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Tod eines Kindes

Annette Dobroschke-Bornemann ist Gründungsmitglied und Leiterin der Beratungsstelle für Trauernde des TABEA e.V. in Berlin. Im persönlichen Gespräch antwortet sie auf unsere Fragen.

In diesem Artikel:

Tod eines Kindes, Verlust und Trauer ... wie geht es weiter, wo finde ich Hilfe?

kidsgo: Wieviele Familien sind in Berlin-Brandenburg vom Sterben ihres Babys jährlich betroffen?

Annette Dobroschke-Bornemann: In Berlin-Brandenburg sterben jährlich rund 450 Babys ab der Mitte der Schwangerschaft und in ihrem ersten Lebensjahr.

kidsgo: Was ist für verwaiste Babyeltern besonders schwer?

Annette Dobroschke-Bornemann: Verwaiste Babyfamilien leiden besonders unter den fehlenden Erinnerungen und dem Totschweigen des Kindes in der Umgebung.

Weitere Infos

Kontakt:
Geschäftsstelle Lüneburg:
Rehrweg 6
21335 Lüneburg
Fon: (04131-733 077
Fax: (04131) 733 078

Hausanschrift Berlin
c/o Foyer an der Gedächtniskirche
Breitscheidplatz
10789 Berlin
Fon: (030) 495 57 47

www.tabea-ev.de
info@tabea-ev.de

Zielgruppe:
Menschen in Verlust- und Krisensituationen, insbesondere Familien, in denen ein Kind gestorben ist Selbstverständnis: Überkonfessionell, interdisziplinär, überregional. Der TABEA e.V. basiert auf der christlichen Weltanschauung, ist Mitglied im diakonischen Werk Berlin-Brandenburg und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Angebote Beratung, Seelsorge, Psychotherapie, Mediation. Trauergruppen, Tagesseminare, Gedenkgottesdienste.
Rückbildungsgymnastik für verwaiste Babymütter. Hilfe bei Bestattungen von stillgeborenen Babys. Patienten- und Betreuungsverfügungen. Beratung und Anleitung von Angehörigen sterbender Menschen.

Der TABEA e.V. ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt, selbstlos tätig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke. Der Großteil der Arbeit wird über Spenden finanziert.
Die Teilnehmer/innen von Beratungen und Gruppen beteiligen sich anteilig an den Kosten: 5-6 Euro je Gruppenstunde inkl. Verpflegung/Materialien, 25 Euro für 60 min Beratung.

"Schaffung von Erinnerungen, äußerer Anerkennung und Fortbildung"

Wenn ein älterer Mensch stirbt, gibt es meterweise Fotoalben, Kleiderschränke, ein Grab und Erinnerungen an viele gemeinsame Erlebnisse. Dies fehlt den trauernden Familien und ihrer Umgebung, die deshalb auch zu gerne bereit ist, verwaiste Babyfamilien allein zu lassen. Deshalb legen wir in unserer Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Schaffung von Erinnerungen, äußerer Anerkennung und Fortbildung der die Familien begleitenden Professionellen, wie z.B. Hebammen. So sind unsere Babykarten entstanden, um Erinnerungen festzuhalten und nach außen sichtbar zu machen und auch die TABEA-Begräbnisanlage, um jedem Baby, und mag es noch so klein sein, sein eigenes sichtbares und besuchbares Grab zu ermöglichen oder die Möglichkeit, die Babys mit Namen und Daten bei den Gedenkgottesdiensten 2-mal jährlich öffentlich nennen zu lassen.

kidsgo: Wer bekommt beim TABEA e.V. Hilfe?

Annette Dobroschke-Bornemann: Gegründet wurde der TABEA e.V. 1992 zunächst mit dem Blick auf die Bedürfnisse verwaister Eltern und trauernder Geschwister in Berlin und dem angrenzenden Brandenburg. Inzwischen bieten wir aber Beratung für alle Menschen in einer Verlust- und Krisensituation an, so z. B. auch für Witwen und Witwer, Suizidangehörige oder Menschen mit chronischer Erkrankung. Auch räumlich haben wir uns erweitert, so haben wir seit 1997 auch eine Stelle in Niedersachsen.
Zunehmend wichtig ist uns auch die Fortbildung von Mitarbeitenden des Gesundheits- und Sozialwesens. Für sie haben wir eine neue Fortbildung zum/r Sterbe- und Trauerbegleiter/ion konziliert, die berufsbegleitend in Blockveranstaltungen über 1,5 Jahre geht.

kidsgo: Woher kommt der Name TABEA e.V.?

Annette Dobroschke-Bornemann: Namensgeberin unseres Vereins und unserer Beratungsstelle ist die erste bekannte Trauerbegleiterin Tabea. Sie lebte vor rund 2000 Jahren in der Hafenstadt Joppe am Mittelmeer. Dort verschollen viele Männer und Väter beim Fischfang auf dem Meer. Tabea kümmerte sich um die Witwen und Waisen, nähte ihnen Kleider aus Stoffen, die sie selber zuvor gewebt hatte. Und sie begegnete den trauernden Familien von „Mensch zu Mensch“ – und genau das haben wir auch im TABEA e.V. übernommen: Zu uns kommen keine Kunden, Klienten oder Patienten, sondern Menschen, denen wir in der Haltung der Tabea begegnen möchten. Nachzulesen ist die Geschichte der Tabea, manchmal auch Tabita genannt in der Bibel, Apostelgeschichte, Kapitel 9.

kidsgo: Wann entstand Ihr Verein und was ist sein Ziel?

Annette Dobroschke-Bornemann: Der Verein unterhält inhaltlich, organisatorisch, rechtlich und finanziell die von verwaisten Eltern 1992 in Berlin gegründete und überwiegend ehrenamtlich geleistete Arbeit der Beratungsstelle für Trauernde (Schwerpunkt: Verwaiste Eltern).
Der TABEA e.V. möchte Trauernde und ihre Angehörigen in ihrer Trauer unterstützen und begleiten und ihnen den Weg zur inneren Heilung zeigen. Außerdem möchte er durch Informationen und unterschiedliche Fortbildungsangebote beruflich Betroffene und interessierte Laien für Trauer- und Verlusterfahrungen sensibilisieren sowie die Herkunft und Auswirkungen von Trauer aufzeigen in Orientierung an der christlichen Weltanschauung.