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Baby im Familienbett ?

In Familien sorgt die Frage, ob Babys mit im Elternbett schlafen dürfen oder ob dadurch das Risiko für einen Plötzlichen Kindstod (SIDS) steigt, für Gesprächsstoff. Kidsgo fragte bei den beiden Ärzten Dr. Herbert Renz-Polster und Prof. Dr. Jan Sperhake nach.

In diesem Artikel:

Expertenmeinung: Dr. Herbert Renz-Polster

Dr. Herbert Renz-Polster: „Babys haben in der Menschheitsgeschichte immer bei ihren Müttern geschlafen, anders war ein Überleben gar nicht möglich. In früheren Zeiten schlichen ja Hyänen ums Lager und es gab keine Zentralheizung. Tatsächlich lässt sich im Schlaflabor zeigen, dass Mutter und Kind ein intuitives Zwiegespräch führen, sobald sie nebeneinander schlafen. Gefahren können durch moderne Einflüsse wie etwa Alkohol, Drogen, Schlafmittel oder Zigarettenrauch entstehen, welche diese schützende nächtliche Kommunikation stören. Werden diese Risiken vermieden, so ist das gemeinsame Schlafen von Mutter und Kind an einem geeigneten Schlafplatz sicher. Tatsächlich ist der Plötzliche Kindstod heute um 90 % seltener als noch vor 25 Jahren. Und das nicht, weil Mütter nicht mehr gemeinsam mit ihren Babys schlafen, sondern weil wir einfach besser wissen, was Babys gefährlich werden kann. Dazu gehört zum Beispiel auch das Schlafen auf einem Sofa oder im Sessel – und dort schläft heute so manche Mutter mit ihrem Baby ein, weil sie Angst hat, ihr Baby zu sich ins Bett zu nehmen. Wir sollten also sehr vorsichtig sein, wenn wir das natürlichste aller Schlafarrangements – stillende Mutter schläft mit ihrem Baby – pauschal aburteilen.“Dr. Herbert Renz-Polster (55) beschäftigt sich als Kinderarzt, Wissenschaftler und Buchautor („Kinder verstehen“) mit der kindlichen Entwicklung. Er hat 4 Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ravensburg.

Zum Blog von Herbert Renz-Polster: blog.kinder-verstehen.de

Expertenmeinung: Prof. Dr. Jan Sperhake

Prof. Dr. Jan Sperhake: „Eigentlich ist die Literaturlage recht eindeutig, jedenfalls soweit sie die Ergebnisse seriöser Studien widerspiegelt. Hiernach ist das SIDS-Risiko für junge Säuglinge bis etwa vier Monate erhöht, was noch verstärkt wird, wenn die Eltern Raucher sind. Offenbar ist die Gefahr größer, je jünger das Baby ist. So kommen leider auch immer wieder Todesfälle im Wochenbett, ja sogar in den Geburtskliniken vor, wenn die von der Geburt erschöpfte Mutter das ebenso erschöpfte Kind ins Bett gelegt bekommt. Die Datenlage zeigt allerdings nicht ganz eindeutig, worin das eigentliche Risiko des „Bed sharing“ liegt. Vielleicht ist es die Gefahr, dass das Kind unter die relativ schwere Decke der Eltern gerät oder dass das Gesicht dem Kopfkissen anliegt. Wenn man sicherstellen kann, dass dies nicht passieren kann – zum Beispiel durch Verwenden eines „Babybalkons“ zum Andocken an das Elternbett – könnte das Risiko beherrschbar sein. Eine besondere Gefahr liegt im gemeinsamen Schlafen von einem Elternteil und dem Kind auf einem Sofa. Schläft das Kind in so einer Situation auf dem Bauch von Mama oder Papa ein, sollten diese unbedingt wach bleiben.“

Prof. Dr. Jan Sperhake ist Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin in Hamburg. Mit dem Thema Plötzlicher Säuglingstod beschäftigt er sich seit 20 Jahren wissenschaftlich. Er hat zwei Kinder.


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