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Schwangerschaft - Hebammen brauchen Unterstützung

In diesem Artikel:

Will Deutschland eine Geburtshilfe ohne Hebammen???

Freiberuflichen Hebammen droht indirektes Berufsverbot für die Geburtshilfe! Erneuter Anstieg der Haftpflichtprämien beendet die Möglichkeit der Frauen auf freie Wahl des Geburtsortes und auf individuelle Hebammenunterstützung während der Geburt!

Niedrige Vergütung

Am 5. Juli 2010 entschied die Schiedsstelle zur Vergütung von Hebammenleistungen, die Pauschalen für außerklinische Geburten um 100 Euro sowie die für Beleggeburten um acht Euro anzuheben. Damit blieb sie weit hinter den Forderungen der Hebammenverbände zurück, die deutlich stärkere Erhöhungen für nötig befunden hatten. Diese forderten eine entsprechende Anpassung der Geburtspauschalen um 36 EUR für Beleggeburten in der Klinik und 304 EUR für Hausgeburten.

Die Vertreterinnen der Hebammenverbände kommentieren die Entscheidung der Schiedsstelle mit großer Enttäuschung. Susanne Schäfer, Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands BfHD: „Offenbar haben entscheidende Vertreter in der Schiedsstelle nicht verstanden, dass damit die Frauen nicht mehr frei darüber bestimmen können, wie sie gebären wollen. Das Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht jeder Hebamme, die Geburten zu Hause und im Geburtshaus betreut - und ins Gesicht jeder Frau, die sich für eine natürliche und selbstbestimmte Geburt entschieden hat.“

Der Hebammenverband und die Landesverbände agieren seit Monaten auf den unterschiedlichsten Ebenen, um die Situation zu retten. Trotzdem haben mit dem Inkrafttreten der Haftpflichtprämienerhöhung zum 1.7.2010 noch einmal 10% der freiberuflichen Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, ihre Versicherungsform gewechselt. Das heißt, seit Juli fehlen weitere 400 Hebammen, die als Beleghebammen, in Geburtshäusern oder zu Hause Frauen während ihrer Geburt betreuen. Die Versorgungsengpässe sind bereits spürbar.

Aufruf vom Verbund Hebammen für Deutschland

Geburtshaus-, Hausgeburtshebammen wie auch Hebammen und GynäkologInnen, die Belegbetten in Geburtskliniken haben, sie alle sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet und können unter diesen neuen Vorausetzungen Geburtshilfe nicht weiter anbieten.

Die Politik muss dringend tätig werden! Es gibt kaum Versicherer, die noch bereit sind, für Geburtshilfe zu haften. Unsere Berufsgruppe ist mit 4.500 freiberuflichen Hebammen zu klein, um weiter die Haftpflichtabsicherung für ca. 160.000 Geburten zu leisten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtgeburtenzahl Deutschlands. Daher brauchen wir Ihre Unterstützung.

Die Situation der Beleg-, Geburtshaus-, und Hausgeburtshebammen:

Seit 2008 wurden die Versicherungsprämien bereits um 80% auf 2.400,- EUR jährlich angehoben. Zum 01.07.2010 steht eine weitere massive Prämienerhöhung bis zu 4.600,- EUR an. Dem gegenüber steht das zu versteuernde Durchschnittseinkommen der geburtshilflich, in Vollzeit tätigen Hebamme bei ca. 1.180,- EUR monatlich, was einem Stundenlohn von 7,50 EUR entspricht.

All diese Hebammen leisten 7 Tage pro Woche eine 24h Rufbereitschaft, für die es in der Gebührenordnung noch nicht mal eine Abrechnungsziffer gibt!!! Diese Kosten werden von den betreuten Frauen selbst getragen (umgerechnet 8,50 EUR/Tag).

Seit einigen Jahren ist in der Geburtshilfe ein anhaltender Trend zur Zentralisierung zu beobachten. Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit werden kleinere Abteilungen geschlossen, zusammen gelegt, privatisiert oder ins Belegsystem umgestellt, um Personalkosten einzusparen. Jetzt werden sogar weitere kleine Belegabteilungen zusätzlich wegen der zu hohen Versicherungskosten der Hebammen und Ärzte schließen.

Besonders die Schwangeren auf dem Land leiden darunter, denn sie müssen weite Wege fahren, und bringen ggf. ihre Kinder im Auto auf die Welt, da es keine Hausgeburtshebammen mehr geben wird, die ihnen bei der Geburt in den eigenen vier Wänden zur Seite stehen könnten.

Die außerklinische Geburt stellt gerade heute, bei eklatanter Personalunterbesetzung in den Kreißsälen, dem Trend zu großen anonymen Perinatalzentren mit eingriffsreicher Massenabfertigung, einer Kaiserschnittrate über 30%, Tendenz steigend, eine wahrhaft sichere Alternative dar, belegt auch eine umfassende Studie aus dem Jahr 2009, veröffentlicht im deutschen Ärzteblatt: "Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinik (Studienergebnis 2009)"

Die obige Studie zeigt eindrücklich, dass Technik niemals menschliche Zuwendung ersetzen kann.

Hebammengeleitete Geburtshilfe ist sicher, interventionsärmer und kostengünstiger!!!

Wir wollen Frauen in dem verwundbarsten und wunderbarsten Augenblick ihres Lebens kompetent, liebevoll und geduldig begleiten. Die professionelle Unterstützung durch Hebammenarbeit bewirkt nennenswerte Unterschiede, in dem sie Frauen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in ihre eigene Kraft vermittelt und vielen kleinen Erdenbürgern so einen gesunden, komplikationsarmen Start ins neue Leben ermöglicht.

181.000 Unterschriften

Die Online-Petition der Hebammen unterzeichneten mehr als 181.000 Personen. Ende Juni befasste sich daraufhin der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Situation der Hebammen. Hebammenverbände kritisieren die dort vorgelegten Zahlen des Staatssekretärs Daniel Bahr, FDP. Zudem seien unrichtige Zahlen über die Zahl der Geburten, die eine Hausgeburtshebamme betreut, genannt worden - auch von der Präsidentin des deutschen Hebammenverbands, Martina Klenk.

Frauen, die sich für eine eigene Hebamme zur persönlichen Geburtsbegleitung entschieden haben (ob im Krankenhaus, Geburtshaus oder zur Hausgeburt), erleben die geringste Rate an Komplikationen während der Geburt. 92,8% der Schwangeren, die sich für eine außerklinische Geburt entschieden haben, gebären ihre Kinder auch wirklich natürlich und nur 2,5% aus diesem Klientel bekommen eine Saugglocke und nur 4,7% einen Kaiserschnitt!

Demgegenüber liegt die allgemeine Kaiserschnittrate in Deutschland über 30%, im Saarland bereits über 40%, Tendenz steigend und vor 15 Jahren noch bei 18%! Dies hat NICHTS mehr mit Entscheidungen zum Wohle von Mutter und Kind zu tun, sondern mit unnötigen pathologieschaffenden Manipulationen, haftungsrechtlichen und finanziellen Gründen!

Die daraus resultierenden Folgekosten werden die Allgemeinheit in Zukunft noch mit horrenden Summen belasten. Wir fordern den Staat auf, in eine menschliche, zugewandte und kostengünstige Geburtshilfe zu investieren, die unterstützt, dass Frauen wieder in die natürlichste Sache der Welt, ein Kind zu gebären, vertrauen lernen. Hebammen unterstützen Frauen, ihre Reise durch die Schwangerschaft mit gesundem Optimismus anzugehen, statt der heute größtenteils üblichen Pauschalbehandlungen in Schwangerschaft und Geburt, die am Ende verängstigte Risikopatientinnen hinterlassen.

In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob Frauen auch in Zukunft noch die Wahl haben, Geburtsort und Begleitung für sich optimal auszuwählen oder ob sie in einem der wichtigsten Momente ihres Lebens allein gelassen und Opfer einer hoch technisierten, interventionsreichen, anonymen Geburtshilfe werden.

Das Recht der Frauen auf persönliche Unterstützung bei der Geburt darf nicht weiter ausgehöhlt werden. Einsparungen im Gesundheitswesen dürfen nicht dazu führen, dass Frauen finanziell belastet, während der Geburt über lange Zeiträume allein gelassen werden und Hebammen die Berufsausübung unmöglich gemacht wird.

Auch wenn wir Hebammen zahlenmäßig nur eine kleine Berufsgruppe in diesem Land sind, ist unsere Arbeit extrem wichtig, denn sie spiegelt wieder, ob es in dieser Gesellschaft noch Platz für ethische Werte wie Menschlichkeit, Mitgefühl, Geduld und Liebe gibt.

Lisa von Reiche, Nitya Runte, Ulla Cremer, Sonja Langner,
Jana Langensiepen, Linda Franke, Ulrike Pauls, Verena Zuszek

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