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Sex während der Schwangerschaft

Wie verändert sich der Sex, wenn ein Kind unterwegs ist? Wir wollten es genau wissen und fragten unsere User. Fast 97% der werdenden Väter finden ihre Partnerin mit dem Babybauch schön. Vor allem Frauen berichten von positiven Veränderungen beim Orgasmus. Den Männern hingegen fällt es schwerer, Wünsche zu äußern.

In diesem Artikel:

Sex in der Schwangerschaft: Erlaubt ist, was gefällt

„Der runde Bauch der Schwangeren hat keinen Einfluss auf ihre Attraktivität für den Partner. Das finde ich ein sehr schönes Ergebnis“, freut sich Dr. Jörg Signerski-Krieger, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ambulanz für Sexualmedizin und Sexualtherapie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen. Dass laut einer Online Befragung des kidsgo-Verlages in Göttingen fast 97% der werdenden Väter ihre Partnerin schön finden, hält er für eine „beeindruckende Zahl“. Auf dem Portal www.kidsgo.de hatten 126 junge Mütter und auf www.väterzeit.de 57 frischgebackene Väter den Fragebogen beantwortet.













Frauen finden sich zu rund

Die Frauen selbst sind mit ihren runderen Formen jedoch nicht ganz so glücklich, ein knappes Viertel hält sich mit Bauch nicht für attraktiv. „Das passt zum Bild, dass Frauen mit ihrem Körper allgemein nicht so zufrieden sind“, interpretiert Signerski-Krieger das Ergebnis. „Für Frauen ist Schönheit sehr wichtig und sie machen sich darüber sehr viele Gedanken. Umso erfreulicher, das die Partner da offenbar nicht mitziehen.“

Schlechterer Sex

53% der Männer und 40% der Frauen geben an, die Qualität der sexuellen Beziehung habe sich während der Schwangerschaft negativ verändert. Dr. Signerski-Krieger kennt das Problem aus seiner Erfahrung in der Klinik: „Vor allem nach der Geburt, wenn die Rollenveränderung von Frau und Mann zu Vater und Mutter deutlich wird, wird eine negative Veränderung der Sexualität wahrgenommen. Aus meiner klinischen Praxis kann ich sagen, die meisten Paare geben an, das Problem habe schon während der Schwangerschaft begonnen.“

Offenbar gibt es jedoch noch weitere Stressoren, die auf die Intimität des Paares einwirken. „Je runder der Bauch wird, desto stärker ändert sich auch die sexuelle Praxis“, so Dr. Signerski-Krieger. „Das Paar muss passende Stellungen oder andere Arten der intimen Begegnung ausprobieren. Das kann schon zu Unsicherheiten führen.“

Die Missionarsstellung wird von den meisten Paaren vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft als unbequem empfunden. Als beste Stellung wurden in offenen Antworten von Männern wie Frauen am häufigsten „Löffelchen“, „seitlich liegend“, „Reiterstellung“, oder „Frau liegt oben“ genannt.

Auswirkung auf Sexualität

Die Schwangerschaft wirkt sich auf die Sexualität positiv aus, weil...

  • viele Frauen größere Lust verspüren.
  • viele Männer ihre Frauen besonders
    attraktiv finden.
  • Paare sich nach Eintreten der gewünschten
    Schwangerschaft näher fühlen.
  • Paare sich nicht um Verhütung kümmern
    müssen und so den Sex unbeschwerter
    und entspannter erleben.

Alte Mythen wirken nicht mehr

Eine Erklärung für die negativen sexuellen Erlebnisse könnte die Angst sein, dass der Geschlechtsverkehr dem Ungeborenen schadet. Das befürchten jedoch nur jeweils etwa 14% der Befragten. Dr. Signerski-Krieger zeigt sich darüber erleichtert: „Ich bin froh, dass es nicht mehr sind, dass diese alten Mythen über Sexualität offenbar nicht mehr so greifen.“

Viele Wünsche offen

Vor allem Männern fällt es während der Zeit der Schwangerschaft schwer, erotische Wünsche zu äußern. Das sagen 43% der werdenden Väter, jedoch nur 22% der Frauen. „Vielleicht liegt hier ein Grund dafür, wenn der Sex in der Schwangerschaft negativ erlebt wird. Möglicherweise haben die Männer Hemmungen Wünsche zu äußern, weil sie in dieser Zeit ganz besonders auf ihre Partnerin achten und ihre eigenen Bedürfnisse hintanstellen“, meint Dr. Signerski-Krieger.

Besserer Orgasmus dank Schwangerschaft

Demgegenüber fällt auf, dass 34% der Frauen während der Schwangerschaft über positive Veränderungen beim Orgasmus berichten. „Die Frau ist bereits schwanger, sie muss sich darüber keine Gedanken mehr machen“, stellt Dr. Signerski-Krieger fest. „Das kann dazu führen, dass der Sex unverkrampfter erlebt wird. Für die einen fallen die Verhütungsmittel weg. Und diejenigen, die einen starken Kinderwunsch haben, müssen nicht mehr Liebe nach Fahrplan machen.“

Lieber lieben ohne Verhütung

Sex ist ohne Verhütungsmittel besser. Das sagen 79% der Frauen und 82% der Männer. „Die Fummelei mit dem Kondom wird von vielen Männern als störend erlebt“, so Dr. Signerski-Kriegers Erfahrung aus der Beratungspraxis. „Sie sprechen auch von Beeinträchtigungen des Gefühls beim Geschlechtsverkehr.“ Er weist auf einen Widerspruch in den Antworten hin: „Auf der einen Seite sagen die Paare: Sex ist besser ohne Verhütung, auf der anderen Seite sagen sie, der Sex hat sich negativ verändert. Das ist zunächst nicht zu erklären. Möglich, dass die von den Frauen empfundene geringere Attraktivität hier eine Rolle spielt.“

Weniger Leidenschaft

Das zweite Drittel wird gern zur besten Zeit in der Schwangerschaft erklärt. Dem stimmen die Befragten nur bedingt zu: 17,5% der Frauen gaben an, in den ersten Monaten am meisten Sex gehabt zu haben, 24% nannten die mittlere Periode und das letzte Drittel gaben immerhin 16% als aktivste Zeit an. Die Männer nehmen das interessanterweise etwas anders wahr: 23% hatten im ersten, 21% im zweiten und 10,5% im letzten Drittel mehr Sex.

Übrigens lieben die Männer während der Schwangerschaft zärtlicher. Das gaben jedenfalls 36% bei der Befragung an. Bei den Frauen waren es nur 29%. Mehr Leidenschaft empfanden hingegen 27% der Frauen, aber nur 24% der Männer. Genauso wie vorher war in dieser Hinsicht der Sex für 44% der Frauen und für 29% der Männer.