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Liebesfalle Baby - Beziehungskrise vermeiden

Mmmhh..uhh..oh…ja…". Lustvoll stöhnt sie auf. Und dann, im Moment der höchsten Erregung, kann sie nicht mehr an sich halten: "Hör doch mal. War da was?" Nein, da war nichts. Und wenn das so weiter geht, wird da auch nichts mehr sein.

In diesem Artikel:

Liebesfalle Baby - Wie ihr es schafft, ein Paar zu bleiben

Nachts in deutschen Betten, ein Paar mit kleinem Baby versucht, zweisam zu sein. Ist aber nun dreisam - und deshalb bald einsam? Nein, bitte nicht verzweifeln. Unendlich viele Paare haben die Phase des neuen "Wir sind nun zu dritt" als Liebespaar durchgemacht (besonders die Nächte mit Nachwuchs auf den müden Armen) und gemeistert. Hier liest du, wie man der Liebesfalle "Baby" entkommen kann und wie der ganze Kladderadatsch überhaupt zustande kommt.

Buchtipp

Eltern werden – Liebespaar bleiben
50 Tipps, damit die Liebe überlebt

Junge Eltern geraten oft in Alltagskrisen. Wie sie wieder hinaus finden, zeigt dieses praxisnahe Buch. Die bekannte Psychotherapeutin Helen Heinemann beleuchtet 50 typische Alltagskrisen, in die Eltern in den unterschiedlichsten Lebenssituationen geraten, und zeigt konkrete Lösungswege auf. Sie nimmt sich typischer Mutterthemen ebenso wie spezieller Väterprobleme an – und natürlich besonders der gemeinsamen. Dabei nimmt Helen Heinemann, selbst Mutter von vier Kindern, jeden Seufzer junger Eltern ernst.

Helen Heinemann
Eltern werden – Liebespaar bleiben
Westhafen-Verlag, 2012, 14,95 Euro
ISBN 978-3-942-83601-2

Hohe Ansprüche

Gleich vorweg: Weder Mama, Papa, noch Baby sind schuld daran, dass die ersten Monate mit kleinem Kind eine Gefahr für eine harmonische und lustvolle Beziehung sind. Den Schwarzen Peter darf man zu hohen Ansprüchen zuschieben, denen sich junge Eltern heute ausgesetzt sehen. Da wird uns vorgegaukelt, Paar sein bedeute, sich ständig zu lieben und romantisch zu sein. Doch das ist nicht richtig – denn so, wie es uns die Medien täglich vorsetzen, war das Ganze nicht geplant. Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Umbruch. Und mit dem muss mann/frau erst mal zurecht kommen. Unsere behaarten Vorfahren in der Steinzeit lebten eine schlichte Geschlechter-Trennung: Mann draußen beim Jagen, Frau mit Kindern in Höhle, Mann ab und zu zwecks Bestäuben und Essen kurz da. Punkt. In unserer Gesellschaft sitzen wir ständig in der Höhle und eigentlich – wenn man es ganz realistisch sieht – ist die permanente Zweier-Beziehung aus evolutionären Gründen zum Scheitern verurteilt. Deshalb hält sie auch immer seltener dem Alltagsdruck stand. Aber es gibt Möglichkeiten, sich trotz all dieser widrigen Umstände als Paar zu behaupten.

Eltern-Zeit

Bitte bleibe im Gespräch! Mindestens einmal in der Woche - und es sollten schon ein, besser zwei Stunden sein - muss es eine Elternzeit geben. Kerze an, leichte Musik und einen Schluck guten Wein oder besonderen Tee sollte es geben. Ziel der Zusammenkunft: Reden, Quatschen, Klönen! Und zwar um den heißen Brei herum. Folgende Themen sind verboten: Kind, Geld und Verwandtschaft. Eine harte Übung, die leichter wird, wenn es Erzählthemen gibt wie zum Beispiel: Wie fandest Du unser erstes Date? Welche Mutprobe würdest Du gerne einmal machen? Welches größte Geheimnis hattest Du als Teenager?

Wunderschön: Jeder spielt abwechselnd einen Song vor, den er sehr mag oder der zu einem vorher besprochenen Thema passt (etwa die Sterne, die Sonne, Liebe, Farben). Auch toll: Gemeinsam ein Buch lesen – jeder liest abwechselnd ein Kapitel vor, das sorgt für Gesprächsstoff (Comics gehen auch).

Bild: @V Rudie-fotolia.com

Die Macht kleiner Aufmerksamkeiten

Es ist seltsam, aber kaum wird ein Paar Eltern, vergisst es die Zeit für Zärtlichkeit. Rücken kraulen, eine liebe Notiz am Kühlschrank, ein Blümchen, ein Streichler durchs Haar, ein Kuss! Sich nach dem Befinden erkundigen, über doofe Kollegen mit lästern oder mit Kenntnis der aktuellen Ergebnisse Interesse an der Bundesliga heucheln.

Genieße es, wenn dein Baby noch ein Windelpupser ist – denn wenn die Kinder später sprechen und dann lesen können, wird es noch mal schwieriger, die Romantik im Alltag beizubehalten. Noch ist der Nachwuchs so sehr mit sich selbst und dem Großwerden beschäftigt, dass er deine Privatsphäre voll und ganz akzeptiert (zumindest während er schläft).

Tapetenwechsel

Mal mit den Eltern die Wohnung tauschen, um dort in aller Ruhe zweisam zu kochen. Oder ein Hotelzimmer in der heimischen Stadt mieten – ein Tapetenwechsel bringt neue Eindrücke, und nicht selbst gebügelte Bettwäsche kann sehr beflügelnd sein. Ein Babysitter für Abends macht auch den neuen Kinofilm, das Lieblingsrestaurant, die Runde der kinderlosen Freunde wieder möglich.

Sex nach Plan?

Es gibt viele Therapeuten oder Ratgeber, die zum Sex nach Terminplan raten. Wer das jemals ausprobiert hat, hatte vorher vielleicht mit Hilfe einer Flasche Champagner jede Hemmung verloren und wirklich Punkt 20 Uhr am 24. September Beischlaf gehabt – oder hat es einfach nicht getan. Das ist doch schon sehr unsexy, wenn Mann und Frau wissen, dass "es" um 20 Uhr geschehen soll. Wow, das ist alles andere als willenlos und animalisch. Der Plan sollte einfach lauten, sich bei jeder noch so kleinen Gelegenheit zu lieben. Ein Quickie kann erstaunlich schnell viel Nähe aufbauen und ist ein schöner Anlass, dass man das Ganze vielleicht – trotz bleierner Müdigkeit – am Abend ein wenig ausdehnt.

Sex woanders

… und zwar nicht immer im Bett. Das Kinderzimmer sollte man möglichst aussparen und die Wickelkommode auch. Aber wie wäre es mit der Kammer, der Waschmaschine, der Küchenablage, im Auto oder einfach auf dem Fußboden? Das ist besonders sinnvoll, wenn der Nachwuchs bevorzugt im Elternbett einschläft. Agile Bettflucht – und dem kleinen Menschlein das Schlafzimmer überlassen. Schließlich ist der Rest der Wohnung groß genug.

Bild: @V Rudie-fotolia.com

Attraktiv bleiben

Okay: Schlafmangel, ständig volle Windeln um einen herum und Spucktücher auf der Schulter machen es nicht leicht, sich selbst als begehrenswerte Frau zu empfinden.

Deshalb gilt: Die Jogginghose sollte nur in Gemütlichkeits-Notfällen aus dem Schrank geholt werden, eine Gurkenmaske geht schnell und macht die Haut frisch, und ein wenig Schminke lässt sie nicht so traurig aus der Babywäsche gucken! Und immer nur das Kind samt Un- und Annehmlichkeiten als Gesprächsthema ist schlecht für wilde Fantasien oder kuschelige Couchabende geeignet. Noch dazu kommt die Stilldemenz. Unser Tipp: Ein täglicher Blick in die Tageszeitung ist immer möglich und ein kurzer Abstecher in den Veranstaltungskalender auch. Man muss ja nicht hingehen – kann aber zuhause damit überraschen, dass man aber so was von informiert ist, was die In-Crowd so treibt.

Boah, ist das schmutzig!

Sexfilme gucken ist erlaubt! Um sich selbst zu stimulieren oder dem Partner vor Augen zu führen, was alles so möglich wäre. Ab und zu mal ein Blick in andere Schlafzimmer – das kann sehr reizvoll sein und bringt sie und ihn auf Touren. Ein simpler, aber meist sehr wirkungsvoller Tipp.

Der innere Schweinehund

Ja, frisch gebackene Eltern sind müde. Ja, das Kind strengt an. Ja, sie sind ein einziges Nein. So, und jetzt machst du mal was ganz Ausgeflipptes: Du lässt Nähe zu, obwohl du überhaupt keine Lust darauf hast. Einfach so. Wenn es sich nach zehn Minuten immer noch blöd anfühlt, täuscht du eben eine Hustenanfall mit Schleimauswurf vor. Hilft auch. Oder sage die Wahrheit. Das ist entwaffnend oder löst den nächsten Streit aus. Aber ein reinigendes Gewitter wird es allemal.

Bild: @V Rudie-fotolia.com

Kind als Beziehungskitt

Besonders schwierig ist es für Paare, die sich ein Kind gewünscht haben, um ihre Beziehung zu retten. Dieser Schuss geht meist nach hinten los. Denn wenn schon vor der Geburt der Wurm drin war, wird es danach meist noch viel komplizierter. Schlaue Menschen sind also ganz ehrlich zueinander, wenn es um die Familienplanung geht!

Väter aufgepasst!

Einen tollen Tipp gibt es für Männer: Forschungsergebnisse zeigen, dass die Ehezufriedenheit der Frau mit zunehmender Belastung sinkt. Dieser Effekt kann jedoch umso mehr abgemildert werden, je mehr der Mann den Beitrag der Frau würdigt. Also: Männer sind gut beraten, der Frau deutliche Anerkennung für ihre Leistung zu zeigen. Nachts vier mal aufstehen ist durchaus lobenswert!

Erwartungen herunterschrauben

Unsere Beziehungs-Ansprüche sind hoch, und die Medien unterstützen das massiv. Alle leben in ihrer Glücksbärchen-Welt und lieben sich so sehr, streiten nie und sehen immer wie aus dem Ei gepellt aus. Die perfekte Frau sitzt vier Wochen nach der Geburt wieder an ihrem hochdotierten Manager-Arbeitsplatz, und nach Feierabend lernt sie zusätzlich eine Fremdsprache, massiert den Gatten und kocht mongolische Geheimrezepte.

Tipp: Verharre nicht in starren, gesellschaftlich vermeintlich anerkannten Klischeevorstellungen. Suche und finde gemeinsam als Paar euren eigenen, ruhig auch unkonventionellen Weg, bei dem beide ihre Bedürfnisse möglichst erfüllt bekommen.

Mit Baby ist eben anders als ohne!

Eine Beziehung verändert sich mit dem Kind von Grund auf. Bei frisch gebackenen Elternpaaren setzt ein "Traditionalisierungs-Effekt" ein – die Aufgabenverteilung in der Beziehung verschiebt sich selbst bei den modernsten Paaren meist in Richtung klassische Rollenverteilung. Und zuverlässig sinkt die Partnerschafts-Zufriedenheit in den ersten vier Jahren nach der Geburt, die positive Zugewandtheit der Partner zueinander nimmt drastisch ab. Diese Ergebnisse zeigen sich in allen Untersuchungen. Wenn es einem Paar anders geht, ist es wirklich die Ausnahme. So wird die Elternschaft in der Psychologie auch als "kritisches Lebensereignis" betrachtet.

Ein Kind ist demnach wirklich eine Herausforderung an die Partnerschaft. Doch so lange man mit dem Partner im Gespräch bleibt, sich gegenseitig sieht und die gegenseitigen Wünsche wenigstens ein offenes Ohr finden, bist du auf dem besten Weg. Und: Paare, die sich immer mal wieder zu zweit ins Gebüsch schlagen anstatt mit Kind und Kegel in der trauten Höhle zu hocken, finden dort auch reichlich Äste, um die „Liebesfalle Baby“ zu überbrücken.

Experten-Interview


Dr. Nina Hollenbach ist Diplom Psychologin und Verhaltenstherapeutin in München

„Bleibe in Kontakt!“

kidsgo: Frau Dr. Hollenbach, wie tappen Paare in die „Keine-Zeit-für-Zärtlichkeit“-Falle?

Dr. Nina Hollenbach: Da kommen einige Faktoren zusammen: Die junge Mutter ist ständig im Einsatz, leidet unter Schlafmangel, die Nerven liegen blank – und dann kommt da der Mann, der auch noch seinen Teil fordert. Oder: Der Mann sieht bei der Geburt den Unterleib seiner Frau in völlig anderem Zustand – das bekommt er nicht mehr aus dem Kopf. Zudem verändert die Situation mit Kind das Leben und die Beziehung schlagartig. Sich an die Erfordernisse der Situation anzupassen, verlangt von beiden enorm viel Energie. Da werden Sex und Zeit füreinander oft erst mal hinten angestellt.

kidsgo: Welche Tipps gibt es, um das Liebesleben wieder anzukurbeln?

Dr. Nina Hollenbach: Ein Geheimrezept gibt es leider nicht. Die Situation positiv beeinflussen kann ein guter Umgang mit den unterschiedlichen Bedürfnislagen beider Partner. Druck durch eigene Ansprüche ist zur Wiederbelebung der Lust kontraproduktiv. Geben Sie sich und dem anderen Zeit – Humor hilft auch. Allerdings: Je länger die sexlose Zeit dauert, umso mehr schwindet die Lust, und umso schwieriger wird die erotische Wieder-Annäherung. Also: Sich einen Ruck geben, wenn sich doch einmal ein Fünkchen Begehren meldet und die Gelegenheit beim Schopf ergreifen!

kidsgo: Was sind die häufigsten Beziehungs-Fallen?

Dr. Nina Hollenbach: Problematisch ist das Einstellen der Kommunikation über alle Dinge, die nicht die Alltagsorganisation oder das Kind betreffen. Bleiben Sie in Kontakt mit dem Partner, seinem Erleben, seinen Wünschen, seinen Schwierigkeiten! Sprechen Sie über Ihr eigenes Erleben, Ihre Bedürfnisse – möglichst dann, wenn Sie echtes Interesse am anderen fühlen und ihm gegenüber eine wohlwollende Haltung einnehmen können. Das ist nicht immer der Fall – auch unschöne Worte dürfen mal fallen. Beziehungs-Killer werden sie erst dann, wenn sie überhand nehmen.

kidsgo: Was ist da das Maß?

Dr. Nina Hollenbach: Untersuchungen über die Kommunikation glücklicher und unglücklicher Paare zeigen, dass Beziehungen dann als glücklich empfunden werden, wenn auf fünf positive Interaktionen höchstens eine negative kommt. Zeigen Sie also dem Partner Zuneigung auf die Art, die Ihnen möglich ist. Das kann auch ein Kuss im Vorbeigehen sein oder ein besonders nettes Wort zwischendurch. Auch gemeinsam verbrachte Zeit ist gut für die Beziehung: Mal den Babysitter bestellen und zu zweit essen gehen. Seien Sie kreativ!

kidsgo: Frau Dr. Hollenbach, vielen Dank für dieses Gespräch.

Buchtipps gegen Beziehungskrisen

Achtung! In diesen beiden „Ratgebern“ ist drin, was drauf steht. Nichts für zart Besaitete, hier geht es bis ins letzte Detail zur Sache. Und sage nicht, wir hätten dich nicht gewarnt.

Neue Verkehrsregeln – Der erste ehrliche Sexratgeber für Eltern

„Gibt es tatsächlich Eltern, die noch Sex haben?“ fragte sich Autorin Merle Wuttke und fing an, darüber zu sprechen. Die Geschichten, die sie hörte, sind erstaunlich, erschreckend, entlastend und mutmachend zugleich.

Fischer Verlag
Merle Wuttke
ISBN 978-3-8105-2378-5
13,95 EURO

Höchste Paarungszeit – Erotisches für Eltern im Alltagschaos

Erregende Geschichten, erotische Anregungen und pragmatische Tipps für alltagsstrapazierte, aber noch immer liebeshungrige Eltern. Die Autoren – selbst Eltern zweier Kinder – zeigen, dass es gar nicht so sehr um Organisation geht. Vielmehr sollte man jede Möglichkeit nutzen. Denn: Gelegenheit macht Liebe!

suedwest Verlag
Liebling & Schatz
ISBN 978-3-517-08903-4
14,99 EURO


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