MENU

Schwangerschaft - Entspannungstipps für werdende Mütter

Du bist schwanger! Das ist eine tolle, aufregende Nachricht. Ein kleines menschliches Wesen ist auf dem Weg zu dir und du darfst ab sofort wesentlicher Teil einer einzigartigen Liebesgeschichte sein. Und auf eines kannst du in jedem Fall vertrauen: Du machst intuitiv schon viel mehr richtig, als du vielleicht denkst.

In diesem Artikel:

Schwangerschaft - Neun besondere Monate entspannt erleben

Mittagspause im Londoner Altenheim, in dem ich arbeite. Als das Gespräch auf das Thema Kinder und Kinderkriegen kommt, beginnen die Augen meiner Kollegin Margret, Altenpflegerin und fünfzigjährige Mutter von drei Halbstarken, zu leuchten: „I loved being pregnant.“ Sie habe es geliebt schwanger zu sein. Margret spricht dabei mit solch einer Wärme und Begeisterung von ihren Schwangerschaften, dass ich – damals 19 Jahre jung und Einzelkind – tief beeindruckt war und irgendwie auch neugierig wurde.
Ein paar Jahre später bin ich selbst schwanger. Was ich zunächst daran merke, dass mir rund um die Uhr übel ist. Ob ich mich freue? Und wie! Ich schwebe auf Wolke sieben und komme aus dem Strahlen gar nicht mehr raus.

Eine Zeit voller Wunder beginnt

IIn nahezu allen Kulturen gibt es die Tradition, dass schwangere Frauen sich nur mit schönen Dingen umgeben sollen. Schöne Menschen anschauen, damit das Kind gut gedeiht, schöne Orte aufsuchen, Schönes machen, um den Energiefluss im Gleichklang zu halten. Der weibliche Körper ist auf diese besonderen neun Monate bestens vorbereitet. Nach der traditionell chinesischen Medizin (TCM) nährt das mütterliche Yin über das Blut das Baby; das kostet Energie und führt im Körper der Mutter zu einem Überschuss am männlichen Yang und den bekannten Hitzewallungen. Schwitzen und Schläfrigkeit – alles also physiologisch und normal. 

Kleine körperliche Malessen gehören dazu

Eine Schwangerschaft ohne körperliche Veränderungen gibt es nicht. Das sagt auch Ursula Alef, die schon lange als Hebamme arbeitet. Meistens sind es aber nur kleine Malessen wie die Übelkeit am Morgen oder geschwollene Beine, die in der Regel nicht krankhaft sind und deshalb nicht behandelt werden müssen.
Nachdem ich erfolglos sämtliche Hausmittel gegen Schwangerschaftsübelkeit ausprobiert habe, erwächst auch in mir die Einsicht: Damit hadern hilft nicht. Manchmal ist es angesagt, einen Zustand einfach als Begleitumstand einer besonderen Phase anzunehmen und darüber hinwegzusehen. Davon verschwindet die Übelkeit zwar nicht. Aber sie wird irgendwie blasser. Ich bin ihr gegenüber milder gestimmt: Mir ist übel, weil sich in mir und mit mir gerade unglaublich viel bewegt.

„Entspannen Sie sich, gönnen Sie sich Ruhe.“ Gut gemeinte Empfehlungen, die in jedem Ratgeber zu finden sind, aber so pauschal oft wenig nützen. „Ja, wie denn?“, möchte so manche Schwangere den gedruckten Worten entgegen schreien. Die Dinge mit Gelassenheit zu nehmen, klingt schön, wird aber gerade Schwangeren oft nicht leicht gemacht. So lesen sie bereits auf der ersten Seite des Mutterpasses folgende Hinweise: „Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt und befolgen Sie seine Ratschläge!“ Oder: „Nutzen Sie die Ihnen gebotenen Möglichkeiten, um sich und Ihrem Kind Sicherheit zu verschaffen!“ Welche Mutter macht das nicht, frage ich mich.
Nicht nur Frauenärzte, sondern gerade auch Hebammen sind diejenigen, die sich mit Schwangerschaft und Geburt besonders gut auskennen. In ihren Händen, mit ihrer Erfahrung und ihren Tipps fühlen sich Mütter in anderen Umständen oft sicherer. Sie helfen auch, wenn Ängste die Schwangerschaft zu überschatten drohen – wie im folgenden Fall meiner Freundin Katja.

Guter Hoffnung bleiben

Sie ist 37, als sie ihr erstes Kind bekommt. Und natürlich möchte sie gerne guter Hoffnung sein. Doch in den ersten Monaten der Schwangerschaft macht sie sich viele Sorgen. Sie hat Angst, dass mit ihrem Kind etwas nicht in Ordnung sein könnte, weil sie bereits jenseits der 35 ist und damit laut Ärztekatalog in die Kategorie Risikoschwangere fällt. Ihre Befürchtungen werden mit dem Angebot, Untersuchungen zu machen, mit denen die Gesundheit des Ungeborenen getestet wird, beantwortet. Doch ein Test liefert nur Zahlen und Messergebnisse. Die Antwort, was mit diesen Zahlen zu machen ist, gibt er nicht. Wohlfühlen hängt für Katja in diesen Wochen an einzelnen Laborwerten. Mit Babysachen beschäftigen will sie sich erst, wenn sie die Ergebnisse hat.

Der Sorge ums Kind mit Selbstvertrauen begegnen

Ursula Alef kennt viele solcher Katjas. „Wir erleben zunehmend Frauen, die ihrem eigenen Körper gegenüber sehr distanziert sind. Sie sehen ihr Baby auf eineinhalb Meter Abstand im Monitor des Ultraschallgeräts, bekommen aber kein eigenes Gefühl für das, was in ihrem Bauch geschieht“, erzählt die Hebamme. Sie rät werdenden Müttern deshalb, sich

Wie geht es dir, Baby? 

Im Rahmen der Schwangerschaft finden etliche Vorsorgeuntersuchungen statt. In unserem neuen kidsgo Vorsorge-Guide erklären wir die wichtigsten Schwangerschafts- und Pränataluntersuchungen und lassen von zwei Gynäkologen bewerten, ob und wann diese notwendig sind. Außerdem: Warum Testergebnisse nicht unbedingt eine eindeutige Antwort geben können, verwirren und verunsichern können.

Hier findest du den kidsgo-Vorsorge-Guide zu 35 Untersuchungen in der Schwangerschaft zum Download. Du kannst aber auch online gezielt nach einer bestimmten Untersuchung suchen.

Zeit für sich zu nehmen. Das muss kein angeleiteter Kurs sein. „Einfach mal in Ruhe den eigenen Bauch anfassen und in sich selbst hinein hören.“ Und vielleicht erkennen: Niemand ist näher dran am eigenen Kind im Bauch als ich selbst.

Katja wendet sich schließlich an eine Hebamme. Und diese holt sie zurück in die Wirklichkeit: Statistisch gesehen kommen die meisten Kinder, nämlich 96 Prozent, gesund zur Welt. Katja begreift, dass dieses Kind im Bauch mehr ist als eine Anordnung von Chromosomensätzen. Weder eine Ultraschallaufnahme – und sei sie noch so schön bunt und dreidimensional – noch sind es die richtigen Werte bei der Nackenfaltenmessung, die ihre Schwangerschaft zu einem einmaligen, verliebenswerten Erlebnis machen. Es ist der kleine, zarte Dialog mit dem flatternden Wesen in ihrem Bauch, der gerade beginnt.

Dieser kann durch eine paar sanfte Streichelbewegungen geschehen, durch ein Gespräch mit dem Kind im Bauch oder durch die Vorstellung der Verbindung über die Nabelschnur. Die Hebamme Renate Meissner entwickelte dazu das Bild des rosa Herzfadens. Dabei stellt sich die Mutter eine rosafarbene oder rote Schnur vor, die sie mit ihrem Kind verbindet.
Zu spüren, wie das Kind im Bauch auf Streicheleinheiten und Zuwendung antwortet, ist einzigartig. Zu wissen, dass ein Kontakt zum Kind jederzeit kinderleicht herstellbar ist, nimmt unglaublich viel Druck und Angst. Machen wir uns bewusst: Nie wieder sonst wird einem ein anderer Mensch so nah sein wie in dieser Zeit. Diese wachsende Liebe macht es einfacher, körperliche und seelische Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, anzunehmen.

Jede Schwangere sollte eine Hebamme haben

Um Selbstvertrauen zu schöpfen, brauchen Schwangere Menschen, die sich mit Zeit, Geduld und Fachwissen ihre Ängste und Sorgen anhören. Wenn es um mehr als die rein medizinischen Fakten einer Schwangerschaft geht, sind Hebammen die Spezialistinnen und ersten Ansprechpartnerinnen. Darum erleben viele Frauen es auch als bereichernd, zumindest einen Teil der Vorsorgeuntersuchungen in die Hand einer Hebamme zu legen. Der Vorteil: Die Vorsorgetermine finden nicht umgeben von medizinischen Apparaturen, sondern im eigenen Wohnzimmer oder der Hebammenpraxis statt. Im Normalfall planen Hebammen für ihre Termine mehr Zeit ein, als es der straff organisierte Praxisalltag von Gynäkologen zulässt. Und in vertrauter Umgebung fällt es leichter Fragen zu stellen. Hebammen sind somit häufig näher dran am tatsächlichen Befinden der Schwangeren. Mit ihrem ganzheitlichen Blick berücksichtigen sie die persönliche Situation, teilen Sorgen, beantworten Fragen und freuen sich mit ihr.

Auch ein stabiles Umfeld und tragfähige Beziehungen sind wichtige Faktoren im glücklichen Erleben einer Schwangerschaft. Nicht umsonst gewinnt für viele Schwangere die Beziehung zur eigenen Mutter plötzlich eine viel größere Bedeutung. Wer nicht auf eine Mutter zurückgreifen kann, sollte sich andere Frauen suchen. Frauen wie die Londonerin Margret, die ihre Schwangerschaften so positiv erlebt hat, dass sie sich auch Jahre später noch gerne daran erinnert und ihre Erfahrung mit Freude weitergibt. Mütterliche Freundinnen können in dieser Zeit zu wertvollen Bezugspersonen werden. Sich ein Netzwerk aufzubauen und zu lernen Hilfe anzunehmen, trägt in jedem Fall zur Entlastung bei.

Was tut mir jetzt gut?

Gerade werdende Mütter, die in Sorge leben, quälen sich häufig mit einem schlechten Gewissen: „Ich war so mies drauf. Das hat mein Kind bestimmt alles mitbekommen.“ Richtig ist: Kinder spüren im Bauch, wenn die Mutter gestresst ist. Aber sie erleben auch, wie die Mutter diesen Stress überwinden kann. Auf diese Weise erfährt das Kind im Mutterleib schon viel vom Leben an sich und bekommt eine gewisse Lebensreife mit auf den Weg gegeben.

Schwangerschaft ist auch Alltag. Da warten die Arbeit, der Haushalt, vielleicht auch die Geschwisterkinder, die versorgt werden wollen. Und das ist gut so. Alltagsrhythmen geben Halt, und – garniert mit ein paar kleinen Verschnaufpausen – sind sie die beste Vorbereitung für das, was nach der Geburt kommt. Ansonsten gilt tatsächlich die schlichte Weisheit: Sich zwischendurch mit schönen Dingen zu beschäftigen, tut einfach gut.

Auf zum Sportkurs statt vor dem PC abzuhängen

Sport zum Beispiel ist auch in den neun Monaten ein probates Mittel, sich im eigenen Körper wohlzufühlen. „Sich auch als Schwangere zu bewegen, körperlich anzustrengen – draußen, an der frischen Luft – bringt viele Vorteile. Es steigert das Wohlbefinden und hilft bei Gewichtsproblemen. Nach sportlichen Aktivitäten oder einem strammen Spaziergang schlafen

Sport für Schwangere

Von Aquafit über Bauchtanz und Yoga bis Pilates – in Schwangeren-Sportkursen ist alles auf deine Bedürfnisse abgestimmt. Angebote in deiner Region findest du auf kidsgo.de/kurse

Sie besser und fühlen sich vor allem auch prima“, meint die Schweizer Ärztin Prof. Dr. Renate Huch. Gut sind Sportarten wie Yoga, Schwimmen, Wandern, Laufen oder Tanzen, die Ausdauer und Beweglichkeit trainieren, ohne große Verletzungsrisiken zu bergen. Grundsätzlich sollten jedoch auch trainierte Sportlerinnen in der Schwangerschaft ein wenig runter vom Gas. Wer beim Laufen noch ohne Probleme fünf zusammenhängende Worte sprechen kann, ist auf der sicheren Seite.

Aber auch ins Kino gehen, lange frühstücken, Freundinnen treffen, den ersten Strampler aussuchen oder in Ruhe ein Buch lesen – alles Aktivitäten, für die mit Baby erst einmal wenig Zeit bleiben wird und die eine Schwangere mit diesem Wissen noch einmal von Herzen genießen darf.

Und nicht zuletzt bleibt die Schwangerschaft eine Zeit der Vorfreude. Wie Advent. Nur noch schöner. „I loved being pregnant.“ Nach vier Schwangerschaften, die nicht frei von kleinen Malessen waren, kann ich sagen: „Danke, Margret, du hattest recht!“

 

„Ich möchte Frauen neugierig machen auf das Geburtserlebnis“

Ursula Jahn-Zöhrens ist Hebamme mit eigener Praxis.

Experten-Interview

Experten-Interview - Entspannt durch die SchwangerschaftUrsula Jahn-Zöhrens ist Hebamme mit eigener Praxis und hat in diesem Jahr ihr zweites Buch unter dem Titel „Entspannt erleben – Schwangerschaft und Geburt“ veröffentlicht – herausgegeben vom Deutschen Hebammenverband

kidsgo: Frau Jahn-Zöhrens, in wie fern hilft Ihr neues Buch Schwangeren, sich zu entspannen?

U. Jahn-Zöhrens: Mir lag es am Herzen, viel Hebammenwissen zugänglich zu machen. Und den Fokus darauf zu lenken, dass eine Schwangerschaft zwar ein besonderer Teil des Lebens ist, aber kein negativer.

kidsgo: Fast keine werdende Mutter, die im Laufe von 40 Wochen nicht den Stempel „Risikoschwangere“ verpasst bekommt. Da liegt der Schluss nahe, dass es sich dabei doch um einen fast krankhaften Zustand handelt?

U. Jahn-Zöhrens: Genau um dieses Missverständnis ging es mir. Oft steht die Ängste schürende Pathologie im Vordergrund. Ich möchte dazu aufrufen, die Schwangerschaft dazu zu nutzen, sich stark zu machen. Die körperlichen Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen, sollten Frauen als etwas begreifen, was einfach dazu gehört.

kidsgo: Steht dahinter die Idee, wer beherzt an eine Geburt herangeht, kommt zumindest statistisch gesehen leichter und komplikationsloser hindurch?

U. Jahn-Zöhrens: Kaum eine Frau wünscht sich von sich aus einen Kaiserschnitt, dennoch steigt die Sectio-Rate seit Jahren. Ich erlebe viele Frauen, die dem Thema „Geburt“ zunehmend rationaler und technokratischer gegenüberzustehen nach dem Motto: Es ist mir doch egal, wie das Kind kommt, Hauptsache, es kommt“. Das ist eine Art Fremdbestimmung, die wir in keinem anderen Bereich des Lebens in der Form mit uns machen lassen. Bei unserer Sexualität lassen wir uns in keinster Weise mehr hereinreden, wie wir diese zu gestalten haben. Aber bei einem ähnlich intimen Vorgang wie einer Geburt nehmen wir eine derartige Öffentlichkeit in Kauf. Ich möchte Mut machen, hier noch einmal genauer hinzuschauen.

kidsgo: Eine Geburt als Privatangelegenheit. Diese Vorstellung wirkt in der Tat weniger beängstigend als der Gedanke, sich in einer unbekannten Extremsituation komplett einer medizinischen Routine zu übergeben. Statt nackter Angst entsteht sogar so etwas wie positive Gespanntheit.

U. Jahn-Zöhrens: Ja, und die ist gut. Ich möchte Frauen neu gierig machen auf das Geburtserlebnis.

kidsgo: Liebe Frau Jahn-Zöhrens, wir danken Ihnen für das Gespräch!