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Familie und Beruf - Mutter sein statt Karriere

Denise W. hat im Alter von 16 Jahren die Hauptschule verlassen. Sie bekam trotz vieler Bewerbungen keine Lehrstelle. „Mein Notendurchschnitt war nicht so schlecht“, erklärt die heute 22-Jährige selbst. Trotzdem keine Chance für ihren Traumberuf Reiseverkehrskauffrau.

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Neue Studie: Mutter statt Karriere

Nachdem sie über ein Jahr lang in verschiedenen Bereichen jobbte, unter anderem als Regalauffüllerin und als Aushilfe in einem Sonnenstudio, bekam sie mit 18 Jahren ihr erstes Baby. Seither ist sie arbeitslos. Sie hat sich für eine „Karriere“ als Mutter entschieden und erwartet im August ihr zweites Kind. Denise ist allein erziehend.

Erwerbslose Frauen entscheiden sich oft für Kinder

Mit ihrem Lebenslauf bestätigt die junge Frau das Ergebnis einer Studie, die das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) kürzlich veröffentlichte. Demnach fördert bei Frauen mit niedrigem Bildungsniveau die Arbeitslosigkeit eine frühe Mutterschaft.

Weitere Infos

Die DIW Studie im Internet

Die Studie ging der Frage nach, wie sich Arbeitslosigkeit auf Familiengründungen auswirkt. „Joblosigkeit geht einher mit drohenden finanziellen Engpässen, die eine Familiengründung auf unsichere Beine stellt“, sagte DIWFamilienexperte Christian Schmitt, der in seiner Studie die Effekte bei Männern und Frauen aus unterschiedlichen europäischen Wohlfahrtsstaaten untersuchte. Daher sei es bei besser ausgebildeten Frauen eher unwahrscheinlich, dass sie, wenn sie in die Arbeitslosigkeit gerieten, ein Kind bekämen. Auch erwerbslose Männer schreckten vor einer Vaterschaft eher zurück. Frauen mit niedrigen und schlechten Bildungsabschlüssen sowie langen Phasen ohne Job tendierten eher dazu, sich für ein Kind zu entscheiden. Auch Frauen, die bereits auf die finanzielle Unterstützung eines Partners angewiesen sind, seien im Falle der Arbeitslosigkeit eher bereit für Kinder.