MENU

Stillen - Drei Mütter berichten

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt – es klappt nur nicht immer auf Anhieb. Die Still-Erfahrungen, die Mütter machen, sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst. Und gerade am Anfang ist oft alles anders, als frau es sich erträumt. „Stillen unterstützen – Mütter in den Mittelpunkt” – das Motto der Weltstillwoche 2013 ist für kidsgo Anlass, drei Mütter nach ihren ganz persönlichen Still-Erfahrungen zu fragen.

In diesem Artikel:

Yvonne Vering - Stillen ist praktisch

Yvonne Vering ging ganz unbeschwert an ihr Vorhaben heran. Ihr war klar: „Stillen ist praktisch, schön und die beste Ernährung fürs Baby in den ersten Lebensmonaten.“ Diese Argumente zählten. Speziell vorbereitet hat sich die 32-Jährige nicht – sie vertraute darauf, dass ihre neugeborene Tochter Lea das schon machen würde. Und so war’s tatsächlich: „Das ging wie von selbst“, erzählt die zweifache Mutter aus Köln. Während Lea (4) sich nach der Geburt im Krankenhaus ein bisschen Zeit ließ, trank Lore (1) nach der Hausgeburt sofort los. Beide Töchter entwickelten recht schnell einen Rhythmus von drei bis vier Stunden. Und wenn Unsicherheiten auftauchten, weil zum Beispiel der Hunger in einer Wachstumsphase zunahm, halfen Tipps von der Hebamme – sowohl beim Stillen als auch zur eigenen Beruhigung.

Manchmal klappt alles wie am Schnürchen

Stillen blieb easy, ein halbes Jahr lang. Während dieser Zeit tauchten weder Milchstau noch Entzündungen auf. „Irgendwann ist es aber eindeutig genug, weil man während des Stillens dauernd unverzichtbar ist“, sagt Yvonne. Denn sie stand immer zur Verfügung, sobald die Töchter Durst bekamen. Und was gesunde Ernährung betrifft, musste sie nicht nur auf sich, sondern genauso auf den Säugling achten – schließlich isst das Kind mit! Das Schöne: „Ich habe mir zum Stillen automatisch für mich und mein Kind Pausen genommen und in dieser Zeit nichts anderes getan“, sagt sie. Nach sechs Monaten ersetzte Yvonne immer eine Stillmahlzeit mehr. Stillte begleitend zur Beikost weiter, bis kurz vor dem ersten Geburtstag. Der Abschied vom Stillen war problemlos, Brei und Gläschen wurden geschmacklich interessanter und die Muttermilch wurde für Lea wie für Lore verzichtbar. Eine komplette Erfolgsstory, von Anfang an – und das gleich zweimal.

Franziska Tholema - Betreuung durch eine Hebamme oder Stillberaterin

Dass alles so reibungslos funktioniert, war auch der Wunsch von Franziska Tholema – in ihrem Geburtsvorbereitungs-Kurs hatte sie ja erfahren, wie das Stillen theoretisch funktioniert.

Im Krankenhaus in Bremen stellte sich die Sache aber ganz anders dar: Mit 3.200 Gramm kam Johanna zur Welt und nahm – wie alle Kinder – erst einmal ab. Um die Gewichtszunahme zu kontrollieren, wurde die Kleine vor und nach dem Stillen gewogen. Doch laut Wiegeprobe schien kein Tropfen Milch im Kind anzukommen. „Das war ein Schock“, erinnert sich die 35-jährige Franziska. „Unbewusst schwingt dann die Angst mit: Ich kann mein Kind nicht ernähren.“ Diese Unsicherheit nahm mehr und mehr zu. Denn Milch war genug da, das Stillen funktionierte aber nicht. Stillhütchen, Fingerfeeding, verschiedene Sauger fürs Fläschchen probierte sie aus. Hinzu kamen die unterschiedlichen Ansichten der Hebammen, die sich im Schichtdienst abwechselten.

Weniger Stress machen, früher Unterstützung holen

Wenn der Zwiespalt zwischen „Ich möchte doch“ und „Es klappt aber nicht“ zu groß wird, ist die Betreuung durch eine Hebamme oder Stillberaterin Gold wert. Dass das Stillen bei anderen reibungslos zu klappen schien, machte die Sache nicht besser. Nach drei Wochen wandte Franziska Tholema sich an eine Stillberaterin der La Leche Liga. „Das hätte ich schon direkt im Krankenhaus tun sollen“, meint sie. Die Stillberaterin riet zu einer totalen Entwöhnung: keine Sauger, keine Hütchen oder andere Hilfsmittel – nur noch Brust. „Das konnte ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr“, sagt Franziska. Als Lösung blieb das Abpumpen. Und so hat Franziska ihr Töchterchen sechs Monate lang mit Muttermilch versorgt, Johanna wuchs und entwickelte sich wunderbar.

Entmutigen ließ sich Franziska durch diese Erfahrung nicht. „Mir weniger Stress machen, früher Unterstützung holen“ – mit dieser Vorgabe und ihrer treuen Stillberaterin an der Seite sieht sie dem Stillen ihres zweiten Töchterchens zuversichtlich entgegen.

Bild: Tobilander©fotolia.de

Marie Hertel - Mir lag das Stillen sehr am Herzen

„Mir lag das Stillen sehr am Herzen“, sagt Marie."
Der Start war traumhaft: Die kleine Marlen* lag – nach einer unkomplizierten Geburt – auf dem Bauch von Marie Hertel*. Nach dem ersten Kontakt, nach Messen, Wiegen und Untersuchen zog die ganze Familie ins Familienzimmer – beste Voraussetzungen für eine entspannte Stillbeziehung.

Doch die folgende Nacht wurde alles andere als unbeschwert. Marlen hatte schrecklichen Durst, kriegte die Brustwarze aber einfach nicht zu fassen. Marie legte ihre Kleine an, probierte verschiedene Positionen aus, doch der Hunger blieb. Stundenlange Versuche frustrierten Kind und Mama. „Mir lag das Stillen sehr am Herzen“, sagt Marie. Schon gegen Ende der Schwangerschaft hatte sie sich bei Freundinnen Tipps geholt, ein Stillkissen ausgeliehen.

 

Mit einem Stillhütchen klappte es

In ihrer Not griff Marie zum Stillhütchen. Und legte es acht Monate lang nicht mehr weg. Wollen Sie es mit einem Stillhütchen versuchen?“, schlug die Hebamme im Krankenhaus vor. Marie erinnerte sich gut an die Warnung aus dem Geburtsvorbereitungskurs: Keine Hilfsmittel, denn die könnten die Milchbildung beeinträchtigen. Stillen sei dadurch nur maximal drei Monate möglich. Letztendlich probierte sie es doch mit dem Hütchen – zu ihrer großen Erleichterung klappte das Stillen nun ohne Probleme. „Die Hebamme, die uns zuhause betreute, riet mir, es ab und an doch noch einmal ‘ohne‘ zu versuchen“, sagt Marie. Aber da Marlen ganz offensichtlich wuchs und zunahm, hatte sie bald keine Bedenken mehr. „Die Kleine hat mich dazu ermutigt, einfach mit den Hütchen weiter zu stillen und mir keinerlei Sorgen mehr zu machen“, sagt Marie.

Das Stillhütchen blieb ihr ständiger Begleiter, sie verließ das Haus nicht mehr ohne. Das Abkochen der Hütchen war zwar lästig. Aber damit kam Marie während der Stillzeit gut zurecht – acht Monate lang.

Namen von der Redaktion geändert

Stillorganisationen leisten Hilfe rund ums Stillen

Stillorganisationen leisten Hilfe rund ums Stillen. Sie geben dir gern Kontaktadressen von Stillberaterinnen in deiner Nähe, die auch zu dir nach Hause kommen. Tipp: Bei Problemen oder Fragen zum Stillen oder Abstillen hast du auch Anspruch auf Besuche und Beratungen durch eine Hebamme. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC (BDL)

Der BDL ist der Berufsverband der Internationalen Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in Deutschland. IBCLC steht für eine Zusatzqualifikation auf dem Gebiet Stillen und Laktation, zusätzlich zu einem medizinischen Grundberuf. Der BDL bietet eine Kooperation mit den verschiedenen Gesundheitsberufen, die für junge Familien arbeiten. Die Expertinnen möchten Mutter und Kind optimal betreuen, zusätzlich zum bestehenden Gesundheitswesen, und sind bundesweit vertreten. sekretariat@bdl-stillen.de oder www.bdl-stillen.de

Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS)

In der AFS haben sich Eltern, medizinisches Fachpersonal und an der Stillförderung Interessierte zusammengeschlossen. Ziel ist die Selbsthilfe durch ehrenamtliche Mutter-zu-Mutter-Beratung bei offenen Stilltreffen und durch telefonische Beratung vor Ort sowie über eine bundesweite Hotline. Die dort tätigen AFS-Still-Beraterinnen sind Mütter mit eigener Still-Erfahrung und einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung. 
geschaeftsstelle@afs-stillen.de oder www.afs-stillen.de oder Hotline Stillberatung: 0228.929 599 99 (bundesweit zum Ortstarif)

La Leche Liga Deutschland e.V. (LLL)

Die Beratungsarbeit von LLL leisten erfahrene Beraterinnen ehrenamtlich. Jede von ihnen hat selbst gestillt und wird speziell von La Leche Liga aus- und weitergebildet. Die LLL-Beraterin begleitet Eltern während der Stillzeit und bietet ihnen Hilfe bei Stillschwierigkeiten und Unsicherheiten an, indem sie monatliche Stilltreffen leitet und sie auch telefonisch oder per E-Mail berät.
beratung@lalecheliga.de oder www.lalecheliga.de


Diese Seite bewerten: