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Babyschwimmen - Feuchte Frühförderung bei 34° Celsius

Babys haben bis etwa zum 10. Lebensmonat einen Tauchreflex. Taucht man sie unter, halten sie den Atem reflexhaft an. Babyschwimmkurse finden dennoch zum größten Teil über Wasser statt. Was solltest du über das Babyschwimmen wissen!

In diesem Artikel:

Babyschwimmen – Spaß & Förderung für Baby und Eltern

Eigentlich müsste Moritz schlechte Laune haben: Es ist neun Uhr früh und der Kleine ist ein ausgemachter Langschläfer. Trotzdem strahlt er über das ganze Gesicht und rudert so wild mit den Armen, als wolle er seine Mutter anfeuern, ihm doch jetzt bitte schnell, schnell, schnell die Schwimmwindel überzuziehen. „Es ist so witzig: Er weiß genau, was gleich kommt. Schon wenn ich mit ihm auf dem Arm die Halle betrete, kriegt er sich vor Begeisterung gar nicht mehr ein“, schmunzelt Mama Henrike Jung.

Was muss mit?

Eine Schwimmwindel ist in den meisten Bädern Pflicht. Außerdem wichtig: ein großes Kapuzenhandtuch, in das
man das Baby nach dem Schwimmen komplett einwickeln kann, mildes Duschgel, eventuell Körpercreme oder -öl, eine Garnitur Wechselwäsche und die normale Windel für den Heimweg nicht vergessen.

Da Schwimmen hungrig macht, an Proviant für größere Babys denken und für Still- beziehungsweise Flaschenkinder eine Milchmahlzeit einplanen.

Empfehlenswert ist, vor der ersten Stunde telefonisch abzufragen, wo man den Kinderwagen hinstellt und ob es einen Wickeltisch sowie einen Laufstall gibt, damit Mama oder Papa sich problemlos umziehen kann (ersatzweise nimmt man die Babyschale aus dem Auto).

Erst Skepsis, dann Begeisterung

Vor drei Wochen war sie mit ihrem fünf Monate alten Sohn zum ersten Mal beim Babyschwimmen. „Ich war zunächst ein bisschen skeptisch, was uns das außer Plantschspaß bringen soll. Aber Moritz fand es vom ersten Moment an super. Im Auto war er noch furchtbar knatschig. Nach nur einem Moment im Becken gluckste er fröhlich vor sich hin.“

Dabei ist im Wasser keineswegs Relaxen angesagt: Vor allem für die Eltern, die zu Beginn der Stunde in einer Art Polonaise hinter der Lehrerin her auf Zehenspitzen durch das 1,50 Meter tiefe Wasser trippeln und dabei ihr Baby auf dem ausgestreckten Unterarm sicher durch das nasse Element gleiten lassen, hat der Kurs durchaus etwas von Aqua-Gymnastik.

Zumal als Begleitmusik längst nicht nur sanftes Plätschern zu hören ist: „Das Krokodil, - dil, - dil, das wohnt im Nil, Nil, Nil“ tönt es fröhlich aus den Kehlen der Mamas und Papas, bis der Gesang durch das freudige Juchzen der Babys übertönt wird, die am Ende des Liedes durchgekitzelt werden. Wer jetzt noch trockene Haare hat, ist eine Ausnahme: Die Kleinen zappeln bereits wenige Minuten nach Kursbeginn lebhaft herum, patschen die Händchen ins Wasser und strampeln wild mit den Füßen, so dass schon mal ihre Nebenmänner mitgeduscht werden.

Babys langsam an das Wasser gewöhnen

„Früher hatte Carla Angst vor dem Baden“, berichtet Marie. „Sie hat geweint, bevor sie überhaupt in der Wanne war und wurde dann immer so hysterisch, dass wir spätestens nach zwei Minuten das Ganze abgebrochen haben.

Fotograf

Fotograf - BabyschwimmenArjen Mulder ist ein freundlicher Holländer aus Gouda in der Nähe von Rotterdam. 2011 begann er als Fotograf mit dem Schwerpunkt Kinderfotografie im Schwimmbad. Er ist Vater von 3 Kindern, lebt und arbeitet in Köln.
www.arjenmulderfotografie.com

Weder Streicheln noch Singen hat geholfen. Ein Horror!“ Deswegen ließ sich die 32-Jährige eher widerwillig von einer Bekannten aus dem Rückbildungskurs zu einer Probestunde überreden. „Ich war überzeugt, dass wir nach fünf Minuten das Schwimmbad verlassen müssen“, erinnert sie sich. Doch es kam vollkommen anders: Carla fühlte sich sofort pudelwohl und schrak nur ein einziges Mal zusammen, als ihr beim „Wasserfall“ unter den großen Düsen der Sprudelanlage ein paar Tropfen ins Auge spritzten.

„Seitdem ist sie wie ausgewechselt, was das nasse Element betrifft. Das Waschen ist überhaupt kein Problem mehr“, freut sich ihre Mutter. „Carla hat anscheinend verstanden, dass das Wasser in der Babywanne zuhause nichts anderes ist, als das hier im großen Becken.“ Und obwohl das sieben Monate alte Mädchen bereits zu fremdeln begonnen hat, lässt sie sich von der Kursleiterin bereitwillig auf eine flache Schwimmhilfe legen und ihrer Mutter entgegen durchs Wasser treiben. „Carla ist nicht nur von ihrer Wasserscheu kuriert, sondern sie ist in den Wochen, seit wir beim Babyschwimmen sind, auch selbstbewusster und zufriedener geworden“, meint Marie. Und wie zur Bestätigung ist Carla das Baby, das am lautesten kräht, als die „Sprünge“ vom Beckenrand geübt werden - natürlich immer mit Mamas Händen an den Hüften.

Babyschwimmen schafft Vertrauen

„Wie sie mir dabei in die Augen schaut, ein solches Vertrauen! Das finde ich wunderschön, wir sind uns dabei ganz besonders nah.“ Auch Melanie ist mit ihrer sechs Monate alten Tochter Sophia buchstäblich in eine andere Welt eingetaucht. Die 30-Jährige ist überzeugt, dass sich diese Erfahrung nicht nur positiv auf die Bindung zwischen ihr und ihrer Kleinen auswirkt, sondern auch Sophias motorischer Entwicklung zugute kommt. „Schon nach kurzer Zeit konnte Sophia frei sitzen. Erst ganz kurz und mit Starthilfe, dann selbstständig. Ich glaube fest, dass das auf das Babyschwimmen zurückzuführen ist. Die Bewegung im Wasser hat ihr Körpergefühl verbessert.“

Die natürlichste Frühförderung der Welt

Die Kinderärztin Dr. Sibylle Ott aus Wiesbaden kann diese Schlussfolgerung bestätigen. „Wasser ist in Mamas Bauch der natürliche Lebensraum des Babys, da bietet sich Babyschwimmen als frühe Bewegungsförderung an. Es fördert die Bewegungsfreude sowie die motorische, aber auch intellektuelle Entwicklung des Kindes. Über den Haut-an-Haut-Kontakt stärkt es die Eltern-Kind-Bindung und ist eine wertvolle gemeinsame Erfahrung.“

Erkenntnisse wie diese haben auch Karl überzeugt. „Als ich von meiner Frau zum ersten Mal vom Babyschwimmen hörte, dachte ich, das sei so eine Frühförderungs-Modeerscheinung: Kaum ist das Kind auf der Welt, geht es ab in den Schwimmunterricht“, erzählt er. Eine befreundete Hebamme allerdings habe ihm erklärt, dass es sich bei diesem Angebot nicht um ein Programm à la „Seepferdchen für Minis“ handelt, sondern es vielmehr um Wassergewöhnung sowie schlicht und ergreifend um Spaß und Entspannung im Nass geht. „Und Fun haben wir auf alle Fälle“, schmunzelt der 41-Jährige und lächelt stolz seinen Sohn an, der eifrig mit den Füßen paddelt, kurz bevor das Abschiedslied beginnt.

Duschen nach dem Babyschwimmen ist wichtig

Anschließend heißt es für Groß und Klein ab unter die Dusche. Drücken gilt nicht – und zwar im eigenen Interesse. Denn andernfalls können durch das Chlor auf Babys zarter Haut Irritationen auftreten. Danach werden die Kleinen gut abgetrocknet und an kühleren Tagen warm eingepackt, um Infektionen der Ohren und oberen Atemwege zu vermeiden.

Durchfallerkrankungen lassen sich so allerdings nicht ausschließen. „Hier spielen die Rotaviren neben vielen anderen Erregern eine Rolle“, weiß Dr. Ott. Da sie oft für schwere Krankheitsverläufe bei unter zweijährigen Kindern verantwortlich seien, empfehlen manche Kinderärzte, eine Impfung durchführen zu lassen. Diese reduziere deutlich das Risiko, an schweren Rotavirusinfektionen zu erkranken. Allerdings kann sie nur zwischen der sechsten und bis zur 26. Lebenswoche durchgeführt werden. Und da sie (noch) nicht von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird, müssen die Eltern in den meisten Bundesländern selbst für die Impfkosten aufkommen. Einige Kassen übernehmen die Impfung inzwischen. Natürlich bietet eine Impfung aber nicht den einzigen Schutz vor Durchfallerkrankungen: „Grundsätzlich sollte beim Babyschwimmen auf allgemeinhygienische Maßnahmen wie gutes Händewaschen nach dem Wickeln und Abduschen vor und nach dem Schwimmen geachtet werden“, empfiehlt Dr. Ott.

Experten-Interview - Babyschwimmen

Deva Doege ist Geburtsvorbereiterin, Osteopathin sowie Yogalehrerin und gibt Kurse im Babyschwimmen im Münchner Familiengesundheitszentrum Aquasanum. Hier verrät sie, auf welche Kriterien Eltern achten sollten.

Experten-Interview

Experten-Interview - BabyschwimmenDeva Doege ist Geburtsvorbereiterin, Osteopathin sowie Yogalehrerin und gibt Kurse im Babyschwimmen im Münchner Familien-gesundheitszentrum Aquasanum.

kidsgo: Wie alt soll ein Baby beim Beginn des Babyschwimmkurses sein?

Deva Doege: Mindestens zehn Wochen, da Babys vorher meist nicht über eine ausreichende Kopf- Nacken-Kontrolle verfügen. Auch können die vielfältigen Eindrücke sonst zu einer Reizüberflutung führen.

kidsgo: Für welche Babys eignet es sich generell?

Deva Doege: Grundsätzlich für alle. Während eines Infektes oder unmittelbar nach einer Impfung bleibt das Baby zu Hause. Auch Kinder mit Hautproblemen können in schubfreien Zeiten am Babyschwimmen teilnehmen. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzfehlern sollte vorher der Kinderarzt konsultiert werden.

kidsgo: Was bringt Babyschwimmen?

Deva Doege: Neben entwicklungsfördernden Aspekten stärkt das Babyschwimmen die Eltern-Kind-Bindung. Das warme Wasser bietet Entspannung und beide können den intensiven Körper- und Hautkontakt miteinander genießen. Gerade in den sehr anstrengenden Phasen des ersten Lebensjahres bringt das Babyschwimmen viel gemeinsame Freude und Erholung.

kidsgo: Wie finde ich einen passenden Anbieter?

Deva Doege: Informieren Sie sich unbedingt vorab über den Ablauf! Der Kursanbieter sollte eine berufliche Qualifikation haben und eine entsprechende Zusatzausbildung. Das Wasser sollte ca. 34°C warm sein, die Lufttemperatur angenehm und insgesamt ist eine ruhige Atmosphäre wichtig. Auch die Hygiene spielt eine große Rolle!

kidsgo: Was ist ein No-Go?

Deva Doege: Beim Babyschwimmen sollten keine Schwimmflügel verwendet werden. Diese können Fehlhaltungen in der körperlichen Entwicklung hervorrufen. Nacken- und Rückenmuskulatur sind hierfür noch zu wenig ausgeprägt. Daher sind solche Schwimmhilfen frühestens ab einem Jahr einzusetzen.

kidsgo: Vielen Dank für das Gespräch!