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Altersvorsorge für Frauen - Wie du Altersarmut vermeiden kannst

Wenn man jung ist, hat man anderes im Kopf Dann kommen die Kinder und das Geld ist meistens knapp. Familie steht an erster, Mutter an letzter Stelle. Auch bei der Altersvorsorge. Und irgendwann, Ende Dreißig, Anfang Vierzig, stellt man mit Erschrecken fest, dass auf der hohen Kante fürs Alter viel zu wenig liegt. Wie Frauen vorsorgen können.

In diesem Artikel:

Finanzberatung von den FinanzFachFrauen

Die FinanzFachFrauen sind ein bundesweiter Zusammenschluss von qualifizierten Finanzdienstleisterinnen, die sich aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihres frauenpolitisches Engagements zusammengefunden haben. Wann immer es um das Thema „Frauen und Geld" geht, sind sie kompetente Ansprechpartnerinnen. Jede von ihnen ist in ihrer Arbeit wirtschaftlich unabhängig von Banken, Versicherungs- und Kapitalanlagegesellschaften. Gemeinsam haben Sie als die ersten Frauen in Deutschland ein Beratungskonzept für Frauen entwickelt.

Experten-Interview

Regina Weihrauch ist 44 Jahre alt und seit acht Jahren Mitglied der FinanzFachFrauen. Nach ihrem Studium und der Mitarbeit im Fairsicherungsbüro Hannover eröffnete die Bankkauffrau und Dipl.Volkswirtin 1991 ihr eigenes Fairsicherungsbüro in Göttingen. Regina Weihrauch ist verheiratet, hat zwei Kinder (21/14 J.) und lebt in Göttingen.

Mit Regina Weihrauch (Fairsicherungsbüro Göttingen, Mitglied der FinanzFachFrauen) sprach Simone Taschemski (kidsgo) darüber, warum Frauen sich selten um die eigene Altersvorsorge kümmern und wie sich finanzielle Lücken im Alter vermeiden lassen.

kidsgo: Frau Weihrauch, in kaum einem anderen europäischen Land sichern sich die Menschen gegen so viele Risiken ab wie in Deutschland. Wie kommt es, dass ausgerechnet die weibliche Altersvorsorge, also die Absicherung der Frauen vor der Armut im Alter, so stiefmütterlich behandelt wird?

Regina Weihrauch: Frauen werden immer noch kaum als Zielgruppe wahrgenommen, wenn es um finanzielle Absicherung geht, weil diese Aufgabe lange Zeit „Sache des Mannes, des Versorgers" war. Und auch die Selbstwahrnehmung der Frauen ändert sich erst langsam. Bis 1977 benötigten verheiratete Frauen die Unterschrift ihres Ehemannes, um ein eigenes Konto zu eröffnen. Berufliche Selbstständigkeit und die damit einhergehende finanzielle Unabhängigkeit sind also noch gar nicht so lange selbstverständlich. Viele Frauen sind erleichtert, wenn der Partner die Verwaltung der familieninternen Finanzen übernimmt und vertrauen einfach darauf, dass sie als Ehefrauen ausreichend über ihren Mann abgesichert sind. Was in den meisten Fällen leider nicht der Fall ist.

Weitere Informationen

Die FinanzFachFrauen sind ein bundesweiter Zusammenschluss von qualifizierten Finanzdienstleisterinnen, die sich aufgrund ihrer Berufserfahrung und ihres frauenpolitisches Engagements zusammengefunden haben. Wann immer es um das Thema „Frauen und Geld" geht, sind sie kompetente Ansprechpartnerinnen. Jede von ihnen ist in ihrer Arbeit wirtschaftlich unabhängig von Banken, Versicherungs- und Kapitalanlagegesellschaften. Gemeinsam haben sie als die ersten Frauen in Deutschland ein Beratungskonzept für Frauen entwickelt.

kidsgo: Woran liegt das? Und warum ist es so wichtig, dass Frauen, - egal, ob als Ehe- und Hausfrau oder als finanziell unabhängiger Single - ihre private Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen?

Regina Weihrauch: Erstens: Die staatliche Altersvorsorge reicht zur Bedarfsdeckung bei weitem nicht aus. Zweitens: Frauen haben noch immer eine höhere Lebenserwartung als Männer. Dieser Unterschied verringert sich zwar aufgrund ähnlicher Lebens- und Arbeitsumstände kontinuierlich, aber noch leben Frauen länger - nur, wovon? Drittens: die Lebensumstände von Frauen verändern sich stärker als die von Männern. Berufliche Ausfallzeiten, z. B. durch Elternzeit, Teilzeitarbeit oder die Pflege eines Angehörigen, verursachen Lücken in der Altersvorsorge. Hierfür muss ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Auch Trennungen, wechselnde Lebenspartnerschaften, Arbeitslosigkeit oder berufliche Selbstständigkeit sind Faktoren, die eine ausreichende Absicherung erschweren und deshalb einkalkuliert werden müssen.

Deine Ansprechpartnerin

Düsseldorfer Raum:

Heide Härtel-Herrmann
Inhaberin des Frauenfinanzdienstes Köln, berät seit über 20 Jahren Frauen mit dem Schwerpunkt „private Altersversorgung und finanzielle Lebensplanung". Die Diplomökonomin und zertifizierte Finanzplanerin ist Mitbegründerin des Arbeitskreises „FinanzFachFrauen bundesweit seit 1988". Sie hat einen 25-jährigen Sohn und lebt in Köln.
Tel.: 0221.9128070

Hamburger Raum:

Susanne Kazemieh
gründete 1989 die FrauenFinanzGruppe, die inzwischen mit 12 Mitarbeiterinnen über 600o Kundinnen betreut. 1998 war sie Mitbegründerin der bundesweiten Vereinigung der Finanzdienstleisterinnen. In 2003 hat sie die GrünAnlagen GmbH aus der Taufe gehoben, die auf ökologische Finanzanlagen spezialisiert ist.
Tel.: 040.41426667
E-Mail: info@frauenfinanzdienst.de
Internet: www.frauenfinanzdienst.de

Münchner Raum:

Helma Sick
ist Finanzberaterin und Mitglied der FinanzFachFrauen. Die Betriebswirtin erarbeitet individuelle Konzepte für die finanzielle Lebensplanung und Altersvorsorge von Frauen und vermittelt die dazu passenden Geldanlagen. Als Inhaberin des Unternehmens "frau & geld" feiert sie in diesem Jahr ihr 20jähriges Firmenjubiläum. Seit zehn Jahren schreibt sie eine Geldkolumne in der Zeitschrift BRIGITTE, seit vier Jahren in BRIGITTE Woman. Im Februar 2007 ist ihr neuestes Buch erschienen. Es heißt: "Wenn ich einmal reich wär - Träumen ist gut, planen ist besser." Helma Sick ist geschieden, hat einen Sohn und lebt in München.
Tel.: 089.28729630
E-Mail: helma.sick@frau-und-geld.com
Internet: www.frau-und-geld.de

Vorsorgepaket sollte maßgeschneidert sein

kidsgo: Welche Möglichkeiten der Altersvorsorge gibt es?

Regina Weihrauch: Das neue Alterseinkünftegesetz (AEG), das seit dem 1.01.2005 in Kraft ist, sieht Aufwendungen für die Alterseinkünfte im Drei-Schicht-Modell vor. Die Basis (Schicht 1) stellt die gesetzliche Rente bzw. die Basis-Rente (Rürup-Rente) dar. Sie ist noch immer die wichtigste Einkommensquelle und wird es aller Voraussicht nach in den kommenden Jahrenauch bleiben. Darauf folgt die Zusatzversorgung (Schicht 2), die staatlich gefördert wird, zum Beispiel die Betriebs- und Riesterrente. Letztere ist insbesondere für allein Erziehende mit Teilzeittätigkeiten lohnenswert. Den Abschluss des Systems (Schicht 3) bilden die so genannten „Kapitalanlageprodukte". Gemeint sind hier private Rentenversicherungen, Fondssparpläne und ähnliches. Wie Sie die einzelnen Bausteine kombinieren, ist von Ihren finanziellen Möglichkeiten, aber auch vom Berufsstand abhängig. Für Selbstständige oder Beamte empfehlen sich andere Vorsorgeformen als für Angestellte oder Hausfrauen. Ein Vorsorgepaket sollte deshalb immer persönlich maßgeschneidert werden.

kidsgo: Gibt es eine Faustregel, wie viel Prozent meines Einkommens ich heute investieren muss, wenn ich meinen jetzigen Lebensstandard im Alteraufrecht erhalten möchte?

Regina Weihrauch: Wir empfehlen grundsätzlich mindestens 5-10 Prozent des jeweiligen Bruttoeinkommens in die private Altersvorsorge zu investieren - und zwar so früh wie möglich. Wichtiger als die Höhe des monatlichen Beitrags ist also die Laufzeit der Ansparung. Hier gilt: je länger die Ansparzeit desto geringer ist der (regelmäßige) Aufwand.

kidsgo: Was kann ich tun, wenn ich nicht so viel Geld zur Verfügung habe oder bereits bestehende Versorgungslücken (z. B. durch einen verspäteten Sparbeginn) schließen möchte?

Regina Weihrauch: Auch ein Betrag von 50-100 Euro im Monat ist ein Anfang und besser, als gar nichts zu tun. Warten Sie also nicht, sondern beginnen Sie unbedingt sofort damit, Ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände zu nehmen. Für bereits bestehende Lücken gilt: Nutzen Sie die Möglichkeit der Einmalzahlungen, um Ihre Sparsumme aufzustocken. Zum Beispiel, in dem Sie Gratifikationen, Prämienausschüttungen oder Erbschaften einmalig in Ihre private Rentenversicherung einzahlen und sich damit einen höheren Anspruch sichern. Im schlimmsten Fall müssen später die eigenen Kinder für die Mutter aufkommen, weil die es versäumt hat, rechtzeitig vorzusorgen.

Eigene Rentenversicherung sinnvoll

kidsgo: Für die meisten Frauen steht irgendwann die Familienplanung an. Das bedeutet - trotz neuer Elterngeld-Regelung - berufliche und finanzielle Ausfallzeiten, fast immer für die Frauen. Gibt es für diese Lebenssituationen flexible Altersvorsorge-Modelle, die dem schwankenden Einkommen Rechnung tragen?

FinanzFachFrau - Hamburg

Susanne Kazemieh gründete 1989 die FrauenFinanzGruppe, die inzwischen mit 12 Mitarbeiterinnen über 600o Kundinnen betreut. 1998 war sie Mitbegründerin der bundesweiten Vereinigung der Finanzdienstleisterinnen. In 2003 hat sie die GrünAnlagen GmbH aus der Taufe gehoben, die auf ökologische Finanzanlagen spezialisiert ist.

Tel.: 040.41426667
eMail: info@frauenfinanzdienst.de
Internet: www.frauenfinanzdienst.de

Regina Weihrauch: Ja, die gibt es. Sie sind aber nicht für jeden empfehlenswert, insbesondere, wenn die Laufzeiten kurz sind und die Lebensumstände sich voraussichtlich verändern. Flexibilität und Dynamik verursachen immer Extrakosten. Werden zum Beispiel die monatlichen Beiträge reduziert, gilt das als Teilkündigung des Vertrags und verursacht somit Kosten. Besser ist es, wenn Sie bei der persönlichen Altersvorsorge rückwärts kalkulieren. Legen Sie monatlich einen Betrag zurück, den Sie mit Sicherheit immer, d.h., auch bei sich ändernden Lebensumständen wie Elternzeit, Trennung, oder Arbeitslosigkeit regelmäßig zahlen können. Wenn Sie dann in die glücklichen Lage kommen, mehr zurück legen zu können, schließen Sie lieber einen weiteren Vertrag ab. Für Familienzeiten gilt: Die Zeit, die der Partner der Familie widmet, sollte finanziell ausgeglichen werden. Meiner Meinung nach sollte es selbstverständlich sein, dass das Familieneinkommen eingesetzt wird, um die private Altersvorsorge beider Partner zu sichern. Ausfallende Beiträge der Frauen durch Familienzeiten sollte der Partner übernehmen, damit keine Versorgungslücke für die Frau entsteht.

kidsgo: In den meisten Fällen, wenn es um Familiengründung geht, hofft man darauf, dass man gemeinsam alt wird und dann entsprechend über das gemeinsam erzielte Einkommen versorgt ist. So werden in der Mehrzahl der privaten Renten- und Lebensversicherungen die (Ehe)partner als Begünstigte im Todesfall eingesetzt. Was ist aber, wenn sich - durch Ehescheidung oder Trennung - der Name des Begünstigten ändert? Kann ich diesen Verlust als „Geschädigter" geltend machen oder irgendwie abpuffern?

FinanzFachFrau - Köln

Heide Härtel-Herrmann - Inhaberin des Frauenfinanzdienstes Köln, berät seit über 20 Jahren Frauen mit dem Schwerpunkt „private Altersversorgung und finanzielle Lebensplanung". Die Diplomökonomin und zertifizierte Finanzplanerin ist Mitbegründerin des Arbeitskreises „FinanzFachFrauen bundesweit seit 1988". Sie hat einen 25-jährigen Sohn und lebt in Köln.
Tel.: 0221.9128070

Regina Weihrauch: Private Rentenversicherungen werden meist vom Mann als Versicherungsnehmer abgeschlossen, sofern er das Haupteinkommen erwirtschaftet. Begünstigte sind in der Regel Ehefrau und leibliche Kinder. Kommt es zur Scheidung, sieht der Gesetzgeber im Rahmen des Versorgungsausgleichs lediglich den Rückkaufwert der Versicherung zum Trennungszeitpunkt als Bemessungsgrundlage vor. Der liegt erfahrungsgemäß weit unter der monatlichen Abschluss-Summe, die der Versicherte später erhält. Für den vormals Begünstigten (der jederzeit geändert werden kann - sofern kein unwiderrufliches Bezugsrecht eingesetzt wurde) also eine sehr nachteilige Regelung. Abgesehen davon, dass dem ehemaligen Partner die bereits gesparten Jahre als eigene Beitragslaufzeit fehlen. Das macht deutlich, warum wir Ehepartnern raten, in jedem Fall eine eigene Rentenversicherung abzuschließen.

Langfristig vorsorgen

kidsgo: Apropos Laufzeit ... Was ist sinnvoller, wenn ich Geld fürs Alter anlegen möchte - kurze Laufzeit, hohes Risiko und potentiell hohe Rendite oder langfristige, sichere aber nicht so ertragreiche Anlageformen?

Regina Weihrauch: Die meisten unserer Kundinnen machen es ganz richtig: sie splitten das Geld, das sie anlegen möchten. Ein (Groß-)Teil wird in eine sichere, langfristige Anlageform investiert, die die Grundversorgung sichert. Der verbleibende Teil kann risikoreicher angelegt werden, z. B. in Fonds. Beginnen Sie spät mit der eigenen Vorsorge, sollten Sie im ersten Schritt auf sichere Anlageformen setzen. Welche das sind, erklären wir Ihnen gern. Nur eines sollten Sie auf keinen Fall tun: Darauf setzen, dass sich schon alles „von alleine regelt" oder glauben, dass es sich nicht lohnt etwas zu tun, weil Sie kaum Geld zum Zurücklegen besitzen. Fangen Sie also unbedingt sofort mit Ihrer privaten Altersvorsorge an, wenn Sie im Alter nicht arm dran sein möchten.

kidsgo: Vielen Dank für das Gespräch.


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