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Nie mehr allein gebären: warum Doulas wiederkommen

Früher war eine Gebärende nie allein: Nachbarinnen kochten, hielten die Hand, versorgten das Wochenbett. Heute ist die Geburt sicherer, aber einsamer. Eine Hebamme mit über 30 Jahren Erfahrung erklärt, warum Doulas dieses Dorf zurückbringen, was die Forschung zeigt und wie Hebamme und Doula zusammenarbeiten.

In diesem Artikel:

Ein altes Wissen kehrt zurück: die Doula

 

Bis weit ins vorige Jahrhundert kamen Kinder zu Hause zur Welt, und eine Frau war dabei nie

allein. Schon in der Schwangerschaft half die Nachbarin.

Wenn die Wehen losgingen, wussten alle Bescheid. Die Hebamme wurde geholt, dazu kamen

die Frauen aus der Nachbarschaft: Eine kochte, eine kümmerte sich um die größeren Kinder,

eine hielt die Hand und sagte: „Das kennen wir. Du schaffst das.

“ Auch im Wochenbett wurde

die Mutter versorgt, wochenlang.

Diese Frauen hatten keinen Titel. Sie waren einfach da. Heute gibt es das kaum noch. Aber es

gibt einen Namen dafür: Doula.

 

Das Dorf, das verloren ging

 

Mit dem Umzug der Geburt in die Klinik wurde die Versorgung immer besser. Mutter und Kind

sind heute so sicher wie nie, dafür bin ich als Hebamme dankbar. Aber aus dem Dorf wurde ein

Raum mit Fachpersonal und meist einer Begleitperson. Hebammen betreuen oft mehrere

Frauen gleichzeitig, und viele Partner stehen zum ersten Mal in einem Kreißsaal.

Die Geburt wurde sicherer. Aber einsamer.

 

Was die Forschung zeigt

Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration zeigt, was eine durchgehende

Begleitung bewirkt: seltener Kaiserschnitte, seltener Schmerzmittel, und die Frauen erleben ihre

Geburt häufiger als positiv.

Das hat mich nicht überrascht. Wer sich gehalten fühlt, kann loslassen. Und genau das braucht

eine Geburt.

 

Was macht eine Doula konkret?

 

Eine Doula begleitet dich über die ganze Strecke: vom Kinderwunsch über Schwangerschaft

und Geburt bis ins erste Babyjahr. Sie nimmt sich Zeit für die mentale Vorbereitung auf die

Geburt und auf das Muttersein. Sie ist deine Ansprechpartnerin für die Fragen, für die sonst

niemand Zeit hat. Sie bringt Ruhe mit und einen Plan und begleitet euch durch diesen

Meilenstein, wenn aus einer Frau eine Mutter wird und aus einem Paar eine Familie.

Und weil nicht jede Frage in ihren Bereich gehört, hat sie ein großes Netzwerk: Stillberaterin,

Trageberaterin, Osteopathin.

 

Und die Hebamme?

Die Hebamme hat den Fokus auf der medizinischen Sicherheit, sie untersucht, überwacht und

leitet die Geburt fachlich. Die Doula arbeitet nicht medizinisch, sie begleitet dein Erleben.

Am schönsten wird es, wenn beide zusammenarbeiten. Was die Hebamme empfiehlt, setzt die

Doula in Ruhe mit dir um, in der Vorbereitung wie im Wochenbett. Und wenn die

Hebammenbetreuung endet, bleibt die Doula da, mit Angeboten fürs erste Jahr. Ein bisschen

wie eine beste Freundin, nur mit Fachwissen.

 

Von kritisch beäugt zu herzlich willkommen

In den USA gehört die Doula seit Jahrzehnten dazu. In Deutschland wurden Doulas im

Kreißsaal lange kritisch beäugt. Heute ist das anders. Und bei Schwangeren wächst das

Bewusstsein, dass sie sich Unterstützung holen dürfen. Nicht aus Schwäche, sondern aus

Verantwortung für sich und ihr Kind.

Seit über 30 Jahren bin ich Hebamme, seit vier Jahren bilde ich Doulas aus. Mir ist wichtig, dass

sie fundiertes Wissen mitbringen und die Klinikabläufe kennen. So werden sie zur Brücke.

Das Dorf kommt also zurück. Nur heißt es heute anders.

Gut zu wissen: „Doula“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Frag ruhig nach, wo deine

Doula ausgebildet wurde. Die Kosten trägst du meist selbst.

 

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