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Plazenta und Nabelschnur: Wie der Mutterkuchen dein Baby versorgt und schützt

Gemeinsam bilden Plazenta und Nabelschnur den Lebensbaum deines Kindes: Er versorgt dein Baby mit allem, was es braucht. Ein wahres Wunderwerk der Natur, dem nach der Geburt oft viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

In diesem Artikel:

Warum das Auspulsieren der Nabelschnur deinem Kind guttut?

Das Baby ist da, die Freude groß! Nach neun Monaten Warten kannst du nun endlich dein Kind begrüßen. Vielleicht ist es noch schlapp von der anstrengenden Reise. Das ist ganz normal. Nach ein paar Sekunden oder Minuten macht es seine ersten Atemzüge und füllt seine Lungen mit Sauerstoff. Den bekam es bislang über die Nabelschnur aus der Plazenta. Wie von der Natur vorgesehen, bleibt das Baby erst einmal über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Erst wenn die Nabelschnur auspulsiert ist, sollte sie durchtrennt werden. Nur dann kann das restliche Blut in Babys Körper fließen, was sich unter anderem positiv auf den Sauerstoff- und Eisenspiegel des Babys auswirkt. Das erleichtert dem kleinen Erdenbürger den Übergang in die neue, ganz andere Welt.

Ein paar Daten

Die Plazenta …
… ist mit ihrem durchschnittlichen Durchmesser von 20 Zentimetern etwa so groß wie ein Kuchenteller und wiegt rund 500 Gramm.

Die Nabelschnur …
… ist im Normalfall 50 bis 60 Zentimeter lang und wie ein Seil spiralig aufgedreht. Ihr Durchmesser beträgt eineinhalb bis zwei Zentimeter.

kidsgo-Tipp
Leg' dein Baby möglichst bald nach der Geburt an. Durch das Saugen deines Babys setzt dein Körper Hormone frei, die das Ablösen der Plazenta fördern.

Die Nachgeburt: Die Geburt nach der Geburt

Nicht nur für das kleine Menschlein, auch für dich war die Geburt ein kräftezehrender Akt. Jetzt liegt nur noch eine kleine Anstrengung vor dir: die Geburt der Plazenta. Denn erst wenn diese geboren ist, ist die Geburt wirklich beendet.
Bis sich die Plazenta von Natur aus von der Gebärmutterwand löst, vergehen etwa fünf bis 15 Minuten – manchmal dauert es auch etwas länger. Wie bei der Geburt hilft dir auch dabei deine Hebamme. Und auch dein Baby trägt dazu bei: Seine Bewegungen auf deinem Bauch und vor allem sein erstes Saugen an deiner Brust führen den Ablöseprozess herbei. Meist schenken wir der Nachgeburt nur wenig Beachtung. Doch es lohnt sich durchaus, dieses Organ, das dein Körper eigens für dein Baby hergestellt hat, einmal genauer zu betrachten. Schließlich hat es dein Kind monatelang zuverlässig ernährt und geschützt. Wie ein Bäumchen mutet die Plazenta an: Die Nabelschnur bildet den Stamm, der an dem einen Ende zu deinem Baby führt und an dem anderen in ein Netz feiner Verästelungen innerhalb der Plazenta mündet.

Doch wie funktioniert dieses von Mutter Natur ausgeklügelte, einzigartige System?

Mit der Plazenta ist dein Baby bestens versorgt und geschützt

Über die Nabelschnur versorgt die Plazenta das im Mutterleib heranwachsende Kind mit Nährstoffen aus dem Blut der Mutter und stellt so seine gesunde Entwicklung sicher. Dabei arbeitet dieses Organ ununterbrochen, also auch dann, wenn du schläfst. Am Ende der Schwangerschaft zirkuliert dort fast ein Liter Blut pro Minute.

Weitere Infos

Soll ich Stammzellen aus dem Nabelschnurblut meines Babys privat einlagern oder bei der DKMS spenden? Was spricht für eine Einlagerung, was dagegen?

Erfahre hier mehr: Nabelschnurblut einlagern

Kaum auf der Welt, muss ein Baby alles selber machen, es muss atmen, es muss trinken. Im Bauch versorgte die Plazenta den Embryo über die Nabelschnur mit Nahrung und Sauerstoff. Dann erblickt der kleine Mensch das Licht der Welt und – schwupp – ist die Verbindung zwischen Mutter und Kind gekappt.

Was spricht für ein spätes Abnabeln?

Homöopathische Kügelchen aus dem Mutterkuchen? Lies hier mehr über die homöopathische Aufarbeitung der Plazenta und den Anwendungsbereich der Plazenta-Globuli.

Plazenta-Globuli - Sinnvoll oder nicht?

Die sogenannte Plazentaschranke sorgt dafür, dass sich dein Blut und das deines Kindes nicht vermischen: Wie ein Filter lässt sie nur kleinste Teilchen wie Sauerstoff- oder Wassermoleküle und Vitamine durch, jedoch keine Blutbestandteile. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme der Natur, denn so bleibt auch Viren und Keimen der Weg versperrt. Mütterliche Antikörper dürfen im ersten Drittel der Schwangerschaft jedoch passieren. Solche Eiweißmoleküle erkennen Krankheitserreger und machen sie unschädlich. Dieser Nestschutz bewahrt dein Baby in den ersten neun Monaten nach der Geburt vor Krankheiten, gegen die du selbst immun bist wie beispielsweise Masern oder Röteln.

Nicht nur Keime, sondern auch eine Reihe an Medikamenten bleiben am Schutzwall der Plazenta hängen und stellen dann keine Gefahr für das Ungeborene dar. Bestimmte Wirkstoffe hingegen werden nicht aufgehalten. Deshalb ist es so wichtig, dass du vor Einnahme von Arzneien deine Frauenärztin befragst.

Verbindung zwischen Mutter und Kind

Für den Transport des Blutes von der Plazenta zum Kind und umgekehrt ist die Nabelschnur zuständig: Wie eine dicke Kordel spiralig aufgedreht, verbindet sie die Plazenta mit deinem Baby. In ihr befinden sich drei Blutgefäße: zwei dünnere Arterien und eine weiche, dicke Vene. Am einen Ende sind diese mit der Plazenta verbunden, am anderen Ende führen die Blutgefäße zum Bauch des Babys und von dort aus weiter in seine Leber und sein Herz. Über die Vene gelangen frisches, sauerstoffreiches Blut und Nährstoffe in den Kreislauf deines Babys. Auch für die Müllabfuhr ist gesorgt: Über die beiden Arterien gelangt das sauerstoffarme Blut samt der kindlichen Abfallprodukten aus dem Stoffwechsel wieder in den mütterlichen Blutkreislauf.

Ab dem vierten Monat dient die Nabelschnur deinem Baby auch als erstes Spielzeug: Es greift danach, hält sich daran fest oder kaut darauf herum. Kaputtgehen kann sie dabei aber nicht.

Die Nabelschnur: ein starkes Band

Weil die Nabelschnur in sich aufgedreht ist, ist sie elastisch und dehnbar und kann damit jedem Zug nachgeben. Ihr gallertartiges Bindegewebe, die Whartonsche Sulze, macht sie besonders robust und schützt vor dem Abknicken, um einen ständigen Blutstrom zu garantieren. Wer schon einmal eine Nabelschnur durchtrennt hat, weiß, wie stark die erste Bande zwischen Mutter und Kind ist.

Auch dass sich die Nabelschnur glibberig anfühlt, hat einen guten Grund: Droht sie in der Enge des Mutterleibs mal eingeklemmt zu werden, flutscht sie dank der Schleimschlicht einfach weg.
Alles in allem ein kleines Wunderwerk, das Mutter und Baby während der Schwangerschaft untrennbar miteinander verbindet.

Plazenta gibt Startsignal für die ersten Wehen

Zurück zur Plazenta, denn sie kann noch mehr: Die ganze Schwangerschaft über steuern ihre Botenstoffe die Entwicklung deines Babys. Das Hormon Progesteron sorgt dafür, dass die Muskulatur der Gebärmutter entspannt und die Schwangerschaft erhalten bleibt. Am Ende der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt und signalisiert so dem Baby, dass es sich auf den Weg machen soll. Um die 40. Woche herum fährt die Plazenta die Progesteron-Produktion herab und gibt damit den Startschuss für die Geburt, die ersten Wehen setzen ein.

Mutterkuchen: Müll, Medizin oder Mahlzeit?

Nach der Geburt der Plazenta überprüft deine Hebamme, ob die Nachgeburt vollständig ist und fragt dich und deinen Partner, was mit der Plazenta passieren soll. In vielen Fällen landet dieses einzigartige Organ im Krankenhausabfall. Manche Elternpaare nehmen die Plazenta mit nach Hause, um darauf ein Lebensbäumchen für ihr Kind zu pflanzen. Die Lippstädter Hebamme Heike Reikowski hat diesen Brauch bei Hausgeburten schon einige Male miterlebt: „Bei einem Mädchen pflanzen die Eltern einen Birnbaum, beim Jungen einen Apfelbaum.“

Restlos überzeugt ist sie von der Möglichkeit, aus der Plazenta Gobuli herzustellen. Dazu werde ein erbsengroßes Stück aus der Plazenta entnommen. Aus einer daraus hergestellten Ur-Tinktur könnten immer wieder neue Globuli gewonnen werden. In verschiedenen Potenzen fänden diese ihren Einsatz bei Erkältungen von Mutter und Kind, nach Impfungen und Temperaturerhöhungen, kindlichen Blähungen oder auch, wenn die Mutter beispielsweise bei Stress zu wenig Milch produziere.

Ist Mutterkuchen essen gesund?

Wer mehr auf die direkte Wirkung schwört, kann den „Mutterkuchen“ auch als Mahlzeit zubereiten, wie es bei einigen Naturvölkern üblich ist. Ihm wird eine Reihe positiver Effekte nachgesagt: Angeblich soll er Depressionen vorbeugen, die körperliche Regeneration fördern und vor allem den leeren Eisenspeicher wieder auffüllen. Eine amerikanische Studie aus dem letzten Jahr konnte diese Wirkungen allerdings nicht belegen.

Weltweite Bräuche rund um Plazenta und Nabelschnur

Überall auf der Erde üben Nabelschnur und Plazenta auf die Menschen eine große Faszination aus.

Weltkarte Plazenta-Funktion

Europa: Lebensbaum

In Europa ist es Brauch, die Plazenta im Garten zu vergraben und einen Baum darauf zu pflanzen. Ein ganz besonderer Nährboden für neues Leben!

Grönland: Festmahl

Hoch im Norden bekommen die Kinder der Inuit ihre getrocknete Plazenta an besonderen Feiertagen als Speise gereicht.

Mesoamerika: Schmuckstück

In Mexiko gilt die Nabelschnur als Glücksbringer. Die Eltern legen sie daher ihrem Kind nach der Geburt als Kette um den Hals.

Südamerika: Zwilling

In Südamerika gilt die Plazenta als schlechterer Zwilling des Kindes und wird direkt nach der Geburt verbrannt – ein Ritual, um böse Geister zu vertreiben.

Afrika: Versprechen

Bei dem Naturvolk der Ewe im afrikanischen Togo legt die Hebamme ein Stück Nabelschnur auf Brust und Stirn des Babys und sagt dazu: „Kind, wenn deine Mutter dich ruft, dann antworte. Mutter, wenn du dein Kind weinen hörst, dann beeile dich nachzusehen.“

Indien: Leckerbissen

In Indien wird die Plazenta in eine Tierhaut eingewickelt und den Tieren zum Fressen gegeben. Ein echter Leckerbissen mit wertvollen Nährstoffen.

Arabische Halbinsel: Liebesboten

Frischgebackenen Eltern im Jemen legen die Plazenta für die Vögel aufs Hausdach. Diese sollen die Elternliebe bis in den Himmel tragen.

Japan: Erinnerung

In Japan wird die Nabelschnur gesäubert und in eine speziell dafür angefertigte Box gelegt. Dieses „Verbindunsstück“ soll ein Leben lang eine gute Mutter-Kind Bindung garantieren.


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