MENU

Zwillinge: Was du über das Leben mit Zwillingen wissen musst

Die Zwillinge sind da! Und wo bleibt der große Jubel? Zwillingseltern und Zwillingsmütter im Besonderen machen oft die Erfahrung, dass sie erst einmal überwältigt sind. Die großen Muttergefühle kommen erst langsam ... und bei Zwillingen ist es fast so, als müsse man sich gleichzeitig in zwei Personen verlieben. Keine leichte Aufgabe!

In diesem Artikel:

Das (Über-)Leben mit Zwillingen

Wenn die Babys zu früh geboren wurden, wird die erste Zeit nach der Geburt oft auch von großen Sorgen überschattet. Werden sie es überleben? Machen sie Fortschritte? Müssen sie operiert werden? Sind sie behindert durch die lange Beatmung? Nehmen sie zu? Trinken sie gut? Unter diesen Umständen ist es nur normal, dass der erwartete große Jubel erst einmal etwas verhaltener ist.

Aber irgendwann ist diese Phase der Orientierungslosigkeit vorbei und du bekommst deine Zwillinge nach Hause. Jetzt muss sich erst einmal alles einspielen. Die Babys brauchen einen festen Rhythmus, der es den Eltern erleichtert, den Fütter- und Versorgungsaufwand zu bewältigen.

Feste Fütterungszeiten erleichtern die „Raubtierfütterung“

Stillst du? Dann brauchst du ein gutes Buch dazu (zum Beispiel von Hannah Lothrop „Das Stillbuch“, Kösel Verlag oder/und zusätzlich von Susanne Wittmaier „Zwillinge stillen – Hilfe in allen Situationen“, von Gratkowski Verlag), ein gutes Stillkissen (zum Beispiel von Corpomed), einen lieben Mann, der den Haushalt schmeißt und dir die Babys zum Stillen zureicht.

Klappt das Stillen nicht – soll ja vorkommen – lass dir keine grauen Haare wachsen. Mutterliebe gibt’s nicht nur aus der Brust. Jetzt brauchst du ein richtiges kleines Heer an Flaschen, damit Sie die Fläschchen tageweise vorbereiten können. Das soll man ja angeblich nicht, aber in den Kliniken wird es genauso gemacht. Natürlich muss man Hygiene dabei walten lassen und sollte fertige Fläschchen nur im Kühlschrank aufbewahren.

Kannst du deinen Babys nicht gleichzeitig das Fläschchen geben (es bedarf schon einiger Verrenkungskünste ...) legst du das Baby, das warten muss, in eine Wippe, die du mit dem Fuß wippst. Das andere Baby kannst du gleichzeitig erschütterungsfrei im Arm halten und füttern. Von mir ausprobiert und mit Ausdauer praktiziert.

Schlaflosigkeit – ein Zwillingselternproblem

Möchtest du einen Blick in mein Tagebuch von damals tun? Am 2.6.1984 notierte ich: „Oh, diese Nächte!“ Am 6.6.1984 schrieb ich – wahrscheinlich noch mit ganz dicken Augen: „Die Nacht war echt schlimm. Um 4 Uhr lege ich mich hin und um 5 schreit Maxi wieder.“ Schlaflosigkeit ist auch ein ganz großes Zwillingselternproblem. Es ist zwar nicht so, dass Zwillinge grundsätzlich schlechte Schläfer sind, aber sie wecken sich unter Umständen gegenseitig und nie können Eltern sagen, jetzt schläft der kleine Maxi endlich, jetzt leg ich mich auch schnell hin, denn da ist ja noch ein kleiner Conny oder wie immer der zweite Zwilling heißen mag ...

Unsere eigenen Zwillinge haben 2,5 Jahre lang die Nacht zum Tag gemacht. Als sie 1,5 Jahre alt waren, kapitulierten wir und klappten das Ehebett zusammen, legten von Wand zu Wand drei riesige Matratzen aus und schliefen fortan einigermaßen komfortabel zu viert auf einem Matratzenlager.

Was hilft in dieser Situation?

  • Sehr viel Gelassenheit und das Vertrauen darauf, dass auch dies nur eine Phase ist, die vorübergehen wird. Ein Familienbett zu installieren, ist nie verkehrt. Und die Sorge, dass die Kinder nie mehr aus dem Ehebett ausziehen werden, ist völlig unbegründet.
  • Die segensreiche Erfindung ein Beistellbettchen, das man direkt ans Elternbett klemmen kann. So hat man das Baby (oder die Babys) griffbereit und jeder – Erwachsene wie Neugeborene – haben ein eigenes Bett. So schlafen alle ruhiger. (Hersteller Babybay, München).
  • Eine gekaufte oder selbstentworfene Hängewiege (Hersteller Lullababy, Dreieich), die bei Bedarf sanft und ohne großen Kraftaufwand geschaukelt werden kann.
  • Außerdem gibt es sehr gute Literatur zum Thema, nämlich das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ vom O & P Verlag. Darin enthalten ein Programm, mit dem Eltern Babys das Schlafen sozusagen beibringen können. Wem das Programm zu viel Konsequenz abverlangt, der kann allerdings jede Menge Anregungen und Hintergrundwissen zum Thema Schlaf aus dem Buch mitnehmen.

Weiterführende Links

  • Noch mehr Informationen zum Thema findest du im Internet beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter dem Stichwort "Mehrlingsgeburten". www.bmfsfj.de
  • Interessantes zur Zwillingsforschung findest du bei Wikipedia.
  • Zwillinge, besonders eineiige Zwillinge haben immer etwas faszinierendes. Mehr zum Mythos Zwillinge findest du auf www.der-zwilling.de

Mobil bleiben mit Zwillingen

Neu-Zwillingsmütter werden es nachvollziehen können: Anfangs gestaltet sich auch das Spazieren gehen ziemlich kompliziert. Und so sitzen viele Zwillingsmütter ziemlich isoliert zu Hause und warten sehnlichst darauf, mal wieder mit einem Erwachsenen sprechen zu können.

Es ist gerade am Anfang schon aus organisatorischen Gründen schwer, allein vor die Tür zu kommen. Hat man den ersten Zwilling gefüttert und angezogen, muss man dem zweiten schon wieder die Windel wechseln, der erste spuckt in der Zwischenzeit – er oder sie muss umgezogen werden. Und so kann das Spielchen eine ganze Weile gehen und du bist schweißgebadet, bis du vor die Tür kommst. Dann fehlt eigentlich nur noch ein neugieriger Passant, der sich dir in den Weg stellt und fragt: „Sind das Zwillinge?“ Du nickst, möchtest endlich weitergehen, damit die schreienden Babys einschlafen, doch so einfach kommst du nicht davon: „Ist ja süß, aber viel Arbeit, gell?“

Ach, da drückte man doch manches Mal herzlich gern einen der Säuglinge einem Wildfremden in den Arm, natürlich nicht ohne zu sagen: „Probieren Sie’s doch einfach mal aus!“

Wie kommt man mit Zwillingen vor die Tür?

  • Das wichtigste Utensil ist der Zwillingswagen. Er sollte leicht zu bedienen sein (kein komplizierter Zusammenfaltmechanismus), leicht zu schieben (was nicht unbedingt voraussetzt, dass er vorne Schwenkräder hat – auf den Schwerpunkt kommt es an!) und er sollte so variabel sein, dass man ihn von Anfang an nutzen kann.
  • Verkaufspersonal in den üblichen Babygeschäften ist leider oft überfordert, den richtigen Rat zu geben. Statt sich den erstbesten Ladenhüter aufschwatzen zu lassen, solltest du dich vorher im Internet informieren (Chatrunden), welche Kinderwagen bei anderen Eltern begehrt sind, und du solltest dir eine Checkliste machen, welchen Anforderungen dein Wagen genügen muss.
  • Zu zweit ist es leichter. Statt wie ich die Minuten zu zählen, bis der Zwillingsvater nach Hause kommt, solltest du dich bemühen, eine andere Zwillingsmutter zu finden, mit der du gemeinsam ausrücken kannst. Oder auch eine Freundin, die nur ein kleines Kind zu betreuen hat. Zwei Erwachsene tun sich leichter, drei kleine Kinder zu beaufsichtigen.
  • Wenn die Zwillinge laufen können, steht ja auch das Sicherheitsproblem im Vordergrund. Mein Vorschlag: Notfalls Kinder an die Leine oder auf sehr große, übersichtliche Wiesen gehen, da kann man die kleinen Entdecker wieder einfangen, bevor sie sich ganz aus dem Staub machen.

Sicherheit zu Hause und unterwegs

Die Sicherheit der Kinder ist sowieso ein großes Problem, wenn du Zwillinge hast. Viele Zwillingseltern bestätigen, dass die beiden nicht nur schwerer zu beaufsichtigen sind, sondern dass sie sich auch zu allerlei Unsinn anstiften.

Was macht deinen Haushalt sicherer?

  • Ein großer Laufstall ist sehr empfehlenswert, will man nicht permanent hinterher hechten oder auch nur mal allein auf die Toilette gehen. Ein sehr variables Modell – sogar mit Tür - gibt es von einer deutschen Firma namens Krabbel-Hit.
  • Untere Regalbretter und Schubladen nur mit kindgerechten Dingen bestücken oder gleich mit Spielzeug.
  • Den gefährdeten Fernseher kann man in einen kleinen Laufstall stellen, so dass er außer Reichweite der Zwillinge bleibt.
  • Topfpflanzen sind supergefährlich. Die entweder nach ganz oben (aufs Fensterbrett) verbannen oder abschaffen.
  • Keine Tischdecken benutzen.
  • Küche kindersicher machen oder zusperren.
  • Steckdosensicherungen anbringen.
  • Bad und Toilette gut verschlossen halten.
  • Stühle flach auf den Boden legen, falls deine Zwillinge zu akrobatischen Kletterübungen neigen.

Ach, am besten gestaltest du das Kinderzimmer wie eine Gummizelle und dann ein Gitter davor ...

Das Leben mit Zwillingen: Machen Zwillinge Spaß?

Wenn du bis hierher gelesen hast, wirst du dich fragen, ob Zwillinge denn auch Spaß machen oder nur Stress? Na klar machen die Spaß! Aber manchmal etwas zeitversetzt. Heute lache ich drüber, wie Max sich den Schokoladenmund im frischgewaschenen Bettuch abputzte, danach die Strafe fürchtend in einen Schuppen rannte und ganz wie der Michel aus Lönneberga nicht mehr rauskommen wollte.

Oder wie Max – jaja, schon wieder dieser Max! – in der Toilette den Duftstein im Klo herzhaft ablutschte – ganz türkisfarbenen Schaum vor dem Mund ...

Süß sind sie ja auch anzusehen, wenn sie schlafen. Ach, wie friedlich ... „Nur ein schlafender Zwilling, ist ein guter Zwilling!“ sagte mein Mann und meinte es nicht ganz ernst.

Wie geht es der Partnerschaft?

Es ist eine traurige Wahrheit, dass heutzutage viele Ehen an der Belastung des Alltags zerbrechen. Zwillingseltern-Ehen machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Deshalb ist es ganz wichtig, dass du dir die Aufgaben teilst, dass du dich absprichst, damit nachher kein Frust aufkommt. Bei uns war jeder für einen Zwilling verantwortlich – leider hatte ich mir Max ausgesucht. Der war etwas schwierig als Baby, ist dafür heute umso netter.

So bleibt ihr ein Paar

  • Sprich über deinen Frust. Sucht gemeinsam nach Lösungen.
  • Teilt euch die Aufgaben. Wenn du stillst, kann er kein Kind zum Füttern abnehmen, aber er kann dir die Babys zureichen und sie wickeln.
  • Schaff dir kleine Auszeiten. Nimm dir einen Babysitter oder nutze ein freiwilliges Angebot aus der Verwandtschaft und gestalte einen Abend pro Monat nur für dich.
  • Mach ein Candlelight-Dinner notfalls mit einem der beiden Schreihälse auf dem Arm – aber genieße diesen Abend als etwas Besonderes.
  • Wenn du ganz mutig bist und auch jemanden hast, der einspringt: Gönn dir ein ganzes Wochenende allein zu zweit oder später mal eine Woche Urlaub ohne Kinder.
  • Lasst euch gegenseitig Freiraum. Schick deinem Mann zum Sport oder mal mit Freunden los. Übernimm als Mann mal eine Nachtschicht, lass deine Frau ausschlafen oder schicke sie mit einer Freundin zum Essengehen, ins Kino oder in irgendein anderes Vergnügen.

Adressen rund ums Thema "Zwillinge"

Unterstützung findest du bei den folgenden Initiativen und Shops, die meist von Zwillings-Eltern betreut werden:

  • Zwillingsgruppe im Eltern-Kind-Programm e.V.
    Stockdorf bei München
    eMail: info@ekp.de