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Entwicklung des Kindes: Infos zur Kindesentwicklung

In diesem Artikel:

Bild: Artyom Yefimov- Fotolia.com

Kleine Persönlichkeiten trotz wackliger Beine

Diesen Augenblick wirst du wohl niemals in deinem Leben wieder vergessen. Den Augenblick, in dem du dein Neugeborenes zum ersten Mal gesehen haben. Zu der tiefen Rührung kommt ein Gefühl des ehrfürchtigen Staunens: Wie klein ist dein Baby - und wie vollkommen. Die Fingerchen mit den winzigen Nägeln, die Stupsnase, der herzförmige Mund. Die ganz eigene Art, zu weinen, zu protestieren oder zu brüllen, wenn ihm etwas unangenehm ist. Und dann diese beneidenswerte Fähigkeit, sich spontan zu entspannen, herzhaft zu gähnen und es sichtlich zu genießen, wenn seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Innerhalb eines Jahres wird aus dem hilflosen Menschlein eine kleine Persönlichkeit, die auf eigenen, wenn auch noch ein wenig wackligen Beinen steht. Die nicht nur "Mama" und "Papa" sagen, sondern bereits viel, viel mehr erzählen kann. All diese Fähigkeiten eignet es sich in kleinen Entwicklungsschritten von ganz allein an, Eltern müssen da weder Lehrer sein, noch üben. So bezaubernd und hinreißend sie auch alle sind: Jedes Baby ist einmalig, jedes hat seinen ganz eigenen Rhythmus, das Leben und die Welt zu erobern. Und die meisten Babys wollen ohnehin nicht ins Klischee passen: Sie sind so eigen, so unberechenbar, dass unerfahrene Eltern all ihre physischen und seelischen Energien mobilisieren müssen, um die neue Lebenssituation zu meistern. Doch lass deinem Liebling die Zeit, die er braucht. Denn außer der Bewunderung für seine Fortschritte wirst du genug zu tun haben, tagsüber und auch manche Nacht.

Gegen Ende des ersten Lebensjahres wird dein Baby langsam zum "Menschen unter Menschen".

Es beginnt, die Regeln zu verstehen, die in unserer Gesellschaft gelten, es wächst in diese Gemeinschaft hinein. Was immer es tut, ob es sprechen, denken oder laufen lernt, alles dient nur einem Ziel: Ich will dazu gehören. Ich will einer von euch sein.

Auf dem Weg zur Selbstständigkeit muss sich das Baby an einen oder mehrere Menschen binden. Es spiegelt sich im anderen und entwickelt langsam ein Ich-Gefühl: Hallo, ich bin da, mich gibts! Weil andere Menschen für seine Entwicklung so wichtig sind, beschäftigt sich das Baby natürlich viel lieber mit ihnen als mit leblosen Dingen. Beim gemeinsamen Spielen, beim Beobachten der anderen guckt es sich die Regeln ab, die den Umgang miteinander bestimmen. Auf diese Weise lernt das Kind gleichzeitig, seine Gefühle immer differenzierter auszudrücken. Es kann traurig, freudig, zornig, ängstlich, neugierig, überrascht oder selbstbewusst reagieren. Und je besser es die Umgangsformen beherrscht, desto selbstbewusster wird es.

Fasziniert stellt das Kind fest: Ich kann etwas geschehen lassen.

Im Alter zwischen 18 und 24 Monaten verändert sich dein Kind gravierend. Aus dem Baby wird eine kleine Persönlichkeit. Bei den meisten Kindern ist die Sprache zu diesem Zeitpunkt bereits so weit entwickelt, dass sie sich gut verständlich machen können. Die so genannte vorsprachliche Phase wird nach und nach abgelöst durch echte Dialoge und verbale Verständigung.

Besonders wichtig: das Kind beschäftigt sich mit fiktiven Dingen oder Handlungen. Situationen, in denen das Kind mit nicht vorhandenen Gegenständen spielt oder nur zum Schein aus einem Saftglas trinkt, häufen sich. Die Vorstellungskraft des Kindes ist inzwischen so groß, dass es sich einen kompletten Handlungsablauf nicht nur vorstellen kann, sondern auch seine Handlungen entsprechend plant und das Ergebnis mit seiner Vorstellung vergleicht.

Im Alltag besteht das Kind nun immer häufiger darauf, bestimmte Handlungen selbstständig vorzunehmen. Die zunehmende Selbstständigkeit geht einher mit einem wachsenden Zeitgefühl. Es kann Begriffe wie „sofort“ oder „später“, „jetzt“ oder „gleich“ mehr und mehr auseinander halten und es bekommt ein Gefühl für Vergangenheit. Das Kind kann sich an Dinge erinnern, die einen Tag zuvor geschehen sind. Gleichzeitig beginnt es zu begreifen, dass seine Wünsche nicht immer sofort erfüllt werden. Das Kind lernt, zu warten.

Die Persönlichkeit entwickelt sich

In dieser Zeit beginnt dein Kind auch, sich seiner eigenen Persönlichkeit bewusst zu werden. Bisher hat es beim Blick in den Spiegel ein anderes Kind wahrgenommen, nicht die eigene Person. Es gibt einen einfachen Test heraus zu finden, ob dein Kind bereits so weit ist, sich seiner selbst und seines Körpers bewusst zu sein. Tupfe ihm beim nächsten Mal vor dem Spiegel unauffällig einen Cremeklecks auf die Nasenspitze. Wenn es sich bereits mit dem Kind im Spiegel identifiziert, wird es sich an die Nase greifen oder versuchen, den Klecks weg zu wischen.

Kein Kind gleicht dem anderen in seiner Entwicklung. Selbst unter Geschwistern gibt es diesbezüglich große Unterschiede. Lass deinem Kind daher Zeit, sich zu entwickeln. Jedes Kind macht individuelle Fortschritte, daher wäre es ein Fehler, sich streng an bekannte Entwicklungsskalen zu halten.

Nach jüngeren Erkenntnissen sind durchaus Spannbreiten möglich, die sich über Monate erstrecken können, ohne dass dein Kind als „entwicklungsgestört“ gilt. Daher geht man von einem „typischen Beginn“ eines Entwicklungsschrittes und einem weiten Spielraum nach oben und unten aus.


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