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Camping - Baby-Tagebücher von Anna aus Hitzacker

Hautnah. Intensiv. Liebenswert. Folgt hier den Babytagebuch-Bloger:innen und erlebt regelmäßig, wenn frischgebackene Mütter und Väter ihr Leben mit euch teilen. Jede Woche lassen sie euch an ihrer neuen Lebenszeit mit Baby teilhaben und geben ganz persönliche Einblicke: Was hat der Sprössling diese Woche Tolles gelernt? Wie geht es den jungen Eltern mit dem kleinen Knirps? Welche Herausforderungen begegnen den Neu-Mamas und Neu-Papas mit ihrem Neugeborenen? In den Baby-Tagebüchern seid ihr live dabei, von ersten Arztbesuchen bis zu holprigen Gehversuchen. Ob liebenswert chaotisch oder rührend besinnlich: Immer erhaltet ihr einen unverfälschten, authentischen und persönlichen Einblick in das aufregende Leben einer Jungfamilie.

45. Woche

Camping

Oder: mit zwei Kindern und ohne Ball aufs Klo.

Hallo ihr Lieben,

Die Fahrt zum Campingplatz hat eeeeeeeeeeeewig gedauert. Leider war die Fahrt ziemlich im Eimer. Obwohl die Babylady beim Packen in der Trage geschlafen hat und ich mich freute, dass unser Plan ein weiteres Mal aufging, wurde sie müde während der Fahrt. Und dieses Mal schlief sie nicht. Es war eines der 95% wo sie sich in Rage schreit. Wir waren schon später losgekommen, da wir noch in Pirna gegessen haben und Windeln wechseln mussten. Die Kinder hatten keine gute Geduld für die Fahrt. Und mein Mann und ich auch nicht so. Ich hatte leider nicht auf meine Auszeiten geachtet, weil ich einfach so viel (mit meiner Familie) machen wollte. Das rächte sich jetzt. Ich war total überreizt. Und das ständige Geforder, Gewünsche und "Wann sind wir da?" zerrte übel an meinen Nerven.
Wir mussten dann schließlich für eine Stunde auf einem Rastplatz anhalten, damit die Babylady in der Trage schlafen konnte. Aber auch danach war sie wenig genießbar. Wir waren sehr froh als wir abends ankamen.

Dort erwartete uns der nächste Schreck: "Wir wissen nicht ob wir Platz für ein so großes Zelt haben". Mit Hilfe unserer Freunde fanden wir aber schnell einen tollen Platz.
An der Mecklenburgischen Seenplatte sind wir auf einem kleinen Naturcampingplatz gelandet. Hier gibt es freie Platzwahl ohne feste Parzellen. In einem lichten Kiefer-Birken-Wald direkt am See. Mit Steg und seichtem Einstieg, wo auch die Kinder planschen können.

Das Ankommen war einfach und schön. Die kleinen Jungs verschwanden direkt mit ihren Freunden zwischen den Bäumen. Der Ninja und mein Mann bauten das Zelt auf und ich und die Babylady kuschelten erstmal in der Trage und richteten uns notdürftig ein.

Am nächsten Morgen killte mich mein Ischias nach dem Frühstück. Es wird jetzt am Ende langsam besser, aber er hat mir die Tage wirklich unschön gemacht. Die Depression kickte nochmal mit einer ordentlichen Tieflage, sodass ich nichts Schönes finden konnte, keine Beschäftigungsideen mit den Kindern hatte und von allem und jedem genervt war. Nachdem mein Mann am dritten Tag die Kinder eine Weile übernommen hat, sodass ich mich zwei Stunden in meiner Schlafkabine einigeln und die schwarze Wand anstarren konnte, ging es langsam wieder. Aber es fühlt sich leider so an, als ob mir dieser Teil vom Urlaub geklaut wurde. Was es mir aber auch wiederum gezeigt hat: es war zwar wieder ein Tief da, aber dieses Tief war ganz anders als die vorigen. Seichter. Kein tiefes Tal mehr, sondern eine Mulde. Zwar eine Mulde, die Wände und Abschottung brauchte, aber nicht so ein schreckliches Tief wie in den letzten Monaten. Und das wiederum finde ich positiv, wenn nun schon die Tiefpunkte weniger tief und intensiv werden. Vielleicht habe ich es deswegen auch erst nicht als depressives Tief erkannt.

Die Kinder hatten trotzdem ihren Spaß. Der Campingplatz hat eine tolle Größe. Er ist sehr übersichtlich und es war immer jemand da um nach den Kindern zu schauen. So hatten wir keine Sorgen sie einfach laufen und machen zu lassen. Sie waren viel in einer kleinen Kindergruppe unterwegs. Mal beschäftigten sie sich durch die Zelte, auf dem Platz, im See, oder es wurde Kanu gefahren. Einen Tag liehen sich mein Mann und der Ninja jeweils ein SUB und verbrachten den größten Teil des Tages auf dem See. Die Kinder waren die meiste Zeit dreckig, Barfuß und mit einem Strahlen im Gesicht unterwegs. Und fast nur draußen. Das war toll. Auch die Babylady krabbelte vergnügt durch den "Dreck" des Waldes. Sie erkundete Stöcker, Kiefernzapfen und übte freies Stehen am Campingtisch. Von diesem versuchte sie sich alles mögliche zu angeln. Wasser durfte ihr aber nicht in die Nähe kommen. Bevor ihre Zehen nur das Wasser berührten fing sie fürchterlich an zu schreien. Keine Ahnung warum.

Eine super Idee war eine Knabberschale auf dem Tisch. Diese machte ich nach dem Frühstück fertig mit Mandeln, Nüssen, Rosinen, Pistazien und getrockneten Mangos. Manchmal auch Salzstangen. Die Kinder waren verrückt danach. Wir lernten ohne Kühlung auszukommen und einfacher zu kochen.
Abends konnte ich leider nicht mit in der Runde sitzen, da die Babylady zwar gut einschläft, mich aber in ihrer Nähe wissen will. Versuche ich zu verschwinden wird aufgewacht und geweint.

Es entwickelte sich eine ganz neue Familiendynamik, mit der ich überhaupt nicht zurechgekommen bin. Alle sprangen vom essen auf sobald sie fertig waren und rannten wieder zu ihren Leuten oder Aktivitäten. Einmal saß ich wirklich heulend da, weil einfach alle weg waren und ich mit dem gerade fertig gefütterten Baby und meinem vollen Teller allein da saß. Ich wurde aber trotzdem ständig auf Abruf gebraucht für Badehosen, Schwimmflügel anziehen, Essen rausgeben usw. Und dann kam ich wirklich in die blöde Situation mit meinem Kleinkind zu diskutieren warum ich den großen Wasserball nicht auch noch mit ihm und seiner kleinen Schwester mit aufs Klo zum Morgenpipi nehmen wollte. Da kommt man so ja auch nicht drauf.

Ich habe dann beschlossen meins zu machen. Ich habe mir den Wecker gestellt und konnte dann tatsächlich allein aufstehen. Ich habe mich in ruhe (alleine) fertig gemacht und mir einen Tee gekocht. Ich habe kein Frühstück gerichtet, sondern mich mit meinem heißen Becher Tee vors Zelt in die kalte Morgenluft gesetzt, zugesehen wie die Sonne die Birkenblätter zum strahlen und die Kiefernstämme zum leuchten bringt und meine Momente genossen. So ging es mir wieder besser.

Am letzten Abend gab es eine Party. Ich erfuhr erst abends davon und mein Fünfjähriger wollte so gerne hin. Die Party ging nämlich früh los, sodass ich endlich auch mal abends etwas mitmachen konnte. So bin ich dann mit den kleinen Jungs zur Party gegangen. Es gab einen Sandkasten, Livemusik, Lichter und Lagerfeuer. Auch Alkohol, aber der war nix für uns drei. Also wurden mir wilde Eiskreationen aus Sand gemacht, wir saßen ums Feuer und bestaunten es. Wir fühlten die Hitze und ich hinderte den Mini daran einen großen Plastikkipper zum Feuer zu schieben. Und wir tanzten auf dem Rasen zur Musik und dann nachhause zu unserem Zelt. Auf dem Weg dahin kreuzte uns noch eine dicke Kröte, die ausgiebig betrachtet wurde. Ein wunderschöner letzter Abend.

Am nächsten Morgen wurde es dann schon Zeit alles einzupacken, abzufegen und zu verstauen. Die Reise sollte weitergehen. Die Kinder taten sich schwer die alten und neuen Bekannten und Freunde zu verabschieden. Mir tat es auch leid. Hatte ich doch endlich das Gefühl beim Camping angekommen zu sein. Wir werden das sicher wieder machen. Einmal im Jahr trifft sich dieser Freundeskreis für ein paar Tage auf einem Campingplatz. Zum Wiedersehen, Quatschen, Beisammensein. Eine wundertolle Sache wie ich finde. Und nervlich absolut entspannter für uns als eine Ferienwohnung. Auch wenn es schon schön ist ein festes warmes Zimmer zu haben, wenn das Wetter ungemütlich wird.

Nun geht es ab ans Meer. Die schöne Ostsee ruft....

Liebe Grüße von
Anna



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In diesem Beitrag geht's um:

Postnatale Depression, Camping mit Baby, Familiendynamik, Reisen