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Kinderschuhe - Wie du passendes Schuhwerk findest

„Der ist zu groß, da schlappt er ja hinten raus“, sagt die Schuhverkäuferin, als mein Sohn zwischen den Regalen, voll mit Schuhen jeder Couleur und Machart, umherflitzt. Welche Schuhe und welche Größe braucht dein Kind!

In diesem Artikel:

Vom richtigen Kinderschuh und wie man ihn findet

Doch der vorherige Halbschuh war deutlich zu klein, da stieß der große Zeh schon vorne an. Kinderschuhe kaufen ist wahrlich keine einfache Sache. Und weil Kinderfüße monatlich bis zu zwei Millimeter wachsen und das bis zu ganze drei Schuhgrößen pro Jahr ausmachen kann, stehen wir recht oft – meist ratlos – vor den Schuhregalen und dem gleichen Problem wie vor drei Monaten.

Hat man dann endlich die richtige Passform und Größe gefunden, gefällt womöglich die Farbe nicht. Auch Anna Yona, Mutter von drei Kindern, kann vom Schuhkauf ein Lied singen. In ihrem Fall gestaltete sich die Suche nach gesunden Kinderschuhen, die ihre Kinder nicht auf der Stelle wieder ausziehen wollten, als ein besonders schwieriges Unterfangen. Denn ihre Kinder liefen die ersten Lebensjahre fast ausschließlich barfuß – drinnen wie draußen. Erst als Anna mit ihrer Familie im Frühjahr 2013 von Israel ins kältere Deutschland zog, stellte sich das Problem des Schuhkaufs: „Richtig kritisch wurde es dann im Winter. Bei den niedrigen Temperaturen konnten wir die Augen vor dem Schuhproblem nicht mehr verschließen.“

Riesige Auswahl, winzige Ausbeute

Im Schuhfachgeschäft gibt es zwar eine große Auswahl, doch die Kriterien, die Schuhe erfüllen sollten, erfüllen die meisten Modelle nicht. Der Arzt und Buchautor Dr. Christian Larsen empfiehlt eine dünne, flexible und flache Schuhsohle, die sich mit leichtem Druck um 90° gebeugt und um 90° in der Länge spiralig verschrauben lässt. Das Fußbett sollte flach sein, das Material geschmeidig und atmungsaktiv. Dazu rät auch der Stuttgarter Orthopäde Dr. Frank Steeb: „Ich stelle immer wieder fest, dass bei Kunststoffmaterialien die Kinderfüße doch sehr schwitzen.“ Kinderfüße brauchen also nicht nur Platz, sondern auch Luft zum Atmen, damit es ihnen nicht stinkt.

Anna Yonas Suche nach Schuhen, die ihre Kinder gerne trugen und die Füße ihrer Kinder nicht in ihrer natürlichen Bewegung einengten, blieb ergebnislos. Kurzerhand setzte sie sich an die Nähmaschine und nähte ihr erstes Paar Schuhe. „Das war übrigens wegen der Dreidimensionalität gar nicht so leicht“, erzählt sie. Nicht zuletzt wegen ihrer verzweifelten Suche nach Kinderschuhen reifte langsam in ihr die Idee, Kinderschuhe zu entwickeln. Schon kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland habe sie bemerkt, dass andere Eltern mit ähnlichen Problemen kämpften. Auf dem Kinderspielplatz habe sie oft beobachtet, dass Kinder am liebsten barfuß umherliefen und spielten, erzählt die 37-Jährige, die in Israel Geisteswissenschaften studierte.

Zwei Drittel der Kinder tragen zu kleine Schuhe. „Platznot ist das Fußproblem Nummer eins: Die Füße können nicht mehr richtig abrollen, der Vorfuß wird gestaucht, gespreizt und bereits im zartesten Lebensalter unwiderruflich geschädigt“, so Larsen. Das eigentlich Tragische daran ist, dass 98 % aller Neugeborenen mit gesunden Füßen auf die Welt kommen. Die meisten Säuglinge haben erst einmal Plattfüße oder O-Beine, das sei aber ganz normal, schreibt Larsen, auch das Fußgewölbe bilde sich erst mit der Zeit, mit der zunehmenden Belastung aus.

Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh ...

Damit die kleinen Füße sich gesund entwickeln können, müssen die Schuhe in der Länge und Weite passen, schreibt Larsen. „Bei der richtigen Größe“, sagt der Kinderorthopäde Frank Steeb, „hat der große Zeh noch 12 bis 17 Millimeter Platz.“ Er empfiehlt, eine Fußschablone anzufertigen (Link Experteninterview) und diese im Schuhgeschäft in den Schuh zu legen und dann zu testen, ob der Abstand ausreicht. Vom Daumentest allein hält er nicht so viel, denn die meisten Kinder ziehen dabei automatisch die Zehen zurück. 

Irgendwann brannte Anna Yona so sehr für die Idee andere, flexible Kinderschuhe für natürliches Laufen zu entwickeln und zu vertreiben, dass sie und ihr Mann Ran (38), Sporttherapeut und passionierter Barfußläufer, die Firma Wildling Shoes gründeten. Im Dezember geht ihr Unternehmen an den Start. Ihr Produkt: ein Kinderschuh aus Naturstoffen mit einer äußerst flexiblen Sohle, mit ausreichend Platz für die Zehen und ganz ohne Absatz. „Ein Schuh, der den natürlichen Gang von Anfang an bewahrt und mit dem Kinder gerne springen, toben, rennen und spielen können“, sagt Anna. Schuhe fürs wilde Spielen eben.

Was lag da näher, als das Wort „wild“ in den Firmen-Namen zu integrieren? Modell für das erste Paar Wildlings stand übrigens Annas 7-jährige Tochter. Durch das ständige Barfußlaufen habe sie einen sehr kräftigen, gesunden Fuß mit einer sehr guten Zehenstellung, erklärt Mutter Anna. „Sie war auch die Erste, die die Schuhe testen durfte. Meine Kinder spielten bei der gesamten Entwicklung eine wichtige Rolle. Unser Arbeitsraum liegt voller Schuhe, Materialien und Designentwürfen, sie waren dabei als wir das erste richtig gute Muster ausgepackt und uns wahnsinnig gefreut haben. Und natürlich sind sie auch dabei, wenn es mal hektisch oder angespannt zugeht, weil Dinge nicht so laufen wie sie sollten.“ Doch wenn ihre Tochter auf die Frage „Was sie einmal werden möchte“, „das mit den Schuhen von Papa und Mama“ antwortet, wird klar, dass sie in das kleine Familienunternehmen schon reingewachsen ist.

Freiheit für Kinderfüße!

Passende Schuhe sind also das Eine, doch was können Eltern sonst noch tun, damit der Kinderfuß gesund bleibt? Die Antwort: Kinder barfuß laufen lassen! Und zwar nicht nur auf dem Fließen- oder Holzboden in der Wohnung, sondern auch draußen auf natürlichen und unebenen Untergründen wie Sand oder Waldboden. „Das hält den Fuß beweglich und kräftigt seine Muskulatur“, betont Frank Steeb. Er empfiehlt, so oft wie möglich barfuß zu laufen. Durch häufiges Barfußlaufen im Kindesalter lassen sich nämlich Fußprobleme im Erwachsenenalter, über die immerhin 60 % klagen, halbieren. „Wir erziehen unsere Kinder ja erst dazu, Schuhe anzuziehen“, gibt Anna Yona zu bedenken „obwohl die Kleinen instinktiv wissen, dass Barfußlaufen das Beste für sie ist.“

Experteninterview - Damit der Schuh nicht drückt

Orthopäde Dr. Frank Steeb hat sich in seiner Stuttgarter Praxis auch auf kleine Patienten spezialisiert. Wir wollen wissen, worauf Eltern beim Kauf von Kinderschuhen achten sollten, damit Kinderfüße gesund bleiben.

Experten-Interview

Experten-Interview - Richtige Schuhe findenOrthopäde Dr. Frank Steeb hat sich in seiner Stuttgarter Praxis auch auf kleine Patienten spezialisiert. Wir wollen wissen, worauf Eltern beim Kauf von Kinderschuhen achten sollten, damit Kinderfüße gesund bleiben.

kidsgo: Herr Dr. Steeb, ab wann sind Kinderschuhe sinnvoll und wie sollte das erste Paar Schuhe beschaffen sein?

Frank Steeb: Wenn das Kind in der Wohnung sicher umhergehen und auch draußen ohne Hilfe gehen kann, ist der richtige Zeitpunkt für den ersten Schuh gekommen. Die ersten Schuhe sollten eine möglichst flexible Sohle haben und aus atmungsaktivem Naturmaterial gefertigt sein. Allerdings sollte in der Wohnung weiterhin möglichst viel barfuß gelaufen werden.

kidsgo: Wie finde ich die richtige Größe? Und wie vermesse ich Fuß und Schuh richtig?

Frank Steeb: Hier empfehle ich, ein Blatt Papier unter den Fuß des stehenden Kindes zu legen und dann mit einem Stift die Fußkonturen in senkrechter Stellung des Bleistiftes zu umfahren.

Danach kann die Kontur ausgeschnitten und in das Schuhgeschäft mitgenommen werden. Bei der richtigen Schuhgröße hat der Großzeh noch zwischen 12 und 17 Millimeter Platz. Der übliche Daumentest mit dem Druck auf die Schuhspitze ist nicht immer zuverlässig, da die Kinder häufig die Zehen einziehen. Das lässt sich verhindern, indem man mit der linken flachen Hand auf den Vorfuß im Schuh drückt und mit der rechten Hand die Lücke tastet. Besser ist jedoch die Anfertigung der Fuß-Schablone.

kidsgo: Was sollte ich beim Kauf sonst noch beachten?

Frank Steeb: Was das Material angeht, empfehle ich atmungsaktives Oberflächenmaterial wie Leder und Baumwolle sowie perforiertes Material – möglichst keinen Kunststoff.

Ich stelle immer wieder fest, dass bei Kunststoffmaterialien die Kinderfüße doch sehr schwitzen. Eltern sollten auch auf eine möglichst flexible, rutschfeste und leichte Sohle achten und darauf, dass der Schuhverschluss einen guten Halt des Rückfußes gewährleistet. Außerdem rate ich zu einem möglichst flachen Fußbett.

kidsgo: Apropos Fußbett – braucht ein guter Schuh überhaupt ein Fußbett?

Frank Steeb: Nein, in der Regel braucht ein guter Schuh kein Fußbett. Wichtig ist, dass der Fuß mit seinen Knochen, Sehnen und Muskeln sich gut bewegen kann. Deshalb empfehle ich auch – wann immer möglich – den Verzicht auf Schuhe. Zuhause oder in anderen Räumen ist es am besten, wenn Kinder barfuß oder zum Beispiel in ABS-Socken laufen.

kidsgo: Gebrauchte Schuhe: ja oder nein? Wenn ja: Worauf sollte ich dann achten?

Frank Steeb: Das Weitervererben von getragenen Schuhen an Geschwister ist kein Problem, sofern die Schuhe keine Nutzungsspuren wie beispielsweise schräg abgelaufene Absätze oder Ähnliches zeigen. Das heißt, kaum getragene Schuhe können an Geschwister weitergegeben werden.

kidsgo: Wie können Eltern die gesunde Entwicklung der Kinderfüße fördern?

Frank Steeb: Der ausgewachsene Fuß hat mindestens 26 Knochen und über 100 Sehnen, Muskeln und Bänder. Diese sollten intensiv bewegt werden. Das Barfußlaufen – gerade in der Kindheit – fördert die Beweglichkeit und Kräftigung des gesamten Fußes. Gut ist es, möglichst auf unterschiedlichen Oberflächen wie Gras, Sand oder anderen Naturböden zu gehen. Auch Kindersport oder -turnen ist sinnvoll.

Wenn sich aber bereits eine Fehlstatik der Füße entwickelt hat, frage ich zuerst nach dem Alter des Kindes. Denn manche Fehlstellungen sind im Wachstumsverlauf völlig normal und bedürfen keiner Behandlung. Selbstverständlich gibt es Fußfunktionsstörungen, die behandelt werden müssen.

Die noch häufig verordneten starren, passiven Einlagen setze ich jedoch in den meisten Fällen nicht ein, sondern verwende weiche, flexible, neurobiomechanische Einlagen, die die Fußentwicklung des Kindes unterstützen.

kidsgo: Herr Dr. Steeb, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.


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