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Rentensystem benachteiligt Familien

Familien leisten durch die Kindererziehung einen hohen Beitrag für das Rentensystem. Sie stehen sich jedoch bei der Alterssicherung weit schlechter als Kinderlose. Prof. Dr. Manfred Werding macht Vorschläge, wie das System gerechter gestaltet werden kann.

In diesem Artikel:

Das Rentensystem benachteiligt Familien

Die Funktionsweise der deutschen Sozialversicherungssysteme führt dazu, dass Familien überproportional belastet werden. Das weist Prof. Dr. Manfred Werding in einer Studie der Bertelsmann Stiftung nach. Das umlagenfinanzierte Rentenversicherungssystem erkennt die Leistungen der Väter und Mütter nicht ausreichend an. Sie erziehen und versorgen ihre Kinder und erfüllen dabei den „Generationenvertrag“ gleich doppelt: Sie zahlen selbst in die Rentenversicherung ein. Daraus werden die Leistungen für die heutigen Rentner bezahlt. Durch ihre Kinder leisten sie einen „generativen Beitrag“, der in Zukunft das System erhält.

In ihren eigenen Rentenansprüchen schlägt sich das jedoch kaum nieder. Individuelle Rentenansprüche errechnen sich danach, was jeder während seines Erwerbslebens in die Kasse eingezahlt hat. Kindererziehung, eben der „generative Beitrag“, findet jedoch so gut wie keine Berücksichtigung. Werding nennt das einen „Konstruktionsfehler“ unseres Rentensystems. Er führe im Ergebnis dazu, dass Familien „benachteiligt und finanziell belastet“ würden. Auch dies führe dazu, dass Kinder ein hohes Armutsrisiko darstellen.

Kinder zahlen mehr ein als sie bekommen

Auch auf die Kinder selbst kommt eine hohe Belastung zu: Sie werden später sowohl die Renten ihrer eigenen Eltern bezahlen müssen als auch die Versorgungsansprüche Kinderloser sicherzustellen haben. Werding hat den Betrag, den ein im Jahr 2000 geborenes Kind bei durchschnittlicher Erwerbsbiografie mit durchschnittlicher Kinderzahl ins Rentensystem einzahlt, errechnet: Es zahlt über 158000 Euro mehr ein, als es herausbekommt. Zieht man die öffentliche Finanzierung von Gesundheitswesen, Bildung und familienbezogenen Leistungen ab, bleiben als „externer Effekt“ immer noch über 100000 Euro Überschuss.

Werding plädiert daher für ein Konzept einer Kinderrente, die auf drei Säulen fußt:

  • Eine Basisrente auf Grundlage des heutigen Systems.
  • Eine Kinderrente, bei der die Ansprüche allein von der Kinderzahl abhängen.
  • Eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge.

Weitere Informationen

Zur Studie: www.kinderreichefamilien.de.

Familien sollen von ihrem Einkommen leben können

Eine solche Versicherung erreicht jedoch nur Eltern, von denen mindestens einer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Aufgrund der steigenden Zahl von Selbstständigen und Freiberuflern hält Werding auch ein „Familiengeld“ für machbar, das in seiner Höhe der Entlastung Versicherter durch Kinderfreibeträge bei der Rentenversicherung entspricht.

Werding will mit seinen Reformvorschlägen erreichen, dass Familien von ihrem selbst erwirtschafteten Einkommen leben können. Grundsätzlich bleiben sie jedoch dem alten Umlagesystem verhaftet. Inwieweit dieses an der Erwerbsarbeit orientierte Modell aber überhaupt dazu taugt, dass Familien mehr Zeit für einander haben und nicht nach ökonomischen Kriterien berechenbare Leistungen anerkannt werden (Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, gemeinnützige Arbeit, Nachbarschaftshilfe etc.), muss man kritisch diskutieren.


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