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Schwangerschaft - Alternative Heilmethoden

Auf der Suche nach Alternativen zur Schulmedizin wenden sich immer mehr Menschen ganzheitlichen Behandlungs- methoden zu. Besonders beliebt unter Schwangeren & jungen Müttern sind Homöopathie, Osteopathie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Wir stellen dir diese drei Behandlungsmöglichkeiten vor.

In diesem Artikel:

Hebammen-Erfahrung

Homöopathie:
Homöopathische Mittel haben sich bei typischen Schwangerschafts- beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsproblemen, bei Ängsten, Stimmungsschwankungen oder bei Milchstaus und Brustentzündungen bewährt (s. Tabelle). Säuglingen kann Homöopathie bei Blähungen und Drei-Monatskoliken, Erkältungen, Milchschorf, Unruhe und Schlafstörungen helfen. Insbesondere Babys und Kleinkinder reagieren oft recht schnell auf die Mittel, da ihr Organismus noch unbelastet von schädlichen Umwelt-Einflüssen ist.

Alternative Heilmethoden

Grit ist im vierten Monat schwanger und hat Grippe. Ihr Kopf dröhnt, die Glieder schmerzen und ihr Hals ist dick und rot. Auch Söhnchen Felix schnieft schon. Grit überlegt. Die sonst üblichen „Grippehammer“ möchte sie jetzt auf keinen Fall nehmen und auch Felix nicht zumuten. Grit sucht nach einer Alternative – und macht sich auf den Weg zu einer Homöopathin. So wie Grit geht es vielen Frauen und jungen Müttern. Während der Schwangerschaft und als Hilfe für ihre Kinder suchen sie nach sanften Heil- und Behandlungsmethoden.

Viele Hebammen unterstützen sie dabei. Die ganzheitlichen Verfahren, die die Hebammen teilweise selbst einsetzen, empfinden sie als wertvolle Ergänzung zu ihrem Hebammen­wissen. Sie nutzen sie, wenn es um die Geburtsvorbereitung, Beschwerden in der Schwangerschaft, komplizierte Geburten, Stillprobleme oder Schreikinder geht. Wir haben Eltern und Hebammen nach ihren Erfahrungen mit Homöopathie, Osteopathie und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) befragt.

Alternativmedizin

„Alternativ“ bedeutet wörtlich „im Gegensatz zum herkömmlichen stehend“ oder auch „eine zweite Möglichkeit darstellend.“ Und eben dies tun alternativmedizinische Heilweisen und Konzepte. Sie bieten eine Alternative zur wissenschaftlich orientierten Medizin oder ergänzen und erweitern diese (Komplementärmedizin). Die Schulmedizin stellt Diagnostik und Therapie oft anhand messbarer Momentaufnahmen (z. B. Ultraschall, EKG), um Symptomatiken zu behandeln. Die Alternativmedizin betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit (Körper, Geist, Seele). Kann ein schulmedizinischer Wirkungsnachweis erbracht werden, gilt eine Methode nicht mehr als Alternativmedizin.

Zur Alternativmedizin zählen unter anderem: Akupunktur, Akupressur, Anthroposophische Medizin, Ayurveda, Bach-Blütentherapie, Cranio-Sacral-Therapie, Fuß-Reflexzonenmassage, Gestalttherapie, Homöopathie, Kinesiologie, Konstitutionstherapie, Naturheilkunde, Osteopathie, Phytotherapie, Reiki, Schüßler-Salze, Shiatsu, Tibetische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Yoga.

Homöopathie – Heilmittel aus der Natur

„Homöopathische Mittel nehme ich seit meiner ersten Schwangerschaft“, erzählt Eva, dreifache Mutter und angehende Geburtshelferin aus Mettmann. „Damals litt ich ständig unter Übelkeit und mein niedriger Blutdruck sorgte dafür, dass ich kaum aus dem Bett kam. Meine Hebamme hat mir damals eine Homöopathin empfohlen. Die hat mir mit pflanzlichen Präparaten schnell wieder auf die Beine geholfen und mich während der gesamten Schwangerschaft behandelt. Zu ihr gehe ich auch heute noch regelmäßig. Inzwischen mit meinen Söhnen.“

„Similia similibus curentur“ – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden – lautet der Lehrsatz, den Samuel A. Hahnemann, Begründer der klassischen Homöopathie (1755-1843), aufstellte. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass eine Substanz, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome auslöst, ähnliche Symptome bei einem Kranken heilt. Zum Beispiel die Küchenzwiebel (allium cepa). Dem Gesunden tränen beim Schneiden die Augen und die Nase läuft, beim Kranken wird sie zur Bekämpfung von Fließschnupfen eingesetzt.

Homöopathie nimmt dem Körper also nicht die Arbeit der Krankheitsbekämpfung ab, sondern aktiviert die Selbstheilungskräfte. Die eigenständige und ganzheitliche Therapie arbeitet ausschließlich mit den positiven Heilkräften der Natur. Dabei sollen nicht nur die akuten Symptome behandelt werden, sondern der ganze Organismus soweit stabilisiert werden, dass der Patient in Zukunft weniger krankheitsanfällig ist. Besonders wichtig für den Behandlungserfolg ist die ausführliche Anamnese – das Erstgespräch, in dem der Therapeut die Vorgeschichte und den bisherigen Verlauf der Erkrankung, aber auch die Lebensumstände des Patienten erfragt. Erst dann wählt er eine persönlich auf den Zustand des Patienten abgestimmte Arznei.

Die Anamnese dauert unter Umständen bis zu zwei Stunden. Zeit, die sich auf jeden Fall lohnt. Dazu Helga Brockmann, Kinderkrankenschwester, Heilpraktikerin und klassische Homöopathin: „Allergien, Asthma und Neurodermitis können wir oft schon früh an übermäßigem Milchschorf und trockenen Wangen beim Säugling als verdächtige Zeichen erahnen. Insbesondere Eltern, die selber eine chronische Erkrankung haben, empfehle ich deshalb schon in den ersten Lebenswochen ihres Kindes eine homöopathische Praxis zur Erstanamnese und individuellen Beratung aufzusuchen. Denn hier ist eine genetische Belastung des Kindes nicht ausgeschlossen. Ist die Fallaufnahme erfolgt und das Kind in der Praxis bekannt, brauchen wir im Akut-Fall nur eine halbe Stunde, um das richtige Mittel herauszufinden.“

Homöopathische Heilmittel werden aus Pflanzen, Mineralien, Tieren und Krankheitsstoffen (Nosoden) gewonnen. Zurzeit sind etwa 3000 homöopathische Arzneimittel erhältlich.

Wahl des Therapeuten

Die Bezeichnung „Therapeut“ ist in Deutschland nur geschützt, wenn sie durch bestimmte Begriffe ergänzt ist, zum Beispiel Ergotherapeut, Physiotherapeut etc. Der Begriff Therapeut allein ist also keine Garantie für eine fundierte Ausbildung oder fachliche Kompetenz. Auch die Bezeichnung Homöopath ist in Deutschland bis heute noch nicht rechtlich geschützt und auch die Osteopathen warten noch auf ihre gesetzliche Berufsanerkennung. Scheue dich also nicht, den Therapeuten deiner Wahl danach zu fragen, wann und wo er seine Ausbildung absolviert hat, wie lange die Ausbildungszeit war, ob er sich regelmäßig fortbildet und wie lange er schon praktiziert. Für den Behandlungserfolg ist schließlich entscheidend, ob du ihm vertraust. Wenn die „Chemie“ zwischen euch nicht stimmt, solltest du dich lieber nach einer Alternative umsehen.

Akupunktur zur Geburtsvorbereitung

Akupunktur ist das bekannteste Therapieverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die 2000 Jahre alte Heilweise aus Asien geht davon aus, dass die Lebensenergie Qi auf bestimmten, festgelegten Bahnen durch den Körper fließt, den Meridianen. Winzig feine Nadeln werden an bestimmte Punkte entlang der Meridiane in die Haut gesetzt, um das Qi wieder zum Fließen und so den Organismus in Balance zu bringen. Auch wenn sich die Existenz der Meridiane noch nicht wissenschaftlich belegen lässt, mehren sich die wissenschaftlichen Belege dafür, dass Akupunktur bei Rücken-, Schulter- und Gelenkbeschwerden hilft.

Auch in der Geburtsvorbereitung wird Akupunktur zunehmend von Hebammen eingesetzt. „Viele Schwangere nehmen sie in den vier letzten Schwangerschaftswochen in Anspruch, da sie nachweislich die Eröffnungsphase der Geburt um bis zu zwei Stunden verkürzt – das bestätigen inzwischen auch wissenschaftliche Studien.“, berichtet Petra Maurice, examinierte Krankenschwester und Leiterin von GfG-Geburtsvorbereitungskursen aus Düsseldorf. Bei Steißlagen hingegen wird häufig Moxibution angewendet, um das Baby zur Drehung zu bewegen – eine Form der Akupunktur, bei der die Akupunkturpunkte erwärmt werden.

„Während der Geburt arbeite ich als Hausgeburtshebamme fast ausschließlich mit Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie und Massagetechniken. Ich mache damit seit Jahren hervorragende Erfahrungen“ berichtet Kathrin Bosch-Gaub, Hebamme aus Köln.

Auch Mechthild, eine junge Mutter, kennt die Wirkung der feinen Nadeln: „Als ich mit Louisa schwanger war, hatte ich ziemlich viel mit Wassereinlagerungen zu kämpfen. Ich nahm 20 Kilo zu und fühlte mich wie ein Wal. Außerdem hatte ich schreckliche Angst vor der Geburt. Meine Hebamme begann mir vier Wochen vor der Geburt einmal wöchentlich Nadeln zu setzen und gab mir ein homöopathisches Mittel zur Beruhigung. Das half gegen die Wassereinlagerungen und die Angst vor einem langwierigen Geburtsverlauf. Am Ende war alles halb so schlimm: ich war deutlich entspannter und die Geburt verlief super.“

Osteopathie – Sanfter Händedruck

Bild: E-Pyton - Fotolia.com

Osteopathie ist ein manuelles Diagnose- und Behandlungs- konzept, das auf den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still (1828 – 1917) zurückgeht. Still ging davon aus, dass sich Funktionsstörungen des Körpers durch Verletzungen oder Traumata auf drei Ebenen manifestieren: im Bewegungsapparat, den inneren Organen sowie in Schädel, Gehirn und Rückenmark. Mit gezielten Behandlungsgriffen versucht der Osteopath Spannungen zu ertasten, um sie mit sanftem Zug oder Druck zu lösen. „Wir betrachten den Körper unserer Patienten wie eine Landkarte“, erklärt Petra Gyllenstig, Physiotherapeutin und Osteopathin aus Göttingen, die Behandlungsform. „Dabei spielen Anatomie, Physiologie und Muskeltonus die Hauptrolle. Wir schauen und fühlen, wie sich der Körper unter Anspannung verhält und wo Blockaden zu spüren sind. Die Anamnese trägt wesentlich dazu bei, Zusammenhänge zwischen früheren Traumata und aktuellen Beschwerden zu diagnostizieren, denn nicht immer zeigen sich Beschwerden an ihrem Ursprungspunkt.“

Mit Osteopathie können akute oder chronische Beschwerden gelindert werden. Auch in der Präventivmedizin spielt die Osteopathie eine herausragende Rolle. Sie hat sich besonders bewährt bei Geburtstraumata, wie sie zum Beispiel durch Risiko-, Saugglocken-, Zangen- oder Kaiserschnittgeburten hervorgerufen werden.

Hinweis

Homöopathische, osteopathische und TCM-Behandlungen (inkl. Akupunktur) werden häufig als Begleittherapien eingesetzt. Sie ersetzen keinen Arztbesuch! Bitte sprich vor der Anwendung alternativmedizinischer Heilmethoden jeglicher Art zuvor mit deiner Hebamme oder deinem behandelnden Arzt (um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen). Für die Einnahme homöopathischer Mitteln gilt: Sind die Ursachen für die Beschwerden nicht gründlich durch einen Homöopathen erforscht, behandelst du mit Selbstmedikation lediglich die Symptomatik.

So wie bei dem kleinen Till. „Till hatte eine anstrengende Geburt hinter sich. Seine Mutter lag über zwölf Stunden in den Wehen. Der Muttermund öffnete sich kaum und nachdem seine Herztöne immer schlechter wurden, kam er schließlich per Kaiserschnitt zur Welt. Weil Till an der Brust nicht gut trank, bot ihm seine Mutter schließlich das Fläschchen an. Aber auch hier wurde er nicht satt. Er schien nicht richtig saugen zu können und nahm kontinuierlich ab. Nachdem seine Situation immer besorgniserregender wurde und der Kinderarzt sich keinen anderen Rat mehr wusste, als Till per Magensonde zu ernähren, wandte sich Tills Mutter Ines an die Osteopathin, die ihr ihre Hebamme empfohlen hatte. Sie betrachtete den kleinen Till ausführlich und begann, mit ihren Händen Blockaden zu lösen, die sich offensichtlich während der Geburt manifestiert hatten. Sie hatten dazu geführt, dass sich sein kleiner Körper nicht richtig entfalten konnte.“ „Nach nur zwei Behandlungen war mein Sohn wie ausgewechselt,“ erzählt Ines. Ich weiß zwar nicht, was genau die Osteopathin mit Till gemacht hat, aber es hat wunderbar geholfen.

Erfahrungen wie diese hat Hebamme Igelmund aus Köln bereits häufiger gemacht. Nach anstrengenden Geburten und bei Stillproblemen empfiehlt sie „ihren Schwangeren“ deshalb den baldigen Besuch bei einem guten Osteopathen. Durch eine frühzeitige Behandlung, die für den Säugling vollkommen schmerzfrei ist, können viele Störungen behoben werden, bevor sie sich verfestigen. „In Frankreich“, so Manuela A. Treinis, Osteopathin und Heilpraktikerin aus Köln, „gibt es in vielen Hospitälern bereits „Osteopathen vom Dienst, die Neugeborene sofort nach der Geburt versorgen. Vielleicht eine gute Anregung für deutsche Geburtskliniken“.