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Stillen mit Brustimplantaten und Piercings - Was du beachten musst

Regine Gresens ist Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes e.V. in Hamburg und beantwortet Fragen von kidsgo, worauf es beim Stillen mit Piercings und Brustimplataten ankommt.

In diesem Artikel:

Stillen mit Piercings

kidsgo: Frau Gresens, ist ein Piercing beim Stillen ein Hindernis?

Regine Gresens: Ein Hindernis nicht, aber verschiedene Risiken sind schon damit verbunden. Der Piercing-Kanal sollte vor der Schwangerschaft unbedingt komplett abgeheilt sein, das kann bis zu einem Jahr dauern. Stillen stellt sonst ein erhöhtes Infektionsrisiko dar und kann den Heilungsprozess verzögern.

Frauen, die sich die Brustwarze piercen lassen wollen, sollten dies daher mindestens zwölf bis 18 Monate, bevor sie schwanger werden möchten, durchführen. So kann sich ein abgeheilter Stichkanal ausbilden, bevor die körperlichen und hormonellen Veränderungen durch die Schwangerschaft auftreten.

kidsgo: Entfernt eine Schwangere das Piercing bereits in der Schwangerschaft oder erst vor der Geburt?

Expertin

GeesensRegine Gresens ist Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammen-verbandes e.V. in Hamburg.

Gresens: Viele Frauen haben in der Schwangerschaft empfindlichere Brustwarzen, so dass manchen das Tragen des Piercing-Schmucks unangenehm wird und sie ihn herausnehmen. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass der Stichkanal zuwächst. Ein Dehnungsstab, einmal täglich
eingeführt, hilft. Da die Brüste und die Brustwarzen in der Schwangerschaft wachsen, kann es auch erforderlich sein, die Größe des Schmucks anzupassen, damit es nicht zu Druckstellen kommt. Insbesondere ein zu kleiner Ring stellt durch seine größere Krümmung eine stärkere Reizung der Brustwarze und damit auch ein höheres Entzündungsrisiko dar als ein Stab.
Ansonsten sollte das Piercing vor der Geburt und beim Stillen herausgenommen werden, da es sonst vom Kind verschluckt werden oder zu Verletzungen im Mundraum oder Übertragung von Bakterien führen könnte. Es ist auch möglich, statt des Schmucks einen flexiblen Kunststoff-Retainer (aus PTFE oder Teflon) zu verwenden.

kidsgo: Mit welchen Schwierigkeiten müssen Frauen, die mit Piercing stillen, rechnen?

Gresens: Während des Stillens kann Muttermilch aus dem Stichkanal austreten. Wenn der Milchfluss sehr stark ist, haben manche Babys damit Probleme. Manche Frauen haben in der gepiercten Brustwarze auch Schmerzen beim Stillen.


kidsgo: Werden die Milchkanäle durch den Einstich beschädigt?

Gresens: Da durch das Piercing Nerven verletzt werden können, kann die Sensibilität der Brustwarze reduziert sein, was möglicherweise den Milchspendereflex behindert. Es kann sein, dass sich die Brust nicht genügend entleert und das hat zur Folge, dass die Milchmenge nicht ausreicht. Geburtsklinik und Wochenbetthebamme sollten daher vorab über das Piercing informiert werden und auf die Gewichtsentwicklung des Babys achten.
Infektionen und mehrfaches Durchstechen des Piercing-Kanals können zur Bildung von Narbengewebe führen, das die Milchausführungsgänge blockieren und zu Milchstau und Brustentzündung führen kann.

Ist Stillen mit Brustimplataten möglich?

kidsgo: Was ist mit Brustimplantaten. Schließen sie das Stillen aus?


Gresens: Nein, auch mit einem Brustimplantat kann die Frau stillen.

kidsgo: Wie steht es mit dem „Brustzuwachs“ in der Schwangerschaft?

Gresens: Die Brust wächst in der Schwangerschaft und verändert ihre Form, durch die Schwangerschaftshormone wird Fettgewebe abgebaut und durch Drüsengewebe ersetzt. Nach der Schwangerschaft beziehungsweise nach dem Abstillen hat die Brust nicht mehr die Form wie vor der Schwangerschaft, – egal, ob mit oder ohne Implantate.

kidsgo: Kann es mit Implantaten Schwierigkeiten geben – und wenn ja, welche?

Gresens: Wenn das Neugeborene in den ersten Tagen nach der Geburt nicht regelmäßig angelegt und die Brüste entleert werden, kann es zu einer verstärkten Schwellung während des initialen Milcheinschusses kommen.

Implantate schränken den Speicherplatz in den Brüsten ein, so dass schneller ein Druck- und Spannungsgefühl in den Brüsten entstehen kann und die Mutter zu ihrer eigenen Entlastung eventuell häufiger stillen möchte.

Es kann auch sein, dass die Implantate erforderlich waren, weil in den Brüsten nicht genügend Drüsengewebe angelegt war. Dann bestünde auch hier die Gefahr, dass die Milchmenge zu gering ausfällt und das Kind nicht genug zunimmt, daher sollten Klinik und Hebamme ebenfalls vorab über die Implantate informiert werden, damit die Gewichtsentwicklung des Kindes gut beobachtet wird.

Besonderheiten bei der Stillvorbereitung gib es aber nicht. Allerdings schließen Implantate ein gleichzeitiges Brustwarzen-Piercing aus, da es dabei ein erhöhtes Risiko für Brustabszesse gibt.

kidsgo: Frau Gresens, vielen Dank für dieses Gespräch.