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Baby-Tagebücher

Alle vier Monate beginnen frischgebackene Mütter oder Väter auf kidsgo.de ihr Baby - Tagebuch. Jede Woche schreiben sie, welche Fortschritte ihr Baby macht und welche Probleme es im Leben mit dem Baby gibt. Die Baby-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von Paediprotect, Thule, BIG und Babymoov.
0. Woche

Konichiwa! - Hallo aus Kyoto!

Wer ist die Neue, warum Japan und wie die Schwangerschaft bisher so verlief.

Hallo und willkommen in unserem Leben in Kyoto!

Die Neue stellt sich vor – auf einer Bühne würde ich nun einen Schritt nach vorne tun und mit dem Kopf nickend in die Runde blicken.
Funktioniert hier natürlich nicht, daher ganz konventionell:
Ich bin Silke, inzwischen 40 Jahre alt, und wohne derzeit in Kyoto, Japan. Dazu gleich mehr. Aufgewachsen bin ich im Speckgürtel von München, wo ich später auch studierte und einige Zeit wohnte. Meine letzte Adresse in Deutschland war allerdings in der Perle Hamburg.
An dieser Stelle beste Grüße und vielen Dank an die vielen Hamburger Schreiberinnen. Beim Lesen eurer Artikel träume ich mich immer an verschiedene Orte dort. Vielen Dank und beste Grüße natürlich ebenso an alle anderen Schreiberinnen! Da mir der direkte Austausch mit anderen hier etwas fehlt, ist es umso schöner, die persönlichen Berichte aus Schwangerschaft und erstem Babyjahr zu verfolgen. – Danke damit auch an kidsgo, dass ihr diese Plattform bietet, und die Sponsoren, die die Mühe der Tagebuchschreiberinnen belohnen!

Also weiter zu mir: In Hamburg habe ich vor gut drei Jahren auch meinen Mann kennen gelernt, fast schon klassisch bei einem Singletanzkurs. Er ist Physiker, machte gerade seinen Doktor, und wollte danach zumindest für eine Zeit nach Japan gehen, das war schon seit Jahren sein Herzenswunsch. Er lernte auch schon lange Japanisch. Nun, ich hatte mir immer einen Partner gewünscht, der auch gerne ins Ausland gehen würde, dann also Japan.

Warum ich gerne ins Ausland wollte? Irgendwie liegt es mir im Blut, so stell ich mir das vor, – meine Großeltern wanderten 1935 nach Argentinien aus und nach einer Studie zieht es in solchen Fällen die zweite Generation auch gern wieder in die Ferne. Meine Studienkombination habe ich passend gewählt: Deutsch als Fremdsprache mit den Nebenfächern Interkulturelle Kommunikation und Arbeits- und Organisationspsychologie. Schon mein erster Job brachte mich an eine Uni in Jordanien und ein paar Jahre später arbeitete ich für ein Projekt sieben Monate in China, Quingdao. Diese Auslandsphasen haben mich viel gelehrt, unter anderem wie deutsch ich selbst bin, was ich daran mag und auch was nicht. Aber auch Respekt vor Menschen, die in einem fremden Land leben, was natürlich besonders gilt, wenn sie das nicht wirklich aus freiem Willen tun. Jedenfalls kann ich einige der Schwierigkeiten gut nachvollziehen. Mit der Schwangerschaft und bevorstehenden Geburt hat sich das Mitfühlen-Können noch einmal verstärkt.

Nun, tatsächlich klappte eine Bewerbung für ein Stipendium auf eine Post-Doc-Stelle in Kyoto und so zogen wir letzten September hierher.

Die letzten Monate in Deutschland waren ziemlich anstrengend: Vollzeitjob, Wohnungsauflösung, Vorbereitung auf Japan. Trotzdem versuchten wir auch bereits schwanger zu werden und ich ließ mich auch noch durchchecken. Bis auf eine bekannte Schilddrüsenunterfunktion und einen leicht erhöhten Prolaktinwert war aber, Gott sei Dank, alles in Ordnung.

Die ersten Monate in Japan waren natürlich ebenfalls sehr aufregend und ich war voll damit beschäftigt, anzukommen: Wohnungssuche und Einrichten, Lebensmittel, Supermärkte kennenlernen, Sprachkurs, Sportmöglichkeiten, erste Bekanntschaften schließen. Mein Mann verbrachte viel Zeit an der Uni. Es wurde Herbst – übrigens wunderschön hier – und dann Winter. Langsam fiel mir doch die Decke auf den Kopf. Deshalb wollte ich mich im Januar um eine Arbeitserlaubnis bemühen und wieder freiberuflich Deutsch unterrichten. (In Hamburg war ich zuletzt im Trainingsmanagement tätig.) Kurz vorher ging ich das erste Mal zum Arzt, weil meine Medikamente für Schilddrüse und Prolaktinwert zu Ende gegangen waren. Ich wartete gerade auf meine Periode, war schon etwas überfällig und hatte wegen des Prolaktins einen Termin bei einem Spezialisten für Kinderwunsch. Der wollte erst einmal wieder meinen Zyklus beobachten. Entsprechend sollte ich nach Zyklusbeginn wiederkommen. Ich hatte Ziehen in der Brust, schlief unruhig, aber diese Zeichen können ja auch trügen. Ein Test bevor ich eine Woche später wieder zum Arzt bin, bestätigte dann aber, dass ich doch endlich schwanger war. Juhu!

Wir entschieden, dass ich mir keine Arbeit mehr suchen würde. Eine Änderung meines Visastatus, Änderung der Krankenkassenzughörigkeit, Steuern und relativ kurze Zeit später alles wieder rückgängig machen, das ist doch alles recht kompliziert. Schon als wir uns anfangs dazu informiert hatten, war klar geworden, dass sich auch Fachleute nur wenig mit unserer Situation auskennen: Mein Mann erhält ein Stipendium vom japanischen Staat, das aber nicht als Einkommen zählt. Offiziell gelten wir beide als arbeitslos und haben auch bei der Pflichtkrankenkasse hier diesen Status.

Meine Schwangerschaft verläuft recht unproblematisch. Im ersten Trimester hatte ich ab und an Migräne und litt unter Appetitlosigkeit, Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit und Sodbrennen. Der erste Test auf Schwangerschaftsdiabetes war positiv, der ausführliche Test bestätigte das aber nicht. Unser Kleines entwickelt sich sehr gut und in normalem Tempo. Die Ärzte sind immer wieder über die Größe erstaunt, aber sagen auch, dass sie eben nur die japanischen Mittelwerte kennen. Jetzt bin ich zwar mit 1,55 m nicht gerade größer als viele Japanerinnen, aber mein Körperbau, sprich mein Becken ist doch etwas breiter.
Sodbrennen habe ich auch jetzt ab und an und im zweiten Trimester bekam ich Beckenschmerzen, ich denke, es ist eine Symphysenlockerung oder doch nahe dran. Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen, mir geht es gut.
Was mir jetzt langsam zu schaffen macht, ist der immer größer werdende Bauch und die Hitze. Nach Wetterberichten ist es in Deutschland zwar zu den Hitzewellen teils heißer als hier und hier gibt es dazu eigentlich überall Klimaanlagen. Aber hier kann man nicht von Wellen sprechen, es ist einfach immer heiß und bis vor Kurzem dazu noch feucht. Seit Wochen hat es schon vormittags über 30 Grad und nachts „kühlt“ es vielleicht auf 26 Grad ab. Der Sommer ist eigentlich meine Jahreszeit, bisher fühlte ich mich ab 25 Grad gerade richtig gut. Aber jetzt ist das etwas anders… Naja, es dauert ja nicht mehr lange – ich bin jetzt in der 35. Woche – und irgendwo habe ich gelesen, dass es Babys bei Hitze auch mal früher aus dem Bauch treibt? So ein zwei Wochen vor Termin – da hätte ich prinzipiell nichts gegen – aus Neugier und, weil der Bauch einfach so schwer wird. Aber natürlich soll unsere Maus die Zeit haben, die sie braucht! – Ja, es wird ein Mädchen.

Dass ich nun nicht mehr gearbeitet habe, hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe nicht viel Ablenkung, bzw. muss sie mir eben selbst suchen, meine Tage gestalten. Andererseits hatte ich eben auch die Zeit, mich gut um mich zu kümmern, selbst gekochtes Essen, Sport.
Und Zeit zu lesen: „Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann und „Das Stillbuch“ von Hannah Lothrop, wohl beides Klassiker? Wenn ich dann meinem Mann daraus erzählt habe, sind ihm die vielen Vagheiten aufgefallen wie: die Geburt kann ganz schnell gehen, aber auch über 24 Stunden dauern, einige Empfehlungen zu Lebensmitteln konnte er auch erst nicht verstehen. Entsprechende Bücher für Partner sprachen ihn nicht an, also suchte er selbst und fand das Buch „Expecting better“ von Emily Oster, einer us-amerikanischen Ökonomin. Sie wendet die ökonomischen Grundlagen der Entscheidungsfindung auf alle Themen in der Schwangerschaft an. Das heißt, sie sucht nach den zugrundeliegenden Studien, um die bestmögliche Informationsgrundlage zu haben und bewertet für sich dann subjektiv die möglichen Konsequenzen/Ergebnisse. Daraufhin entscheidet sie, was sie z.B. noch isst oder welche Untersuchungen sie machen lässt etc. Dieses Buch entspricht seiner Herangehensweise viel eher und wir haben es dann gemeinsam gelesen. Sehr hilfreich war dabei schon mal, dass es in den USA wie auch hier üblich ist, einen Geburtsplan aufzuschreiben, also für das Krankenhaus zu notieren, was man auf jeden Fall möchte bzw. nicht möchte. Ein solcher fand sich dann auch in dem Buch mit den entsprechenden Hintergründen. Die meisten Punkte davon haben wir so übernommen. Ich hatte auch einige Freundinnen zu ihren Geburten befragt und dabei erst festgestellt, dass ein Geburtsplan in Deutschland offenbar nicht so üblich ist.

Über die bisher festgestellten Unterschiede im Umgang mit Schwangerschaft, Schwangeren, den Ratschlägen hier, will ich euch in den nächsten Wochen mehr berichten.
Anbei ein paar Fotos zur Einstimmung auf Japan, das vom Lotustempel ist von letztem Wochenende.

Ich freue mich über Kommentare und Fragen von euch, was euch interessieren würde!

Bis dahin, viele Grüße aus Kyoto!
Silke

Foto: Privat

Foto: Privat

Foto: Privat

Foto: Privat

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