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Ist dein Partner zeugungsfähig? Eine Fruchtbarkeitsuntersuchung beim Andrologen kann bei unerfülltem Kinderwunsch Antwort geben

Bei einem unerfüllten Kinderwunsch ist es wichtig, dass sich der Mann von einem Facharzt der Andrologie oder Urologie auf seine Zeugungsfähigkeit untersuchen lässt. Der Androloge ist spezialisiert auf Fortpflanzungsfunktionen des Mannes und deren Störungen. Er kann die Spermienqualität anhand eines Spermiogramms bestimmen und eventuelle Vorerkrankungen feststellen.

In diesem Artikel:

Unerfüllter Kinderwunsch aufgrund von Zeugungsunfähigkeit

„Wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt, ist in gut der Hälfte aller Fälle der Mann mit daran beteiligt”, sagt Hans-Christian Schuppe, Professor an der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen. Das zeigt, wie wichtig eine solche Fruchtbarkeitsuntersuchung ist bei eurem Kinderwunsch. Genauso wichtig wie ein Spermiogramm ist aber auch eine gründliche Anamnese – ein Gespräch, in dem der Arzt nach möglichen Vorerkrankungen fragt. Außerdem wird der Androloge deinen Partner körperlich untersuchen und den Spiegel einiger Hormone in seinem Blut bestimmen.

Spermienqualität bestimmen: Das Spermiogramm

Um die Fortpflanzungsfähigkeit eines Mannes zu prüfen, wird sein Ejakulat unter dem Mikroskop und im Labor untersucht. Eine solche Analyse des Spermas nennt man auch Spermiogramm. Es werden die Konzentration und die Gesamtzahl der Samenzellen bestimmt, außerdem wird deren Beweglichkeit begutachtet. „Gute Spermien bewegen sich schnell und vorwärts gerichtet, während Spermien von schlechterer Qualität oft nur zu Kreisbewegungen in der Lage sind”, erklärt Fruchtbarkeitsexperte Hans-Christian Schuppe. Zudem wird untersucht, ob Verformungen an den Spermienköpfen vorliegen und ob alle Spermien eine Geißel haben, die für die Beweglichkeit sorgt. Das Ejakulat wird zusätzlich auf Bakterien und Entzündungszellen untersucht, die auf eine Infektion hindeuten können.

„Das Spermiogramm gibt insgesamt eine gute Orientierung, wenn es darum geht, die Fruchtbarkeit zu beurteilen”, sagt Schuppe. Häufig wird bei Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit eine schlechtere Spermienqualität erkannt. Es sind dann aber stets weitere Untersuchungen nötig, um die Ursache herauszufinden.

Die Kosten für ein Spermiogramm belaufen sich auf 60 bis 90 Euro.

Die Anamnese: Vorerkrankungen ausschließen

Im Gespräch will der Arzt zunächst erfahren, wie lange ihr als Paar schon ungewollt kinderlos seid und was ihr vielleicht schon versucht habt, damit du schwanger wirst. Dann wird er deinen Partner nach möglichen Vorerkrankungen fragen, die einem Kinderwunsch im Wege stehen könnten. Dabei sind auch solche Krankheiten wichtig, die schon lange Zeit zurückliegen können, wie ein Hodenhochstand im Kindesalter. „Ein Hodenhochstand kann später eine Einschränkung der Fruchtbarkeit nach sich ziehen, selbst wenn er im ersten oder zweiten Lebensjahr korrigiert wurde”, sagt Spezialist Schuppe.

Wenn ein Mann in der Vergangenheit eine sexuell übertragbare Krankheit durchgemacht hat, kann zudem die Fortpflanzungsfähigkeit durch Spätfolgen beeinträchtigt sein. Auch chronisch entzündliche Grunderkrankungen wie zum Beispiel eine Schuppenflechte können die Fruchtbarkeit vermindern. „Das liegt an den Krankheiten selber, aber auch an den Medikamenten, die man dagegen nimmt", sagt Schuppe.

Was die Zeugungsfähigkeit sonst noch beinträchtigen kann

Der Arzt wird auch fragen, ob es andere Medikamente gibt, die dein Partner regelmäßig einnimmt.

So können sogenannte Alpharezeptorblocker, die zur Behandlung bei Bluthochdruck verschrieben werden, der Fruchtbarkeit eines Mannes schaden. Bei einem Kinderwunsch sollte deshalb mit dem Arzt gemeinsam überlegt werden, ob diese Medikamente abgesetzt oder auf ein anderes Mittel zurückgegriffen werden kann. Stark beeinträchtigt wird die Zeugungsfähigkeit außerdem durch Anabolika, leistungssteigernde Präparate die viele Männer einnehmen, um den Muskelaufbau beim Sport zu steigern.  „Anabolika können dabei auch versteckt in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sein, die man im Internet bestellen kann”, warnt Schuppe.

Den Lebensstil verändern, um Spermienqualität zu verbessern

Der Arzt wird auch Fragen zu den Lebensgewohnheiten deines Partners stellen, um die Ursache für schlechte Spermienqualität herauszufinden. Rauchen, Drogenkonsum, zu viel Alkohol und auch Übergewicht schädigen die Spermien.

Spermiogramm

Weil das Spermiogramm das Ergebnis einer Momentaufnahme ist, kann es durchaus ratsam sein, die Untersuchung zu wiederholen. Auch bei der "Probenentnahme" können sich Fehler einschleichen, weshalb Experten raten, diese direkt in der Praxis zu nehmen. 

Wichtig ist: Das Spermiogramm ist nur ein Teil der Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch, aber längst nicht alles: Es kann nicht in allen Fällen zuverlässige Aussagen darüber machen, ob ein Mann sicher fruchtbar ist oder nicht!

Manchmal ist die Spermienqualität nur vorübergehend beeinträchtigt, nachdem die Hoden zu großer Hitze ausgesetzt waren – zum Beispiel bei Saunagängen oder durch eine Infektion mit Fieber. Im Spermiogramm macht sich das erst zehn bis zwölf Wochen später bemerkbar. Oft ist es daher sinnvoll, die Spermienqualität wiederholt zu testen.

Körperliche Ursachen  für einen unerfüllten Kinderwunsch sein

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt Hoden und Nebenhoden ab. Dabei kann er zum Beispiel erkennen, ob der Samenleiter fehlt, durch den die Spermien aus den Hoden ins Ejakulat gelangen. Dieser ist bei einigen Männern von Geburt an nicht angelegt, was aber oft erst bei der Familienplanung bemerkt wird. „Bei einem fehlenden Samenleiter ist eine Zeugung auf natürlichem Wege nicht möglich. Es besteht aber die Möglichkeit, Spermien direkt aus dem Hoden oder Nebenhoden zu entnehmen und für eine künstliche Befruchtung zu verwenden”, sagt Androloge Schuppe.

Auch wird der Arzt untersuchen, ob eine Krampfader am Hoden, eine sogenannte Varikozele, vorliegt, die sehr häufig die Ursache für Unfruchtbarkeit bei Männern ist. Wahrscheinlich wird dadurch das Kühlsystem des Hodens beeinträchtigt und die Spermienqualität in beiden Hoden sinkt. Es kann versucht werden, die Krampfader chirurgisch zu behandeln, um dadurch die Fruchtbarkeit zu steigern. „Das lohnt sich aber eigentlich nur bei jüngeren Paaren”, ergänzt Schuppe. „Da der Erfolg der Behandlung nicht sicher ist, würde man bei älteren Paaren aber keine Zeit damit verlieren und eher über eine künstliche Befruchtung nachdenken.”
Hier käme das Verfahren der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) infrage, denn sie kann auch bei eingeschränkter Spermienqualität zur Schwangerschaft führen. Bei einer ICSI wird eine einzelne Samenzelle mit einer sehr feinen Nadel direkt in eine Eizelle injiziert. 

Bei der Untersuchung wird der Arzt zudem prüfen, ob sich ein Tumor im Hoden gebildet hat. Dies kommt bei Männern mit früherem Hodenhochstand häufiger vor und kann ein Grund für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sein. Eine Ultraschalluntersuchung kann die körperliche Untersuchung unterstützen: „Dabei lassen sich Veränderungen in der Hodentextur, Wasseransammlungen durch Krampfader oder Tumoren besser erkennen”, sagt Schuppe.

Auch Prostata und Penis werden auf Auffälligkeiten untersucht. So kann eine Vorhautverengung in einigen Fällen dazu führen, dass Sperma bei einem Samenerguss nicht bis in die Gebärmutter gelangt.

Die Hormonanalyse: Zu wenig Testosteron?

Bei der Fruchtbarkeitsuntersuchung werden der Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron und die Werte der Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierende Hormon) bestimmt, die von der Hirnanhangsdrüse gebildet werden. FSH und LH sind bei Frauen für die Ausreifung der Follikel und den Eisprung verantwortlich – beim Mann steuern sie die Bildung von Testosteron im Hoden und die Ausreifung der Spermien.

Wenn der Hoden zu wenig Testosteron und deshalb weniger oder schlechte Spermien produziert, spricht man von einer Hodenunterfunktion, in der Fachsprache Hypogonadismus. Diese kann erblich bedingt sein. So weisen etwa drei Prozent der unfruchtbaren Männer eine Chromosomenanomalie, das Klinefelter-Syndrom, auf.  Sie besitzen ein zusätzliches X-Chromosom. Das führt dazu, dass ihr Körper zu wenig männliche Geschlechtshormone bildet, was die Spermienproduktion stört.
Die ließe sich zwar durch künstliche Testosterongaben ausgleichen: „Beim Kinderwunsch ist das aber nicht sinnvoll”, sagt Schuppe. Denn künstlich zugeführtes Testosteron senkt die Fruchtbarkeit bei Männern.

Bei einer Hodenunterfunktion und gleichzeitigem Kinderwunsch wird stattdessen versucht, die körpereigene Testosteronproduktion in den Hoden durch die Gabe anderer Hormone anzuregen. Auch bei einer Hodenunterfunktion ist eine Spermienentnahme aus dem Hoden möglich, wenn die Hormonbehandlung erfolglos bleibt. 

Kinderwunsch-ABC: Übersicht und PDF-Download

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