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Trauerbewältigung bei Kindern – Wie du mit Kindern über den Tod reden kannst

„Als der Uropa meiner Kinder starb, haben meine Kinder selbstgemalte Bilder mit ins Grab gelegt“, erzählt Julia. Bei der Trauerfeier hielten sie sich fest an den Händen. Der dreifachen Mutter fiel es nicht leicht, mit ihren Kindern über den Tod zu sprechen, doch sie merkte bald, dass sie nach Antworten suchten.

In diesem Artikel:

Opa ist Himmel – Trauerbewältigung bei Kindern

Viele Kinder wollen wissen, was bei einer Beerdigung passiert und wohin der Verstorbene nun kommt. Mit Halbsätzen geben sich Kinder nicht zufrieden. Wer gläubig ist, hat es mit dieser Frage sicherlich leichter. Die Vorstellung, dass Opa nun im Himmel ist und wir sein Erdenkleid in die Erde legen können, weil er es dort, wo er jetzt ist, nicht mehr braucht – so wie ein Mantel, der den langen Winter über schön warmgehalten hat, aber jetzt im Sommer zu warm und zu schwer geworden ist und darum abgestreift werden kann – hat etwas Tröstliches.

Das ist eure Meinung!

„Nimmst du dein Kind mit zur Beerdigung?“ – So stimmten unsere LeserInnen in einer Online-Umfrage ab:

Kind mit zur Beerdigung nehmen

Wenn man aber selbst nicht daran glaubt kann, braucht es andere Bilder. Manchmal bleibt auch nur, zuzugeben, es selbst nicht zu wissen oder verstehen zu können. Kinder wollen vor allem aufrichtige Antworten: „Verschweigen bedeutet dramatisieren“, erklärt Theologin und Notfallseelsorgerin Christine Fleck-Bohaumilitzky.

Kinder trauern anders als Erwachsene

Kinder können in einem Moment tieftraurig weinen und im nächsten lachend in eine Pfütze springen. Trauer ist belastend für Kinder und darum auch nur eine begrenzte Zeit aushaltbar. Viele Kinder haben durchaus ihre eigenen Vorstellungen vom Tod und von dem, was danach kommt.

Hilfen zur Trauerarbeit

Viele Hospize und ambulante Hospizdienste bieten Trauergruppen für Kinder an. Gerade ambulante Kinderhospizdienste sind auch für Geschwister von lebensbedrohlich erkrankten Kindern da. Adressen finden sich unter
bundesverband-kinderhospiz.de
www.dhpv.de

Online-Trauerberatung
Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer e.V.
Beratungstelefon: 040-229 444 80

Online-Trauerbegleitung für ältere Kinder (ab 12)
www.youngwings.de
www.da-sein.de
www.klartext-trauer.de

Frühestens ab dem Grundschulalter aber können Kinder den Tod als eine unumkehrbare und irgendwie unausweichliche Tatsache erfassen. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch schon sehr kleine Kinder trauern und leiden. Verlustschmerz und Trauer gehören zum Leben. „Je früher Kinder lernen, damit umzugehen, desto besser kommen sie mit den großen und kleinen Abschieden des Lebens zurecht“, meint Christine Fleck-Bohaumilitzky. Um das lernen zu können, brauchen trauernde Kinder Menschen, die ihnen zuhören und die in diesen besonderen Momenten liebevoll an ihrer Seite sind. Was noch hilft? Etwas tun: zusammen einen Brief schreiben, ein Bild malen, das Grab hübsch dekorieren, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden, eine Blume pflanzen …

Kinder von Schuldgefühlen befreien

Wer ist schuld am Tod? Eine Frage, die Kinder umtreibt. Oft haben sie selbst Schuldgefühle. Hier hilft reden, zuhören und versichern, dass sie keine Schuld tragen. Genauso bei der Frage, ob die empfundene Trauer jetzt ein Dauerzustand bleiben wird. Für ein Kind ist eine Woche eine Ewigkeit, und es braucht Menschen, die ihm erklären, dass es normal ist, jetzt sehr traurig zu sein und ganz viel an den Menschen zu denken, der gestorben ist. Dass die Erinnerung immer bleiben wird und etwas Gutes ist, aber auch wieder Platz sein wird für andere Gedanken.

Buchtipps

... für Kinder: Nasse Nasenspitzen-Küsse

Nasse Nasenspitzen-Küsse„Was passiert, wenn man tot ist?“, will Louise von ihrer Tante Elfriede wissen. Eine Frage, die alle Kinder irgendwann stellen. Antwort darauf gibt das Bilderbuch „Nasse Nasenspitzen-Küsse“. Autorin Theresa Maria Zeitz schreibt über Seelen, die in eine andere, schöne Welt fliegen – und darüber, wie geliebte Menschen in unseren Herzen weiterleben: „Man kauft einen Ballon, küsst ihn so viel man möchte, und lässt ihn dann einfach in den Himmel steigen.“

Theresa Maria Zeitz, Nasse Nasenspitzen-Küsse, Deutschen Literaturgesellschaft, 2017, 14,80 Euro, ISBN 978-3-03831-160-7

... für Eltern: Wenn Kinder trauern

Wenn Kinder trauernKinder trauern nicht nur beim Tod eines Menschen oder ihres Haustieres, sondern ebenso beim Verlust eines Kuscheltieres oder beim Wegzug eines Freundes. Das kleine Büchlein gibt kompakt Auskunft darüber, wie Kinder trauern und sich den Tod vorstellen. Zugleich bietet es Anregungen, was trauernde Kinder brauchen und welche Fragen häufig auftauchen. Wie Eltern Kindern helfen können, mit solchen Verlusten umzugehen, beschreibt die Autorin einfühlsam, kompetent und hilfreich.

Christine Fleck-Bohaumilitzkzky, Wenn Kinder trauern: Was sie fühlen – was sie fragen – was sie brauchen, Patmos, 2016, 9,99 Euro, ISBN 978-3-8436-0792-6


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