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Geld oder Liebe - Wie Paare die Finanzen regeln

Beim Geld hört die Freundschaft auf, sagt der Volksmund. Und manche Paare stellt der Streit darüber vor eine echte Zerreißprobe. Wir zeigen dir, wie du die Weichen für die junge Familie richtig stellst.

In diesem Artikel:

Geld oder/und Liebe

„Wenn wir uns streiten, dann geht es ums Geld“, sagt Mareike. Darin ist sie sich mit ihrem Mann Sven einig. Und damit stehen sie nicht allein: Geld ist bei Paaren, die über ein Jahr verheiratet sind, laut einer Studie der Universität Denver in über 40 Prozent der Fälle der häufigste Konfliktpunkt. Kinder rangieren mit gut 10 Prozent auf Platz zwei. „Meist geht es um Kleinigkeiten“, meint Sven, „etwa, wer jetzt den Einkauf bezahlt und wer es beim letzten Mal getan hat.“

Die beiden sind als Paar repräsentativ: Sie haben ein gemeinsames Konto - wie drei Viertel der Lebensgemeinschaften in Deutschland, laut einer Untersuchung des Deutschen Sparkassen- und Giro-Verbandes (DSGV). Bei Verheirateten sind es sogar 81 Prozent. „Wir haben ja nicht geheiratet, um immer alles gegeneinander aufzurechnen“, sagt Mareike. Für sie ist das gemeinsame Konto auch ein Ausdruck der Zusammengehörigkeit. Wenn jedoch Paare häufig ums Geld stritten, könne dahinter eine generelle Unzufriedenheit liegen, über die gesprochen werden müsse, weiß Korina Dörr, Referentin beim Beratungsdienst Geld und Haushalt des DSGV. Möglicherweise sei dann vorschnell alles zusammengeworfen worden.

Gemeinsame oder getrennte Konten?

Diesen Fehler wollten Sylvia und Cem nicht machen: „Wir haben getrennte Konten“, erklärt die Krankenschwester. Das sei gut so, meint Cem, denn sie würde doch eher spontan shoppen, er hingegen oft im Internet Preise vergleichen. Außerdem verdienen sie ähnlich viel, da müsse der eine nicht den anderen sponsern. „Unterschiedliche Charaktere und Lebenskonzepte drücken sich auch im Umgang mit Geld aus“, bestätigt der Göttinger Familientherapeut Alois Kerklau. Es sei gut, das von Anfang an klar zu machen.

Gerade Frauen bestünden häufig auf getrennten Kassen, weiß Kerklau: „So wollen sie die in den typischen Frauenberufen schlechtere Bezahlung symbolisch ausgleichen.“ In Beziehungen sei Geld allerdings kaum noch ein Machtmittel: „Der klassische Alleinverdiener, der der Frau das Taschengeld zuteilt, ist höchstens noch eine Randfigur.“ Das bestätigt die Untersuchung des DSGV: Gut die Hälfte der Paare sind finanziell unabhängig voneinander - ein Drittel der Frauen aber immer noch abhängig vom Verdienst des Mannes.

Über Geld reden

Bild: detailblick - Fotolia.com

In den meisten Partnerschaften ist das Einkommen ungleich verteilt. Besonders, wenn Kinder da sind, einer der beiden Elternzeit nimmt oder zur Betreuung die Berufstätigkeit reduziert hat – und das ist meist die Frau. Tanja hat zwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter eine Teilzeitstelle angenommen. Ihr Partner Alex arbeitet Vollzeit. „Anfangs hatten wir getrennte Konten“, berichtet der Speditionskaufmann. „Da habe ich am Jahresende immer ihr Minus ausgeglichen.“ Das hat ihn mit der Zeit genervt - und Tanja kam sich wie eine Bittstellerin vor. Also haben sie ein gemeinsames Konto eingerichtet, auf das jeder eine bestimmte Summe einzahlt. Alex’ Beitrag ist logischerweise höher.

Ganz einfach sei das nicht gewesen, meint Tanja. „Ein paar Monate lang haben wir immer wieder diskutiert, was denn nun vom gemeinsamen Konto neben der Miete und den Anschaffungen fürs Baby bezahlt werden muss.“ Da sie wegen des Kindes häufig den Wagen benutzte, wurden das Benzin auch aus der gemeinsamen Kasse bezahlt, Steuern und Versicherungen übernahm Alex. Mit dieser Lösung sind beide zufrieden: Jeder hat sein eigenes Geld, über das er frei verfügen kann und worüber er keine Rechenschaft ablegen muss, und trotzdem gibt es eine gemeinsame finanzielle Basis.

Finanzberaterin Korina Dörr verweist auf einen weiteren Punkt, den Paare bei der Familiengründung beachten sollten: die Altersvorsorge. Da vor allem Frauen wegen der Kindererziehung bei der Berufstätigkeit kürzer treten, sollten sie bedenken, dass damit auch ihre Rentenansprüche sinken. Dafür sollte ein Ausgleich geschaffen werden, das müsse das Paar verhandeln. „Allerdings darf ein knappes Budget dadurch nicht noch knapper werden“, meint sie. Bedenken, dass das Aufrechnen von Ansprüchen die Liebe beinträchtigen könnte, hat sie nicht. Im Gegenteil: „Es ist ein Ausdruck von Vertrauen, in der Partnerschaft über Geld zu sprechen.“