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Vater werden - Wie werdende Väter bei der Geburt helfen

„Einfach da sein.“ „Sich darauf einlassen.“ „Wahrnehmen, was meine Frau dann braucht.“ „Händchen halten.“ „Sie mit dem Auto ins Krankenhaus fahren.“ Auf die Frage an die zukünftigen Väter, die zum ersten Mal dabei sein werden, habe ich im Geburtsvorbereitungskurs häufig diese Antworten bekommen.

In diesem Artikel:

Väter als Geburtsbegleiter

Ihre Offenheit zeigt in der Essenz, dass die Männer oftmals ein gutes natürliches Gespür dafür haben, was machbar oder eben nicht machbar ist. Das Wesentliche erahnen sie bereits, nämlich Vertrauen, wohlwollendes Dasein und Präsenz zu zeigen.

Was heisst dabei sein? Welche Qualität muss das Dabeisein haben, um für die Gebärende unterstützend zu wirken? Denn die alltäglichen Situationen im Leben eines Mannes, im Beruf, in der Gesellschaft, stehen dazu oft im krassen Gegensatz. Er soll oft der „Macher“ sein, derjenige, der alles im Griff hat und die Kontrolle behält. Aber das Geschehen während der Geburt ist eine neue Situation für den werdenden Vater und er steht bisher ohne Erfahrung da. Die Geburt ist nicht planbar, eigentlich nicht berechenbar und nicht von außen kontrollierbar.

Die Geburtsbegleitung erfordert vom Mann, seiner Partnerin den Rücken zu stärken, aber eher als „Diener der Frau“. Hilfreiche Unterstützung kann geschehen durch Zurücktreten, wahrnehmen, rezeptiv sein, zurücknehmen, zulassen, vertrauen, aushalten und halten.

Die Physiologie der Geburt

Um gute Bedingungen für den natürlichen Ablauf der Geburt zu haben, spielt die Umgebung und das menschliche Umfeld eine wesentliche Rolle. Was sind hier die Grundbedürfnisse der Gebärenden? Wissenschaftliche Erkenntnisse des bekannten Gynäkologen und Geburtshelfers Michel Odent (Wurzeln der Liebe) haben gezeigt, dass die Schwangere, um natürlich gebären zu können einen ganz bestimmten Cocktail an Geburtshormonen ausschütten sollte: Oxytozyn zum Geburtsbeginn und für die Wehentätigkeit der Gebärmutter. Weiter sind körpereigene Schmerzmittel, die Endorphine, notwendig um gut mit den Wehen umgehen zu können.

Und noch viele andere wichtige Hormone werden in der selben Drüse gebildet- nämlich im Gehirn, genauer gesagt im Stammhirn. Der entwicklungsgeschichtlich jüngere Teil des Gehirns, der Neokortex, ist u.a. zuständig für die intellektuellen Fähigkeiten. Bei der Geburt sollte nun von außen vermieden werden, diesen intellektuellen Anteil zu aktivieren. Die Führung hat das Stammhirn, das wir auch mit den Säugetieren gemeinsam haben. Um das zu unterstützen, ist es für die Geburt von Vorteil der Frau eine geschützte Atmosphäre zu ermöglichen, damit sie abschalten, vergessen und sich gehen lassen kann. Das ist sehr hilfreich, damit ganz automatisch dieser Hormonmix ausgeschüttet wird.

Was kann ein Mann tun?

Was kann der Mann für eine Rolle übernehmen, damit dieses Programm ungestört abläuft? Der werdende Vater kann gerne die Vermittlerrolle für das Krankenhauspersonal übernehmen, um seine Frau zu vertreten. Er übernimmt, wenn nötig z.B. Formulare, Fragebögen, medizinische Details und Erklärungen. Seine Partnerin bleibt dadurch ganz ungestört im Geburtsprozess. Es ist gut die Intimsphäre zu schützen. Er kann dafür sorgen, dass die Partnerin weitgehend von Stress oder Verunsicherung abgeschirmt wird.

Nicht immer selbstverständlich ist, dass der Partner besser keine Foto- oder Filmaufnahmen während der Geburt macht. Da die Töne und das Verhalten der Gebärenden meist mehr aussagen, macht es keinen Sinn sich allein auf die technische CTG-Überwachung zu konzentrieren. Helles Licht kann auch einen Reiz auf den Neokortex aktivieren und deswegen ist es sinnvoll für abgedunkeltes Licht zu sorgen.

Checkliste für den Mann bei der Geburt

Das Wichtigste: einfach da sein!

  • Die Frau soll spüren, dass sie begleitet wird.
  • Schützer und Fürsprecher sein: die Frau soll nicht Formulare ausfüllen, argumentieren oder erklären müssen, sondern sich geborgen fühlen
  • Mut zusprechen, beruhigen, aufmuntern, loben: „Gut so“
  • daran erinnern, dass jede verarbeitete Wehe das Kind ein Stück näher bringt und wieder ein Stück Arbeit geschafft ist. Jede Wehe ist produktiv.

Praktische Tipps, die hilfreich sind

  • Wasser zum Trinken immer wieder anbieten (um den Kreislauf stabil zu halten)
  • Die Schwerkraft hilft mit: die Partnerin zur Positionsveränderung motivieren und die gewünschte Körperhaltung ermöglichen (Bett variieren, stehen, abstützen, gehen, hocken, Ball, Seil, Bodenmatte, Badewanne?)
  • Bewegung unterstützt die Öffnung des Muttermundes und intensiviert die Wehentätigkeit
  • mindestens 1X pro Stunde die Partnerin zur Toilette begleiten
  • Bei Bedarf für Frischluft sorgen und Fenster öffnen
  • Wärme lindert Schmerz und entspannt: warmes Kirschkernsäckchen oder Wärmflasche für Kreuzbeinbereich organisieren und anbieten. Darauf achten, dass Partnerin warme Füße (ihr u.U. warme Socken anziehen) und warmes Gesäß hat. Warme Badewanne?
  • Gesicht, Stirn, Hals und Nacken mit feuchten Waschlappen abwischen
  • für angenehme Musik und Duft sorgen, wenn gewünscht
  • Partnerin in den Arm nehmen und halten
  • Traubenzucker oder Schokolade anbieten (Blutzuckerspiegel)

Wo Berührung in der Wehe oder Wehenpause gut tut

  • zur lokalen Schmerzlinderung mit beiden Handflächen den Rücken oder die Schultern nach unten ausstreichen, synchron mit der Ausatmung. Das zeigt in welche Richtung die Wehenkraft nach unten wirkt – das zeigt auch den Weg des Kindes.
  • Berührungsentspannung und Händeauflegen auf Kreuzbein (hier tut es oft am meisten weh), Bauch, Stirn, Kiefer, Po, Oberschenkel.
  • Halt tut gut: Füße halten, den Fersen halt geben

Bei der Atmung unterstützen

  • Das intensive und manchmal laute Ausatmen (mit A-Ton) sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung für die Gebärende, die Gebärmutter und fürs Baby. Lautwerden entlastet.
  • Gemeinsam ausatmen oder voratmen: während der Wehe mit geöffnetem Mund ausatmen, loslassen und locker lassen.
  • Erinnern den Mund zu öffnen, Zusammenhang von Mund/Kieferbereich und Beckenboden, Mund locker lassen, weil „Zähne Zusammenbeißen“ die Atmung blockiert.

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