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Schwangerschaft - Entspannungstipps für werdende Mütter

Du bist schwanger! Das ist eine tolle, aufregende Nachricht. Ein kleines menschliches Wesen ist auf dem Weg zu dir und du darfst ab sofort wesentlicher Teil einer einzigartigen Liebesgeschichte sein. Und auf eines kannst du in jedem Fall vertrauen: du machst intuitiv schon viel mehr richtig, als du vielleicht denkst.

In diesem Artikel:

Schwangerschaft - Neun besondere Monate entspannt erleben

Mittagspause in einem Londoner Altenheim. Als das Gespräch auf das Thema Kinder und Kinder kriegen kommt, beginnt Margret, fünfzigjährige Mutter von drei Halbstarken, urplötzlich zu leuchten: „I loved being pregnant.“, ich liebte es, schwanger zu sein, erklärt sie und spricht dabei mit so viel Liebe von ihren Schwangerschaften, dass ich, 19 Jahre und Einzelkind, tief beeindruckt bin und irgendwie auch neugierig. Ein paar Jahre später bin ich selbst schwanger, was ich zunächst daran merke, dass mir rund um die Uhr übel ist. Ob ich mich freue? Selbstredend, aber dass ich aussehen würde wie ein auf Glückswolken taumelndes Honigkuchenpferd, eher nicht. Dazu bin ich viel zu müde.

Eine Zeit voller Wunder beginnt

In nahezu allen Kulturen gibt es die Tradition, dass schwangere Frauen sich nur mit schönen Dingen umgeben sollen. Schöne Menschen anschauen, damit das Kind gut gedeiht, schöne Orte aufsuchen, Schönes machen, um den Energiefluss im Gleichklang zu halten. Schwangerschaft ist ein magischer, ein machtvoller, aber auch ein zerbrechlicher Zustand. Doch der weibliche Körper ist auf diese besonderen Monate bestens vorbereitet. Nach der traditionell chinesischen Medizin (TCM) nährt das mütterliche Yin über das Blut das Baby, das kostet Energie und führt im Körper der Mutter zu einem Überschuss an männlichem Yang und den bekannten Hitzewallungen. Schwitzen und Schläfrigkeit, alles physiologisch und normal im Sinne der TCM.

Kleine körperliche Malessen gehören dazu

Eine Schwangerschaft ohne körperliche Veränderungen gibt es nicht. Das sagt auch Ursula Alef, seit 1972 Hebamme und über 22 Jahre Leiterin einer Hebammenschule. Meistens sind es auch nur kleine Malessen wie die Übelkeit am Morgen oder geschwollene Beine, die nicht krankhaft sind und die nicht alle behandelt werden müssen. Nachdem ich mich erfolglos durch sämtliche Hausmittel gegen Schwangerschaftsübelkeit getestet habe, erwächst auch in mir die Einsicht: Sich sträuben, hilft nicht. Manchmal ist es angesagt, einen Zustand einfach als Begleitumstand einer besonderen Phase hinzunehmen und auf diese Weise darüber hinwegzusehen. Davon verschwindet die Übelkeit nicht. Doch sie wird irgendwie blasser, ich bin ihr gegenüber milder gestimmt, denn mir ist übel, weil sich in mir und mit mir gerade unglaublich viel bewegt.

„Entspannen Sie sich, gönnen Sie sich Ruhe.“ Gut gemeinte Empfehlungen, die in jedem Schwangerschaftsratgeber zu finden sind, aber so pauschal wenig nützen. „Ja, wie denn?“, möchte so manche Schwangere den gedruckten Worten zornig entgegen schreien. Die Dinge mit Gelassenheit nehmen, klingt nämlich schön, wird aber gerade Schwangeren oft nicht leicht gemacht. So lesen sich bereits die Hinweise auf der ersten Seite des Mutterpasses folgendermaßen: „Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt und befolgen Sie seine Ratschläge!“ Allein die Befehlsform macht klar, mit Wellness wird das hier nichts.

Katja ist 37, als sie ihr erstes Kind bekommt. Sie möchte gerne glücklich sein, doch in den ersten Monaten der Schwangerschaft treibt sie eigentlich nur Angst um. Angst, dass mit ihrem Kind etwas nicht in Ordnung sein könnte, weil sie bereits jenseits der 35 ist und damit laut Ärztekatalog in die Abteilung Risikoschwangere gehört. Ihre Befürchtungen werden mit dem Angebot, Untersuchungen zu machen, mit denen die Gesundheit des Ungeborenen getestet wird, beantwortet. Doch ein Test liefert Zahlen und Messergebnisse. Die Antwort, was mit diesen Zahlen zu machen ist, gibt er nicht. Wohlfühlen hängt für Katja in diesen Wochen an einzelnen Laborwerten. Mit Babysachen beschäftigen will sie sich erst, wenn sie die Ergebnisse hat.

Der Sorge ums Kind mit Selbstvertrauen begegnen

Ursula Alef kennt viele solcher Katjas. „Wir erleben zunehmend Frauen, die ihrem eigenen Körper gegenüber sehr distanziert sind. Sie sehen ihr Baby auf eineinhalb Meter Abstand im Monitor des Ultraschallgerätes, bekommen aber kein eigenes Gefühl für das, was in ihrem Bauch geschieht“, erzählt die Hebamme. Sie rät werdenden Müttern deshalb, sich Zeit für sich zu nehmen. Das muss kein angeleiteter Kurs sein. „Einfach mal in Ruhe den eigenen Bauch anfassen und in sich selbst hinein hören.“ Und vielleicht erkennen: Niemand ist näher dran am eigenen Kind im Bauch, als die Mutter selbst. Katja wendet sich schließlich an eine Hebamme. Und diese holt sie zurück zu der Wirklichkeit, dass sie statistisch gesehen zu 99,6 Prozent ein gesundes Kind zur Welt bringen wird. Und dass dieses Kind im Bauch mehr ist, als eine Anordnung von Chromosomensätzen. Da endlich stellt sich auch bei Katja die Freude ein. Sie versteht, es ist weder eine Ultraschallaufnahme und sei sie noch so schön bunt und dreidimensional, noch sind es die richtigen Werte bei der Nackenfaltenmessung, die ihre Schwangerschaft zu einem einmaligen, verliebenswerten Erlebnis machen.

Es ist der kleine, zarte Dialog mit dem flatternden Wesen in ihrem Bauch, der gerade beginnt. Dieser kann durch eine paar sanfte Streichelbewegungen geschehen, durch ein Gespräch mit dem Kind im Bauch oder durch die Vorstellung einer Verbindung. Die Hebamme Renate Meissner entwickelte dazu das Bild des rosa Herzfadens. Dabei stellt sich die Mutter eine rosafarbene oder rote Schnur vor, die sie mit ihrem Kind verbindet. Zu spüren, wie das Kind im Bauch antwortet, ist großartig. Zu wissen, dass ein Kontakt zum Kind jederzeit kinderleicht herstellbar ist, nimmt unglaublich viel Druck und Angst.

Und die Liebe, die dabei entsteht, macht es einfacher, körperliche und seelische Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, anzunehmen. zurückgreifen kann, sollte sich andere Frauen suchen. Frauen, wie Margret, meine Kollegin aus dem Altenheim, die ihre Schwangerschaften so positiv erlebt hat, dass sie dieses Gefühl auch Jahre später noch gerne weitergibt. Mütterliche Freundinnen können in dieser Zeit zu wertvollen Bezugspersonen werden. Sich ein Netzwerk aufzubauen und zu lernen, Hilfe anzunehmen, trägt in jedem Fall zur Entlastung bei.

Gerade Mütter, die eine belastete Schwangerschaft erlebt haben, quälen sich häufig mit dem schlechten Gewissen. „Ich war so mies drauf und nun hat mein Kind das alles mitbekommen.“

Richtig ist, Kinder spüren im Bauch, wenn die Mutter gestresst ist. Aber sie erleben auch, wie die Mutter diesen Stress überwinden kann. Auf diese Weise erfährt das Kind im Mutterleib schon viel vom Leben an sich und bekommt eine gewisse Lebensreife mit auf den Weg gegeben.

Auf zum Tanzkurs statt vor dem PC abzuhängen

Schwangerschaft ist auch Alltag. Da wartet die Arbeit, der Haushalt, die Geschwisterkinder, die versorgt werden wollen. Und das ist gut so. Alltagsrhythmen geben Halt und garniert mit ein paar kleinen Verschnaufpausen sind sie die beste Vorbereitung für das, was nach der Geburt kommt. Ansonsten gilt tatsächlich die schlichte Weisheit: Sich zwischendurch mit schönen Dingen zu beschäftigen, tut einfach gut. Sport zum Beispiel ist auch in der Schwangerschaft ein probates Mittel, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. „Sich auch als Schwangere zu bewegen, körperlich an - zu strengen – draußen, an der frischen Luft – bringt viele Vorteile.

Es steigert das Wohlbefinden und hilft bei Gewichtsproblemen. Nach sportlichen Aktivitäten oder einem strammen Spaziergang schlafen Sie besser und fühlen sich vor allem auch prima“, meint die Schweizer Ärztin Prof. Dr. Renate Huch. Gut sind Sport arten wie Yoga, Schwimmen, Wandern, Laufen oder Tanzen, die Aus dauer und Beweglichkeit trainieren, ohne große Verletzungsrisiken zu bergen. Grundsätzlich sollten jedoch auch trainierte Sportlerinnen in der Schwangerschaft ein wenig runter vom Gas. Wer beim Laufen noch ohne Probleme fünf zusammen hängende Worte sprechen kann, ist auf der sicheren Seite.

Aber auch ins Kino gehen, lange frühstücken, Freundinnen treffen, den ersten Strampler aussuchen oder in Ruhe ein Buch lesen – alles Aktivitäten, für die mit Baby erst einmal wenig Zeit bleiben wird und die eine Schwangere mit diesem Wissen noch einmal von Herzen genießen darf. Und nicht zuletzt bleibt die
Schwangerschaft eine Zeit der Vorfreude. Wie Advent.

Nur noch schöner. „I loved being pregnant.“ Nach drei Schwangerschaften, die nicht frei von kleinen Maleissen waren, kann ich sagen: „Danke, Margret, du hattest recht!“

„Ich möchte Frauen neugierig machen auf das Geburtserlebnis“

Ursula Jahn-Zöhrens ist Hebamme mit eigener Praxis.

Experten-Interview

Experten-Interview - Entspannt durch die SchwangerschaftUrsula Jahn-Zöhrens ist Hebamme mit eigener Praxis und hat in diesem Jahr ihr zweites Buch unter dem Titel „Entspannt erleben – Schwangerschaft und Geburt“ veröffentlicht – herausgegeben vom Deutschen Hebammenverband

kidsgo: Frau Jahn-Zöhrens, in wie fern hilft Ihr neues Buch Schwangeren, sich zu entspannen?

U. Jahn-Zöhrens: Mir lag es am Herzen, viel Hebammenwissen zugänglich zu machen. Und den Fokus darauf zu lenken, dass eine Schwangerschaft zwar ein besonderer Teil des Lebens ist, aber kein negativer.

kidsgo: Fast keine werdende Mutter, die im Laufe von 40 Wochen nicht den Stempel „Risikoschwangere“ verpasst bekommt. Da liegt der Schluss nahe, dass es sich dabei doch um einen fast krankhaften Zustand handelt?

U. Jahn-Zöhrens: Genau um dieses Missverständnis ging es mir. Oft steht die Ängste schürende Pathologie im Vordergrund. Ich möchte dazu aufrufen, die Schwangerschaft dazu zu nutzen, sich stark zu machen. Die körperlichen Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, sollten Frauen als etwas begreifen, was einfach dazu gehört.

kidsgo: Steht dahinter die Idee, wer beherzt an eine Geburt herangeht, kommt zumindest statistisch gesehen leichter und komplikationsloser hindurch?

U. Jahn-Zöhrens: Kaum eine Frau wünscht sich von sich aus einen Kaiserschnitt, dennoch steigt die Sectio-Rate seit Jahren. Ich erlebe viele Frauen, die dem Thema „Geburt“ zunehmend rationaler und technokratischer gegenüberzustehen nach dem Motto: Es ist mir doch egal, wie das Kind kommt, Hauptsache, es kommt“. Das ist eine Art Fremdbestimmung, die wir in keinem anderen Bereich des Lebens in der Form mit uns machen lassen. Bei unserer Sexualität lassen wir uns in keinster Weise mehr hereinreden, wie wir diese zu gestalten haben. Aber bei einem ähnlich intimen Vorgang wie einer Geburt nehmen wir eine derartige Öffentlichkeit in Kauf. Ich möchte Mut machen, hier noch einmal genauer hinzuschauen.

kidsgo: Eine Geburt als Privatangelegenheit. Diese Vorstellung wirkt in der Tat weniger beängstigend als der Gedanke, sich in einer unbekannten Extremsituation komplett einer medizinischen Routine zu übergeben. Statt nackter Angst entsteht sogar so etwas wie positive Gespanntheit.

U. Jahn-Zöhrens: Ja, und die ist gut. Ich möchte Frauen neu gierig machen auf das Geburtserlebnis.

kidsgo: Liebe Frau Jahn-Zöhrens, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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