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Baby und Hund – Im Haushalt mit Haustier auf Sicherheit achten

In Deutschland leben 5,3 Millionen Hunde – viele davon in Familien. Wenn sich in diesen Familien ein Kind ankündigt, sind viele werdende Eltern verunsichert.

In diesem Artikel:

Baby und Haustier

Jeden Abend kuscheln sich die zweijährige Stella und ihr Terrier Oskar aufs Sofa, wenn Mama die Gute Nacht-Geschichte vorliest. Ein Ritual, das für die ganze Familie wichtig ist. Die Eltern Sonja W. und Lars N. haben den Einklang zwischen ihrer Tochter und dem Hund nicht dem Zufall überlassen. Die beiden leben seit vier Jahren zusammen. Zu ihrem Traum vom Familienglück gehört ein Vierbeiner unbedingt dazu. Sie besuchten einen Züchter, schauten sich Welpen an - und haben sich gleich in einen von ihnen verliebt.

Der kleine Jack-Russel-Terrier Oskar sollte bei ihnen sein Zuhause bekommen. Für beide war klar, Oskar ist kein Kindersatz sondern der erste Familienzuwachs.

Knapp zwei Jahre später kam Töchterchen Stella auf die Welt. Die Zeit vor Stellas Geburt nutzten die beiden intensiv, um ihren Hund Oskar auf das neue Familienmitglied vorzubereiten. Sie besuchten Freunde mit Kindern und verbrachten viele Stunden zum Üben auf dem Hundeplatz. Wenn ein Kind die Familie erweitern soll, ist es wichtig, dass ein Hund gehorcht.

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Der Hund sollte auf das Baby vorbereitet werden

„Erziehung ist eine wichtige Voraussetzung für das Zusammenleben von Hund und Kind“, bestätigt auch der Göttinger Kinderarzt Matthias Feindt. „Ein Hund muss Grenzen kennen und Tabus akzeptieren, ähnlich wie ein Kind. Wenn die Krabbeldecke des Nachwuchses auf dem Boden liegt, muss ein Hund wissen, dass er da nichts verloren hat“, betont Feindt. Genauso sollte einem Kind beigebracht werden, dass es den Hund in Ruhe zu lassen hat, wenn der liegt und schläft.

Das Baby darf niemals alleine mit dem Hund sein

Psychologisch habe das gemeinsame Aufwachsen mit einem Hund viele Vorteile, jedoch müssten sich die Eltern im Vorfeld darüber klar sein, dass die Hundebetreuung in erster Linie eine Aufgabe für die Erwachsenen ist. Ein Kind unter zehn Jahren ist nicht in der Lage, für ein Tier zu sorgen. Das bestätigt auch der Hundetrainer Chris Goette. Er geht sogar noch weiter: „Bis zum zwölften Lebensjahr sollte ein Kind noch nicht einmal allein mit einem Hund spazieren gehen.“

Kinder sind körperlich und psychisch oft nicht in der Lage, sich in gefährlichen Situationen richtig zu verhalten. Vor ihrem dritten Geburtstag sollten sie niemals mit einem Hund allein gelassen werden. Danach sollte man sie ganz langsam und immer unter Aufsicht in die Betreuung des Tieres mit einbeziehen. Denn die Kommunikation zwischen Kind und Hund passt nicht immer zusammen.

Kinder machen beispielsweise unkontrollierte Bewegungen oder laufen spontan los, was bei einem Hund das Beuteverhalten auslösen kann. „Er schnappt vielleicht sogar zu“, erläutert der Hundetrainer. Häufig spielerisch, doch die dünne Kinderhaut ist noch sehr empfindlich. Es entstehen schnell schlimme Bissverletzungen. Nach offiziellen Statistiken beißen allein in der Bundesrepublik 135 Hunde pro Tag zu, ein Drittel der Opfer sind Kinder unter zehn Jahren.

Welche Hunde eignen sich für Familien mit Kindern?

Es gibt insgesamt 400 Hunderassen. Jede Rasse wurde früher für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt wie hüten, jagen, hetzen oder apportieren. Wenn sich eine Familie entscheidet, einen Hund anzuschaffen, sollte sie sich darüber informieren, welche Rasse welche Aufgabe zu erfüllen hatte. Kindergerechte Hunderassen sind beispielsweise Pudel, Spaniels, Hütehunde oder Apportierhunde.

Der Pudel ist laut Hundetrainer Chris Goette eine der meistverkannten Hunderassen überhaupt. Wo der Pudel Hund sein darf, ist er ein witziger, intelligenter und sportlicher Begleiter. Er haart kaum, ist nicht Allergie auslösend und es gibt ihn in jeder Größe. Auch Spaniels sind kindgerechte Spielgefährten. Entscheidet man sich für einen Jagdhund, sollte man darauf achten, dass diese Rasse nicht zum Hetzen oder Jagen gezüchtet worden ist. Es eignen sich auch Apportierhunde wie der Retriever oder der Collie, der zum Hüten gehalten wurde.

Auch ein Tier kann eifersüchtig reagieren

Sonja W. und Lars N. haben Oskar langsam an den Familienzuwachs heran geführt. Lars hatte dem Vierbeiner Stellas erste Windel zum Schnuppern mit nach Hause gebracht. Und als Sonja und Stella aus dem Krankenhaus entlassen wurden, bekam Oskar einen großen Knochen, ein Willkommensgeschenk von Stella. „Wir haben versucht für Oskar möglichst wenig zu verändern“, beschreibt die junge Mutter.

Oskars Bedürfnisse wurden ebenso in den täglichen Ablauf der Familie eingebaut wie die der Tochter. Eine gute Herangehensweise, wie Hundetrainer Goette bestätigt. Wenn ein Kind in die Familie kommt, hat ein Hund erst einmal Platz zu machen. Das kann schnell Frustration beim Tier auslösen. Der Hund versucht die Konkurrenz aus dem Familien-Rudel zu drängen. „Es ist wichtig, dass der Hund gelernt hat Enttäuschungen auszuhalten, ohne dass seine Bedürfnisse zu kurz kommen“, erläutert Goette. „Wenn der Hund Hund bleiben darf und seine Streicheleinheiten bekommt, passen Hund und Kind prima zusammen!“

Jack-Russel-Terrier Oskar jedenfalls hat Stella gleich adoptiert. Für Stella ist Oskar ihr Hund, der jetzt schon so manchen Befehl bekommt, den er allerdings noch geflissentlich überhört. „Kinder, die mit Tieren aufwachsen, gehen schnell eine wichtige, tiefe emotionale Bindung zu den Vierbeinern ein“, weiß auch Psychologe Michael Shelliem. Dabei spielt die ausgeprägte Persönlichkeit von Hunden oder auch Katzen eine große Rolle. Sie zeigen sofort, was sie von ungewollten Streicheleinheiten halten.

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Hunde sind treue Begleiter

Neben dem Erlernen von Verantwortung sind Hunde für Kinder auch immer treue Begleiter. Das Kind lernt schnell, Rücksicht auf ein anderes Wesen zu nehmen und Grenzen anzuerkennen. Zeitgleich ist ein Hund ein Spielkamerad, der begeistert mittobt.

„Dass beim Spielen und Toben nicht alles keimfrei bleibt, ist klar“, so Kinderarzt Feindt, „doch das ist alles halb so schlimm“. Heute steht die Wissenschaft auf dem Standpunkt, je mehr Dreck, desto besser. Der beständige Kontakt einer Frau zu einem Hund während der Schwangerschaft und der Geburt kann sogar Allergien beim Kind vorbeugen. „Unser Immunsystem ist auf den ganzen Schmutz, den ein Hund mit sich bringt, seit Jahrtausenden ausgerichtet“, erklärt Feindt. Wenn Eltern zu sehr auf Hygiene bedacht seien, könne das sogar dazu führen, dass sich ein Immunsystem langweile und Allergien ausbilde, so der Allergologe und Kinderarzt.

Kontakt zu Tieren kann Allergien vorbeugen

Wenn sich aber doch mal eine Allergie beim Kind zeigt, müssen Hund oder Katze nicht gleich weg gegeben werden. „Es reicht, einen gewissen Abstand zu halten, um nicht allzu viele allergene Stoffe einzuatmen“, empfiehlt Feindt.Aus Sicht des Experten lernt der Körper nach einer Weile, mit den ungesunden Stoffen umzugehen und schwemmt diese einfach aus. Bei Stella hat sich bislang keine Allergie bemerkbar gemacht. Und das, obwohl ihre Eltern unter Allergien leiden.

Seit nunmehr zwei Jahren sind das kleine Mädchen und Oskar ein unzertrennliches Team. Ohne Murren nimmt Stella für ihren Freund sogar auch mal eine Stunde im Kinderwagen in Kauf – weil Oskar beim Gassi gehen mal richtig Gas geben muss.

Katzen können Toxoplasmose übertragen

Katzen sind im Gegensatz zu Hunden als Haustiere nicht ganz risikolos. Bereits in der Schwangerschaft besteht die Gefahr einer Toxoplasmose- infektion. Katzen übertragen die Krankheit auf Menschen, was eigentlich kein Problem darstellt. In den häufigsten Fällen wird der Infekt noch nicht einmal wahrgenommen. Einmal daran erkrankt haben Mensch und Tier Antikörper gebildet, die eine erneute Erkrankung ausschließen.

Für Ungeborene kann die Katzen können Toxoplasmose übertragen Infektion allerdings gefährlich werden. Deshalb sollten Schwangere, die eine Katze zu Hause haben, untersuchen lassen, ob diese gegen Toxoplasmose immun ist. Wenn sie immun ist, besteht keine Gefahr mehr für das Baby. Sollte die Katze keine Antikörper gebildet haben, sollten Schwangere auf keinen Fall das Katzenklo sauber machen – und wenn, dann nur mit Handschuhen, da die Erreger mit dem Kot der Katze ausgeschieden werden. Auch sollte die werdende Mutter Rohmilchprodukte und rohes Fleisch meiden, da auch hier die Krankheitserreger lauern. Neben der Gefahr einer Erkrankung an Toxoplasmose können Katzen bei einem Neugeborenen auch das Allergierisiko erhöhen. Babys und Kleinkinder bis zwei Jahre können schneller Allergien ausbilden, wenn sie zu Hause mit Katzen in Berührung kommen. Ärzte raten Allergikerfamilien deshalb, keine Katze zu halten.