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Stillen - Geschwisterrivalität

Ganz vorweg: Geschwisterrivalität ist normal und lässt sich nicht vermeiden. Allerdings können Eltern sich bemühen, diese Geschwisterrivalität nicht zu stark werden zu lassen. Sie können den Konkurrenzkampf verstärken oder vermindern, feindselige Gefühle unterdrücken oder Ventile schaffen, der Eifersucht neue Nahrung geben oder Möglichkeiten aufzeigen, damit umzugehen.

In diesem Artikel:

Das Zweite kommt – Geschwisterrivalität und Stillen

Heutzutage wachsen in Deutschland aus den unterschiedlichsten Gründen immer mehr Kinder als Einzelkinder auf, doch gehören Geschwister eigentlich zu einer normalen Entwicklung und Lernphase für das spätere Leben dazu. Die Geschwisterrivalität hat auch positive Seiten, denn durch die ganz normalen Reibungen, die sich im Zusammenleben automatisch ergeben, lernen sie sich zu behaupten, sich zu verteidigen und Kompromisse zu schließen.

Welches Kind hat es eigentlich besser: das Erste, das seine Eltern uneingeschränkt nur für sich hat, dafür aber seine Eltern erst lernen mussten, was Elternsein überhaupt bedeutet? Das Zweite, das zwar nie die Eltern für sich alleine hatte, dafür aber erfahrene Eltern und von Anfang an ein Geschwisterkind zum Spielen? Experten scheinen sich einig zu sein, die „Entthronung“, die Wurzeln der Eifersucht unter Geschwistern liegen in dem Wunsch nach der ungeteilten Liebe der Eltern. Die Eltern sind die Quelle für das, was ein Kind zum Überleben und Gedeihen braucht: Nahrung, Schutz, Wärme, Zärtlichkeit, Selbstwertgefühl und eigene Identität. Wie sollte es sich da nicht bedroht fühlen von der Anwesenheit eines Geschwisterkindes? Geht es uns Erwachsenen mit Eifersucht und Konkurrenz nicht genauso?

Eifersucht bei Geschwisterkindern

Kommt ein Geschwisterkind hinzu, ist Eifersucht nicht auszuschließen, sie kann sich entweder gegenüber dem Geschwisterkind oder den Eltern äußern. Einen optimalen Zeitabstand für Geschwisterkinder gibt es nicht. Häufig verstärkt die Verwandtschaft die Geschwisterrivalität, da nach der Geburt des Zweiten die Aufmerksamkeit sich auf dieses bezieht. Eine gute Möglichkeit ist es, sie darauf hinzuweisen, dass sie sich zuerst um das größere Kind kümmern und sich von ihm das neue Geschwisterkind vorstellen lassen sollten. Ungünstig ist es, vom älteren Kind Verständnis zu erwarten und daran zu appellieren, dass er/sie doch der/die Größere ist und Geduld haben kann oder dies und jenes deshalb nicht mehr benötigt. Die größeren Geschwister sind häufig neidisch auf das kleinere, wollen auch wieder Baby sein, um die gleiche Aufmerksamkeit zu haben wie das Jüngere. Erlernte Fähigkeiten, wie z.B. selbständig aufs Klo zu gehen oder allein zu essen, können vorübergehend aufgegeben werden. Dies kommt oft vor, ein Umgang damit ist zwar nicht immer leicht, aber meistens geht das ganz gut.

Stillen mit Geschwistern

Die meisten Frauen haben abgestillt, bevor sie wieder schwanger werden, doch es gibt auch Frauen, die in der nächsten Schwangerschaft weiterstillen oder auch nach der Geburt des Geschwisterkindes zwei Kinder stillen, so genanntes Tandemstillen. Das ist eine individuelle Entscheidung der Familie, braucht eine individuelle Beratung und ist nichts Unnormales, auch wenn es für unsere Gesellschaft weniger bekannt ist. Die Frauen müssen neben den Bedürfnissen der Kinder auch an ihre eigenen denken und auch negative Gefühle ohne schlechtes Gewissen zulassen dürfen.

InfoS und Beratungsangebote

Für schwierige Situationen sind immer Einzelberatungen oder ein Austausch mit Eltern angezeigt, die gleiche Erfahrungen gemacht haben. Einzelberatungen und Gruppen zum Austausch findest du bei
Still- und Laktationsberaterinnen IBCLCs, siehe unter www.bdl-stillen.de

Stillgruppen bieten auch die La Leche Liga
www.lalecheliga.de sowie die Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen www.afs-stillen.de an.

Stillen ist nicht der Grund von Geschwisterrivalität, kann aber vom älteren Kind als Ventil genutzt werden. Abzustillen und auf Flaschenernährung umzustellen verändert die Situation nicht wesentlich. Hat sich das Stillen mit dem zweiten Kind eingespielt, können Mütter die Stillzeiten als Kuschel- und Vorlesezeiten für die Älteren nutzen. Manche Familien haben auch einen Schuhkarton mit interessanten Spielsachen eingerichtet, der nur zu besonderen Situationen zum Spielen genutzt wird, wie z. B. beim Stillen des Geschwisterkindes. Evtl. möchte das ältere Kind die Milch kosten, das könnte durch Abdrücken ermöglicht werden. Meist entscheiden dann die Älteren, dass sie diese Milch nicht mögen und deshalb gern dem Jüngeren überlassen. Wichtig ist, dass Brüder und Schwestern erfahren, dass ihre Gefühle füreinander ernst genommen werden, die Gefühle mit Worten benennen, Ventile aufzeigen, wie sie gefahrlos ihren Ärger los werden können. Es geht auch hier um liebevolles Grenzensetzen. Auf alle Fälle müssen Kinder daran gehindert werden, Schmerzen zu verursachen: „Halt, Menschen soll man nicht weh tun!“ Außerdem müssen Eltern vermeiden, Kinder miteinander zu vergleichen.

Buchtipps

Für die Vorbereitung auf ein Geschwisterkind eignen sich gut Bilderbücher, wie z.B. von: 

Astrid Lindgren und Ilon Wikland
„Ich will auch Geschwister haben“
(ISBN: 3-7891-6033-4), von

Edith Seitz
„Busi, sagte Henriette“
(ISBN: 3 934941-03-6 ) oder das Buch von

Beate Wollmann und Uta Fischer
„Süße Milch für Jules Bruder“
(ISBN: 3-935964-27-7).

Für Eltern ist das Buch von Adele Faber und Elaine Mazlish „Hilfe, meine Kinder streiten“ sehr zu empfehlen. Es kann über die La Leche Liga bestellt werden.

Sich Zeit nehmen für das größere Kind ist sehr wichtig, nicht nur von väterlicher sondern auch von mütterlicher Seite. Sehr hilfreich kann in der ersten Zeit dabei ein Tragetuch sein. Gerade in den späten Nachmittag- und Abendstunden sind die Babys unruhig, aber zu der Zeit brauchen auch die müden Geschwisterkinder die Eltern. Steckt das Baby im Tragetuch, ist sein Bedürfnis meist gestillt und Kopf sowie Hände des Erwachsenen frei für das größere Kind.