Ich sitze mit Doula Mira am Küchentisch, während sie ihre Tasche packt. Sie ist in
Rufbereitschaft. Wenn es losgeht, muss sie nur noch danach greifen.
Ihre drei Kinder wissen, dass Mama auf Standby ist. Ihr Bruder wohnt um die Ecke, ihr Mann ist
abrufbar. Das funktioniert.
Geburten begleitet Mira höchstens eine im Quartal. Den größten Teil ihrer Arbeit macht anderes
aus.
Mama-Circle am Samstagnachmittag
An diesem Wochenende steht ein Retreat an, fünf Stunden für eine kleine Gruppe
Schwangerer. Mira schafft einen Raum, in dem sich alle wohlfühlen und vernetzen:
Kakaozeremonie, Massage, Tipps rund um die Geburt, Meditation. Danach freuen sich die
Frauen wieder auf ihre Geburt.
Dazu gehört das Netzwerken. Mira trifft sich mit Hebammen und erklärt, wie sie arbeitet und wo
sie unterstützen kann. Im Yogastudio um die Ecke gibt sie sanftes Mama-Yoga, und dort hat sie
einen Raum gemietet, in dem sie Rebozo-Massagen anbietet.
Alleine ist sie dabei nie. Mit den Frauen aus ihrer Ausbildung ist sie bis heute verbunden: Sie
vertreten sich, besprechen schwierige Begleitungen und schicken sich Frauen weiter.
Konkurrenz, sagt Mira, kennt sie in diesem Beruf nicht.
Es ist ein Beruf, den man sich baut.
Die Werte zuerst, dann der Kalender
Bevor Mira sich selbstständig gemacht hat, hat sie ihre Werte festgelegt. Einer ist
unverhandelbar: In den Sommerferien arbeitet sie nicht. Also plant sie ihre Begleitungen bis
kurz vor die Ferien und startet danach wieder. Weihnachten gehört ebenfalls der Familie.
Diesen Luxus leistet sie sich bewusst. Dafür steht sie auch mal mitten beim Abendbrot auf und
fährt los, weil eine Frau sie braucht.
4:12 Uhr
Und dann kommt so eine Nacht. Das Handy summt: Die Frau fährt jetzt in den Kreißsaal.
Mira schwingt sich aufs Lastenrad und fährt durch die leere Stadt. Kein Mensch unterwegs, nur
das Summen der Reifen.
Im Kreißsaal übernimmt die Hebamme alles Medizinische. Mira bleibt daneben, hält, atmet mit,
erinnert an die Wünsche der Frau. Als sie sagt „Ich kann nicht mehr“
, sagt Mira leise: „Du machst das. Genau so.“
Als das Baby da ist, tritt sie einen Schritt zurück. Jetzt gehört der Moment der Familie.
Ein paar Tage später sitzt sie im Wochenbett mit der frischen Mama auf dem Sofa, das Baby
schläft. Sie erzählt ihre Geburt, von vorn bis hinten. „Ich hatte nie das Gefühl, allein zu sein.
“Genau darum geht es.
Was das für dich bedeuten kann
Eine Doula nimmt dir die Geburt nicht ab. Aber dass durchgehende Begleitung wirkt, ist gut
belegt.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2018, dass jede Frau während der gesamten
Geburt eine Begleitperson ihrer Wahl an ihrer Seite haben sollte. Die Datenlage zeigt: Die
Geburten dauern im Schnitt kürzer, es gibt mehr spontane Geburten, weniger Kaiserschnitte
und weniger Schmerzmittel. Und die Frauen sind hinterher zufriedener.
Wenn du dir eine Doula suchst: Nimm dir Zeit dafür. Die meisten bieten ein kostenloses
Kennenlerngespräch an, danach weißt du schnell, ob es passt. Es muss sich gut anfühlen,
denn diese Frau begleitet dich an einem der intensivsten Tage deines Lebens.
Lies andere Arikel der Autorin: