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U6 Untersuchung beim Baby: Sechste Vorsorgeuntersuchung

Die U6 im Alter von 10 bis 12 Monaten ist die sechste Vorsorgeuntersuchung beim Kind. Wie schon bei früheren U-Untersuchungen stehen Beweglichkeit, das Seh- und das Hörvermögen im Vordergrund. Neu seit 2020 ist die Pflicht einer Impfung gegen Masern. Dein Kinderarzt wird dich dazu beraten.

In diesem Artikel:

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Was ist die U6?

Die U 6 ist eine der sogenannten U-Untersuchungen, eine von zehn Vorsorgeuntersuchungen für Kinder von der Geburt bis zum 6. Lebensjahr. Jede Vorsorgeuntersuchung – ob beim Baby, Kleinkind und später bei Jugendlichen – dient dazu, unentdeckte Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen zu diagnostizieren. Das Kind wird geimpft, zur Vorbeugung von Kinderkrankheiten – so auch bei der U6-Untersuchung.

Die Us nehmen etwas mehr Zeit in Anspruch als ein normaler Arzttermin, deshalb ist es wichtig, einen passenden Termin zu vereinbaren. Es gibt die Untersuchungen U1 bis U9, durch die hinzugekommene U7a sind es insgesamt zehn. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die U 6 des Babys.

U6: Wann findet sie statt?

Die U6-Untersuchung ist im Altern von zehn bis zwölf Monaten vorgesehen. In diesem Zeitraum sind die Eltern frei, einen passenden Termin in der Kinder- und Jugendarztpraxis zu vereinbaren. 

Durch die aktuelle Corona-Situation gilt für die U-Untersuchungen U6 bis U9 bis Ende September eine Ausnahmeregelung: Die U-untersuchungen können wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus (Covid-19) verschoben werden. Berate dich mit deiner Kind- und Jugendarztpraxis, ob sie eine Verschiebung für ratsam hält.

U6 auf einen Blick

  • Körperliche Entwicklung (Krabbeln, Hochziehen, erste Schritte)
  • Sprachentwicklung
  • Seh- und Hörvermögen
  • Verhalten
  • Überprüfung des Impfstatus/ ggf. Impfung

U6: Was wird gemacht?

Wie bei jeder U-Untersuchung wiegt der Arzt auch bei der U 6 das Kind, misst die Größe und hört das Herz, die Lungen sowie den Darm ab. Bei Jungen wird zu diesem Zeitpunkt auch der Hoden untersucht, um einen sogenannten Hodenhochstand auszuschließen. Ziel der U6-Untersuchung ist es, die Entwicklung vom Baby bis zum Kleinkind zu beurteilen. In dieser Lebensphase kommt es zu schnellen Fortschritten bei der Entwicklung: Krabbeln oder robben, hochziehen. Aufstehen – der erste Schritt ist nicht mehr weit. Wie schon bei vorangegangenen U-Untersuchungen beim Baby überprüft der Kinder- und Jugendarzt oder die -ärztin jetzt beim Kleinkind die Beweglichkeit, Geschicklichkeit und die Koordination. Kann es schon mit ausgestreckten Beinen sitzen und hat die Hände zum Spiele frei? Greift es zielgerichtet auch kleinste Gegenstände, wie sind die Reflexe beim Fallen? Reagiert das Kleinkind altersgemäß auf akustische und optische Reize?

U6: Was wird Untersucht? – Auszug aus dem Kinderuntersuchungsheft

"Ihr Kind ist jetzt fast ein Jahr alt. Es kann wahrscheinlich schon robben oder krabbeln und sich an Möbeln in den Stand hochziehen. Mit Unterstützung geht es möglicherweise sogar schon ein paar Schritte. Ihr Kind wird fingerfertiger, so dass es mit etwas Hilfe auch schon aus einem Becher trinken kann. Die meisten Kinder ahmen in diesem Alter Laute nach und können Doppelsilben wie „da-da“ bilden. Wenn Sie Ihr Kind dazu auffordern, reicht es Ihnen vielleicht schon einen Gegenstand.

Die Ärztin oder der Arzt achtet bei der U6 wieder besonders auf Entwicklungsauffälligkeiten. Ihr Kind wird körperlich untersucht. Zum Erkennen von Sehstörungen werden Untersuchungen der Augen durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt schaut, wie beweglich Ihr Kind ist und wie es seinen Körper beherrscht. Außerdem interessiert sich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt für den Kontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie zu den laut Impfkalender empfohlenen Schutzimpfungen.

Die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen Themen wie die Ernährung Ihres Kindes und Maßnahmen zur Unfallverhütung. Die Förderung der Sprachentwicklung sind weitere Themen, ebenso die Rachitisprophylaxe mittels Vitamin D und Kariesprophylaxe mittels Fluorid. Sie erhalten von der Ärztin oder dem Arzt Hinweise zur kindlichen Mundhygiene. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt informiert Sie über das Angebot einer zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung für Ihr Kind.

Sie erhalten Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z. B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)."

(Quelle: Auszug aus dem Gelben Kinderuntersuchungsheft, Gemeinsamer Bundesausschuss, Stand November 2019)

U6: Impfungen

Im Alter zwischen elf und 14 Monaten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor übertragbaren Infektionen. Die Grundimmunisierungen werden bei den U6-Impfungen weitergeführt: Wundstarrkrampf (Tetanus), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), einen Grippevirus (Haemophilus influenzae Typ b), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hepatitis B und Pneumokokken. Erstmalig kommen neue Impfungen hinzu, die vor einer Ansteckung mit Masern, Mumps, Röteln, Windpocken (Varizellen) und – ab zwölf Monaten – gegen Meningokokken C schützen.

Eine wichtige Neuerung betrifft die Masern-Impfung: In allen Bundesländern gilt seit dem 1. März 2020 eine Masern-Impfpflicht. Eltern müssen den geforderten Impfstatus nachweisen, wenn der kleine Sohn oder die Tochter in die Kita gehen oder von einer Tagesmutter betreut werden soll. Später gilt das ebenfalls für den Schulbesuch. Vermerkt wird die Impfung im Impfpass.

U6-Untersuchung: Mögliche Probleme ansprechen

Bei der U 6 kannst du alle Sorgen loswerden, die dich plagen. Ob Schlaf, Verhalten, Sprechen – die Kinderarztpraxis ist der richtige Ort dafür. Mit etwa einem Jahr sind viele Kleinkinder bereits in einer Betreuung und stehen kurz vor der Eingewöhnung in die Kita. Manchen fällt die Trennung von Mama und Papa schwerer als anderen. Vielleicht plappert das gleichaltrige Kind deiner Freundin schon munter drauf los, dein eigenes spricht aber kaum eine Silbe? Auch das kann ein Thema bei der U 6 sein.

Wie berät der Kinderarzt bei der U6-Untersuchung?

Bei der U 6 werden Ernährung, Mundhygiene und Zahngesundheit besprochen. Der Arzt oder die Ärztin empfiehlt weiterhin die Gabe von Vitamin D und Fluorid. Zunehmend mobiler und auch neugieriger ist dein Kind inzwischen, deshalb klärt dich der Mediziner über mögliche Risiken und Fallen im Haushalt auf. Das können Steckdosen, Kochplatten, aber auch Reinigungsmittel oder Medikamente sein. Auch zur Sprachförderung wird dein Arzt dich bei der U6 beraten, zum Beispiel, woran dein Baby jetzt Freude hat: Fingerspiele, kleine Vorlesegeschichten, Singspiele.

U6-Untersuchung: Kosten

Von der Geburt bis zum 6. Lebensjahr sind bisher zehn Vorsorgeuntersuchungen kostenlos, dazu gehört auch die U6. Diese Vorsorgeuntersuchung soll im Zeitraum vom 10. bis 12. Monaten erfolgen. Sie kann aber – wegen des Coronavirus – auch später nachgeholt werden.

U6: Was muss mein Kind können?

Wachstumsschübe

Was muss mein Kind können? Die Entwicklung pro Baby-Schub liest du hier

Dein Kind sollte mit etwa einem Jahr schon frei sitzen können. Wahrscheinlich zieht es sich seit kurzem an Stühlen oder am Sofa hoch in den Stand oder tastet sich an Möbeln entlang. Wenn du es an den Händen festhältst, geht es ein paar Schritte. Im Greifen ist dein Schatz jetzt noch geschickter. Kleine Dinge, zum Beispiel Krümel, kann er zwischen Daumen und Zeigefinger fassen – das nennen die Experten den „Pinzettengriff“. Auch geistige und sprachliche Entwicklung werden beurteilt, etwa ob dein Kind Silbenketten wie „ma-ma“, „da-da-da“ bilden kann und Laute nachahmt

Experte

Dr. Annette LingenauberDr. Annette Lingenauber ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologin, und Pressesprecherin des BVKJ.

U6: Das sagt die Kinderärztin

Frau Dr. Lingenauber, was ist aus Ihrer Sicht als Kinderärztin besonders wichtig bei der U6?

Dr. Annette Lingenauber: Bei der U 6 stehen folgende Untersuchungen an: Erfassung des Gedeihens, Ernährungsanamnese, Kariesprophylaxe, Sehtestung, besonders, wenn die Eltern oder Geschwister Fehlsichtigkeiten aufweisen, Beobachtung der Eltern-Kind-Interaktion, Verhalten des Kindes, Übergang in die Kitabetreuung, Beratung zu gehäuften, meist viralen Infekten, Kontrolle des Impfstatus und Fortsetzung, insbesondere die Masern-Mumps-Rötel-Varizellenimpfung.

Krabbeln, Hochziehen, erste Schritte - was raten Sie Eltern, wenn ihr Kind diese Bewegungen noch nicht ausführt?

Krabbeln kann übersprungen werden, meist ist dann eine andere Art Fortbewegung (Robben, Rutschen auf dem Gesäß oder Rollen) vorhanden. Wichtig ist auch, z.B. bei frühgeborenen Kindern, das korrigierte Alter zu erfassen, um zu sehen, welche Entwicklungsschritte zu erwarten sind. Fehlt bei einem 10 Monate alten Kind jede Art einer Fortbewegung, suchen wir nach Muskel oder Nervenerkrankungen, meist fallen diese ausgeprägten Bewegungsstörungen aber bereits früher auf. Wichtig ist auch, die Spiel und Bewegungsangebote zu erfassen, Eltern hierzu zu beraten und ggf. eine Förderung über Krankengymnastik oder Frühförderung einzuleiten. Seltener sind ausgeprägte Fehlernährungen und Mangelsituationen die Ursache einer verzögerten motorischen Entwicklung.

Unsere Tagebuchschreiberin Antje zur U6

Das sagt unsere Tagebuch-Autorin Antje zur U6:

"Heute war die U6. Die Praxis war rappeldicke voll. Ganz viele Eltern mit hustenden und schniefenden Kindern an der Hand. Johann kam gleich dran. Er machte bei allen Untersuchungen bereitwillig und sehr interessiert mit. Alles im grünen Bereich. Extreme motorische Unruhe wurde ihm nicht mehr attestiert. Gewicht und Größe sind weiterhin im mittleren Bereich. Ich musste schon grinsen. Johanns Schwester war zu mit einem Jahr ungefähr gleich groß, aber ganze zwei Kilogramm schwerer. Kampfgewicht und Leichtgewicht. Dabei sind beide super gute Esser. Ich frage mich manchmal, wo Johann all die Kalorien lässt. Über das Impfen haben wir auch wieder gesprochen. Das Thema wird so kontrovers und emotional diskutiert. Je mehr Literatur ich dazu wälze, umso unsicherer werde ich. Mein Kinderarzt und ich sind uns jedenfalls einig, dass Johann eine recht robuste Immunabwehr hat. Alle Infekte in seinem ersten Lebensjahr, größtenteils durch seine Schwester aus der Kita eingeschleppt oder beim Baby-Sport reihum verteilt, hat er super gut und schnell überstanden. Ich sage jetzt erstmal JA zu anstehenden Kinderkrankheiten. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Wir werden weitersehen."