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Trocken werden – Wann heißt es „weg mit der Windel“?

Frederiks dritter Geburtstag rückte immer näher und unsere Lust, weiterhin Windel-Packungen nach Hause zu schleppen, wurde zusehends kleiner. Den Hauptakteur der Geschichte indessen ließ das vollkommen kalt. Fürs Sauberwerden sah er keinen Grund.

In diesem Artikel:

Erste Windelfreiversuche

Im Sommer, tröstete ich mich, da wird es leichter. Da kann man viel im Garten sein und hat eh schon wenig an. Der Sommer kam, in seiner Kita-Gruppe wurde ein Kind nach dem anderen trocken. Nur unser Spross konnte sich weder mit der Toilette noch dem Töpfchen in der Lieblingsfarbe grün anfreunden. Von uns mehr oder weniger forcierte Windelfreiversuche endeten damit, dass er ins Bücherregal seines größeren Bruders pinkelte. Wir mussten schlicht und einfach einsehen, was er uns seit Monaten zu sagen versuchte: Ich bin noch nicht so weit!

Also feierten wir seinen dritten Geburtstag und kauften weiter Windeln. In den Weihnachtsferien dann sagte ich zu ihm, dass ich es schön fände, wenn wir es noch einmal versuchen würden. Mein Kind willigte ein und eine Woche später war die Windel passé. Er war drei Jahre und drei Monate alt. Entwicklungsbiologisch lag er damit vollkommen im Zeitrahmen.

Windelfrei–so Gehts!

Ein Baby ohne Windeln? Katrin Ternes wusste, dass das möglich war, dachte aber: „Klar, beim dritten Kind habe ich nichts Besseres zu tun, als ständig zu gucken, dass das Kind mich nicht anpinkelt.“ Doch dann war Rosalie da und mit ihr plötzlich auch der Gedanke: Vielleicht geht es doch. „Ich wollte sie einfach nicht in ihren Ausscheidungen liegen lassen“, erzählt Katrin.

Lies hier, ob Rosalie ohne Windeln trocken wurde.

Für die Windelentwöhnung gibt es keinen vorgeschriebenen Fahrplan

Der Motor für Entwicklung ist ein evolutionäres Programm, dass sich keineswegs an starre Regeln hält, erklärt Kinderarzt und Autor Herbert Renz-Polster. Kleinkinder bringen von sich aus die Neugier und den Willen mit, die Welt und sich selbst begreifen zu wollen. Aber eben jeden Schritt dann, wenn er für das jeweilige Kind dran ist. Das gilt auch fürs Trockenwerden.

Bis zum vierten Geburtstag sind fast alle Kinder tagsüber sauber

Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat in seiner Schweizer Sauberkeitsstudie gezeigt, dass obwohl in 50er Jahren rund 96 Prozent aller Kinder schon mit knapp einem Jahr aufs Töpfchen gesetzt wurden, in den 70er Jahren hingegen nur noch 20 Prozent, alle diese Kinder im Durchschnitt erst mit 28 Monaten wirklich trocken waren. Tatsächlich gelingt es Kindern mit gut einem Jahr oft schon, ihren Eltern mitzuteilen, dass sie eine volle Windel haben. Mädchen sind hier gern etwas schneller als Jungs. Verlässlich trocken wird die überwiegende Zahl aller Kinder tagsüber aber binnen des dritten oder vierten Lebensjahres. Genau zu der Zeit, wenn Kinder es schaffen, sich allein ihre Hose an- und auszuziehen. 

Wie können Eltern ihr Kind beim Trockenwerden unterstützen?

Was Eltern tun können, um ihr Kind zu bestärken und sich selbst nicht unter Druck setzen zu lassen, ist Ruhe bewahren. Rückblickend spielen drei Monate länger in Windeln überhaupt keine Rolle. Die meisten KiTas gehen das Thema mittlerweile auch entspannt an, weil durch die Aufnahme von immer mehr Kindern unter drei, Wickelkinder ohnehin zum Alltag gehören.

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Wann oder womit bei einem Kind der Funken zündet, ist sehr individuell. Ein Kind findet es toll, wenn alle Kuscheltiere ebenfalls aufs Töpfchen gesetzt werden, ein anderes Kind findet das blöd und will lieber direkt auf die Toilette, so wie alle anderen auch. Ein Kind ist stolz, endlich auch richtige Unterhosen zu tragen, ein anderes Kind interessiert das weniger.

 

Missgeschicken und Rückfällen verständnisvoll begegnen

Was hilft, sind Geduld, Aufmerksamkeit und ein paar alltagspraktische Hilfsmittel: Hosen, die das Kind schnell herunterziehen kann, Ersatzklamotten für Notfälle. Anfänglich können die Kleinen oft noch nicht lange einhalten. Darum müssen Eltern und auch KiTa-ErzieherInnen auf Signale des Kindes möglichst schnell reagieren. Das ist mitunter lästig, verhindert aber Frust, weil es schon wieder danebengegangen ist. Trotz allem gehören Missgeschicke zum Üben dazu. Hier ist elterliches Taktgefühl gefragt. Und manchmal gibt es auch einfach Phasen des Rückfalls, zum Beispiel, wenn ein Kind krank ist oder krank war, ein Geschwisterchen ankommt oder etwas passiert, was das Kind emotional sehr aufwühlt und beschäftigt. Auch hier hilft nur: Nerven bewahren, Verständnis zeigen und genau hinhören, wann vielleicht der richtige Zeitpunkt für einen neuen Versuch sein kann.

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