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Geburtsvorbereitungskurs – Fakten & Tipps zur Geburtsvorbereitung

Vor der Geburt gibt es vieles, was werdende Eltern bewegt und was sie wissen möchten. Neben der Berechnung des Geburtstermins vor allem Verhaltenstipps. Geburtsvorbereitungskurse schaffen Vertrauen und geben Antworten! – Die Wandlampen tauchen den in leuchtendem Orangegelb gehaltenen Raum in warmes Licht. Neben der Tür zieht ein bunt bemalter, runder Schwangerenbauch aus Gips die Blicke auf sich. Im Hintergrund flöten meditative Klänge von Enya. Acht Frauen hocken in einer Art Schneidersitz im Kreis auf Matten.

In diesem Artikel:

Bald geht´s los – Fit werden im Geburtsvorbereitungskurs

„Namaste“, begrüßt Hebamme Inga Smelovicz, 38, die Frauen auf Indisch. „Du und ich, wir sind eins. Ich grüße, ehre und verehre den Gott in dir“, heißt das übersetzt. Die Frauen grüßen mit vor der Brust zusammengelegten Handflächen zurück. Unter ihren T-Shirts zeichnet sich bei jeder eine mittlere bis große Babykugel ab. Eine der Schwangeren kichert – es ist gar nicht so leicht, das Gleichgewicht zu halten.

„Die Atem-, Dehn- und meditativen Übungen des Yoga unterstützen hervorragend einen gelassenen Umgang mit den Wehenschmerzen“, erklärt Inga. Das stößt auf Skepsis. „Ich habe gehört, der Schneidersitz soll gar nicht so gut für Schwangere sein“, sorgt sich eine Teilnehmerin. „Der Schneidersitz verbessert die Beckendurchblutung und entspannt den Beckenboden. Er erhöht die Dehnbarkeit der Gelenke und weitet den Beckeneingang“, zählt die Geburtshelferin die Vorteile auf. Und zeigt, wie es geht: Die Füße so weit wie möglich an den Körper ziehen. Die Fußsohlen liegen zusammen, während die Fußaußenseiten auf dem Boden ruhen. „Einfacher wird es, wenn man mit dem Rücken an einer Wand lehnt“, weiß Inga.

Hilfreich: Yoga und die „Klassiker“ der Geburtsvorbereitung

Jetzt beginnt die Arbeit mit dem großen Gymnastikball – eine klassische Geburtsvorbereitungs-Übung. Die Frauen wippen auf den bunten Bällen sanft auf und ab, ihre Arme schwingen seitlich mit. „Die Pobacken anspannen“, gibt die Hebamme vor. Danach lassen die Frauen ihr Becken vorsichtig kreisen, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Das stärkt die Rückenmuskulatur und gibt zusätzlich Kraft für den großen Tag.

Stillvorbereitung

Hebammen und Geburtskliniken bieten auch Stillvorbereitungskurse an. Bei einer Klinikentbindung sollte man sich vorher informieren, ob es dort „Stillrichtlinien“ gibt – oder gar ein „Babyfreundliches Krankenhaus“ in der Nähe ist. 1991 riefen die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Kinderhilfswerk UNICEF die Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ ins Leben. Das Ziel: Die erste Lebensphase eines Neugeborenen besonders zu schützen, die Bindung zwischen Eltern und Kind (Bonding) sowie das Stillen zu fördern. Die Initiative zertifiziert Geburtskliniken, die diesen hohen Betreuungsstandard nachweisen – bislang rund 90 von 900 in Deutschland. „Babyfreundliche Krankenhäuser“ informieren Frauen schriftlich und im persönlichen Kontakt zum Thema Stillen. Das Personal auf der Entbindungsstation ist in der Stillberatung speziell geschult und unterstützt die Mütter kompetent. Viele Stillprobleme können so vermieden werden.

Fast jede Schwangere nimmt heute – mit oder ohne Partner – an einem Geburtsvorbereitungskurs teil. Unterschiedlich ist der Ansatz der Kurse. Einige sind hauptsächlich sachlich, informativ, andere – wie der, den wir hier begleiten – nehmen Rituale aus dem Yoga auf. Am besten fragst du vorab nach und suchst das aus, was zu dir passt. Angeboten werden die Kurse von Hebammenpraxen, Familienbildungsstätten, Kliniken mit Geburtsstationen, Eltern- und Volkshochschulen sowie Geburtshäusern (siehe kidsgo Terminkalender). Mit Erfolg. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Frauen, die sich intensiv auf die Geburt vorbereiten, mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen und weniger Angst haben. Positiver Effekt: kürzere Gebärdauer, weniger Schmerzmittel und geringerer Einsatz medizinischer Geräte.

„Ein Geburtsvorbereitungskurs unterstützt die Schwangere, sich körperlich und emotional auf die Geburt und die Zeit danach vorzubereiten“, erläutert Hebamme Inga. Dabei liegt der Fokus auf Informationen zum Ablauf der Geburt. So erfahren die werdenden Mütter, dass sich die Geburt in vier unterschiedliche Phasen gliedert: die Eröffnungs-, Übergangs-, Austreibungs- und die Nachgeburts-Phase. Ebenso macht Inga die Frauen mit den verschiedenen Gebärpositionen vertraut. „Man muss ein Baby nicht im Liegen bekommen.“ Wenn der Kopf des Babys sichtbar wird, sei der Vierfüßlerstand eine ideale Position. „Der Kopf des Babys kann vorsichtig herausschlüpfen, das Risiko eines Dammrisses verringert sich.“ Um vorzeitiges Pressen zu verhindern, wenn der Muttermund noch nicht weit genug geöffnet ist, empfiehlt Inga, den Kopf auf den Boden zu legen und den Po in die Höhe zu strecken. Dabei sollen die Wehen „veratmet“ werden. „Das sieht nicht sehr elegant aus, hilft aber, das Baby vom Muttermund wegzuschieben und reduziert den Pressdrang.“ Dagegen machen sich die Hockstellung oder der Einsatz des Gebärstuhls die Schwerkraft der Erde zunutze.

Babyfreundliche Kliniken

„Babyfreundliche Krankenhäuser“ in Deutschland findest du hier: www.babyfreundlich.org/khsuche.html

Wichtig: Atemübungen

Auch Möglichkeiten der Schmerzlinderung sind Thema in jedem Geburtsvorbereitungskurs – etwa die Peridualanästhesie (PDA), eine rückenmarksnahe Lokalanästhesie, die auf Wunsch während der Entbindung eingesetzt wird. Oder Akupunktur. „In den letzten Wochen der Schwangerschaft bewirkt sie zur Geburt hin eine Entspannung des Beckenbodens und kann die Eröffnungsphase der Geburt verkürzen“, erklärt Inga.

Damit Mutter und Kind unter den Wehen genügend Sauerstoff bekommen, ist richtiges Atmen wichtig. Inga demonstriert den Frauen, wie es geht: „Atme durch die Nase ein und durch den Mund aus.“ Dabei soll der Mund ganz locker und entspannt sein, während die Luft ausströmt. Inga macht es vor: durch die Nase ein, durch den Mund aus. Vielen Frauen helfe es, beim Ausatmen ein Geräusch zu machen, etwa ein deutliches „Aaaaah“ oder „Oooooh“.

Früh übt sich: Säuglingspflege als Teil der Geburtsvorbereitung

Auch das „kleine Einmaleins“ der Säuglingspflege gehört im klassischen Geburtsvorbereitungskurs dazu. So lernen die Kursteilnehmer, wie man ein Baby wickelt. „Das wird dann schon mal lustig, wenn ein werdendes Eltern-Pärchen zum ersten Mal den Kampf mit Windel und Säuglingspuppe aufnimmt“, lacht Inga. Sie empfiehlt, sich rechtzeitig das Geburtshaus oder den Kreißsaal anzusehen, um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Wer zu Hause entbinden möchte, sollte mit der Hebamme früh genug die Einzelheiten klären.

„Frauen sind fähig, aus eigener Kraft zu gebären. Diese Kraft zu fördern und das Vertrauen in sich selbst und ihr Kind zu stärken, ist Anliegen der Geburtsvorbereitung“, erklärt Irina Lahode von der Hebammenpraxis Sonnenschein in Memmingen. Körperwahrnehmung, Entspannungs- und Atemübungen sowie Informationen über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bauen Ängste ab. Wichtig sei auch der Kontakt und Austausch mit anderen Schwangeren. Lahode: „Schließlich sind alle Frauen in derselben Lebenssituation, das verbindet.“ Aus dieser Verbindung entwickelt sich manches Mal sogar eine Freundschaft fürs Leben: Nicht selten treffen sich Paare, Mütter oder Väter noch lange Zeit nach der Geburt mit ihren Kindern.

Bild: © the rock - Fotolia.com

Anwesenheit des Partners beruhigt

Paarkurse sind der Schwerpunkt in der Hebammenpraxis Lichtblick in Lippstadt. Martina Gramatke ermutigt hier skeptische Männer, die glauben ja doch nichts tun zu können. Von wegen, meint die Hebamme: „Allein die Anwesenheit des Partners beruhigt viele Frauen ungemein.“ Wichtig sei allerdings eine gemeinsame Vorbereitung. So erfährt der Partner im Kurs, was er tun kann, um seine Frau bei der Geburt aktiv zu begleiten. Er nimmt an Entspannungsübungen teil, lernt, wie er die Gebärende bei unterschiedlichen Gebärpositionen, etwa durch Halten oder gezielte Massagen, unterstützen kann. Der gemeinsame Kurs hilft zu verstehen, was im Verlauf der Schwangerschaft, während der Geburt und der Zeit danach auf das Paar zukommt. Der werdende Vater kann seinen Part üben und sich mit anderen männlichen Teilnehmern austauschen. „Das nimmt die Unsicherheit und baut Hemmschwellen ab“, sagt Hebamme Gramatke.

Oft sind es ganz unterschiedliche Themen, die Männer und Frauen in der Schwangerschaft beschäftigen. Um auch werdenden Vätern mit ihren Sorgen und Ängsten zu unterstützen, bietet der Berliner Andreas Gerts einen Geburtsvorbereitungskurs speziell für Männer an. Neben Organisatorischem, dem Umgang mit dem Baby und Informationen zum Wochenbett soll der Geburtsvorbereitungskurs Männern helfen, ihre neue Rolle im veränderten Familiengefüge zu finden.

Kursangebote

Auf kidsgo findest du Geburtsvorbereitungskurse, Geburtskliniken und vieles mehr rund um Schwangerschaft & Geburt!

Männer positiv überrascht

Paarkurse sind der Schwerpunkt in der Hebammenpraxis Lichtblick in Lippstadt. Martina Gramatke ermutigt hier skeptische Männer, die glauben ja doch nichts tun zu können. Von wegen, meint die Hebamme: „Allein die Anwesenheit des Partners beruhigt viele Frauen ungemein.“ Wichtig sei allerdings eine gemeinsame Vorbereitung. So erfährt der Partner im Kurs, was er tun kann, um seine Frau bei der Geburt aktiv zu begleiten. Er nimmt an Entspannungsübungen teil, lernt, wie er die Gebärende bei unterschiedlichen Gebärpositionen, etwa durch Halten oder gezielte Massagen, unterstützen kann. Der gemeinsame Kurs hilft zu verstehen, was im Verlauf der Schwangerschaft, während der Geburt und der Zeit danach auf das Paar zukommt. Der werdende Vater kann seinen Part üben und sich mit anderen männlichen Teilnehmern austauschen. „Das nimmt die Unsicherheit und baut Hemmschwellen ab“, sagt Hebamme Gramatke.

Oft sind es ganz unterschiedliche Themen, die Männer und Frauen in der Schwangerschaft beschäftigen. Um auch werdenden Vätern mit ihren Sorgen und Ängsten zu unterstützen, bietet der Berliner Andreas Gerts einen Geburtsvorbereitungskurs speziell für Männer an. Neben Organisatorischem, dem Umgang mit dem Baby und Informationen zum Wochenbett soll der Geburtsvorbereitungskurs Männern helfen, ihre neue Rolle im veränderten Familiengefüge zu finden.

Experten-Interview

Die Hebamme Martina Gramatke hat in drei Jahrzehnten über 3000 Babys auf die Welt geholfen. Die 58-Jährige bietet in ihrer Hebammenpraxis „Lichtblick“ in Lippstadt auch Geburtsvorbereitungskurse an.

„Vertraut eurem Gefühl!“

kidsgo: Was lernen Schwangere in einem Geburtsvorbereitungskurs?

Martina Gramatke: Alles um die Geburt. Die Wehenphasen, die Entbindung und was nach der Geburt geschieht. Mögliche Komplikationen sind ebenso Thema wie Maßnahmen zur Schmerzerleichterung. Praktisch stehen Entspannungsübungen im Vordergrund, Atem- und Körperarbeit. Und man lernt, Kontakt mit dem Baby aufzunehmen.

kidsgo: Wann sollte man mit den Übungen beginnen?

Gramatke: Ab der 30. Woche, weil dann die Übungen tatsächlich bis kurz vor der Geburt andauern. So entsteht keine längere Pause. Bei einigen Kursangeboten wie Yoga ist es sinnvoll, schon etwas eher zu beginnen. Wichtig ist die rechtzeitige Anmeldung, denn viele Kurse und Hebammen sind auf Monate hinaus ausgebucht.

kidsgo: Welche Übungen sind besonders effektiv?

Gramatke: Korrektes Atmen und Übungen zu einer aufrechten, entspannten Körperhaltung. Beides ist unter den Wehen enorm wichtig. Und lässt sich auch zu Hause üben. Auch der Vierfüßlerstand kann bei der Geburt von Nutzen sein, oder der Umgang mit dem Geburtshocker.

kidsgo: Wie lange dauert ein Kurs?

Gramatke: In der Regel je zwei Stunden über sieben Wochen. Die 14 Stunden werden von den Kassen bezahlt.

kidsgo: Wie wichtig sind die Männer dabei?

Gramatke: Männer sind ihrer Frau eine wichtige Stütze, nicht nur moralisch. Besonders Erstgebärenden empfehle ich den Paarkurs. Die Männer können ihre Frauen beim Atmen und mit Massagen unterstützen. Und die werdenden Väter sollten wissen, was sie im Kreißsaal erwartet. Wissen schützt vor Ängsten.

kidsgo: Ihr persönlicher Tipp?

Gramatke: Ich möchte den Frau en eine gewisse Selbstbestimmtheit mit geben. Sie sollten keinesfalls passiv im Bett liegen bleiben. Instinktiv machen die meisten Frauen genau das Richtige. Vertraut Eurem Gefühl!

kidsgo: Frau Gramatke, vielen Dank für dieses Gespräch.

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