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Untersuchungen in der Schwangerschaft – Vorsorge und Pränataldiagnostik im Experten-Check:
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Streptokokken-Test in der Schwangerschaft (SV)

  • Kostenträger: Selbstzahlerleistung (IGeL), Kassenleistung
  • Untersuchung bei: Hebamme, Frauenärztin
  • Aufwand: mittel
  • Experten-Empfehlung: nein
Streptokokken-Test in der Schwangerschaft (SV)
Streptokokken-Test in der Schwangerschaft (SV)
Wann: Kurz vor dem Ende der Schwangerschaft.

Wie: Ein Abstrich wird im Labor untersucht.

Wo: Bei der Hebamme oder Frauenärztin.

Was: B-Streptokokken sind Bakterien, die den Genital- und Afterbereich besiedeln können. Für Erwachsene ist eine Infektion in der Regel harmlos und kann ohne Symptome verlaufen. Ist aber eine Schwangere infiziert, kann sie ihr Baby während der Geburt mit den Bakterien anstecken. Beim Neugeborenen führt das in 1 bis 2 Prozent der Fälle zu einer Blutvergiftung, einer Sepsis. In seltenen Fällen kommt es zu schweren und lebensgefährlichen Verläufen mit einer Hirnhautentzündung. Auch Langzeitfolgen wie eine Schädigung des zentralen Nervensystems sind möglich. Um festzustellen, ob eine Schwangere mit B-Streptokokken infiziert ist, führen die Hebamme oder Frauenärztin mit einem Wattestäbchen einen Abstrich im Vaginal- und Analbereich durch. Im Labor lässt sich feststellen, ob eine Besiedelung vorliegt. Um eine Ansteckung des Babys zu verhindern, wird die Schwangere dann während der Geburt mit Antibiotika behandelt. Es gibt keine verlässlichen Zahlen dazu, wie viele Schwangere in Deutschland mit B-Streptokokken infiziert sind. Erhebungen aus anderen Ländern gehen von einem Befall bei 20 bis 30 Prozent der werdenden Mütter aus.

Nutzen: Wird eine B-Streptokokken-Infektion erkannt, kann man versuchen, eine Ansteckung des Babys durch Antibiotika-Gaben zu verhindern. Diese Behandlung ist jedoch umstritten.

Ergebnis: Der Test gilt als zuverlässig, kann eine Streptokokken-Infektion aber nicht mit 100-prozentiger Sicherheit erkennen.

Risiken: Der B-Streptokokken-Test birgt kein gesundheitliches Risiko für das Baby.

Gesundheitliche Folgen für die Mutter: Der Abstrich kann als leicht unangenehm empfunden werden, hat aber keine gesundheitlichen Folgen.

Kosten: Liegt der Verdacht auf eine Infektion vor, wird der B-Streptokokken-Test von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ohne Verdacht kommen nur einige von ihnen für die Kosten auf. Bei anderen wird er zur Selbstzahlerleistung und kostet dann etwa 20 bis 30 Euro.

Experteneinschätzung von Dr. Sven Hildebrandt, Professor für Frauenheilkunde und Geburtshilfe:
„Zu B-Streptokokken gibt es derzeit völlig neue Erkenntnisse, die sich aber nur sehr langsam in den medizinischen Leitlinien und im Wissen der Hebammen und Frauenärzte verbreiten. Aus diesem Grund wird der Abstrich noch angeraten. Die Empfehlung ist angesichts der neuen Datenlage aber höchst umstritten und scheint mehr Nachteile als Vorteile zu haben. Insbesondere der Versuch, die B-Streptokokken während der Schwangerschaft durch Antibiotika zu beseitigen, ist eindeutig nachteilig und dringend abzulehnen. Auch eine Antibiotikagabe während der Geburt scheint nach den neuesten Erkenntnissen mehr Nachteile als Vorteile zu haben. Ich sehe nach dem heutigen Wissensstand keinen ausreichenden Grund, den Abstrich zu empfehlen. Allerdings muss der Schwangeren bewusst sein, dass die meisten Frauenärztinnen und Geburtskliniken sich an die alten umstrittenen Leitlinien halten und dazu raten.“

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