Ein altes Wissen kehrt zurück: die Doula
Bis weit ins vorige Jahrhundert kamen Kinder zu Hause zur Welt, und eine Frau war dabei nie
allein. Schon in der Schwangerschaft half die Nachbarin.
Wenn die Wehen losgingen, wussten alle Bescheid. Die Hebamme wurde geholt, dazu kamen
die Frauen aus der Nachbarschaft: Eine kochte, eine kümmerte sich um die größeren Kinder,
eine hielt die Hand und sagte: „Das kennen wir. Du schaffst das.
“ Auch im Wochenbett wurde
die Mutter versorgt, wochenlang.
Diese Frauen hatten keinen Titel. Sie waren einfach da. Heute gibt es das kaum noch. Aber es
gibt einen Namen dafür: Doula.
Mit dem Umzug der Geburt in die Klinik wurde die Versorgung immer besser. Mutter und Kind
sind heute so sicher wie nie, dafür bin ich als Hebamme dankbar. Aber aus dem Dorf wurde ein
Raum mit Fachpersonal und meist einer Begleitperson. Hebammen betreuen oft mehrere
Frauen gleichzeitig, und viele Partner stehen zum ersten Mal in einem Kreißsaal.
Die Geburt wurde sicherer. Aber einsamer.
Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration zeigt, was eine durchgehende
Begleitung bewirkt: seltener Kaiserschnitte, seltener Schmerzmittel, und die Frauen erleben ihre
Geburt häufiger als positiv.
Das hat mich nicht überrascht. Wer sich gehalten fühlt, kann loslassen. Und genau das braucht
eine Geburt.
Eine Doula begleitet dich über die ganze Strecke: vom Kinderwunsch über Schwangerschaft
und Geburt bis ins erste Babyjahr. Sie nimmt sich Zeit für die mentale Vorbereitung auf die
Geburt und auf das Muttersein. Sie ist deine Ansprechpartnerin für die Fragen, für die sonst
niemand Zeit hat. Sie bringt Ruhe mit und einen Plan und begleitet euch durch diesen
Meilenstein, wenn aus einer Frau eine Mutter wird und aus einem Paar eine Familie.
Und weil nicht jede Frage in ihren Bereich gehört, hat sie ein großes Netzwerk: Stillberaterin,
Trageberaterin, Osteopathin.
Die Hebamme hat den Fokus auf der medizinischen Sicherheit, sie untersucht, überwacht und
leitet die Geburt fachlich. Die Doula arbeitet nicht medizinisch, sie begleitet dein Erleben.
Am schönsten wird es, wenn beide zusammenarbeiten. Was die Hebamme empfiehlt, setzt die
Doula in Ruhe mit dir um, in der Vorbereitung wie im Wochenbett. Und wenn die
Hebammenbetreuung endet, bleibt die Doula da, mit Angeboten fürs erste Jahr. Ein bisschen
wie eine beste Freundin, nur mit Fachwissen.
Von kritisch beäugt zu herzlich willkommen
In den USA gehört die Doula seit Jahrzehnten dazu. In Deutschland wurden Doulas im
Kreißsaal lange kritisch beäugt. Heute ist das anders. Und bei Schwangeren wächst das
Bewusstsein, dass sie sich Unterstützung holen dürfen. Nicht aus Schwäche, sondern aus
Verantwortung für sich und ihr Kind.
Seit über 30 Jahren bin ich Hebamme, seit vier Jahren bilde ich Doulas aus. Mir ist wichtig, dass
sie fundiertes Wissen mitbringen und die Klinikabläufe kennen. So werden sie zur Brücke.
Das Dorf kommt also zurück. Nur heißt es heute anders.
Gut zu wissen: „Doula“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Frag ruhig nach, wo deine
Doula ausgebildet wurde. Die Kosten trägst du meist selbst.
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