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Geburt - Hebammen brauchen Unterstützung

Die Arbeits- und Einkommensbedingungen von freiberuflichen Hebammen sind schlecht. Und keiner kümmert sich um Besserung, bis auf den Deutschen Hebammenverband, der nach bundesweiten Protesttagen und einer großangelegten Unterschriftenaktion nun zu einer zentralen Demonstration am 26. November 2009 in Berlin aufgerufen hat.

In diesem Artikel:

Zum Geburtstag wünsche ich mir eine Hebamme…
die von ihrer Arbeit leben kann

„Wir haben keine Lobby, die sich für unsere Belange einsetzt“, sagt Sonja Liggett-Igelmund, Hebamme in Köln.
Jahrelang haben freiberuflichen Hebammen für einen Honorarsatz gearbeitet, der sie jetzt die Existenz kosten kann. „Wir bekommen zum Beispiel für einen Hausbesuch nach der Geburt 23 Euro, und wenn man sich ein wenig intensiver um Mutter und Kind kümmern will, vergehen statt der geplanten 45 Minuten ganz schnell auch mal zwei Stunden“, so Liggett-Igelmund. Was dann von dem Honorar bleibt nach dem Abzug von Versicherungen, Fahrtkosten und anderen Ausgaben, ist klar: nichts. Da gilt es möglichst schnell, möglichst viele Termine zu machen. Wer dann dabei auf der Strecke bleibt ist auch klar: die Mütter und ihre Neugeborenen.

Hebammen erhalten ihr Honorar von den Krankenkassen

Bezahlt werden die Leistungen der Hebammen von den Krankenkassen. Die haben nach Verhandlungen eine Honorarerhöhung von 1,54% zugesagt. Zu wenig, betonen die Hebammen. Denn durch die Erhöhung der Berufshaftpflichtversicherung und steigende Betriebskosten wäre das 100fache notwendig, um den Job einer Hebamme wieder einigermaßen kostendeckend zu gestalten.

Freiberuflichkeit rechnet sich kaum

Viele betroffene Hebammen haben ihre Freiberuflichkeit bereits aufgegeben und eine Festanstellung angenommen. Denn eine kostendeckende Arbeit powert aus. „Viele Berufsanfängerinnen hängen sich voll in den Job rein und verdienen dann auch entsprechend, doch nach ein paar Jahren merken sie, dass das kaum zu leisten ist“, beschreibt Liggett-Igelmund. Eine Arbeitsreduzierung führt jedoch automatisch an den finanziellen Abgrund. „Ein Kinobesuch mit der Familie ist schon lange nicht mehr drin“, betont die Hebamme. Doch auch die Arbeit in Krankenhäusern hat sich nicht verbessert. Immer noch müssen sich Hebammen um mehrere Gebärende gleichzeitig kümmern.

Hebammen-Protest

Hebammen-Protest im Internet:
www.hebammen-protest.de

Hebammenprotest am 26. November 09 in Berlin

Hebammen bezeichnen ihre Arbeits- und Einkommens-bedingungen als "miserabel"! Nach bundesweiten Aktionstagen und einer Unterschriftensammlung riefen sie auf zu einer Kundgebung am 26. November 2009 in Berlin.

Helga Albrecht (Präsidentin des deutschen Hebammenverbandes) sagte: "Nach den Protestaktionen am 21. September, die sehr erfolgreichen verliefen, gehen wir nun in die nächste Phase unseres Hebammenprotestes an, damit die Aktionen eine nachhaltige Wirkung haben. Wir wollen nicht darauf warten, ob vielleicht Bewegung in die Politiker kommt und planen jetzt schon unsere nächsten Schritte, um unsere Forderungen mit der neuen Regierung durchzusetzen. Gehör wollen wir uns mit ihrer tatkräftigen Unterstützung im Rahmen einer Kundgebung in Berlin am 26. November 2009 zwischen 11:00 und 15:00 Uhr verschaffen. Der genaue Treffpunkt und Ort der Kundgebung wird noch bekannt gegeben. Unsere Forderungen nach besseren Arbeits- und Einkommensbedingungen werden wir dem neuen Gesundheitsminister dieses Mal persönlich vortragen."

Viel Arbeit für wenig Lohn – so ist die Situation der Hebammen. Für Mütter und ihre Babys wird es da bei der Betreuung eng. Keine Zeit mehr für eine Stillberatung, die Nabelpflege oder bei einer Brustentzündung.

Der deutsche Hebammenverband hat deshalb das laufende Jahr zum Protestjahr erklärt und versucht mit öffentlichen Aktionen auf die Situation der Hebammen hinzuweisen.

Er fordert:

  • Eine Anhebung der Honorare und Gehälter auf dem Niveau, das der hohen Verantwortung entspricht, die Hebammen übernehmen
  • Eine Finanzierung der Krankenhäuser durch die Politik und nicht durch Lohnverzicht der Beschäftigten.
  • Eine Qualitätssicherung der Geburtshilfe im Krankenhaus durch Senkung der Geburtenzahlen pro Hebammen pro Jahr.
  • Die Solidarität Aller, damit die Wahlfreiheit des Geburtsortes erhalten bleibt.

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