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Familienzeit: Mehr gemeinsame Zeit mit den Kindern

Eltern verbringen heute doppelt so viel Zeit mit ihren Kindern als vor 50 Jahren. Das ergab eine internationale Studie der Universität von Kalifornien in Irvine. Demnach stieg die Dauer der mit- und füreinander verbrachten Zeit in den westlichen Ländern von 54 auf 104 Minuten pro Tag an. Trotzdem scheint vielen Familien das Zusammensein noch immer zu kurz.

In diesem Artikel:

Was bedeutet das, Zeit mit Kindern verbringen?

Die oben erwähnte Studie über die gemeinsamen Zeit wurde im Januar 2017 in der Zeitschrift „Psychologie heute“ veröffentlicht und ursprünglich 2016 von der Universität von Kalifornien in Irvine durchgeführt. Die Forscherinnen Giulia Maria Dotti Sani und Judith Treas werteten dafür Eltern-Tagebücher aus elf westlichen Ländern über die täglichen Aktivitäten aus. Sie erfassten dabei sämtliche Tätigkeiten wie Essen vorbereiten, Kinder baden, wickeln, anziehen, ins Bett bringen, nachts trösten, mit ihnen spielen, lesen, ihnen etwas erklären oder bei den Hausaufgaben helfen. Gerade wenn wochentags viele Verpflichtungen rufen, sind im Alltag Zeit und Zuwendung für Kinder besonders wichtig.

Väter wünschen sich mehr gemeinsame Aktivitäten

Vor allem Männer wünschen sich mehr gemeinsame Aktivitäten, ermittelte das statistische Bundesamt 2015. Laut der Erhebung „Wie die Zeit vergeht“ empfinden knapp ein Drittel der Väter die Zeit mit ihren Kindern als nicht ausreichend und noch einmal genau so viele sind nur teils/teils mit ihrer Aufteilung zwischen Familie und Beruf zufrieden. Und das, obwohl Väter ihren Betreuungsumfang seit 1965 bereits vervierfacht haben. So widmeten sie sich damals nur 16 Minuten täglich ihren Sprösslingen, heute ist es – laut der kalifornischen Auswertung –eine knappe Stunde. Trotzdem klafft die Schere zwischen dieser Realität und dem Wunsch nach Mehr weit auseinander.

Umfrage - Sollen Kinder ihre Kinder bei Langeweile bespaßen

Genug Zuwendung auch von berufstätigen Eltern

Mehr als die Hälfte der Eltern sind heute beide berufstätig. Das klassische Rollenmodell mit dem Vater als alleinigen Ernährer gibt es laut Statistischem Bundesamt bloß noch in rund einem Drittel der Familien. Wider Erwarten sind aber gerade die Kinder arbeitender Eltern oft zufriedener mit dem Maß an Zuwendung von Mama und Papa – zumindest wenn wenigstens einer in Teilzeit arbeitet. Das ist das überraschende Ergebnis einer World-Vision-Kinder-Studie aus dem Jahr 2013. 

„Intensive Elternschaft“ – ein kultureller Trend

Wie passt das zum Gefühl und häufig schlechten Gewissen der mit der Doppelbelastung jonglierenden Eltern? Häufig sind sie sich über die knappe wertvolle Familienzeit bewusst und stellen sie an erste Stelle. Andere Dinge wie Haushalt oder Einkauf sind zweitrangig, dafür holen sie sich Hilfe. Besonders unter gut ausgebildeten Eltern in westlichen Ländern scheint die Ideologie einer „intensiven Elternschaft" inzwischen weit verbreitet, eventuell sogar ein kultureller Trend zu sein. Weitere Studien schätzen familiäres Zusammensein sogar als eine Art Statussymbol der Mittelschicht ein.
Doch woher die Zeit für einen Waldspaziergang, fürs Spielen, Vorlesen oder einfach mal gemeinsam Nichtstun nehmen?

Buchtipp

Familienzeit  - Entdeckerbuch für glückliche Familien

kidsgo Buchtipp - Familienzeit„Dieses Buch bietet viele Denkanstöße und Anregungen für Aktivitäten, Ausflüge, Spaziergänge, kleine Feste, Bastelarbeiten, Kochideen – und das alles ohne Zwang zur Formvollendung“, schreibt Autorin Sabine Huth-Rauschenbauch. An die Gegebenheiten der Jahreszeiten orientiert, führen pädagogische Texte jeweils in den Monat ein: Im Windmonat Ventôse (März) erfahren wir, warum das Spielen in Pfützen und Matsch so gesund und glücklich macht und wie wir gemeinsam Saatbomben und Franzbrötchen backen. Stürzen wir uns also mit neuen Ideen ins Familienvergnügen!

Sabine Huth-Rauschenbach, Familienzeit – Entdeckerbuch für Familien, Trias, 2017, 19,99 Euro, ISBN 978-3-432-10378-5

Familienmanagement gemeinsam planen

Motivations-Trainer und Business-Coach Reinhold Stritzelberger ist selbst Vater von zwei Kindern. Entsprechend kennt er das Dilemma der Zeitfrage und gibt Eltern dazu zwei Tipps:

„Erstens: Hören Sie ihrem Partner richtig zu, ohne ihn zu unterbrechen oder sofort Lösungsvorschläge für Probleme zu machen. Am besten führen Sie jede Woche etwa 90 Minuten ein intensives Gespräch.

Zweitens: Entwickeln Sie gemeinsam eine Familien-Vision. Also ein Ziel, wie Sie sich Ihr Zusammenleben vorstellen. Bleiben Sie dabei realistisch und überprüfen Sie regelmäßig, ob Sie noch „auf Kurs“ sind. Hilfreich sind dabei kleine Alltagsrituale.“

Um seinen Rat zu veranschaulichen, bemüht er gerne den Vergleich mit einem Navigationssystem im Auto. Es empfiehlt die Fahrtrichtung, die am schnellsten zum Ziel führt. Folgt der Fahrer den Anweisungen nicht, berechnet das System eine neue Route. So sollte auch das Familienmanagement funktionieren. „Jedes Unternehmen hat einen Management-Plan. In Bezug auf die eigene Familie sind aber selbst erfahrene Firmenchefs oft ratlos“, sagt Stritzelberger. Und ergänzt: „Wenn einem etwas wirklich wichtig ist, findet sich die Zeit dafür von allein!“


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