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Baby impfen – Pro und Contra der Kinderimpfung

Sebastian ist auf der Welt, gesund und munter. Seit acht Wochen ist das Baby der Sonnenschein der Familie. So klein noch die Finger, so winzig die Zehen. Zum Glück ist er kerngesund! Dennoch: Schon soll er, so die dringende Empfehlung des Kinderarztes, geimpft werden. Impfen – das ist ja nur ein kleiner Pieks, oder?

In diesem Artikel:

Baby-Impfung: Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert

„Ich habe mich dazu entschlossen, dem Appell meines Kinderarztes zu folgen und meine Kinder durchimpfen zu lassen“, sagt die Kölnerin Anne Gerling, Mutter von Sebastian und den älteren Kindern Antonia und Julian. „Dennoch fällt mir, vor allem bei Sebastian, der Gang zum Impftermin schwer. Dass einem so kleinen Kind schon Krankheitserreger injiziert werden sollen, löst natürlich Unbehagen aus.“ So wie dieser Mutter geht es vielen Eltern. Sie alle müssen sich entscheiden: Impfen oder nicht?

Denn generell gilt: In Deutschland besteht keine Impfpflicht.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin erarbeitet lediglich Empfehlungen für Schutzimpfungen. Jeder Bürger, jede Mutter und jeder Vater darf selbst entscheiden, ob er diesen Empfehlungen folgt oder nicht.

Impfen bedeutet abgeschwächte Bakterien oder Viren zu spritzen

„Bei einer Impfung spritzt der Arzt abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren, manchmal auch nur Teile von Erregern“, erklärt Andrea Ulrich von der Pressestelle des Deutschen Grünen Kreuzes in Marburg. Manchmal, wie bei der Impfung gegen Rotaviren, Erreger schwerer Durchfallerkrankungen, steht eine Schluckimpfung zur Verfügung. Das Immunsystem reagiert auf den Impfstoff wie auf den natürlichen, krank machenden Keim: Es bildet Abwehrstoffe, die so genannten Antikörper, und merkt sich den Eindringling. „Taucht danach der natürliche Erreger tatsächlich auf, wird er in der Regel sofort unschädlich gemacht. Eine Erkrankung, die selbst unter modernen Behandlungsbedingungen tödlich enden kann, verläuft so sehr viel harmloser, in der Regel bricht sie erst gar nicht mehr aus“, sagt Andrea Ulrich.

Impfen schützt dein Kind vor Krankheiten

Es ist genau dieses Argument, das die Befürworter von Kinderimpfungen immer wieder anführen: Impfungen schützen davor, durch Krankheiten wie zum Beispiel Diphtherie oder Polio dauerhafte Gesundheitsschäden davonzutragen oder sogar zu sterben.

Das zweite wichtige Argument für Impfungen: Möglichst viele Menschen müssen geimpft werden, damit gefährliche Krankheiten ausgerottet werden können – so wie es mit Pocken und Polio in Europa gelungen ist. Kommt es jedoch zur Impfmüdigkeit in der Bevölkerung, so können sich solche Krankheiten schnell wieder ausbreiten. Erst 2006 grassierten Masern wieder gefährlich in Nordrhein-Westfalen; zwei
Kinder starben.

Trotz der Erfolge wird die Kinderimpfung auch kritisch gesehen

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert. Nicht alle Eltern sind von den Impfprogrammen überzeugt. Zum Beispiel deshalb, weil der Impfkalender der STIKO bereits zwei Monate alte Babys einbezieht. Warum? Das Robert Koch-Institut begründet das so: „Bestimmte Infektionen treffen Säuglinge deutlich schwerer als ältere Kinder. Klassisches Beispiel ist der Keuchhusten. Dabei kommt es in rund einem Viertel der Fälle zu Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Atemstillständen, wenn das Kind jünger als sechs Monate ist.“

Der Verband Unabhängiger Heilpraktiker mit Sitz in Köln hat Einwände. „Eine Impfung in zu frühem Alter greift in das noch nicht vollständig ausgebildete Immunsystem des Kindes ein“, gibt Vorstandsmitglied Dr. Frank Herfurth zu bedenken. Abgeschwächte, aber aktive Impfkulturen könnten in einem Stadium, in dem man noch zu wenig über die Entwicklung und Stärke des Immunsystems des Kindes weiß, unter Umständen schwerwiegende Reaktionen auslösen, befürchtet er. Auch enthielten viele Impfstoffe allergen wirkende Substanzen, über deren Verhalten insbesondere im kindlichen Organismus oft zu wenig bekannt sei. Dr. Herfurth: „Eine vorbeugende Impfung ist nur sinnvoll, wenn es eine große bis übergroße Gefährdung in der Bevölkerung gibt.“

Baby impfen: das Ja oder Nein ist schwer abzuwägen

Die Argumente für Impfungen sind plausibel, Einwände verständlich. Das macht es nicht leicht, zu einer eigenen, überzeugten Einstellung zu kommen. Zumal Kritiker bereits seit Jahren bemängeln, dass einige Mitglieder der STIKO der Pharmaindustrie nahe stehen – und gleichzeitig direkten Einfl uss auf deren Einnahmen haben. Denn übernimmt der gemeinsame Bundesausschuss (GBA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, die von der STIKO empfohlenen Impfungen in die Impfrichtlinie, müssen die Krankenkassen die Kosten für die Impfungen übernehmen.

Impfmüdigkeit bei der zweiten Kinderimpfung

Zwar sind in Deutschland fast alle Kinder gegen Diphtherie, Tetanus und Kinderlähmung geimpft, wie Schuleingangsuntersuchungen zeigen. Zur Impfmüdigkeit komme es statt dessen bei der zweiten Masern-, Mumps-, Röteln- Impfung, der Hepatitis-B- und der Keuchhusten-Impfung, so das Bundesamt für gesundheitliche Aufklärung in Köln. Es ist vor allem die Angst vor den Impfschäden, die Eltern umtreibt.

Impfen – richtiger Zeitpunkt

Dr. Ursel Lindlbauer, Impfexpertin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin empfiehlt:

Ein Kind soll nicht geimpft werden, wenn:

  • das Kind hohes Fieber hat oder an einer schweren Infektionleidet,
  • das Kind Medikamente erhält, die das Immunsystem schwächen, wie z.B. Cortison in höheren Dosen oder Cytostatika,
  • das Immunsystem des Kindes generell geschwächt ist. Bei Kindern mit einer angeborenen Immunschwäche muss in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Zentrum individuell entschieden werden.
  • das Kind gerade operiert wurde oder eine Operation bevorsteht.

Leichte Infekte mit erhöhter Temperatur sind kein Grund, eine Impfung zu verschieben. Auch Allergien sind in der Regel kein Hindernis.

Frage deinen Kinderarzt danach.

Angst vor Impfschäden

Impfschäden – damit sind nicht die ganz normalen Impfreaktionen gemeint. „Rötungen oder Schwellungen rund um die Einstichstelle und leichtes Fieber zeigen, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt und Antikörper bildet“, erklärt Dr. Ursel Lindlbauer, Impfexpertin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte und Mitglied der Ständigen Impfkommission. „Es handelt sich bei diesen Symptomen daher keineswegs um Komplikationen, sondern um harmlose Nebenwirkungen.“ Wird von Impfschäden gesprochen, ist Schwerwiegenderes gemeint: Viele Eltern fürchten sich vor allem vor bleibenden geistigen oder körperlichen Behinderungen. Eine Masernimpfung zum Beispiel hat bei einem von einer Million Kindern eine Entzündung des Gehirns zur Folge. Diese führt häufig zu bleibenden Hirnschäden oder verläuft sogar tödlich.

Allerdings, so das Robert-Koch-Institut, ist die Gefahr bei Kindern, die an Masern erkranken, ohne geimpft zu sein, viel höher: Tausend mal höher.

Die Zahl der Impfschäden ist umstritten. Der Grund: Tritt eine Krankheit nach einer Impfung auf, ist es schwer, einen klaren Zusammenhang herzustellen. Schließlich kann die Krankheit auch rein zufällig kurz nach der Impfung aufgetreten sein. Genauso gut können gesundheitliche Probleme, die Monate später offensichtlich werden, sehr wohl Folge einer Impfung sein.

Beispiel Allergien: „Es gibt heutzutage mehr Impfungen – und mehr Allergien“, gibt selbst das Robert-Koch-Institut zu. Doch: „Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, ist nicht belegt.“ Dr. Ursel Lindlbauer glaubt an keinen Zusammenhang: „In den neuen Bundesländern waren trotz hoher Durchimpfungsraten Allergien bei Kindern extrem selten. Nach der Wiedervereinigung gingen die Impfraten dort zurück und es kam zu einem Anstieg der Allergien.“

Die Eltern müssen sich entscheiden

Sind die Impfgegner panisch? Sind die Argumente der Befürworter fragwürdig? Die Antwort liegt in der ganz persönlichen Risiko-Bewertung. Die Berlinerin Vanessa Hartwig, Mutter einer dreijährigen Tochter und eines einjährigen Sohns, ist bereits zu einer eigenen, persönlichen Einschätzung des Themas gekommen: „Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder alle nötigen Impfungen erhalten, damit sie diese zum Teil tödlich verlaufenden Krankheiten nicht bekommen“, sagt sie. – Ein Vater aus Düsseldorf: „Wir haben unsere Tochter aus Sorge vor Impfschäden erst impfen lassen, als sie in den Kindergarten kam.“

Aufklärung über die Baby-Impfung ist wichtig

Zu welchem Schluss man auch kommt: Informationen sind wichtig. Eindringlich fordert deshalb der Schutzverband für Impfgeschädigte in Plettenberg: „Vor jeder Operation wird der Patient aufgeklärt. Auf mögliche Gefahren aufmerksam gemacht zu werden, muss auch bei Schutzimpfungen eine Selbstverständlichkeit werden.“

Pro und Contra - Experten zum Thema "Baby impfen"

„Es gibt keine Alternative zur Impfung“

Die Münchner Kinderärztin, Allergologin und Homoöpathin Dr. Ursel Lindlbauer ist Impfexpertin des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte und Mitglied der Ständigen Impfkommission. „Impfungen sind wichtig, damit ein Kind frühzeitig einen ausreichenden Schutz gegen schwere Infektionen aufbauen kann. Impfungen verhindern den Ausbruch gefährlicher Krankheiten, die häufig mit Komplikationen verbunden sind und für die es zum Teil auch heute noch keine wirksame Therapie gibt. Manche Eltern lehnen aus Angst vor Impfkomplikationen ab, ihr Kind gegen bestimmte Infektionserkrankungen impfen zu lassen. Sie suchen nach Alternativen, um ihr Kind vor gefährlichen Erregern zu schützen. In vielen Naturheilkundepraxen und bei Heilpraktikern werden homöopathische bzw. natürliche Heilmittel als alternative Schutzmaßnahme angeboten. Doch sie bieten keinerlei Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten und stellen somit keine Alternative zur Impfung dar.“

„Impfungen können für Babys gefährlich sein“

Der Heilpraktiker, Dozent und Ernährungsberater Dr. Frank Herfurth ist Vorstandsmitglied des Verbandes Unabhängiger Heilpraktiker in Köln: „Impfungen können für Kinder bis zu einem Alter von sechs Monaten gefährlich sein, weil ihr Immunsystem noch nicht ausreichend aufgebaut ist. Es ist nicht absehbar, wie sie auf die Impfungen reagieren. Für ältere Kinder sind sie dagegen in der Regel unbedenklich. Neueren Impfstoffen gegenüber sollten Eltern jedoch skeptisch bleiben, weil sie möglicherweise noch nicht ausreichend getestet sind. Eine Alternative zu den klassischen, aktiven Impfungen sind passive Impfungen. Dabei werden fremde Antikörper oder Wirkstoffe gegen einen Erreger gespritzt und zwar erst dann, wenn ein Kind bereits infiziert ist. Bei Viruserkrankungen sind Impfungen in den meisten Fällen ohnehin nur sinnvoll, wenn das Immunsystem so geschwächt ist, dass sich verschiedenste Bakterien ausbreiten und Folgeinfektionen drohen.“

Weitere Informationen

Die Impfempfehlungen der ständigen Impfkommission, kurz STIKO, der Bundesrepublik Deutschland:
www.kindergesundheit-info.de

Impfen Pro & Contra: Das Handbuch für die
individuelle Impfentscheidung. Von Martin
Hirte. Droemer/Knaur 2008. Broschiert, 10,95 €.

Alle in Deutschland verwendeten Impfstoffe müssen vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – dem Bundesamt für Sera und Impfstoffe in Langen – zugelassen sein: www.pei.de.

‚Impfen schützt’ – so der Titel der Seiten des
Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Seine Aufgabe besteht darin, Gesundheitsgefahren zu erkennen.
www.rki.de
Rubrik: Infektionsschutz/Impfen.

Verband für Impfgeschädigte in Plettenberg (Selbsthilfegruppe):
www.impfschutzverband.de

,Beiträge zu einer differenzierten Impfentscheidung’ Dr. med. Steffen Rabe, Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in München: www.impf-info.de

Das Netzwerk für unabhängige Impfaufklärung: www.impfkritik.de