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Beckenendlage – Was tun, damit sich das Baby doch noch dreht?

Vor der Geburt gibt es immer eine Menge zu bedenken, zu entscheiden und vorzubereiten. Aber alles lässt sich nun mal nicht planen – zum Beispiel, dass sich das Baby am Ende in die richtige Geburtsposition dreht.

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Buchtipp zum Weiterlesen

Hebamme Ursula Jahn-Zöhrens hat zwei Bücher veröffentlicht: „Entspannt erleben: Schwangerschaft und Geburt“ (TRIAS, Stuttgart 2011) sowie „Entspannt erleben: Babys 1. Jahr“ (TRIAS, Stuttgart 2014).

Beckenendlage – Kann sich das Baby noch drehen?

Stellt der Gynäkologe in den letzten Wochen vor dem Geburtstermin eine Beckenendlage fest, liegt das Kleine mit dem Kopf nach oben im Becken. Die Folge: Das Baby tritt nicht, wie sonst üblich, mit dem Kopf in den Geburtskanal ein, sondern der Steiß, die Füße oder die Knie des Babys gehen voran.

Dies kommt bei vier Prozent aller Schwangerschaften vor. Die Ursachen sind oft unbekannt. Die Beckenendlage kann genetisch bedingt sein oder ein verengtes Becken, ungewöhnliche Fruchtwassermengen oder Mehrlingsschwangerschaften sind schuld daran.

„Schwangere sollten sich ab der 32. Schwangerschaftswoche mit der Lageposition befassen“

Dazu rät Hebamme und Buchautorin Ursula Jahn-Zöhrens aus Bad Wildbad. Um das Kind zur Drehung zu bewegen, gibt es verschiedene Methoden: Bei der Moxibustion regen Hebammen durch Wärme in Form einer mit Beifußkraut gefüllten „Moxazigarre“ den Blasenmeridian über der kleinen Fußzehe an. Auch Gespräche zwischen Mutter und Kind, Orientierungshilfen per Taschenlampe und Massagetechniken können zum Erfolg führen. Manchmal helfen auch von der Hebamme angeleitete Gymnastikübungen wie die Indische Brücke oder die Tönnchenhaltung.

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„Bleibt dies alles ohne Wirkung, kann in der 37. Schwangerschaftswoche eine äußere Wendung durch spezialisierte Ärzte versucht werden. Hierbei werden unter Ultraschall- und CTG-Einsatz die Lage und die Befindlichkeit des Kindes genau untersucht, und es wird versucht, das Kind über die Bauchdecke zu drehen“, weiß die Fachfrau. „Das Ganze wäre halb so aufregend, wenn derzeit in Deutschland die Beckenendlage nicht automatisch zu einem Kaiserschnitt führte, jedenfalls beim ersten Kind. Nur wenige Kliniken bieten eine Spontangeburt an.“ Eine Beckenendlage ist also nicht zwangsläufig ein Grund für einen Kaiserschnitt.

Ein Erfahrungsbericht: So fand Sonjas Baby in die richtige Geburtslage 

Sonjas erstes Kind kam in einem Geburtshaus zur Welt –Schwangerschaft und Geburt verliefen unkompliziert. Die 37-Jährige war sich sicher, dass die zweite Schwangerschaft ebenso problemlos verlaufen würde. Doch dann kam es anders: Ihr Baby liegt in Beckenendlage – statt mit dem Kopf mit dem Po voran.

Was nun? „Ein Kaiserschnitt kam für mich zu keinem Zeitpunkt in Frage“, erzählt die heute zweifache Mutter aus Düsseldorf, „auch wenn alle um mich herum das als selbstverständlich betrachteten.“ Solch einen Eingriff mit seinen Risiken wollte Sonja unbedingt vermeiden. Auch ihr zweites Kind sollte natürlich und selbstbestimmt auf die Welt kommen. „Das ist und bleibt der beste Start für ein Kind“, ist Sonja nach wie vor überzeugt.

Richtige Geburtslage

Moxibustion
Diese Methode, kurz „Moxa“ genannt, kommt wie die Akupunktur aus China. Anstelle von Nadeln wird aber Wärme eingesetzt, um spezielle Körperpunkte zu stimulieren. Es gibt Studien, die dieser schmerzlosen Methode bei einer Beckenendlage eine Erfolgsquote von fünfzig Prozent bescheinigen. Mehr dazu hier.

Äußere Wendung
Bei einer äußeren Wendung versucht die Hebamme, das Kind von außen durch bestimmte Drucktechniken zum Drehen zu bewegen. Die Methode ist eher unsanft und nicht ohne Risiko, daher ist eine genaue Abwägung im Einzelfall unerlässlich.

Doch jetzt war guter Rat teuer. Zuerst versuchte sie, mit Akupunktur, Übungen wie der Indischen Brücke und viel Bewegung die Lage ihres Babys zu verändern. Doch ohne Erfolg. Trotzdem: Die Düsseldorferin ließ sich nicht entmutigen. Sie recherchierte, sprach mit Ärzten und Ärztinnen und hoffte weiter auf eine Wendung – im doppelten Sinne.

„Immer wieder wurde mir erklärt, dass ein Kaiserschnitt die einzige Alternative sei.“ Sie hatte das Gefühl, dass man sie und ihr Anliegen nicht ernst nahm. Erst in einer Frauenklinik bei Köln wurde ihr von verständnisvollen Fachärzten Mut gemacht. Nach der ersten Untersuchung teilten sie mit, dass es keinerlei Bedenken gegenüber einer natürlichen Geburt gebe, selbst wenn sich das Kind bis zum errechneten Termin nicht drehen sollte. Außerdem sei der Versuch einer äußeren Wendung, also einer Drehung des Kindes von außen, durchaus möglich.

„Das war der Wendepunkt und langersehnte Lichtblick. Ich vereinbarte also einen Termin für die Drehung meines Kindes“, erzählt Sonja. Sie musste einen Klinikaufenthalt von drei Tagen einplanen. Und es lohnte sich: „Die Drehung war erfolgreich und dauerte nur wenige Minuten.“ Ihre zweite Tochter kam gesund und glücklich im vertrauten Geburtshaus zur Welt. Sonja hatte großes Glück, denn nicht immer verläuft solch ein Versuch so problemlos und erfolgreich. Jede Schwangerschaft verläuft anders, weshalb die begleitende Hebamme die wichtigste Ratgeberin ist. Manchmal ist es auch ratsam, eine Zweit- oder Drittmeinung einzuholen.

Noch heute ist Sonja darüber erleichtert, dass alles so gut geklappt hat. Und auch froh. Froh, erfahren zu haben, dass es Institutionen und Menschen gibt, die bereit sind, auch andere Wege zu gehen. Rückblickend würde sie es genau so wieder machen. Warum sie an der Hoffnung festhielt? „Die Geburt meiner ersten Tochter im Geburtshaus war ein extrem positives Erlebnis. Ich denke, das gab mir die Kraft und Zuversicht, dass es beim zweiten Mal ebenfalls gut laufen wird.“ Ihre Botschaft für andere werdende Mütter: „Informiert euch! Es lohnt sich zu kämpfen und auch mehrere oder weitere Wege in Kauf zu nehmen.“ Denn oft gibt es Alternativen.


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