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Märchen: Warum Kindermärchen Futter für die Seele sind

Es sind alte Geschichten, geschrieben nach einem ewig gleichen Muster und in einer Sprache, die heute so niemand mehr spricht. Mitunter sind sie recht grausam, und trotzdem sind sie bei Kindern beliebt. Wie gebannt lauschen selbst Kinder, die sich sonst schwer damit tun, fünf Minuten in Folge still zu sitzen und wollen mehr hören vom Jungen, der dem Teufel die drei goldenen Haare stiehlt. Was also ist das Geheimnis der Märchen?

In diesem Artikel:

Im Märchen siegt am Ende das Gute

In den alten Volksmärchen stecken jahrhundertealte Lebensweisheiten. Sie sprechen zu uns in einer Sprache, die unsere Seele versteht. „Märchen gehen ins Herz“, erklärt die Märchenerzählerin Kirsten Stein aus Kassel. In ihnen geht es um die großen und kleinen Menschheitsdramen, die über die Jahrhunderte und über alle Winkel der Welt immer die gleichen geblieben sind. Es geht um Tod und Liebe, Trennung und Neubeginn, das Finden der eigenen Identität und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Märchen bieten Andockstellen zur Identifikation. Sie funktionieren alle nach dem Prinzip: Alles ist möglich und am Ende siegt das Gute. Wer sich auf den Weg macht, wird belohnt. „Oft sind es gerade die Kleinen, die als Dummlinge diffamiert werden, die im Märchen die Chance bekommen, sich zu beweisen“, erzählt Kirsten Stein. Genau das sind Figuren, in denen Kinder sich gut wiederfinden.

Märchen erleben

Kirsten SteinMärchenerzählerin Kirsten Stein bietet unter anderem Märchenführungen durch den Bergpark in Kassel an. Mehr über ihre Angebote auf

www.natuerlichmaerchen.de

Fantasievolle Bilder für die Kinderseele

Märchen befriedigen den Gerechtigkeitssinn von Kindern und in ihrer bildgewaltigen Sprache regen sie die Fantasie an. Sie verbinden Generationen und sind Wegweiser in schwierigen Lebenssituationen. Auch Kirsten Stein wurde schon als Kind von der Märchenlust gepackt: „Meine Oma erzählte mir ständig Märchen – beim Kochen, Spazierengehen oder auch beim Friedhofsbesuch.“ Zur eigenen Berufung wurde das Märchenerzählen für sie erst viele Jahre später als Leiterin eines Waldkindergartens. Weil Bücher im Wald eher unpraktisch waren, hat sie angefangen, sich einzelne Märchen anzueignen, um diese den Kindern zu erzählen – mit großem Erfolg.

Märchensammlungen

Sammlung der Märchen der Gebrüder Grimm, von Hans Christian Andersen, Ludwig Bechstein und anderen.

maerchen.com

Sammlung bekannter und weniger bekannter Volksmärchen

www.maerchenstern.de

Geschichten frei erzählen

Ihr Tipp für Eltern: Trau dir ruhig mal zu, eine Geschichte frei zu erzählen. Es gibt viele alte Märchen, die gar nicht lang sind und denen auch sehr kleine Kinder schon gut folgen können. „Die Bienenkönigin“ von Jacob Grimm zum Beispiel. Aber auch in Hänsel und Gretel steckt viel von der Gefühlswelt, die Kinder durchleben, wenn für sie die Kindergartenzeit und damit die erste Trennung vom Elternhaus beginnt. „Dass die böse Hexe am Ende im Ofen schmort, finden Kinder in der Regel gar nicht so schlimm“, sagt Kirsten Stein. Denn auch das ist der Vorteil am freien Erzählen: Die Seele macht sich immer nur die Bilder, die sie auch verkraften kann.