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Trotzphase bei Kleinkindern: Tipps bei Wutanfällen

Hast du schon mal beobachtet, wie sich eine zweijährige, zuckersüße Prinzessin vor deinen Augen in ein wildes Ungetüm verwandelt, tobt und schreit? Typischer Trotzanfall. Wir haben für dich aufgeschrieben, was Trotz ist, wo die heiße Wut so plötzlich herkommt und wie du am besten damit umgehst.

In diesem Artikel:

Trotz - Wie du in der heißen Phase cool bleibst

„Neiiin! Ich will hiiiiier bleiben!“, schreit Tim und stemmt sich mit aller Kraft gegen seine Mutter, die ihn Richtung Fahrrad ziehen will. Auf dem Spielplatz ist es so schön! Er hat doch noch gar nicht geschaukelt. Wieso will Mama denn jetzt schon nach Hause? – Und was tut Mama dann? Ein schreiendes, um sich tretendes Kind vom Spielplatz zerren? Etwas Verlockendes in Aussicht stellen, das es Zuhause geben soll? Oder doch lieber mit unangenehmen Konsequenzen drohen?

Anderer Schauplatz, gleiches Phänomen: Im Supermarkt hat sich Mira eine Tüte Drops ausgesucht. Papa weigert sich, die zu kaufen. Mira verzieht das Gesicht, fängt an zu brüllen und wirft sich demonstrativ auf den Boden. Und jetzt? Nachgeben und die Süßigkeiten kaufen, damit die Leute vor der Kasse nicht so entsetzt gucken? Oder selbst rumbrüllen?
Wer ist daran Schuld? Der Trotz. Mit etwa anderthalb Jahren beginnt die Trotzphase, um den dritten Geburtstag ist sie meist überstanden. Trotz taucht aus heiterem Himmel auf: Beim Ins-Bett-Gehen. Beim Anziehen. Beim Teilen. Beim Abholen von der Kita. Beim Zähneputzen. Meist äußert er sich lautstark in einem Wutanfall. Beißen, Treten, Um-sich-Schlagen. Viele „Neins" und noch mehr Tränen gehören dazu.

Immer gegen alles

Manche sprechen von der „kleinen Pubertät“, und an dieser Bezeichnung ist was dran: Es geht um Selbstbestimmung und um Abgrenzung von dem, was die Erwachsenen wollen. In dieser Phase entdeckt das Kind, dass es ein eigenständiges Individuum ist. Es empfindet sich nicht mehr wie ein Säugling als Einheit mit seinen Eltern, sondern erkundet seine Welt und testet Grenzen aus. Und es möchte seinen Willen durchsetzen – nicht, um die Großen zu ärgern, sondern um ein eigenes Ziel zu erreichen.

Versetzen wir uns in die Lage unserer Kleinen: Trotz ist das Mittel, um Mama und Papa etwas entgegenzusetzen und endlich mal klarzumachen: Das will ich jetzt, hier geht’s lang! Denn bisher bestimmen ja die Eltern den Tagesablauf, sie treffen für ihre Kinder Entscheidungen. Und lange Zeit ist diese „Hängematte“ sehr bequem – bis die Kinder feststellen, dass sie eigentlich gern auch mal etwas bewegen wollen.

In der Trotzphase sind Kleinkinder in einem Zwiespalt: Sie wollen etwas, können es aber noch nicht. Diese Einsicht verträgt sich so gar nicht mit dem Wunsch nach Selbstständigkeit und das muss zwangsläufig in Frust enden. Dann fällt es vielen Kindern schwer, sich im Zaum zu halten, damit umzugehen. Sie müssen erst noch lernen, ihre Wut in Worte zu fassen.

Weitere Infos

Thema: Wie kommen Eltern und Kinder leichter durch die Trotzphase.
Interview mit Psychologin Doris Heueck-Mauß, Autorin des Buches "Das Trotzkopfalter".

www.sueddeutsche.de/leben

Warten, bis die heiße Luft verpufft

Mitten in einem Wutanfall erreichst du deshalb gar nichts, weder durch reden noch durch schimpfen oder drohen. Und auch wenn dir gleich die Hutschnur platzt: Bitte behalte einen kühlen Kopf! „Warten Sie, bis sich der Sturm gelegt hat“. Der Arbeitskreis neue Erziehung aus Berlin rät in seinen Elternbriefen, bei einem Trotzanfall einen kühlen Kopf zu bewahren. Vielleicht lenkst du dein Kind ab. Oder du nimmst es auf den Arm und zeigt ihm, dass du verstehst, wie es sich fühlt. Auch für Kinder sind diese Wutanfälle nicht nur anstrengend, sondern auch höchst beunruhigend.

Bleib bei deiner Aussage, bei deinem Nein. Zeig, dass dein Kind mit Zetern und Strampeln nichts erreicht – dass du aber durchaus bereit bist, mit dir reden zu lassen. Stell klar, dass es Regeln gibt. Gerade jetzt, wo dein Kind seine Grenzen testet, ist es wichtig, diese Grenzen deutlich zu machen. Das gibt Sicherheit im Gefühlschaos. Wenn dein Kind älter wird, kannst du es dazu anregen, mit dir zu sprechen statt zu brüllen und zu toben. Besprich das Verhalten, sag, was dir missfällt, zum Beispiel der Ton oder die Art, wie es etwas zu erreichen versucht.

Eigenständigkeit fördern

Lass dein Kind so viel wie möglich selbst tun und ermutige es dazu. Auch wenn das Ergebnis nicht perfekt ist, auch wenn’s länger dauert: Warum soll sich Marlene nicht allein anziehen, auch wenn die Socken vielleicht nicht zusammenpassen oder der Pulli auf Links gedreht ist? Lass deinem Kind Entscheidungsspielraum und plan die Zeit dafür ein.

Überleg dir also, wo du Zugeständnisse machen kannst. Die Erfahrung, etwas zu wollen und es auch zu können, ist wichtig und bestärkt dein Kind. Und wer erkannt hat, dass er Dinge selbst in die Hand nehmen kann, lernt auch besser mit Niederlagen und Frust umzugehen.

Buchtipps


Das glücklichste Kleinkind der Welt

Um Kleinkinder liebevoll zu erziehen, muss man ihre Art des Denkens und Begreifens verstehen lernen. Wutausbrüche, Geschrei und Trotzanfälle gehören dann bald der Vergangenheit an. Das Ergebnis: zufriedene Eltern und glückliche Kleinkinder.

Dr. Harvey Karp
Das glücklichste Kleinkind der Welt
Goldmann Verlag, 2010, 9,95 Euro,
ISBN 978-3442171255


Gelassen durch die Trotzphase

Keine Angst vor dem Trotzkopfalter. Die erfahrene Diplom-Psychologin, Verhaltenstherapeutin und Mutter von drei Kindern, Annette Kast-Zahn, vermittelt Eltern, wie sie kleine Trotzköpfe von 2 bis 6 Jahren liebevoll und konsequent erziehen können.

Annette Kast-Zahn
Gelassen durch die Trotzphase
GU, 3. Aufl age, 12,99 Euro,
ISBN 978-3833821110


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