtshilfe

Eine 1:1 Betreuung durch eine Hebamme in der Schwangerschaft und während der Geburt ist nachweislich die sicherste und gesündeste Geburtsbegleitung. Durch massive Veränderungen im Gesundheitsmarkt ist diese Fürsorge durch eine Hebamme oft nicht mehr gegeben. Wie die Situation aktuell für Schwangere und Gebärende ist, was du tun kannst und was sich ändern müsste, liest du hier.

In diesem Artikel:

Wie ist die aktuelle Situation in der Geburtshilfe?

Die Geburtshilfe hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Gab es früher eine Geburtsbegleitung, wird es heut immer mehr zur Geburtsmedizin. Dabei werden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 70 - 80 % der Schwangeren bei Geburtsbeginn als gesund eingestuft. Lediglich 6,7 % erleben dann eine Geburt ohne medizinische Intervention. Die Eingriffe in die natürlichen Abläufe gefährden langfristig die seelische und körperliche Gesundheit hunderttausender Mütter, Kinder und Familien. Was passiert genau:

  • Eine zunehmende Entfremdung von den natürlichen Prozessen in Schwangerschaft und Geburt bereitet den Boden für Angst und Unsicherheit und damit für weitere Kontrolluntersuchungen: 99 % der Schwangeren nehmen Testangebote außerhalb der Mutterschaftsrichtlinien in Anspruch.
  • Im europäischen Vergleich stechen die hohe Kaiserschnittrate mit 31,8 % und die Zahl frühgeborener Kinder mit 6,6 % heraus.
  • Durch Tests, Klinikroutine, Medikamente und Technikeinsatz erleben Eltern auch unter der Geburt häufig Entmündigung und Angst um ihr Kind. Das Resultat: Traumatische Geburtserlebnisse mit weitreichenden Folgeproblemen für sich selbst, das Kind, den Partner und die gesamte Familie.
  • Der Berufsstand der Hebammen ist stark bedroht. Durch steigende Haftpflichtprämien ist die wirtschaftliche Existenz vieler freiberuflicher Hebammen gefährdet. Hebammen werden zur Aufgabe ihrer Tätigkeit gezwungen, was bereits jetzt zu einer spürbaren Unterversorgung mit Hebammenleistungen in vielen Regionen und Städten führt. Dabei ist die individuelle Begleitung durch Hebammen – wie wissenschaftlich beweisen ist – das Fundament für eine gut verlaufende Schwangerschaft und einen positiven Geburtsverlauf.
  • Mit dem Hebammenmangel ist das Menschenrecht der Mutter, den Geburtsort ihres Kindes frei zu wählen, in vielen Regionen Deutschlands aktuell nicht mehr gegeben.

Eltern fordern, dass ...

  • Leistungen transparent dargestellt werden, um zu entscheiden, ob die Vorsorge sich an ihren individuellen Bedürfnissen orientiert oder am Profit des Gesundheitsmarktes.
  • sie über die gleichberechtigte Vorsorgemöglichkeit durch Hebammen aufgeklärt und informiert werden.
  • für die Gebärenden Individualität und Selbstbestimmung im klinischen Umfeld herrschen.
  • die physiologische Geburt und konkrete Maßnahmen zur Senkung der Kaiserschnittrate gefördert werden.
  • invasive Routinemaßnahmen abgeschafft werden.
  • jeder Gebärenden eine konsequente Eins-zu- Eins-Betreuung durch eine Hebamme zusteht.
  • sie durch freiberuflich und geburtshilflich tätige Hebammen in allen Phasen des Elternwerdens stärkend begleitet werden.
  • die von Hebammen aufgebauten und am Bedarf von Eltern orientierten Strukturen zur Geburtshilfe, wie Geburtshäuser, Hebammenkreißsäle, Hebammenpraxen und Hausgeburtshilfe, ausgebaut, finanziell abgesichert und angemessen vergütet werden.
  • der Staat seine Mitverantwortung zur Regelung wohnortnaher Versorgung trägt.

Was muss sich ändern?

Eltern wollen die anhaltende Verschlechterung der psychosozialen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen bei der Erwartung und Geburt eines Kindes nicht länger hinnehmen. Vor diesem Hintergrund fordern sie eine grundlegende Reform der geburtshilflichen Rahmenbedingungen.

Eltern fordern ein Mandat, um bei der Gestaltung der sie betreffenden, geburtskulturellen Rahmenbedingungen in Schwangerschaft, Geburtshilfe/-medizin, Wochenbett und Stillzeit mitwirken zu können. Sie sind willens mitzuarbeiten, um strukturelle Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Elterninitiativen aus allen teilen Deutschlands haben sich Anfang 2015 zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das die Geburtskultur reformieren und die freiberufliche Hebammenarbeit stärken will. kidsgo ist seit den ersten Protestaktionen 2014/2015 und seit der Gründung des Netzwerkes dabei.

Grundsatzerklärung der Elterninitiativen

In der gemeinsamen Grundsatzerklärung des Netzwerkes vom 12. März 2016 heißt es:
„Unsere Gesellschaft ist existenziell darauf angewiesen, dass Kinder gezeugt, geboren und im Aufwachsen begleitet werden. Eltern übernehmen für die nächste Generation eine gesellschaftlich herausragende Aufgabe, die Anerkennung und Schutz braucht und verdient. Gerade auch den werdenden Müttern muss Aufmerksamkeit und Fürsorge gelten, denn lange vor der Geburt ist das Kind abhängig von den Bedingungen, unter denen die Mutter lebt.“

Hier liest du mehr zum "Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur"

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Experten gefragt!

Inzwischen warnen auch Experten vor den Folgen der Veränderungen in der Geburtsbegleitung. Hier liest du, was die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes und der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte für Probleme sehen.


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