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Mit Biss durchs Leben - 7 Mythen auf den Zahn gefühlt

Gesunde Zähne von Anfang an: Das wünschen sich Eltern für ihre Kinder, und trotzdem ist die richtige Pflege keine Selbstverständlichkeit, auch weil sich einige Mythen hartnäckig halten. Anlässlich des Tags der Zahngesundheit am 25. September 2017 mit dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Gemeinsam für starke Milchzähne“, fragen wir Prof. Dr. Christian Splieth, was an den folgenden Milchzahn-Mythen dran ist.

In diesem Artikel:

Unser Experte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Christian Splieth, Jg. 1964, Leiter der Abteilung für Zahnmedizinische Prävention und Kinderzahnheilkunde an der Universität Greifswald. Von 2013 bis 2015 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde.

Mythos 1: Milchzähne muss man nicht gründlich putzen, die fallen ja sowieso aus

Stimmt nicht! Leider denken das viele Eltern. Tatsächlich ist es so, dass Karies an den Milchzähnen meist Karies an den bleibenden Zähnen bedeutet. Auch auf die Stellung der bleibenden Zähne üben die Milchzähne einen erheblichen Einfluss aus: Muss ein Milchbackenzahn wegen Karies früh gezogen werden, verrutschen die bleibenden Zähne, weil der Platzhalter fehlt. Diese Fehlstellung muss dann aufwendig vom Kieferorthopäden behandelt werden. Daher sollten Eltern die Pflege der Milchzähne von Anfang an ernst nehmen. Das heißt, vom ersten Zahn an täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.

Mythos 2: Kindergartenkinder können selbst die Zähne putzen

Nein! Kinder zwischen ein und acht Jahren können sich noch nicht selbstständig die Zähne putzen, und sie müssen es auch noch nicht können. Klar, mit der Zeit will der Nachwuchs immer mehr alleine machen, aber Mama und Papa sollten sich die Zeit nehmen, die Zähne gründlich nachzuputzen. Gerade während des Wechsels zwischen Milchzähnen und bleibenden Zähnen ist die Zahnpflege besonders wichtig. Ein konkretes Alter, in dem die Kinder ihre Zähne selbstständig gründlich putzen können, lässt sich daher nicht so einfach festlegen. Eltern sind gut beraten, so lange nachzuputzen, wie es das Kind braucht.

Mythos 3: Die Gene sind schuld an den schlechten Zähnen

Stimmt nicht! Das ist ein sehr verbreiteter Mythos, doch leider ist er zu 90 Prozent falsch. Genetik wird in punkto Zahngesundheit leider zu oft als Ausrede verwendet! Was stimmt: Zahnform und Zahnstellung werden vererbt. Jedoch bestimmt unser Verhalten, wie gesund unsere Zähne sind: Isst man viel Süßes? Putzt man regelmäßig und gründlich die Zähne? Nutzt man Fluoride ausreichend? Wie oft besucht man den Zahnarzt? Gesunde Zähne hängen also viel stärker von unserem Verhalten ab als von der Genetik.

Ist KARIES ANSTECKEND?

Was tun, wenn der Schnuller auf der Erde landet? Abkochen, abwaschen oder im Notfall ablutschen? Schwedische Forscher haben in einer Studie an 184 Babys herausgefunden, dass es kein Problem ist, wenn Eltern gelegentlich den Schnuller des Nachwuchses ablecken. Im Gegenteil, es könnte sogar das Allergierisiko der Babys minimieren, weil es das Immunsystem der Kleinen trainiert. Lies hier mehr zu dem Thema.

Mythos 4: Sofort nach dem Essen die Zähne putzen

Weder ganz richtig noch ganz falsch! Eine gute Mundhygiene gelingt durch gründliches Putzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme, nicht durch ständiges Putzen nach jeder kleinen Mahlzeit. Ein Tipp für alle Naschkatzen: Der Satz „Teil es dir gut ein!“ ist fatal für die Mundgesundheit. Denn: Süßigkeiten sollten, wenn überhaupt, eher als Nachtisch bei den Hauptmahlzeiten gegessen werden und nicht als Snack zwischendurch. Meine Empfehlung: Zweimal täglich gründlich die Zähne putzen, vor allem vor dem Zubettgehen.

 

Mythos 5: Fluoride bringen nichts, sie sind sogar schädlich

Absolut falsch! Fluoride in der Zahnpasta wirken besonders in den Zahnzwischenräumen, also dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Im Gegensatz zu Fluorid-Tabletten kann fluoridhaltige Zahnpasta direkt vor Ort – also am Zahn – wirken. Die deutsche Empfehlung für Kinderzahnpasta ist  ein Fluoridgehalt von 500 ppm, die europäische sogar 1000 ppm ab zwei Jahren. Fluoride sind das A und O in der Kariesprophylaxe.

kidsgo Tipps: 

Mythos 6: Die erste Kontrolluntersuchung hat doch Zeit

Nein! Denn das oberste Ziel von Zahnärzten ist es, zusammen mit den Eltern die Zähne ihrer Kinder gesund zu halten und nicht Erkrankungen zu therapieren. Muss beim ersten Zahnarztbesuch gebohrt werden, entwickelt das Kind oft Angst vor dem Zahnarzt.

Eine für Kind, Eltern und Zahnarzt unangenehme Situation, die vermieden werden kann. Wer clever ist, besucht den Zahnarzt ab dem ersten Zahn.

Mythos 7: Aus dem Fläschchen trinken schadet nicht

Das kommt darauf an. Das ist dann richtig, wenn aus der Flasche Wasser getrunken wird. Das Problem sind zuckerhaltige Getränke wie Saft oder gesüßter Tee, aber auch Saftschorlen und Wasser „mit Geschmack“. Liegt die Flasche nachts im Bett, können die Kinder jederzeit zur Flasche mit dem süßen Getränk greifen und daran nuckeln. Das dauerhafte Umspülen der Zähne mit Zucker bildet so den perfekten Nährboden für Kariesbakterien. Also: Finger weg von gesüßten Getränken im Kinderbett, Wasser ist der beste und zahngesündeste Durstlöscher!


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