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Großeltern müssen lernen, ihre Kinder als Eltern zu respektieren

Oma und Opa sind eine wundervolle Bereicherung für Kinder. Sie sind wichtige Bezugspersonen und gleichzeitig Spielkameraden. Im Idealfall wohnen sie gleich um die Ecke, sind ihren Enkeln von Herzen zugetan, springen ein, wenn Not am Mann ist und halten sich aus der Erziehung weitgehend heraus.

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Großeltern müssen lernen, ihre Kinder als Eltern zu respektieren

So schön das klingt, sieht die Realität meistens etwas anders aus. Fakt ist, dass gerade heute, wo beide Elternteile oft früh wieder berufstätig sind und immer mehr unter Zeitdruck stehen, die Großeltern zunehmend gebraucht werden. Fast unverzichtbar wird ihre Hilfe, wenn die Eltern alleinerziehend sind. Ein Kind kann letztlich gar nicht genug Menschen haben, die es lieben. Doch leider sind mit der Liebe eben auch noch andere Emotionen verbunden. Die meisten Konflikte zwischen Großeltern und Eltern entstehen durch unterschiedliche Erziehungsstiele. Ein häufiger Vorwurf ist, dass Oma und Oma das Enkelkind zu sehr verwöhnen oder sich zu engagiert in die Erziehung einmischen. Noch schwieriger wird es, wenn ungelöste Konflikte zwischen Eltern und Großeltern im Raum stehen, die jetzt wieder hervorkommen. Wichtig ist, diese Dinge offen anzusprechen.

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Eine Grenze zu ziehen zwischen Wertevermittlung und Erziehung sei nicht einfach, sagt die Diplom-Sozialpädagogin Lisa Schreiber-Jacob. Dennoch sollten Großeltern darauf achten, dass sie nicht versuchen, die Erziehungsaufgabe zu übernehmen, die letztlich bei den Eltern läge. Viel wichtiger sei es, eine gute und liebevolle Beziehung zu den Enkeln aufzubauen. Dabei käme es vor allem darauf an, sich Zeit zu nehmen und den Kindern zuzuhören: „Großeltern spielen eine wichtige Rolle bei der Wertevermittlung und können Enkelkindern Wurzeln und Halt geben.“

Unterschiedliche Erziehungsstile

Viele Psychologen und Pädagogen sind sich inzwischen einig, dass unterschiedliche Erziehungsstile dem Kind nicht zwangsläufig Probleme bereiten müssen. Schließlich müssen sich die Kleinen ja später auch im Kindergarten und in der Schule zurechtfinden, wo wieder eigene Regeln herrschen.

Klar, dass die cleveren Kleinen unterschiedliche Ansichten auch gern mal zu ihrem Vorteil nutzen. „Bei Oma darf ich das aber“, heißt es dann schnell. Eine gute Gelegenheit, den eigenen Standpunkt noch einmal klar zu machen. Und was spricht dagegen, dass es bei Oma und Opa auch mal zwei Eis am Tag gibt, als schöne Ausnahme natürlich. Für ein positives Verhältnis zwischen Großeltern und Eltern sei es aber unumgänglich, dass Oma und Opa auf ungebetene Erziehungsratschläge verzichten, erklärt Lisa Schreiber-Jacob.

Zwar hat manche Oma nicht nur ein, sondern häufig mehrere Kinder groß gezogen, und viel Erfahrung in punkto Babypflege und Kindererziehung, aber so manches hat sich inzwischen auch grundlegend geändert. Großeltern müssen lernen, ihre Kinder als Eltern zu respektieren. Gerade für Großeltern, die sich selbst für kompetenter halten, ist das ein schwieriger Prozess. Tatsache ist aber: Der Enkel oder die Enkelin ist das Kind ihres Kindes – und nicht ihres. Für die Eltern wiederum ist es wichtig, nicht jeden Vorschlag als Angriff auf den eigenen Erziehungsstil zu betrachten und das „Verwöhnprogramm“ auch mal zuzulassen, ohne negative Folgen für die gesamte Entwicklung zu befürchten.


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