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Beikostplan - Beikost einführen leicht gemacht

Mit großen Augen verfolgt Marie die Essvorgänge der Eltern am Tisch. Nach sechs Still-Monaten will sie nun mehr! Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund gibt grünes Licht: Babys erster Brei darf und soll kommen.

In diesem Artikel:

Beikosteinführung: Geduld beim Beikostplan-erstellen

Die wichtigste Zutat sei Geduld, sagt Alice Semmler, ehemalige Stillbeauftragte des Landesverbandes der Hebammen NRW und leitende Hebamme der Geburtshilfe des Ev. Krankenhauses Bergisch Gladbach. „Kinder brauchen oft viel Zeit, um sich an die neue Art der Nahrungsaufnahme zu gewöhnen.“ Mund auf – Löffel rein, schmecken, schlucken: Was sich für uns so einfach anhört, ist für dein Baby eine große Herausforderung. Und auch eine ganz neue Erfahrung: Brei schmeckt anders und fühlt sich durch seine festere Konsistenz im Vergleich zur Milch fremd auf der Zunge an. Daran muss sich dein Baby erst gewöhnen.

Sich Zeit lassen – das ist wohl das Wichtigste, wenn dein Baby den Löffel kennenlernt. Und: Es darf nicht hungrig sein. „Hungrige Kinder lassen sich nicht auf Experimente ein“, weiß Alice Semmler. Der günstigste Zeitpunkt liegt deshalb zwischen zwei Stillmahlzeiten, dann, wenn die ganze Familie am Tisch versammelt ist.
Unser Tipp: Am besten beginnst du mit wenigen Löffelchen, aus denen nach und nach eine kleine Mahlzeit wird. Deren Zeitpunkt schiebst du immer weiter nach hinten – bis sie schließlich die Stillmahlzeit ergänzt.

So bereitest du die ersten Breie zu

Mit seinem „Ernährungsplan für das erste Lebensjahr“ bietet das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) eine gute, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelte Anleitung. Dieser Plan sieht drei verschiedene Breie vor, die – in folgender Reihenfolge nacheinander eingeführt – jeweils eine Still-Mahlzeit ergänzen:

  • den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei am Mittag,
  • den Milch-Getreide-Brei am Abend
  • und den Getreide-Obst-Brei am Morgen

Die ausführlichen Rezepte findest du im Beikost-Kasten auf der nächsten Seite. „Dieser Fahrplan muss nicht sklavisch befolgt werden“, ergänzt die Hamburger Ärztin sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC Gudrun von der Ohe. Eltern sollten ruhig auf ihr Baby schauen: „Die Familien dürfen gern offen sein für ihre Kinder, die zeigen, was, wann und wie viel.“

Weitere Infos

  • Hier erfährst du, wann der richtige Zeitpunkt für die erste Beikost ist und wie du Allergien vorbeugen kannst.
  • Du suchst einen Beikost-Kurs in deiner Region? Schau in der Heftmitte oder auf kidsgo.de.

 

„Brei ist eine gute Möglichkeit, aber nicht die alleinige“, betont von der Ohe. „Brei sollte mit altersgerechtem Fingerfood kombiniert werden.“ Für Babys ist das eine Erfahrung mit allen Sinnen: Sie greifen nach der Möhre oder experimentieren mit der Banane, schauen sie an, wenden und drehen sie und lutschen daran. All das aber nur unter Aufsicht.

Verlockend ist oft der Griff ins Fertigkost-Regal. Doch Vorsicht: Nicht alle Gläschen bieten optimalen Inhalt. Mancher Fertig-Brei beinhalte zu wenig von dem, was wichtig ist für die Entwicklung des Säuglings, bemängelt das FKE in Dortmund. Dagegen enthielten andere Gläschen wiederum Stoffe, die besser nicht drin sein sollten.

Erst mal lesen

Wer lieber Gläschen-Kost kauft, sollte also einen prüfenden Blick aufs Etikett werfen. Zu deiner Orientierung: Eine Baby-Portion Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei sollte 20 Gramm, ein Junior-Glas 30 Gramm Fleisch enthalten. Ist kein Fett dabei, sollte dem Brei ein Löffel Rapsöl zugefügt werden – das ist reich an Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für die gesunde Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen sind.

Was oft noch fehlt, ist Vitamin C. Dieses Manko lässt sich leicht mit einem Schluck Orangensaft ausgleichen. Beim Getreide-Obst-Brei verrät ein Blick aufs Etikett, ob volles Korn verarbeitet wurde. Das ist besonders nährstoffreich. Sinnvoll ist also, statt des Zwieback-Breis den Vollkorn-Obst-Brei zu wählen. Trockenprodukten zum Anrühren mit Wasser fehlt zusätzlich oft das richtige Maß an Fett. Das FKE empfiehlt deshalb, fehlendes Fett auf fünf Gramm pro Mahlzeit aufzufüllen, beispielsweise mit einem Teelöffel Rapsöl.

Wenn du diese Küchentipps beherzigst und das Ganze mit einer Prise Gelassenheit würzt, steht der erfolgreichen Beikost-Premiere deines Kindes nichts im Wege. Denn wer mit Freude und ganz ohne Leistungsdruck an die Sache herangeht, motiviert sein Kind am besten mitzumachen.

Augen auf beim Gläschenkauf

Von Schinkennudeln mit Tomatensauce bis Rahmgemüse mit Reis und zartem Bio-Huhn: Bio-Fertig-Gläschen bieten eine reichhaltige Auswahl fertiger Mahlzeiten für verwöhnte Leckermäuler. Bei der frisch verarbeiteten Bio- Kost können Eltern dank strenger Richtlinien und Kontrollen sicher sein, Löffel um Löffel Gesundheit zu füttern. Und wenn´s mal schnell gehen muss, ist Bio aus dem Glas einfach unschlagbar.

Das sollte NICHT im Gläschen sein:

  • Aromen wie Vanillin, Pfirsich-, Apfel- oder Birnenaroma: Sie verhindern, dass Babys die ursprüngliche geschmackliche Eigenart von Lebensmitteln kennenlernen.
  • Gewürze, Nüsse, Schokolade und Kakao: Sie sind hochgradig Allergie auslösend und haben in Baby-Fertigkost nichts zu suchen
  • Honig: Er kann Bakterien enthalten, gegen die Babys bis zu einem Jahr noch nicht genügend Abwehrkräfte haben.
  • Milch: Die Breie sollten, mit Ausnahme des Milch-Getreide-Breies, möglichst keine Kuhmilch enthalten. Sonst bekommt der Säugling zu viel Eiweiß – und das belastet Leber und Nieren. Trinken dürfen Kinder erst dann Kuhmilch, wenn sie ihre Tasse selber halten können.
  • Salz: ist schlicht unnötig. In zu großen Mengen belastet es die Nieren von Babys. Auch wenn Grenzwerte meist nicht überschritten werden: Besser auf den Hinweis ‚Kein Salz‘ achten.
  • Zucker-Zusätze: Sie fördern Karies und gewöhnen die Kleinen frühzeitig an Süßes. Übrigens: Zucker kann auch Saccharose, Glucose, Glucosesirup, Dextrose, Maltose, Fructose und Lactose heißen.

Der kidsgo-Beikost-Fahrplan

Zu Beginn ergänzt die Beikost die Muttermilch, ersetzt sie aber noch nicht, das heißt, die Beikost-Einführung geschieht unter dem Schutz des Stillens. Satt wird dein Kind vorerst noch durch die Stillmahlzeit, später erst durch den Brei.

Bild: Barbara Pheby - Fotolia.com

Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Brei

Beim Beikoststart führen Eltern in mehreren Schritten mittags den Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei ein. Zunächst bekommt dein Kind Gemüse pur: zum Beispiel 90 bis 100 Gramm fein pürierte, gut verdauliche Möhren oder Pastinaken. Hat sich dein Baby an dieses Gemüse gewöhnt, fügst du dem Gemüse 40 bis 60 Gramm pürierte gekochte Kartoffeln und ein Löffel Rapsöl hinzu. Verträgt dein Baby auch das, mischst du 20 bis 30 Gramm mageres, weich gekochtes und püriertes Fleisch unter. Ein bis zwei Mal pro Woche sollte Fisch das Fleisch ersetzen.

Wichtig: Pro Woche sollten rund zwei neue Gemüse auf dem Speiseplan Einzug halten. Oft hilft es, manches öfter anzubieten, bis dein Baby es akzeptiert oder es endgültig ablehnt.

Bild: Heike Rau - Fotolia.com

Milch-Getreide-Brei

Ist der erste Brei eingeführt, darf dein Baby den zweiten Brei probieren, den Milch-Getreide-Brei, der – da er sehr sättigend ist – sich vor allem am Abend bewährt hat. Er besteht aus 200 Millilitern Voll- oder Säuglingsmilch. Wer Vollmilch verwendet, kocht 20 Gramm Getreide-Vollkornflocken in ihr auf. Bei Instant-Flocken ist Aufkochen nicht nötig. Für die Zubereitung des Breis mit Säuglingsmilch dagegen wird das Getreide in heißes Wasser eingerührt bzw. mit dem Wasser aufgekocht. Nach dem Abkühlen die Menge des Pulvers, die der Dosierung für die Säuglingsmilch entspricht, einrühren. 20 Gramm Obstsaft oder Obstpüree sorgen für das notwendige Vitamin C.

Bild: D. Ott - Fotolia.com

Getreide-Obst-Brei

Letzter im Beikost-Trio ist der Getreide-Obst-Brei, der die Stillmahlzeit am Morgen ergänzt. Er sollte aus 20 Gramm Vollkorn-Getreideflocken, 90 Gramm abgekochtem Wasser, 100 Gramm Obstpüree oder Obstsaft und fünf Gramm Rapsöl bestehen.

Tipps für einen gelassenen Beikoststart

  1. Beginne frühestens ab dem 7. Monat
  2. Für die ersten Fütterversuche kannst du dein Baby auch auf dem Schoß liebevoll im Arm halten. Da der Körperkontakt ans Stillen erinnert, kann diese Position den Übergang zum Babybrei erleichtern.
  3. Wähle zwei Wochen aus, in denen du genug Zeit und Ruhe für die Beikosteinführung hast.
  4. Füttern am Familientisch: Nimm dein Kind beim Essen der Familie mit hinzu.
  5. Wenn es mit dem Karottenbrei nicht klappt, versuch es mit einem anderen Gemüse. Auch Fenchel, Pastinake, Kürbis oder Zucchini eignen sich für den ersten Brei.
  6. Wenn es auch nach einigen Versuchen nicht klappt, führe die Beikost zu einem anderen Zeitpunkt ein.
  7. Dein Kind zeigt dir, wann es bereit für Beikost ist: Es kann aufrecht sitzen, seine Koordination von Augen, Mund und Hand sollte gut entwickelt sein, es sollte sich vom Rücken auf den Bauch rollen können.
  8. Denk daran, dass dein Kind die Esstechnik erst lernen muss. Das braucht Zeit.
  9. Achte darauf, dass dein Baby fit und gesund und weder hungrig noch müde ist.
  10. Erwarte nicht zu viel: Am Anfang reichen ein bis zwei Löffelchen.

Buchtipp

 

Lotta lernt essen

Stillen, Milch und Babybreie

Auch die Ernährungswissenschaftlerin und vierfache Mutter Edith Gätjen wirbt in ihrem Ratgeber für Geduld bei der Beikosteinführung. Antworten gibt sie auf Fragen wie Eltern den richtigen Zeitpunkt finden, wie sie ihrem Baby den ersten Brei anbieten oder welche Zutaten in den Babybrei gehören.


Edith Gätjen, TRIAS Verlag, 2. Auflage 2017, 14,99 Euro, ISBN 978-3-432-10493-5


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