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Baby-Tagebücher

Alle vier Monate beginnen frischgebackene Mütter oder Väter auf kidsgo.de ihr Baby - Tagebuch. Jede Woche schreiben sie, welche Fortschritte ihr Baby macht und welche Probleme es im Leben mit dem Baby gibt. Die Baby-Tagebücher werden ermöglicht durch die Unterstützung von Paediprotect, Thule, BIG und Babymoov.
14. Woche

Ein winterliches Themenpotpourri

Von nassen Fenstern, dem Wind aus Klimaanlagen und dem japanischen Plastikrausch, Plätzchenbacken mit Babys, Impfen die Zweite, und und und

Hallo ihr lieben Leserinnen und Leser!

Unsere letzte Woche verlief nicht viel anders als die davor. Eine Winterroutine stellt sich ein, auch im Alltäglichen, was so zu tun ist. Zum Beispiel wische ich jeden Morgen oder Vormittag die Fensterscheiben einmal trocken oder nehme zumindest das gröbste Wasser ab. Denn die Fenster sind hier leider nur einfach verglast und daher schlägt sich immer wieder eine Menge Wasser ab. Natürlich passiert das meist über Nacht, aber auch tags kommt es vor, wenn es sehr trüb ist. Die Sonne schafft es in der Regel nicht, die Fenster komplett zu trocknen, also helfe ich nach, um einer Schimmelbildung vorzubeugen. Das kostet manchmal schon ne halbe Stunde Zeit. Letzte Woche hatten wir wieder Werbung für eine Doppelverglasung im Briefkasten, aber als Mieter vor unserem letzten Winter hier werden wir da nicht investieren… Einfachverglasung ist hier definitiv noch der Standard, selbst bei Neubauten, das kann man überall beobachten. Ein einziges Mal habe ich in Tokio in einem Hotel eine Doppelverglasung gesehen und das war wahrscheinlich eher Lärmschutz.
Trockne ich morgens die Scheiben, muss ich trotzdem an manchen Tagen einen Luftbefeuchter anmachen, weil der Winter hier relativ trocken ist. Und dann sind die Scheiben wieder …

Ich mag Klimaanlagen nicht, weil ich relativ empfindlich auf Zugluft bin, und mit einer Klimaanlage hat man nun mal ständig „Wind“ um sich. Aber ohne kommen wir hier natürlich nicht aus. Es ist unsere wichtigste Heizquelle. Wir haben zwar noch einen Heizstrahler, aber der braucht etwas Platz und mit Kind haben wir davon noch weniger und der Strahler wäre auch eine weitere Gefahrenquelle für Anna. Ich kann sie ja nicht direkt davor legen, der Strahler darf auch nicht zu nah an andere Textilien heran. Also, bisher habe ich dann eben doch die Klimaanlage angemacht. Die Stromrechnung, also das Geld, ist ja das Eine, was mir aber echt weh tut, ist das Wissen, dass die ganze Wärme einfach sowas von schnell entweicht, weil eben weder die Scheiben noch die Wände irgendwie gedämmt sind.
Wenn man mit anderen darüber spricht, ist die Vermutung meist, dass hier Häuser nicht für eine lange Lebensdauer gebaut werden. Erdbeben, Überschwemmungen, Taifune, könnten das Haus schließlich plötzlich zerstören und dann wäre die teure Isolierung auch wieder dahin und hätte sich finanziell wahrscheinlich nicht bezahlt gemacht. Für Einfamilienhäuser mag das ja zutreffen, aber große Wohnblocks, die auch sehr starken Beben standhalten? Ich weiß nicht.

Ich weiß nicht, ob es manch anderen Neueltern auch so geht. Mit eigenem Baby denke ich schon noch mal anders über Umweltthemen nach. Ich bin zwar schon zu einem umweltbewussten Verhalten erzogen worden, trotzdem hat sich mein Denken mit der Schwangerschaft noch mal sensibilisiert. Hier einkaufen zu gehen ist in diesem Sinne eine echte Qual! Nicht nur, dass man für jede Kleinigkeit in aller Regel ungefragt eine Tüte bekommt, selbst, wenn man sichtbar Platz in einer Tasche hat, nein, auch die Verpackungen sind hier gerne mal doppelt oder sogar dreifach. Kaum eine Kekspackung, wo die einzelnen Kekse nicht noch einmal separat eingeschweißt sind. Kaugummis in der Taschenpackung sind einzeln verpackt. Kauft man Fisch, Fleisch oder eine aufgeschnittene Melone oder Ananas, wird einem die Packung an der Kasse gerne in eine weitere kleine Plastiktüte gepackt – könnte ja auslaufen unterwegs. Auch Gläser werden einem gerne noch in eine Luftpolsterfolie eingerollt. Beim Kauf von kleinen Eispackungen - und es gibt fast keine größeren Packungen – bekommt man oft einen kleinen Plastiklöffel eingepackt, bei Sushi noch Einmalstäbchen. Es ist richtig anstrengend, solche Sachen immer abzulehnen, aber ich schaffe es in den meisten Fällen erfolgreich. Verpackungen und Tüten scheinen hier unbedingt aus Höflichkeit dazuzugehören. Und das, obwohl Japan der Müll eigentlich bis zum Hals steht. Auch japanischer Müll wurde diesen Sommer aus den südasiatischen Ländern wieder zurückgeschickt und in einem Beitrag im englischsprachigen Fernsehen hieß es, dass die Landfill-Müllhalden in weniger als 30 Jahren voll sind, wenn es so weitergeht. Die Recyclingbemühungen sind da, aber es ist eher wie im Zeugnis, es wird sich „bemüht“, aber Erfolg oder Effizienz sieht anders aus.
Uah, ein endloses Thema. Immerhin werden kommendes Jahr Gebühren für Plastiktüten eingeführt. Bisher kosten sie nur in den größeren Supermärkten Geld.

Zurück zu Anna und unserem Leben mit ihr. Am Dienstag wollte ich mit meiner Freundin aus Turkmenistan Plätzchen backen, ganz simple Ausstechplätzchen. Die Ausstecher hatte mir meine Mutter im letzten Winter geschickt und wenigstens einmal wollte ich sie jetzt hier nutzen. Es lief auch recht gut, wobei die beiden Babys leider nicht parallel sondern abwechselnd schliefen. Aber ein paar Ladungen für unseren Miniofen bekamen wir zusammen. Ach ja, Ofen: Typischerweise hat man hier einen flachen Gasherd mit zwei Flammen und einer Grillschublade für Fisch. Fürs Backen, Aufläufe etc. habe ich von Bekannten ein Mikrowellen/Ofen/Grill-Kombigerät übernommen.
Eine Ladung ist also ein großer Teller voll. Damit kamen wir bei einem Teig von 500 Gramm Mehl nicht sehr schnell voran. Das hatte ich zu wenig bedacht. So machte ich aus dem übrigen Teig am Donnerstag schließlich zwei Crostata, so einfache italienische Marmeladen-Mürbteig-Kuchen. Einen haben wir uns über das Wochenende schmecken lassen, den anderen nahm ich am Freitag zu unserem nächsten Mami- und Baby-Treffen mit.

Am Mittwoch stand Annas nächster Impftermin an. Dienstagabend hatte die Praxis angerufen, ob ich denn morgen käme, Anna gesund wäre. Offenbar ein Erinnerungsservice. Diesmal wusste ich ja, dass Anna eine Stunde vorher nicht trinken sollte. Morgens ging ich erst noch zum Aquawalking und mein Mann gab Anna dann gerade ein Fläschchen als ich heimkam. Wenn ich nach dem Frühstück gleich loskäme, sollte es passen. Die Wartezeit kann man natürlich schlecht kalkulieren. Letztes Mal war ich nur 15 Minuten nach Praxisöffnung da und musste eine Stunde warten. Diesmal war ich etwa 10.30 Uhr da und hatte 8 Leute vor mir. Anna guckte sich erst einmal ausgiebig um. Auch ein großer Weihnachtsbaum war zum Bestaunen da. Aber nach einer Weile wurde sie quengelig und begann richtig zu motzen. Ich fragte, ob man die Schluckimpfung, wegen der sie nicht trinken sollte, vorziehen könnte. Jedenfalls war das mein Anliegen. Nachdem Anna lauter wurde, gab es ein Einsehen, aber schließlich schlief Anna dann doch mit Schnuller ein. Den spuckt sie normalerweise immer aus, aber diesmal half er ihr offenbar. So mussten wir natürlich weiter warten, aber so war es ja auch kein Problem mehr.
Für die Schluckimpfung hatte ich diesmal einen Sauger mit. Letztes Mal war ihr der Impfstoff etwas unangenehm in den Mund gespachtelt worden und sie wehrte sich ziemlich dagegen, sprich, schob ihn mit der Zunge immer wieder heraus. Eigentlich ist es wohl, wie das Vitamin K, eine süße Flüssigkeit und damit kein Problem. Die Ärztin, eine andere als zuletzt, winkte erst ab, ließ sich aber dann doch darauf ein, nachdem sie mir bedeutet hatte, dass ich den Sauger danach vorsichtig handhaben müsse, da er ja einen Lebendimpfstoff enthält. Klar, ich sterilisiere Sauger und Flaschen ja eh noch immer. Aus dem Sauger nahm Anna den Impfstoff dann auch ohne Probleme und trank ihn brav und zügig aus. Auch die Spritzen waren diesmal weniger problematisch. Anna bekam sie diesmal im Liegen und weinte kaum. Ich hoffe, ich habe diese Ärztin jetzt generell mit den Mittwochterminen.
Den Rest des Tages verbrachten wir zuhause und kuschelten ganz viel.

Am Donnerstag kam dann meine deutsche Freundin zu Besuch. Diesmal hatte sie das Netzteil für die Pumpe dabei und dazu noch eine Tüte Spielzeuge aus denen ihre Kleine schon rausgewachsen ist. Die beiden Mädels waren an diesem Tag leider ziemlich anstrengend. Anna beim Trinken ständig abgelenkt, aber auf den Boden – oh nein! Die große Kleine erkundete das Zimmer äußerst interessiert und zeigte mir gleich mal ganz genau, für was ich demnächst andere Plätze suchen muss. Dann wollte sie abwechselnd hoch zur Mama und sofort wieder runter. Letzte Woche war entspannter.

Abends war Anna dann bald genervt von der Brust und gab keine Ruhe, bis sie die Flasche bekam. War sie vorher immer so abgelenkt, dass sie immer nur ein paar Schlucke nahm, wollte sie jetzt gierig trinken und der Milchfluss der Brust gab das trotz Laktationshilfe nicht her. Mein Mann gab ihr dann eine Flasche. Irgendwie hatte er aber nicht richtig zugeschraubt und fast die komplette Flasche, über 100 ml, entleerten sich auf Anna und ihn. Juhu! Kind noch mal umgezogen. Natürlich hatte ich Anna an diesem Tag schon einmal frisch eingekleidet, is klar.

Freitag ging es ähnlich weiter. Ich dachte schon ich käme zu gar nichts mehr, geschweige denn irgendwann aus dem Haus. Aber schließlich schlief Anna doch einmal richtig ein zu Mittag, ich konnte die Wäsche vom Milchdesaster aufhängen und noch ein paar andere Dinge erledigen. Anna war nach dem Schlaf so aufgeräumt, dass ich doch noch raus bin und auf einen kurzen Besuch bei meiner turkmenischen Freundin, bzw. bei ihrer japanischen Nachbarin vorbei bin. Diesmal ging es mehr um uns und die Babys vergnügten sich unter einem Mobile. Das Kälteproblem hat diese Familie mit einer heizbaren Bodenmatte gelöst, die unter dem Teppich liegt. Auch eine Möglichkeit. Aber in irgendeinem Raum war auch noch eine Klimaanlage an.
Zuhause habe ich im Moment einfach eine Isomatte auf den Boden unter Annas Spielwiese und ein Thermometer steht auch auf dem Boden. An der Seite, wo es zieht, liegt eine dicke Stoffbarriere. Dafür habe ich einfach meine Schwangerschaftshose mit einer Sofadecke ausgestopft, kaufen wollen wir ja möglichst nichts Neues mehr hier. Sollte es noch deutlich kälter werden, kann ich noch eine Heizdecke unter ihre Spieldecke legen, das ist dann derselbe Effekt.

Am Samstag ging es mit dem nächsten Weihnachtsmarkt weiter, diesmal in Osaka. Aber damit haben wir dann bestimmt alle Weihnachtsmärkte der Region gesehen. Anna schlief auf den letzten Metern vor dem Markt ein und wachte auch erst am Bahnhof auf dem Rückweg wieder auf. Sie verschlief also den ganzen Weihnachtsmarktbesuch. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, dass sie hier viel mehr bunte Lichter bestaunen könnte. Tja, dann eben erst im nächsten Jahr.
Wir genossen Kinderpunsch und Glühwein aus Weihnachtstassen mit Neuschwanstein drauf, aßen ein Fischbrötchen und Original Münchner Weißwurst. Kurios war die „deutsche Pizza mit Spezial-Käse-Soße“, einer Mischung aus Käse und Mayonnaise, auf die ich dann gerne verzichtet habe, also auf die Soße. Eine zweite Runde Kakao und Glühwein rundeten unseren Besuch ab. Es hätte dort auch Oktoberfestbier gegeben, aber die Schlange war lang. Ansonsten gab es Stände mit Lebkuchen und Stollen, Weihnachtsbaumschmuck, Schnitzereien aus dem Erzgebirge, diese durchscheinenden Kerzen. Ein großer Weihnachtsbaum mit Bühne und der Schlitten vom Nikolaus rundeten das idyllische Bild ab. Deutsche Weihnachtsmärkte sind als Reiseziele bei Japanern sehr beliebt. Ich habe schon mehrere Japaner getroffen, die mir erzählten, dass sie nach Deutschland gereist sind und auf dem Weihnachtsmarkt von Frankfurt oder Nürnberg etc. waren, als sie erfuhren, dass ich Deutsche bin.

Am Sonntag war Anna in ihrem ersten Gottesdienst. Ich war vor ihrer Geburt schon ein paar Male in einer International Church gewesen. Dort hatte ich auch die deutsche Freundin kennen gelernt, die mich schon kurz nach Annas Geburt besuchte und bei der ich auch vor ein paar Wochen zu Besuch war. Genau diese Freundin freute sich nun sehr und Anna verbrachte die meiste Zeit auf ihrem Arm oder Schoß. Sie hatte jede Menge zu gucken und auch die Musik schien ihr gut zu gefallen.
Ich war etwas knapp gekommen und so bemerkten mich die meisten erst nach dem Gottesdienst. Die vielen Ausrufe, wie süß Anna doch sei, und das Gedränge um sie herum waren ihr dann nicht ganz geheuer und ich musste sie schnell auf meinen Arm nehmen und beruhigen. Es gab wie immer ein paar Snacks und Getränke – meine Stärkung für den Rückweg. Ich bin nämlich hin und zurück zu Fuß spaziert, jeweils eine knappe Stunde. Mit dem angehängten Einkauf hatte mein Mann somit ein paar Stunden sturmfrei. Dafür durfte ich am Nachmittag dann einen Mittagsschlaf halten. Tat gut! Am Nachmittag habe ich auch das erste Mal beobachtet, dass sich Anna von selbst auf die Seite drehte. Auch die Bauchlage findet sie inzwischen nicht mehr ganz so schlimm, sondern guckt inzwischen interessierter und versucht schon das eine oder andere zu greifen. Dabei fliegt sie dann aber wieder auf die Nase und das macht keine Freude.
Das war unser viertes Adventswochenende. Um Weihnachten geht es dann nächste Woche….

Für Weihnachtswünsche bin ich jetzt etwas spät, dennoch:
Ich wünsche euch allen, meine lieben Leserinnen und Leser, frohe und entspannte Weihnachtsfeiertage sowie eine erholsame Zeit zwischen den Jahren!
Sollte ich nächste Woche wieder spät dran sein, lieber gleich hier: Ein gesegnetes neues Jahr! Feiert schön und kommt gut rüber!

Silke mit Anhang aus Kyoto



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Kommentare von Lesern:

Traudi Feist, Rettenbach28.12.2019 11:42

Auf diese Weiße erfahre ich mehr über Euren Alltag in Kioto. Erstaunlich, dass dieses Land noch keine bessere Vorsorge für den Winter hat. Nun, mit Erfindungsgeist werdet Ihr den Winter auch überstehen. Offenbar ist er auch kürzer als hier in Bayern. Allerdings verschieben sich die Daten ....
Wann ist in Japan Jahreswechsel ? Welche Traditionen gibt es da ? Hier wird in den Medien endlich abgeraten das Jahr mit zu viel Böllerei zu begrüßen ! Ja, alles Liebe bis zum Jahr 2020 !!!

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