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Errechneter Geburtstermin: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit?

Es ist eine magische Zahl für werdende Eltern: Das Datum, an dem ihr Nachwuchs zur Welt kommen soll. Aber wann das Baby dann genau geboren wird, kann niemand vorab feststellen. Wie Experten bestätigen, kann der Geburtstermin tatsächlich um bis zu einige Wochen schwanken. Erfahre hier, wie genau der errechnete Geburtstermin wirklich ist.

In diesem Artikel:

Geburtstermin-Wahrscheinlichkeit nie hundertprozentig

Um den Geburtstermin zu berechnen, gibt es verschiedene Methoden: neben Online-Rechnern wie unserem Geburtsterminrechner auch Faust- und Rechenregeln für den heimischen Gebrauch. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt der Befruchtung – schon der liegt oft im Ungewissen, es sei denn, sie erfolgte künstlich. Daher gelten für die Berechnung zunächst einmal die Angaben der Frau zum Beginn ihrer letzten Regel. „Das wird weltweit als der Beginn der ersten Schwangerschaftswoche angenommen, obwohl die Frau erst nach dem darauf folgenden Eisprung, also zwei Wochen später, schwanger wird“, erklärt Dr. med. Christian Albring, niedergelassener Frauenarzt und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). „Hier entsteht der erste Unsicherheitsfaktor, weil man nicht weiß, ob die Befruchtung tatsächlich in diesem Zyklus stattgefunden hat oder vielleicht einen oder zwei Zyklen davor.“

Experte


Dr. med. Christian Albring
 ist niedergelassener Frauenarzt und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Er weiß um die Tücken der Geburtstermin-Genauigkeit.

Den Stichtag berechnen und korrigieren

In den ersten Wochen der Schwangerschaft kommen in der frauenärztlichen Betreuung noch die gynäkologische Untersuchung, eventuell Laborwerte und oft auch Ultraschall-Untersuchungen dazu. Sie können diese Berechnungen laut Dr. Albring präzisieren und auch korrigieren.

Gerade in den ersten Wochen entwickele sich der Embryo sehr schematisch. „Wir wissen, wie ein typisches Ultraschallbild einer Schwangerschaft in der 6., 7., 8. oder 9. Woche aussehen sollte. Wenn eine Frau rechnerisch erst in der 8. Woche ist, aber im Ultraschall schon ein typisches Bild einer 12. Schwangerschaftswoche zu sehen ist, wird man mit der Mutter besprechen, ob nicht die Zeugung schon einen Monat früher stattgefunden haben könnte.“

Beginn und Dauer der Schwangerschaft

Auch die Entwicklung des Gehirns und der Knochen folgt demnach einem sehr pünktlichen Plan, so dass auch an ihr recht gut erkannt werden kann, wie alt der Embryo ist. „In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kann es deshalb immer nochmal zu einer Korrektur des errechneten Geburtstermins kommen“, bestätigt der Experte. Diese Anpassung sei auch aus anderen Gründen wichtig, denn: „Wenn zum Beispiel die Schwangerschaft früher als zunächst angenommen begonnen hat, dann beginnt auch der Mutterschutz früher.“

Naegele-Regel

Neben Online-Rechnern gibt es verschiedene Methoden und -formeln, um den Entbindungstermin selbst zu berechnen. Sie können jeweils jedoch nur einen Richtwert angeben und die Untersuchung durch den Gynäkologen nicht ersetzen:

Die "analoge" Berechnung gelingt per Tabelle (s. u.) oder mit der Naegele-Regel (eine Formel, die nach dem Heidelberger Gynäkologen Franz Naegele [1778–1851] benannt wurde):

  • "Datum des ersten Tages der letzten Regel – 3 Monate + 7 Tage + 1 Jahr"
  • Wer den Tag der Befruchtung kennt, kann den Geburtstermin konkret danach errechnen: "Datum der Befruchtung – 3 Monate – 7 Tage + 1 Jahr"
  • Oder auch nach Zykluslänge (wenn nicht konstant 28 Tage): "Datum des ersten Tages der letzten Regel – 3 Monate + 7 Tage + 1 Jahr (+ oder – x Tage)"
  • Eine andere Variante der Neagele-Regel lautet: Der Geburtstermin ist 281 Tage nach dem 1. Tag der letzten Regelblutung oder (exakter) 267 Tage nach dem Tag des Eisprungs.

Der tatsächliche Geburtstermin: Meist vorher oder danach

Vorausgesetzt, der Arzt ist mithilfe dieser Methoden zu einem exakten Ergebnis gekommen – Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby tatsächlich an dem Tag zur Welt kommt? Hier hält sich Dr. Albring mit der Angabe von Zahlen zurück, auch wenn die Schwangerschaftsdauer im Allgemeinen mit 40 Wochen angegeben wird. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass alle Geburten auf das Datum genau mit dem letzten Tag der 40. Woche beginnen. Es gibt eine natürliche Schwankungsbreite um einige Tage bis wenige Wochen, wann die Geburt beginnt, sowohl davor als auch danach.“ Dies bedeutet keineswegs, dass sich der Frauenarzt verrechnet hätte. Vielmehr hält sich die Biologie der einzelnen Schwangerschaft auch nach seiner Einschätzung sich nicht an Zahlen und Kalender. „Der Geburtstermin kann also exakt berechnet sein, aber die Wehen fangen bei den allermeisten Frauen trotzdem davor oder danach an, bei sehr großen Kindern oder bei Störungen der Plazenta häufig früher, in anderen Fällen will das Baby eben erst ein paar Tage später raus.“

Wie wahrscheinlich ist ein falsch berechneter Geburtstermin?

Der errechnete und der tatsächliche Geburtstermin können sogar weit auseinanderliegen. Ausschlaggebend sind nach Einschätzung des Gynäkologen auch die der Berechnung zugrunde liegenden Untersuchungen. „Wenn keine Ultraschallbilder gemacht werden und man nur auf die Angaben der Frau zur letzten Menstruation und auf die Untersuchungen mit den Händen angewiesen ist, kann man sich durchaus um viele Wochen verschätzen. Es gibt ja Kinder, die werden nach 40 Wochen mit 2.500 Gramm geboren, andere hingegen mit 4.500 Gramm.“ Daher könne man während der Schwangerschaft mit dem Tastbefund nur ungefähre Angaben machen. Hingegen: „Wenn man auch die Ultraschall-Untersuchungen heranziehen kann, vor allem aus den frühen Schwangerschaftsmonaten, dann kommen grobe Fehlschätzungen kaum vor.“

Auswirkungen des errechneten Geburtstermins

Zu bedenken ist auch, dass der errechnete Geburtstermin sich auf weitere Maßnahmen auswirkt. Dazu Albring: „In der 24. Schwangerschaftswoche wird der Test auf eine Zuckererkrankung und in der 30. die Vorbeugung einer Rhesusfaktorunverträglichkeit gemacht. Ab der 32. Schwangerschaftswoche erfolgen die Vorsorgetermine in zweiwöchentlichem Abstand, und sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt für gesetzlich versicherte Schwangere der Mutterschutz. Dabei verlassen sich Arbeitgeber und Krankenkassen auf die Angaben, die im Mutterpass eingetragen sind.“

Geburtszeitraum statt Geburtstermin

Daher also wird nach wie vor die Angabe eines Geburtstermins benötigt. Die werdende Mutter hingegen sollte sich nicht von dem festgesetzten Datum „verrückt machen“ lassen und sich lieber gleich auf einen Geburtszeitraum einstellen. Dafür plädieren inzwischen auch Hebammen und andere. „Der Entbindungstermin ist wegen des Mutterschutzes durchaus ein Orientierungspunkt“, bestätigt Irene Behrmann, 1. Vorsitzende von GreenBirth e.V. „Bisher galt, wenn das Kind später kommt, hat die Mutter Glück, wenn es früher kommt, hat sie halt eine kürzere Mutterschutzphase.“ Nach ihrer Einschätzung geraten Frauen unnötig unter Stress, wenn das Baby offensichtlich mehr Zeit zum Reifen braucht. Mütter hätten berichtet, dass sie aufgefordert wurden sich nach dem Entbindungstermin regelmäßig in der Klinik vorzustellen. „Das Wort ‚Übertragung‘ signalisiert fälschlicherweise, dass etwas ungünstig läuft oder gefährlich sein könnte.“ Die bewährte Faustregel ‚Errechneter Entbindungstermin plus minus 14 Tage‘ habe nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Diese Faustregel bezieht sich auf das Einsetzen der spontanen Wehen in dem genannten Zeitraum.

Geburtsvorbereitungskurs – eine Video-Einführung

 

Wenn der Geburtstermin überschritten wurde

Nach Einschätzung des Berufsverbandes der Frauenärzte wiederum sind die Empfehlungen der Hebammen und auch der wissenschaftlichen Fachgesellschaft „eigentlich entspannt“. Wenn der Entbindungstermin überschritten wurde, müssen sich die Frauen in der Tat zweimal pro Woche zur Untersuchung von Fruchtwasser und Herztönen in der Klinik vorstellen, um ein mögliches Risiko für einen Sauerstoffmangel auszuschließen, so sieht es die medizinische Leitlinie „Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung“ vor . Im Detail sind dann folgende Untersuchungen erforderlich: Am Entbindungstermin eine Bestimmung der Fruchtwassermenge und ein CTG (Kardiotokografie), also die Aufzeichnung der Herzschlagfrequenz des ungeborenen Kindes und der Wehentätigkeit der werdenden Mutter. Ein Ultraschall ist alle drei Tage angesagt, ab der abgeschlossenen 41. Woche alle zwei bis drei Tage. Spätestens ab der abgeschlossenen 42. Woche empfiehlt die Leitlinie die Einleitung der Geburt oder eine Beendigung der Schwangerschaft per Kaiserschnitt. Falls die Schwangere das ganz ausdrücklich nicht möchte, sollten weiterhin zwei Mal pro Woche ein Ultraschall sowie eine Fruchtwasser-Bestimmung vorgenommen werden, so die ärztliche Empfehlung.

Eingrenzung per Geburtstermin-Tabelle

Mithilfe der folgenden Tabelle kannst du den Geburtstermin deines Babys eingrenzen. Nutze jeweils zwei Zeilen für die Berechnung. So funktioniert's: in der oberen Zeile das Datum des ersten Tags deiner letzten Regel suchen und in der Zeile direkt darunter den voraussichtlichen Geburtstermin ablesen.

Geburtstermin-Tabelle

Hier findest du die Geburtstermin-Tabelle auch noch einmal als PDF-Download: Geburtstermin-Tabelle (200kb)

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