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Dein Baby schläft nicht? - Schlafstörungen vorbeugen

Schlafstörungen bei Kindern hängen in der Regel direkt mit dem Tagesverhalten zusammen. Nicht selten verursachen die Eltern die Schlafprobleme ihrer Kinder selbst, indem sie Müdigkeitssignale der Kleinen falsch deuten oder unangemessen reagieren. Erfahre hier, was du tun kannst, wenn dein Baby nicht schlafen will.

In diesem Artikel:

Schlafstörungen bei Babys: Auf die innere Uhr hören

Einschlaf- und Durchschlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern haben häufig ihre Ursache darin, dass der Tagesrhythmus des Kindes – oft unwissentlich – durch äußere Einflüsse gestört wird. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass auch Säuglinge und Kleinkinder einer inneren Uhr und damit einer natürlichen Tagesrhythmik folgen. Wie Erwachsene erleben kleine Kinder im Laufe des Tages Phasen, in denen sie wacher sind, und andere, in denen sie müde werden.

Unser Experte

Bild: privat

Dr. Wiater ist Chefarzt der Kinderklinik des Kranken- hauses Porz am Rhein und Mitglied des unabhängigen wissenschaftlichen Penaten Beirats. Dr. Wiater ist Initiator der Kölner Kinderschlafstudie (in Kooperation mit der Universität Köln).

Dem Rhythmus des Kindes nachspüren lohnt sich

Eltern, die die Müdigkeitsphasen ihres Kindes erkennen – charakteristische Anzeichen sind gleichmäßige Atmung, nachlassender Bewegungsdrang, entspannte Muskulatur und verträumter Blick – und die Säugling dann umgehend zum Schlafen legen, geben dem Kind von Anfang an die Möglichkeit, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Die Chancen auf einen erholsamen Schlaf sind entsprechend gut. Wird das Kind in seiner ruhigen Phase jedoch gestört, etwa durch zu laute Musik oder plötzlichen Besuch mit viel hektischer Betriebsamkeit, überwindet es die Müdigkeitsphase – allerdings nur kurzfristig.

Es bleibt zwar aktiv, wird aber schnell unzufrieden und nörgelig, weil ihm schlicht der Schlaf fehlt. Da das Kind aber nun wieder in einer wachen Phase ist, fällt es ihm jetzt entsprechend schwer, zur Ruhe zu kommen.

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Kurze Infofilme, die dir zeigen, wie die richtige Schlafumgebung aussehen sollte, findest du auf: www.schlaf-gut-baby.de

Säuglinge bewusst müde zu machen, hilft nicht weiter

Manche Eltern versuchen, ihre Säuglinge und Kleinkinder bewusst müde zu machen, etwa durch toben oder Kitzelspiele. Auf diese Weise wollen die Eltern sicherstellen, dass das Kind später richtig müde ist und auch wirklich gut schlafen kann. Oft erreicht man durch solche Aktionen aber das reine Gegenteil. Die Phase, in der das Kind müde ist und zur Ruhe kommen kann, wurde überschritten, das Schlafbedürfnis des Kindes ignoriert. Es ist nun aufgekratzt, übermüdet, aber nicht mehr in der Lage, sich zu entspannen. Es gibt auch Kinder, die versuchen ihre Müdigkeit durch übermäßige Eigenstimulation und Unruhe zu kompensieren.
So kommt es, dass kleine Kinder, die eigentlich müde sind und eine entsprechend reizarme Umgebung bräuchten, selbst verstärkt äußere Reizeinwirkungen provozieren. Ein Teufelskreis, der die Schlafstörung noch verstärkt, da das Kind die durch Reizüberflutung geprägten Tageseindrücke nun erst Recht nicht mehr im Schlaf verarbeiten kann.

Manche Säuglinge fordern ihre Ruhe und ihren Schlaf regelrecht durch Schreien ein – ein Signal, das Eltern allerdings mitunter als Hunger oder Lust auf Aktivität fehl deuten. Reagieren die Eltern in dieser Situation falsch – indem sie beispielsweise ihr Kind füttern oder unterhalten – stört das den Tagesrhythmus der Kinder noch weiter. Verschärfte Schlafprobleme sind die häufige Folge.

Das Schlafen erleichtern

Das Babybett:

  • ... steht am besten im Elternschlafzimmer.
  • ... hat eine feste Matratze, keine Fellunterlage, kein Kissen, keine weiche Unterpolsterung und keine Stoffauskleidung etc.
  • ... ist am besten mit einem Babyschlafsack ausgestattet.
  • ... ist kein Platz für Kuscheltiere o.ä.

Das Baby:

  • ... schläft am sichersten auf dem Rücken
  • ... sollte im Schlaf nicht schwitzen
  • ... trinkt am liebsten Muttermilch
  • ... liegt zum Spielen auf der Krabbeldecke auch gern auf dem Bauch

Kinder brauchen einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus

Einer Kölner Kinderschlafstudie zufolge neigen Kinder mit konstanten Schlaf- und Wachzeiten seltener zu Schlafstörungen als Kinder mit unregelmäßigem Tag-Nacht-Rhythmus. Diese aktuellen Studiendaten sowie eine Vielzahl empirischer Erkenntnisse legen deshalb nahe, Säuglinge von Anfang an darin zu unterstützen, einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln.

Praktisch bedeute das: die Chance, den Säugling gut einschlafen zu lassen, ist dann am höchsten, wenn die Eltern es in seiner müden Phase ins Bett bringen. Verpassen sie den günstigsten Zeitpunkt zum Einschlafen dagegen, kann es längere Zeit dauern, bis das Kind wieder zurück zur Ruhe findet. Da der Tag-Nacht-Rhythmus des Säuglings in den ersten Lebensmonaten auch von den Stillzeiten abhängt, sollten die Mütter die Still- und Schlafenszeiten möglichst aufeinander abstimmen. So kann man das Baby beispielsweise durch eine reichhaltige Mahlzeit am Abend mit einem wohligen Sättigungsgefühl auf das Zubettbringen vorbereiten.

Manchmal ein Balanceakt: Denn der Säugling sollte dabei schon leicht müde sein, aber noch wach genug, um kräftig trinken zu können. Danach ist der Säugling normalerweise erst einmal für mehrere Stunden satt und der kleine Organismus hat Zeit, die aufgenommene Nahrung zu verarbeiten. Wenn das Kind ein halbes Jahr alt ist, braucht es normalerweise nachts nichts mehr zu essen oder zu trinken, es sei denn, es ist krank. Kinder im zweiten Lebenshalbjahr regelmäßig nachts zu füttern, ist deshalb nicht die richtige Maßnahme auf dem Weg zu einem gesunden Nachtschlaf.

Schlafprobleme erkennen

Von Schlafproblemen bei Säuglingen spricht man in der Regel dann, wenn:

  • das Kind häufig aufwacht, obwohl es weder hungrig noch durstig ist,
  • die Schlafphasen nur kurz sind, mitunter nicht länger als eine Stunde,
  • das Kind nur einschläft, wenn es geschaukelt, gefüttert oder liebkost wird,
  • das Kind erst spät am Abend einschläft und früh am Morgen aufwacht.

Rituale fördern die emotionale Bindung von Kind und Eltern

Nach der Abendmahlzeit sollte ein festes Einschlafritual folgen, das das Kind optimal auf den Schlaf vorbereitet, ihm Sicherheit und Orientierung im Tagesablauf bietet und – besonders wichtig – die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind stärkt. Es gibt keine strikten Regeln, wie ein Einschlafritual genau auszusehen hat. Es sollte jedoch nicht zu kompliziert und zu umfangreich, im Ablauf aber immer gleich sein. Wichtig ist es Fernsehgeräusche, bewegte Bilder oder laute Geräusche in dieser Phase unbedingt zu vermeiden, da sie sich negativ auf die Einschlafneigung des Babys auswirken. Dass das Kind vor jeglicher Nikotinbelastung zu bewahren ist, versteht sich von selbst.

Bewährt im Rahmen des Einschlafrituals haben sich Elemente wie ein beruhigendes Bad, eine Massage, das Anziehen des Pyjamas, das Vorsingen eine Einschlafliedes oder das Abspielen einer Spieluhr. Die beruhigende Stimme des Vaters oder der Mutter, das zärtliche Berühren, das Massieren im wohligen Bad, das sanfte Abtrocknen und Eincremen der Haut – all das sind wohltuende Rituale, die dem Kind das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit geben und dazu beitragen, dass es sich entspannen kann. Gerade das Berühren des Babys und der enge körperliche Kontakt festigen die Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Gefühl der sicheren Obhut hilft dem Kind, sich dann von den Eltern lösen zu können, um in seinem Bett beruhigt einschlafen zu können. So lernt das Kind, ohne fremde Hilfe einzuschlafen – auch dann, wenn es in der Nacht erwacht.

8 Regeln für gesunden Kinderschlaf

  1. Keine übermäßigen akustischen und optischen Reizeinwirkungen während der letzten Stunde vor dem Zubettgehen
  2. Einhalten eines gleich bleibenden Einschlafrituals
  3. Einhalten regelmäßiger Schlaf-Wach-Zeiten. Kinder sollten immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen
  4. Schlafen im eigenen Kinderbett
  5. Einrichtung einer ruhigen abgedunkelten Schlafumgebung, möglichst bei kühlen Temperaturen (17 bis 18° Celsius)
  6. Vermeiden nächtlicher Mahlzeiten bei gesunden Kindern über einem halben Jahr
  7. Keine anregenden Aktivitäten und Reizeinwirkungen beim Wiederaufwachen
  8. Beruhigendes Einwirken und Wiederholung des Einschlafrituals beim Aufwachen in der Nacht

© Dr. Wiater - Chefarzt der Kinderklinik des Krankenhauses Porz am Rhein und Mitglied des unabhängigen wissenschaftlichen Penaten Beirats

Ärztliche Praxis - Pädiatrie vom 12. Februar 2007