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Interview zur Frühförderung: Entwicklung des Babys

Interview mit Wolfgang Dahms (Dipl.-Päd.), Leiter der Interdisziplinären Frühförderstelle der Stadt Göttingen.

In diesem Artikel:

Unser Interviewpartner

Wolfgang Dahms, (55 Jahre) leitet seit 19 Jahren die Interdisziplinäre Frühförderstelle der Stadt Göttingen. Nach Beendigung seines Studiums hat der Dipl.-Pädagoge als Leiter eines Kinderheimes sowie einer Kindertagesstätte für Kinder mit und ohne Behinderungen gearbeitet. Wolfgang Dahms hat einen erwachsenen Sohn und wohnt mit seiner Lebenspartnerin in Göttingen.

Auf ein Wort

kidsgo: Wie alt sind die Kinder im Durchschnitt, wenn sie das erste Mal zu Ihnen kommen? Wie oft sehen Sie sie wieder?

W. Dahms: Die jüngsten Kinder sind einige Monate alt, wenn sie zu uns kommen, die ältesten sind kurz vor der Einschulung. Wir können am besten helfen, wenn die Kinder möglichst früh kommen. Wenn die Kinder bei uns nach der Eingangsdiagnostik regelmäßige Förderung erhalten, sehen wir sie wöchentlich. Manchmal reicht aber auch eine Beratung der Eltern aus, das erfolgt dann individuell in Absprache (z. B. alle 4 Wochen oder alle drei Monate). Kinder, die anderswo Förderung erhalten, sehen wir in der Regel nach einem Jahr zur Verlaufsdiagnostik wieder.

kidsgo: Was sind die häufigsten Fragen, mit denen Eltern zu Ihnen kommen?

W. Dahms: Die häufigsten Fragen der Eltern von kleinen Kindern betreffen die Entwicklung der Motorik, der Sprache und des Spiels, anstrengendes und/oder auffälliges Verhalten zu Hause oder mit anderen Kindern sowie Erziehungsfragen.

kidsgo: Wie sind die Chancen auf Verbesserung durch Frühförder-Angebote? Was ist das Ziel von Frühförderung?

W. Dahms: Frühe Hilfen können viel bewirken, denn die Erfahrungen in den ersten Lebensjahren sind für die weitere Entwicklung des Kindes die Grundlage. Ziel unserer Arbeit ist es, den Eltern die Stärken ihres Kindes aufzuzeigen, die Schwächen zu analysieren und Ursachen und Zusammenhänge aufzudecken. Wir wollen den Eltern helfen, ihre Kompetenz für ihr Kind zu erkennen und zu erweitern. Sie sollen die Persönlichkeit ihres Kindes besser annehmen, stolz auf ihr Kind sein können und in der Zusammenarbeit mit uns eine Perspektive und konkrete Hilfe erfahren. Dem Kind wollen wir durch gezielte Förderung Anregungen geben, um sich bestmöglich entwickeln zu können.

kidsgo: Was muss ich tun, damit mein Kind Frühförderung bekommt?

W. Dahms: Wenn eine pädagogische Fach-kraft der Frühförderstelle und ein Kinderarzt feststellen, dass ein Kind in seiner Entwick-lung verzögert ist oder eine Behinderung vorliegt, hat das Kind ein Anrecht auf Frühförderung, wenn diese Maßnahme als notwendig angesehen wird. Informationen geben z. B. Frühförderstellen, Sozialpädiatrische Zentren, Kinderärzte und Gesundheitsämter. Sobald die Notwendigkeit festgestellt ist, genügt ein Anruf bei uns, da wir in Göttingen eine kommunale Frühförderstelle sind. Wir besprechen mit den Eltern ihre Sorgen und verabreden Termine zur Eingangsdiagnostik. Sollte anschließend eine Förderung nötig sein, erfolgt dies ohne weitere Anträge. Bei Frühförderstellen freier Träger (z. B. Caritas oder DRK) muss nach dem Erstkontakt und der Diagnostik ein Antrag beim Sozialamt gestellt werden und eine Vorstellung beim Amtsarzt erfolgen, wenn Förderung nötig ist.

Benötigt mein Kind einen Integrations-Kindergartenplatz?

kidsgo: Integrations-(I)-Kinder – wer entscheidet, ob mein Kind ein I-Kind ist und was benötige ich zur Beantragung von Hilfsmitteln?

W. Dahms: Um zu entscheiden, ob ein Kind einen Integrations-Kindergartenplatz benötigt, empfiehlt es sich, zunächst eine ausführliche Entwicklungsdiagnostik durchzuführen. Dies kann in einer Interdisziplinären Frühförderstelle oder einem Sozialpädiatrischen Zentrum erfolgen. Wird dort eine Notwendigkeit bejaht, muss ein Antrag beim Sozialamt gestellt werden; wenn soziale, emotionale oder Probleme mit Aufmerksamkeit und Hyperaktivität vorliegen, wird der Antrag beim Jugendamt gestellt (die Eltern können sich aber auch gleich direkt an das Sozial- oder Jugendamt wenden).
Dieses fordert meist die ergänzende Vorstellung beim Amtsarzt und übernimmt in der Regel die Kosten für den Integrations-Kindergartenplatz, wenn der Amtsarzt diese Maßnahme auch empfiehlt.

kidsgo: Vielen Dank für das Gespräch.


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